In den Sozialen Medien bildet sich gerade eine schräge Allianz. Linksideologen und selbsternannte Liberale verteidigen gemeinsam die Leihmutterschaft. Diese Koalition der Materialisten sieht gar nicht, wie frauenfeindlich sie ist.
picture alliance / Zoonar | Elena Shishkina
Stellen wir uns nur für einen Moment einen deutschen Politiker vor, der nach Afghanistan fliegt und dort ein elfjähriges Mädchen heiratet. Dann kommt er zurück und erklärt, das sei doch völlig in Ordnung. In Deutschland ist Kinderehe zwar verboten, aber in Afghanistan ist sie erlaubt. Alles bestens also.
Das Flugticket als Persilschein.
Allianz für Menschenhandel
Die Leihmutterschaft bringt eine bemerkenswerte Koalition hervor.
Auf der einen Seite stehen Linksideologen, die jeden Vorgang, der mit dem Körper einer Frau zusammenhängt, automatisch und apodiktisch zum unantastbaren Objekt der weiblichen „Selbstbestimmung“ erklären. Auf der anderen Seite stehen selbsternannte Liberale, die jede menschliche Beziehung ausschließlich als ökonomische Transaktion verstehen.
Die einen rufen „Autonomie“, die anderen rufen „Vertragsfreiheit“, und beide treffen sich an der Kasse.
Auf der liberalen Seite stehen vor allem Männer, Rainer Zitelmann und Ali Utlu zum Beispiel. Außerdem sind da die direkt Betroffenen: Jens Spahn, der CDU-Bundestagsabgeordnete Hendrik Streeck und der Medienanwalt Ralf Höcker. Letzterer hat sich zusammen mit seinem Mann ebenfalls in den USA drei Kinder von Leihmüttern besorgt. Er verteidigt sich nun: Bezahlt worden seien nur medizinische, juristische und organisatorische Leistungen, nicht die Kinder.
Das ist, bei allem Respekt, ein leider doch sehr billiges Pseudo-Argument, hinter dem sich nur ein Jurist verstecken kann.
Das ist noch nicht ganz ein einklagbares Menschenrecht auf ein Kind – aber ganz dicht davor.
Aussagenlogisch führt der Gedanke dieser Dame – und auch ihres Juristen-Kollegen Höcker – fast auf geradem Weg zu einem im Zweifel technisch durchzusetzenden Recht auf Reproduktion. Wo der Kinderwunsch als rechtlich geschützter Anspruch gilt und die Medizin entsprechende Wege eröffnet, ist jede gesetzliche Grenze irgendwann nur noch eine Diskriminierung.
Dieser Gedanke ist in jeder Hinsicht fundamental falsch.
Der unsichtbare Dritte
Denn ein Kind ist eben nicht nur eine physische Verlängerung der Frau. Ein Kind ist eben nicht nur sozusagen ein außerkörperliches Organ der Mutter, über das die Frau die alleinige Entscheidungsgewalt besitzt.
Ein Kind ist ein Mensch mit eigenem Recht.
Höcker schreibt ausdrücklich, ein Kind gehöre niemandem. Das stimmt. Aber seine ganze sonstige Argumentation räumt diese Erkenntnis dann einfach ab. Zuerst kommt die Autonomie der Leihmutter, dann kommt der Wunsch der Bestelleltern. Dann kommen die Agentur, der Vertrag und die Klinik.
Aber ein Kind ist nicht einfach ein Projekt von Erwachsenen. Ein Kind ist keine Therapie gegen Kinderlosigkeit, kein Identitätsbaustein und kein Beweis gesellschaftlicher Gleichstellung. Selbst die Autonomie der leiblichen Mutter endet dort, wo ein anderer Mensch zum Mittel wird.
Ein Kind hat Rechte gegenüber seinen Eltern. Erwachsene dagegen haben kein Recht auf ein Kind.
Ein Kind hat – soweit möglich – das Recht, seine Eltern zu kennen und von ihnen betreut zu werden. So steht es zum Beispiel in der UN-Kinderrechtskonvention. Es gibt keinen spiegelbildlichen Anspruch von Erwachsenen auf Lieferung eines Kindes. Ethisch sowieso nicht, aber noch nicht einmal juristisch.
Kinderlosigkeit kann tiefes Leid verursachen. Doch das Leid eines Menschen erzeugt keinen Verfügungsanspruch über den Körper eines anderen Menschen. Auch die Medizin schuldet uns nicht alles, was ihr technisch möglich ist.
