Fritzes Sommerfrische

Der Bürger kann sich nicht in der Sommerfrische erholen von der Übergriffigkeit des Staats, von Wohlstandsvernichtung, vom Abstieg des Landes. „Wir schaffen das.“ Auch dieser unselige Spruch entstammt einer Sommerfrische-PK, gesprochen 2015 von Angela Merkel. Später wiederholt von Friedrich Merz. Geblieben sind Selbstgefälligkeit, Selbstüberschätzung, Schönfärberei.

Das aus den Tiefen der Bonner Republik stammende Ritual der Kanzlerauftritte vor der Bundespressekonferenz zu Beginn der parlamentarischen Sommerpause hat etwas Abgeschmacktes. Es wird so getan, als hätte der Regierende Sommerfrische auf dem Lande nötig. Sie riecht nach der Ausscheidung von Wiederkäuern. Die oberen Kragenknöpfe sind geöffnet, die Krawatten gelockert, Politiker und Journalisten fächeln sich gegenseitig Luft zu.

I.

(Fast) alle Medien spielen mit. Der Kanzler sei „gut gelaunt“, beginnt das ZDF seinen Bericht. Als käme es auf die Laune des Regierungschefs an. Es ist so eine Art gemeinsames Betriebsfest: Die privilegierten Damen und Herren Korrespondenten hängen am Mund des Kanzlers. Nähe zur Macht suggeriert dem Mitglied der Bundespressekonferenz Bedeutung, wo er doch nur als Sprachrohr benutzt wird. Nicht eine Frage, die den Kanzler überfordern könnte – oder auch nur sollte. Brav wird mitstenographiert, was der Kanzler behauptet: Die Koalition habe „Fuß gefasst“, habe „große Reformen beschlossen“, habe „geliefert“.

II.

Hat sie tatsächlich. In diesem Sommer hat der Kanzler zweifellos mehr zu bieten als vor einem Jahr. Die winzigen Brötchen auf dem Teller lassen sich nicht mehr übersehen. Je kleiner die Brötchen, desto größer die Phrasen. Immerhin ist der Kanzler „nicht völlig zufrieden, solange wir nicht besser dastehen.“ Er glänzt – aber nur vor Zufriedenheit mit seiner eigenen Leistung. Und die Korrespondentenschar strahlt mit – in stiller Übereinkunft, dass es doch um nichts Wichtigeres gehe, als um die Beruhigung der entmündigten Bürger vor den ach so gefährlichen Landtagswahlen im Herbst. „Ansporn“ seien ihm die verheerenden Umfragen, sagt Friedrich Merz. Na dann. Diese Zahlen sind in der Tat nicht entscheidend. Das einzige, woran er und seine Koalition gemessen werden sollten, sind die verheerenden Zahlen der Wirtschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit des Landes wird Merz mit mit Scheinreförmchen und Rekordverschuldung nicht wiederherstellen. Die Merz-Klingbeil-Bas-Koalition hat bis zu den großen Ferien durchgehalten, mehr aber auch nicht. Die Politikwende bleibt weiter aus.

III.

Der Bürger kann sich nicht in der Sommerfrische erholen von der wachsenden Übergriffigkeit des Staats, von Wohlstandsvernichtung, vom Abstieg des Landes. „Wir schaffen das.“ Auch dieser unselige Spruch entstammt einer Sommerfrische-PK, gesprochen 2015 von Angela Merkel. Später wiederholt von Friedrich Merz. Geblieben sind Selbstgefälligkeit, Selbstüberschätzung, Schönfärberei. Was hat Merz wirklich geschafft? Gemessen an seinen Sprüchen vor der Regierungsübernahme allzu wenig. Zu wenig ist mehr als nichts – damit soll sich der Bürger trösten. Die Regierung ist nach wie vor unfähig, die Lage zu sehen, wie sie ist. Die Messerstechereien im Stadtbild nehmen dramatisch zu, aber die Migrationspolitik ist angeblich auf bestem Wege. Der Staat erhöht nicht die Sicherheit, sondern stärkt den Überwachungsstaat. Der Verfassungsschutz schützt künftig nicht die Bürger vor dem Staat, sondern den Staat vor dem Bürger. Die Steuerschraube wird weiter angezogen. Zu diesem Zweck werden die besser verdienenden Leistungsträger zu Reichen erklärt – und die Reichen sind Abschaum. Jetzt sollen Steuerhinterzieher nicht nur rigoroser als bisher verfolgt und härter bestraft, sondern auch noch an den öffentlichen Pranger gestellt werden. Man will die Kuh melken und zugleich schlachten. Sozialistische Logik. Neuerdings (in Bayern) verschicken die Finanzämter Mahnungen und berechnen Versäumniszuschläge, ohne zuvor überhaupt fällige Zahlungen angekündigt zu haben! Das ist die Moral des Enteignungsstaates.

IV.

Aber jetzt ist mit Hilfe der Hauptstadtpresse erst einmal Entspannung angesagt, eben Sommerfrische, bevor der ganze Zirkus für ein paar Wochen im Sommerloch abtaucht. Voraussichtlich wird daraus nichts. Es gibt kein Sommerloch mehr. Es gibt nur noch eine Politik, die so überflüssig ist wie ein Loch im Kopf. „Früher begann der Tag mit einer Schusswunde“, dichtete vor Jahrzehnten der große Poet Wolf Wondratschek. So ist es ja wirklich. Du wachst auf – und schon haben dir die neuesten Nachrichten schier den Verstand aus dem Kopf geballert. Insofern hoffen wir inständig um ein paar Tage politikfrei.

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Kommentare ( 2 )

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Digenis Akritas
1 Stunde her

Volle Zustimmung! Noch nie wurde in Deutschland die arbeitende Minderheit so verachtet, wie heute. Selbst Rentner schauen mitleidig auf einen herab, wenn man morgens noch zur Arbeit muss (ohne absehbares Ende)! Zugegeben: mein einziger Sozialneid…

Guzzi_Cali_2
1 Stunde her

Bravo. Herr Herrles scheint durch die neue Umgebung bei NIUS geistig erwacht und erblüht zu sein. Er hat es offenbar eingesehen, daß mit „seiner“ CDU kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Auch die Medien kriegen ihr Fett weg. Einzig die ÖRR beim Namen zu nennen, als besonders regimetreue und willfährige Erfüllungsgehilfen dieses Staates, traut er sich noch nicht, gälte er dann als Nestbeschmutzer, der immerhin noch von den üppigen Pensionen lebt. Aber generell: Ein Lichtblick, der nicht hoch genug bewertet werden kann.