410 Kilometer Atlantikküste, 2,4 Millionen Wähler und ein politikinteressierter 68-jähriger Aussteiger aus Österreich: Mit dem Versprechen, seinen Goldschatz im Wert von angeblich 36,2 Milliarden Euro für nötige Infrastrukturmaßnahmen im Bundesstaat Rio Grande do Norte zu verwenden, will der in Wien geborene Werner Rydl in Brasilien zum Senator gewählt werden.
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Der frühere Staatsfeind der Republik Österreich lebt für die in seiner Steuererklärung angegebenen Zahlen relativ bescheiden an der wunderschönen brasilianischen Küste: Werner Rydl, der bis in die 1990er Jahre mit einem großen Umsatzsteuer-Karussell („Steuer-Embargo“) das österreichische Finanzamt um hunderte Millionen Euro gebracht haben soll, floh 1991 nach Brasilien, um der Strafverfolgung zu entgehen. Er wurde 2005 in Brasilien verhaftet, 2009 nach Österreich ausgeliefert und zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Werner Rydl sieht sich selbst als „Steuerrebell“, der gegen ein korruptes System protestiert hat – er ist jetzt Unternehmer.
Im aktuellen Telefongespräch erzählt der gebürtige Wiener gern von seinem aktuell auch mit Social-Media-Videos beworbenen Wahlkampf, aber er muss vorab eine Frage beantworten, die wohl alle am meisten interessiert: 300 Tonnen Gold, das klingt doch nach einem schillernden Märchen – kann das stimmen? „Das steht so auch in meiner Steuererklärung für das brasilianische Finanzamt, ja. Und es gibt da auch noch einige Geldbeträge“, sagt der nach Südamerika ausgewanderte Österreicher. Gebunkert sei der gewaltige Goldschatz 90 Kilometer von der Küste Brasiliens entfernt, in Rydls „Seagarland“ auf Unterwasser-Plattformen.
Aktuell wäre Werner Rydls Goldbesitz 36,2 Milliarden Euro wert, er würde damit auf Platz 2 im Ranking der reichsten Österreicher kommen, also noch vor der Familie Porsche (33 Milliarden Euro) und gleich nach dem Red-Bull-Erben Mark Mateschitz (37 Milliarden Euro Vermögen).
Jetzt steht der Milliardär aus Österreich im Vorwahlkampf, in wenigen Wochen entscheidet dann die Parteispitze der Fraktion Novo, ob der Einwanderer tatsächlich für den Senat in Brasilia kandidieren darf. Es dürfte für Werner Rydl aber ganz gut aussehen, im Telefonat meinte der Unternehmer dazu: „Meine Idee ist, eine eigene Landesbank für Rio Grande do Norte zu gründen und meine 300 Tonnen Gold für dringend nötige Infrastrukturprojekte zu verwenden. Viele Häuser haben keinen Anschluss an die Kanalisation, keine Trinkwasserleitungen. Das kann sich dann ändern. Ich will den Menschen hier jetzt etwas zurückgeben.“
Die Frage, ob er rechts oder links sei, ist ihm fast zu europäisch trivial: „Ich habe mit einer Polarisierung nichts zu tun. Es gibt nur im Miteinander einen Fortschritt für alle. Ich weiß: Das ist in Deutschland und Österreich anders, da geht es den Politikern auch viel zu viel um Eitelkeiten.“ Geht Rydl dann tatsächlich in das Rennen um einen der beiden Senats-Posten, die nun vergeben werden, dann müsste er noch in wenigen Tagen die 167 Gemeinden von Rio Grande do Norte besuchen.
Angeblich auch für das Ibiza-Video bezahlt
Auch im Frühjahr 2019 sorgte der Auswanderer für Schlagzeilen: Wenige Tage, nachdem das bekannte Ibiza-Video veröffentlicht worden ist, das den damaligen FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache wenig vorteilhaft zeigte, meinte Werner Rydl, dass er auch diesen Video-Lauschangriff „etwas unabsichtlich“ finanziert hätte. Von Brasilien aus hätte er, so Rydl, den Auftrag an eine bekannte Wiener Anwaltskanzlei vergeben, unredlich arbeitende österreichische Politiker in sehr pikanten Situationen zu filmen, um dann ihre Rücktritte unvermeidbar zu machen. Dass die beiden Sub-Unternehmer dieser Anwaltskanzlei auch Strache ins Visier genommen haben, sei so nie gewollt gewesen, sagte Werner Rydl: „Ich habe den FPÖ-Chef geschätzt. Dass diese Video-Aktion gemacht worden ist, wollte ich nicht. Es ging eigentlich um ganz andere Politiker.“


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