Adoption zeigt den Unterschied. Dort sucht der Staat Ersatzeltern für ein bereits geborenes Kind. Bei der Leihmutterschaft dagegen suchen Erwachsene eine Frau, damit ein bestelltes Kind für sie entsteht. Die Blickrichtung kehrt sich um: vom Bedürfnis des Kindes zum Bedürfnis der Erwachsenen.
Der Preis macht die Ware
Die Verteidiger der kommerziellen Leihmutterschaft betonen, niemand bezahle für ein Baby. Bezahlt würden Klinik, Medikamente, Anwälte, Versicherung, Agentur und die „Arbeit“ der Schwangeren.
Geld fließt, damit ein Mensch entsteht und nach der Geburt den Geldgebern übergeben wird. Da können Höcker und alle Juristen dieser Welt noch so viel herummäandern:
Auch wenn der Vertrag formal andere Leistungen abdeckt, bleibt sein wirtschaftlicher Mittelpunkt doch immer das Kind.
Die Frau als Produktionsmittel
Leihmutterschaft entwertet nicht nur das Kind, sondern auch die Frauen. Es ist bemerkenswert, dass ausgerechnet Linksideologen wie Frau Brosius-Gersdorf das nicht sehen.
Die moderne Ideologie, bei Linken wie Liberalen, zerlegt heute die Frau wie einst Henry Ford die Autoproduktion am Fließband.
Es gibt Sexarbeiterinnen, Gebärarbeiterinnen, Betreuungsarbeiterinnen, Hausarbeiterinnen, Erwerbsarbeiterinnen. Aus der Frau, dem Menschen, wird ein Bündel separat buchbarer Dienstleistungen. Fehlgeleitete Geister feiern diese Zerstückelung als Wahlfreiheit oder Selbstbestimmung. Doch wo der Körper nicht mehr ist als eine Produktionsstätte und die Fruchtbarkeit nur eine geldwerte Ressource, da ist emotionale Bindung ein Störfaktor. Am Ende verschwindet die Frau als Mensch.
Übrig bleibt ein Glied in einer Lieferkette.
Marxistische Grammatik
Karl Marx hat einst die Verwandlung von menschlichen Beziehungen in Warenbeziehungen beschrieben. Die heutige Leihmutterschaftsallianz aus Linksideologen und Liberalen folgt exakt dieser Grammatik.
Der Mensch ist nur noch Teilnehmer am Produktionsprozess. Der weibliche Körper ist nur noch Produktionsmittel. Schwangerschaft ist nur noch Arbeit. Das Kind ist nur noch das Ergebnis einer merkantilen Transaktion. Kritik entsteht nur durch technische Organisationsmängel. Probleme können durch einen besseren Vertrag erledigt werden.
Das ist ein materialistisches Menschenbild aus der Hölle.
Linksideologen wie Liberale gleichermaßen misstrauen Bindungen, die sich nicht bepreisen lassen. Beide verwechseln Freiheit mit Verfügbarkeit. Beide sehen im technisch Machbaren bereits einen Auftrag. Doch der Körper einer Frau ist keine Infrastruktur, Schwangerschaft ist kein Produktionsprozess, ein Kind ist kein Produkt.
Und erst recht kein Anspruchsgegenstand.
Das gilt nicht nur für homosexuelle Paare mit Kinderwunsch. Das gilt immer. Und ja: Das stellt die ganze Reproduktionsmedizin in Frage.
Im Oktober 2025 recherchierte Tichys Einblick auf der Messe „Wish for a baby“ in Köln, auf der widerrechtlich für Leihmutterschaft geworben wird. Lesen Sie mehr zum Thema hier:










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Es gab im alten Europa den Brauch, Kinder in „Foster care“ zu geben, also bei anderen Familien, wie beispielsweise Verbündeten, Freunden, Bekannten, aber auch in anderen Staaten aufwachsen zu lassen. Dies ermöglichte Allianzen und spezielle Ausbildungen und konnte auch den Charakter von Geiseln annehmen, um Angriffe aus dem Hinterhalt unattraktiv zu machen. Im keltischen Umfelt wurde den biologischen Eltern ein Betrag (oft in Vieheinheiten) für das Kind gezahlt. In den germanischen Kulturen war dieser Brauch eher im Umfeld der Adeligen zu suchen. Dies sollte ein belastbares soziales Umfeld für gleichrangige Kinder ermöglichen und Beziehungen festigen. Erst ab dem 13. Jahrhundert… Mehr
Die Leihmütter, egal ob in der Ukraine, in Indien oder den USA, sind immer ärmliche Unterschicht. Für die gilt kein Mitgefühl und keine Gnade vom pseudo-feministischen Kommentariat, einschließlich Frau Brosius-Gersdorf. Die Besteller, sind immer mehr oder weniger gut situierte Mittel- bis Oberschicht. Es ist ganz schlicht Klassenbewußtsein. Den Gutsituierten wird auch ein höheres Maß an Egoismus zugestanden. Wenn jemand homosexuell ist und mit seinem Partner/Partnerin biologisch kein Kind in die Welt setzen kann, dann ist der behauptete “ Kinderwunsch“, und das Verlangen nach unbegrenztem Ausschöpfen der medizinisch-technischen Möglichkeiten der modernen Reproduktionsmedizin, nichts als eiskalter Egoismus.
