Deutsch-französisches Kampfflugzeug-Projekt geplatzt

Der strategisch-kulturelle Kern der Sache ist, in Westeuropa kommt nichts zustande, bei dem Frankreich nicht die erste Geige spielt. Der Rest sind Details.

IMAGO / Bestimage

Das offizielle Aus des deutsch-französischen (plus Spanien) FCAS-Projekts (Future Combat Air System) bedeutet mehr als die Medien melden  Das milliardenschwere Vorhaben für ein sechstes-Generation-Kampfflugzeug-System ist nach jahrelangen Streitigkeiten zwischen Airbus und Dassault Aviation jetzt im Juni beendet worden.

Das britisch-italienisch-japanische Programm Global Combat Air Programme (GCAP) will um 2035 einsatzbereit sein (FCAS sollte erst ab ca. 2040 kommen). Deutschland zeigt Interesse, eine Beteiligung wäre technologisch und industriell attraktiv. Industrielle Souveränität –„Augenhöhe“ ist nicht zu erreichen. Bei GCAP haben UK, Italien und Japan bereits klare Strukturen.

Statt eines starken europäischen Programms drohen mehrere parallele (GCAP, französische Eigenentwicklung, schwedische, evtl. deutsche Beteiligungen). Das erhöht die Kosten und lässt eine gemeinsame europäische Verteidigungsindustrie wie bisher als Illusion erscheinen.

Die Eurofighter- und Tornado-Flotten altern. An mehr F-35 von America führt nichts vorbei. Aber die eigentliche Frage bleibt ebenso unausgesprochen wie seit 1954.

America wollte in den frühen 1950er-Jahren eine gemeinsame westeuropäische Armee mit Beteiligung von Westdeutschland, Frankreich, Italien und den Benelux-Staaten. Der Vertrag der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) wurde 1952 unterzeichnet. Am 30. August 1954 lehnte Frankreichs Nationalversammlung den Vertrag ab. Damit war das Projekt endgültig gescheitert. Die NATO wurde als Ersatz gegründet.

Der strategisch-kulturelle Kern der Sache ist, in Westeuropa kommt nichts zustande, bei dem Frankreich nicht die erste Geige spielt. Der Rest sind Details.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 4 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

4 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
karlotto
1 Stunde her

Der Franzose als Partner , dann lieber keinen.

Marcel Seiler
1 Stunde her

… in Westeuropa kommt nichts zustande, bei dem Frankreich nicht die erste Geige spielt. Der Rest sind Details.

Und warum kann man dann nicht einfach ohne Frankreich arbeiten? Es gibt doch genug andere europäische Nationen.

Dreiklang
1 Stunde her

Man halte sich an Saab. Die Schweden sind gute Kooperationspartner. Dann würden auch andere skandinavische Länder mitziehen, Kanada wohl auch. Bei FCAS hätte Frankreich eindeutig den Vorteil gehabt, aber es reichte nicht. Man glaubte, mit der „Europa“-besoffenen CDU das Projekt schon im Sack zu haben. Doch diesmal spielte die dt. Industrie nicht mit. Ohne deren Einspruch hätte Merz nachgegeben. Die Luftwaffe kann sich für die F-35 übrigens nicht erwärmen. Sie ist eine Notlösung wg. der „Nuklearen Teilhabe“.

Andreas F
1 Stunde her

Als Gegenstück zur F-35 ist die koreanische KF-21 eine Option. Die EJ200 Triebwerke waren auch für die KF-21 möglich gewesen, würde die Wartungskosten vermindern, da zwei Flugzeugtypen dann die gleichen Triebwerke nutzen. Die KF-21 nutzt Meteor, Iris-T und Taurus. Die KF-21 ist günstiger als die F-35 und als Ersatz für den Tornado mehr als geeignet. Allein die nukleare Teilhabe ist dann nicht gesichert, dazu wäre allerdings eine Handvoll F-15EX sinnvoller. In diesem Fall braucht man nicht mehr Stealth, sondern Geschwindigkeit. Der „gemeinsame“ Panzer wird sich wohl auch bald in Luft auflösen. Besser so, ganz Europa setzt bereits auf den Leopard… Mehr