Trotz des angekündigten US-Iran-Abkommens inklusive der Wiederöffnung der Meeresstraße von Hormuz sieht der Chef des weltgrößten Tanker-Reeders kaum Chancen für eine schnelle Normalisierung der Situation.
IMAGO / Kyodo News
Jotaro Tamura, CEO von Mitsui O.S.K. Lines (MOL), betont, Schiffseigner würden erst dann wieder durch die Meerenge fahren, wenn die Sicherheit auf dem Wasser tatsächlich gewährleistet ist.
„Es reicht nicht, ein Papier zu unterschreiben. Die Realität im Golf muss sich spürbar ändern“, betonte Jotaro Tamura in einem Interview mit der Financial Times und Reuters. MOL betreibt mehr als 900 Schiffe, darunter 200 Tanker für Rohöl, Produkte und Chemikalien. Tamura, der erst kürzlich die Führung der Reederei übernahm, verweist auf mehrere Enttäuschungen in den vergangenen Monaten. „Angesichts der Erfahrungen der letzten Wochen ist es realistisch, von mindestens zwei Wochen, wenn nicht sogar einem Monat auszugehen, bis die Sicherheit tatsächlich gewährleistet sein könnte“, sagte er. Selbst nach der erwarteten Unterzeichnung des Abkommens am Freitag ändere sich seine Haltung nicht. MOL hat bereits vier Schiffe über die Straße von Hormuz durchgeschleust – ohne Zahlung iranischer Gebühren, wie Tamura betonte – und wartet mit mindestens sieben weiteren.
Noch immer akutes Risiko durch Minen
Auch andere Branchengrößen bleiben in der Bewertung der Situation zurückhaltend, berichtet der Guardian: Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) der UN prüft derzeit sichere Transit-Korridore, sowie die Minen-Risiken und auch Evakuierungspläne für jene Seeleute, die seit mehr als 100 Tagen im Persischen Golf festsitzen. Hapag-Lloyd hofft, eingeschlossene Schiffe noch am Wochenende bewegen zu können, mahnt aber eigene Risikoanalysen an.
Analysten von S&P Global bestätigen: Der Verkehr liegt aktuell noch immer bei einem Bruchteil des Normalwerts. Nur wenige Schiffe wagen die Passage, manche bei Nacht und mit ausgeschaltetem GPS. Iranische Drohungen mit Minen und mögliche Gebühren für „Dienstleistungen“ sorgen für zusätzliche Unsicherheit. Tamura lehnt solche Abgaben als Verstoß gegen die Freiheit der Schifffahrt ab.
Die Straße von Hormuz, durch die vor dem Konflikt mehr als ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggas-Transports floss, war seit Ende Februar 2026 weitgehend blockiert. Täglich passierten zuvor etwa 135 Schiffe die nur 33 Kilometer breite Wasserstraße zwischen Iran und Oman. Nach Monaten des Krieges und gegenseitiger Angriffe herrscht nun vorsichtiger Optimismus, doch die Praxis zeigt: Noch immer ist das Risiko einer Durchfahrt für viele Reedereien zu hoch – die europäischen Wirtschaft könnte dieses Abwarten noch zusätzlich belasten.

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