Danke Herr Heiden. Ein ausgezeichneter Text.
Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Ein Elfjähriges Mädchen ist nicht geschäftsfähig und damit nicht rechtsfähig. Die Leihmutter hingegen schon.
Für viele kinderlose Paare ist die Leihmutterschaft ein besserer Weg als eine Adoption. Adoptionen dauern in D ewig, Bürokratie pur. Man sollte die Adoptionen entbürokatisieren und die Prozesse verschlanken. Dann würden Leihmutterschaften auch unattraktiver.
Ich finde ganz im Gegenteil, dass wir den Linken dankbar sein müssen: Einen klugen Menschen müsste man vermutlich foltern, damit er die tiefsten Abgründe seines Menschenbildes ausplaudert, Linke machen das aus Überheblichkeit. Vielen Dank dafür!
Wer wie der Verfasser dieser Zeilen den Großteil seines nahezu hundertjährigen Lebens mit verächtlichem Hochmut den christlichen Glauben verhöhnte, muß schmerzlich die gesellschaftlichen Defizite und Verwerfungen anerkennen, die mit der Abwendung vom christlichen Menschenbild einhergehen.
»Himmel und Hölle mögen Erfindungen der Pfaffen sein, doch die Verleugnung Jesus Christus führt ins Fegefeuer.« – Don Camillo (sinngemäß)
Was für ein „Zufall“, dass die enge innere Verbindung, von beiden Seiten natürlich heftig dementiert, zwischen Linken und Liberalen, eine von Entgrenzung und Materialismus geprägte, ausgerechnet bei der “ Leihmutterschaft“ offenkundig wird. Und damit zugleich auch der vordergründig seltsam wirkende Begriff des “ Linksliberalen“ ebenso wie der Beitrag der ( Neo) liberalen zur linken Dominanz ebenso wie zum neofeudalen Epsteinismus. Der vermeintliche Unterschied zwischen einem linken Kollektivismus und dem liberalen Individualismus entpuppt sich bei näherem Hinsehen als marginal. Die “ Begründungen“, im Kern samt und sonders transhumanistisch materiell, der Vertreter mögen differieren, sie führen aber seltsamerweise beide zum aktuellen Zeitgeist… Mehr
Wieder einmal die üblichen feministischen Narrative. Man kann eine Sache in Deutschland maximal kritisieren, glaubt man, wenn man sie als frauenfeindlich bezeichnet. Das ist Quatsch. Hier geht es in erster Linie um Kinder. Frauen verdienen 35 000 bis 70 000 Dollar an ihrer Leihmutterschaft, die Kinder interessieren sie nicht weiter. Und nein, sie werden nicht von bösen Männern auf Sklavenmärkten eingekauft und zur Leihmutterschaft gezwungen, vielmehr ist das ihre eigene Entscheidung. Nicht die Nachfrage allein ist das Übel, das Angebot ist es auch.
Woraus sollte sich ein Recht auf ein Kind herleiten? Irgendwer behauptet es gäbe so ein Recht, ich habe aber nie eine Begründung dafür gehört oder gelesen. „Recht auf ein Kind“ klingt etwa so absurd wie „Recht auf eine Luxusyacht“ … Steht das „Recht auf ein Kind“ im Grundgesetz oder unter den Menschenrechten? Da wird einfach eine Setzung vorgenommen, es gäbe solch ein „Recht auf ein Kind“, das wird in der Debatte aus dem Hut gezaubert als hätte es das immer gegeben und müsste nur irgendwie erfüllt werden. Übrigens war mir schon klar, dass die Linke sich jetzt für Leihmutterschaft stark… Mehr