Die CDU erlebt in Sachsen-Anhalt ein Wahldebakel. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nennt es einen „historischen Unfall“ und scherzt über die Aufteilung des Landes. Brandmauer-Kabarett mit unfreiwilliger Pointe.
Screenprint via X/@NiklasKorber
Wer kennt nicht den Freistaat Sachsen? Doch wer kennt schon Michael Kretschmer, obwohl er Ministerpräsident des mitteldeutschen Bundeslandes ist? Um in der Bundesrepublik mindestens so bekannt wie die Stadt Görlitz zu werden, macht Michael Kretschmer aus Görlitz, jetzt wohnhaft in Dresden, häufig und häufiger mit scheinkritischen Bemerkungen in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam, zumeist in der Öffentlichkeit der Zeitung WELT, die wohl letztens etwas mehr an Zeitungsexemplaren (87.830) verkaufte, als die Stadt Görlitz Einwohner (55.065) hat.
Einst wollte Michael Kretschmer, wenn man der Fama glauben darf, in der Bundespolitik aufsteigen, doch am Ende reichte seine Geschicklichkeit nur für die sächsische CDU, womit allerdings die Sachsen schlecht bedient waren. Denn es geht Michael Kretschmer im Konsultationskreis seiner linken und grünen Freunde und seiner Regierungsgesellen von der SPD wohl weniger darum, Politik für Sachsen zu machen, als vielmehr darum, nicht auch noch Landrat werden zu müssen, wo es zum Bundesminister nicht gereicht hat. Das Wirtschaftswachstum Sachsens lag 2025 bei minus 0,2 Prozent. So wie das Wirtschaftswachstum Sachsen-Anhalts im Jahr 2025 übrigens.„“
Was kann man noch werden, wenn es mit der politischen Karriere, sagen wir freundlich, nicht so recht vorangeht und eher das Gegenteil zu befürchten ist? Die Antwort ist einfach: Brandmauer-Kabarettist. Als Brandmauer-Kabarettist muss man nicht einmal komisch, lustig, witzig oder geistreich sein, sondern nur rotgrün gesinnungsstark.
Und genau darin reüssierte Michael Kretschmer am Abend der Sachsen-Anhalt-Wahl, am Abend des 6. September, nämlich als Brandmauer-Komiker in der Jubiläumsveranstaltung eines Dresdner Privattheaters. Auf das sich abzeichnende Wahldebakel für die CDU im gleichfalls mitteldeutschen Sachsen-Anhalt angesprochen, scherzte Kretschmer:
„Sachsen-Anhalt ist leider ein geschichtlicher Unfall. Wir hätten dieses Land vielleicht aufteilen sollen zwischen anderen. Dann wäre es anders gekommen.“
Aufteilen? Die SED-Linke hätte ihm wahrscheinlich geraten, in die Bezirke Magdeburg und Halle wie zu DDR-Zeiten. Seine SPD-Genossen hätten hingegen wohl vorgeschlagen, aufzuteilen zwischen Thüringen und Niedersachsen. In Thüringen wird der Verfassungsschutz unter dem Stiftungsratsmitglied der Amadeu Antonio Stiftung Kramer immer mehr zur politischen Polizei, und in Niedersachsen sammeln sie gerade rustikale Erfahrungen, wie man Wahlergebnisse wie in Sachsen-Anhalt von Anfang an, schon auf dem Wahlschein, verhindert, wenn auch erst auf kommunaler Ebene. Zumal der Niedersachse Pistorius die AfD verbieten will, weil er nach eigenem Geständnis keine Argumente gegen die AfD hat.
Dass Kretschmer im Kolonialherrendeutsch von „wir“ spricht, ist vielleicht auch nur eine verzeihliche Kompensation für die Jahre der Bedeutungslosigkeit.
Und was den geschichtlichen Unfall betrifft, fassen wir für Herrn Kretschmer kurz und kursorisch einmal zusammen: Die geschichtlichen Unfälle des Landes Sachsen-Anhalt heißen: Heinrich I., Otto der Große, Klopstock (als Erklärung für Herrn Kretschmer: bedeutender deutscher Dichter), Johann Joachim Winckelmann, Paul Gerhardt, Novalis, Martin Luther, Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann, Katharina die Große, Friedrich Nietzsche, Otto von Bismarck – alles geschichtliche Unfälle, wie auch der Magdeburger Dom und das Bauhaus.
Sicher werden seine Verteidiger jetzt aufspringen und beschwichtigen: Es war doch nur ein Scherz, zugegeben, ein verunglückter Scherz, aber eben nur ein Scherz.
Einverstanden, aber was die Menschen und ihr intellektuelles Format unterscheidet, ist: Beherrschen sie den Witz oder werden sie vom Witz beherrscht? Andererseits ist Michael Kretschmer ein Ausbund an Kollegialität, wenn er in Wahlkämpfen wie in Brandenburg schon mal dazu rät, statt des CDU-Kandidaten den Konkurrenten von der SPD zu wählen.
Verächtlich gegenüber seinem Parteikollegen Sven Schulze ist es schon, wenn Kretschmer über die Aufteilung Sachsen-Anhalts schwadroniert – und überheblich den Bürgern Sachsen-Anhalts gegenüber allemal.
Ein Unfall ist jedenfalls Michael Kretschmer nicht, zumindest kein geschichtlicher. Vielleicht nur ein verunglückter Witz als Ministerpräsident, wie man in der DDR sagte: ein erlaubter Witz.





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Gute Idee, Sachsen würde dann den südlichen Teil von Sachsen-Anhalt kriegen. Da hat die AFD satt über 50 Prozent. Da wäre er längst Geschichte, der Witzbold mit seiner rot tolerierten roten Minderheitsregierung.
Trägt der da eine Trainingsjacke? Was geht bloß in den Köpfen dieser CDUler vor sich. Na gut, er will nicht ernst genommen werden. Kann er ja auch nicht. Aus welchen Gründen sollte man denn? Geleistet hat er bislang nichts Erwähnenswertes. Aber ich bin sicher, das ist Veranlagung. Es fällt ihm alles eben ein bißchen schwerer als anderen Menschen. Humor, Politik – alles nicht so seine Stärken.
Über Herrn Kretschmer kann man als Bürger seit den Corona Maßnahmen alles wissen was man wissen muss. Daß er dennoch von sächsischen Bürgern gewählt wurde kann man durchaus als Unfall der Geschichte einordnen.
Wird man dem Herrn Kretschmer gerecht, lieber Herr Mai, wenn man sich den als eine Art Sachsen-Didi vorstellt? War nur eine Frage.
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Ich denke, wir sollten die CDU aufteilen – zwischen „Spezialdemokraten“ und AfD. Nicht lustig? Das werden wir ja noch sehen…
> Katharina die Große
Sie kam aus Stettin, wo ihr Vater einen Job als preußischer General hatte. Wie der Beiname sagt, ihre Regentschaft war kein „Unfall“ – es sei denn, aus der Russophobie-Perspektive. Unter anderen hat sie Neurussland eingenommen, um welche Gebiete gerade wieder Krieg geführt wird.
Kretschmer ist kein Brandmauer-Komiker, diese Kreatur ist ein Betriebsunfall im innerparteilichen Ränkezirkus und neben seinen „Berufskollegen“ das beste Beispiel dafür, das die Berufspolitik abgeschafft gehört. Die Parteien haben in den vergangenen 20 Jahren den Abschaum des Bodensatzes an die Oberfläche befördert – sowohl fachlich als auch menschlich.