Von Panama über Venezuela, die Straße von Hormus zur Straße von Malakka zum America-China-Treffen in Peking und zurück an den Golf. Am Ende der Woche weiß man vielleicht mehr.
Screenshot X / Donald J Trump Posts Truth Social
Die jüngste Antwort aus Teheran hat President Trump als inakzeptabel abgelehnt. Zusätzlich sagte er: »The Islamic Republic “has been playing games with the United States, and the rest of the world, for 47 years (delay, delay, delay!).”« Die Islamische Republik spielt mit den Vereinigten Staaten und dem Rest der Welt.
Im Iran vor dem Besuch von Donald Trump bei Xi Jinping noch etwas zu erwarten, ist aus keiner Perspektive zu erwarten. – Ein paar Notizen, was alles zusammen betrifft.
Trumps Strategie ist weder New-Isolationism noch New-Neocon. Sein America soll andere weder missionieren noch schützen, sondern America nützen. Wer dabei sein will, ist willkommen, aber nicht kostenlos und nicht zu ihren Bedingungen.
Wenn 31 von 32 Ländern nur 29 Prozent der Rechnung der NATO bezahlen, nützt das America nicht. Ist der Schutz der Seewege, durch die Europas (und Asiens) Öl und Gas kommen, nicht Europas Aufgabe, ist es auch nicht an America, das für Europa zu tun. Ist Europa der Krieg gegen Putins Russland wichtig, gegen das IRGC-Regime nicht, muss es seine Interessen allein wahrnehmen.
Hormus ist nicht nur eine wichtige Handelsstraße
Deshalb ist Hormus nicht einfach nur eine America-Iran-Geschichte, nicht nur eine Ölgeschichte, nicht nur eine Marinegeschichte. Es ist das strategische Ziel, China die Hebelpunkte, die es sich überall in der Welt leise gekauft hat, Stück für Stück wieder abzunehmen. Die Frage ist nicht, wie schnell America die Ordnung wiederherstellen kann, sondern zu welchen Bedingungen.
Panama: Sein Oberster Gerichtshof hat Verträge aufgehoben, die einem Hongkong-Unternehmen erlaubten, Containerhäfen am Panamakanal zu unterhalten. Die CK Hutchison Holding führte über die Panama Ports Company (PPC) seit den 1990er Jahren zwei der fünf Häfen. Das Gericht stellte fest, Gesetze, die es der Firma erlauben, die Häfen zu betreiben, waren „verfassungswidrig“. China hat den Panamakanal nie „besessen“. Der Kanal wird von der Panama Canal Authority betrieben. Im letzten Jahrzehnt haben allerdings chinesische Unternehmen still und leise ihren Einfluss im gesamten Ökosystem des Kanals ausgebaut:
• Häfen an beiden Enden des Kanals
• Logistikzentren
• Schifffahrtsinfrastruktur
• Überwachungstechnik
• Projekte der Neuen Seidenstraße
• Telekommunikationssysteme
ZPMC (Shanghai Zhenhua Heavy Industries) dominiert den Weltmarkt für Ship-to-Shore (STS)-Kräne und stellt ca. 80 Prozent der Krane in US-Häfen und ähnlich in anderen Ländern. Unautorisierte Mobilfunkmodems (Cellular Modems) wurden in Kränen und zugehöriger Infrastruktur gefunden. Diese ermöglichen den Fernzugriff und könnten als Backdoor dienen.
Bis 2025 war China zum zweitgrößten Nutzer des Kanals aufgestiegen und hatte sich eine enorme Marktmacht an einem der wichtigsten Handelsknotenpunkte der Welt erarbeitet. Der Panamakanal ist ein wirtschaftliches Gut und eine militärische Lebensader. Die US-Marine ibraucht eine schnelle Transportmöglichkeiten zwischen Atlantik und Pazifik. Selbst teilweise Störungen, Überwachung, Verzögerungen oder logistische Beeinträchtigungen des Kanals könnten zu einer massiven strategischen Schwachstelle fder Vereinigten Staaten werden.
Deshalb stand Panama an erster Stelle. Vor Venezuela. Vor den Druckkampagnen gegen den Iran. Der erste Schritt war die Sicherung des logistischen Rückgrats der westlichen Hemisphäre.
• Panama stieg aus Chinas Seidenstraßeninitiative aus.
• Chinesische Infrastrukturprojekte wurden überprüft oder eingefroren.
• Die Sicherheitskooperation zwischen den USA und Panama wurde ausgebaut.
• Ein von BlackRock geführtes US-Konsortium bemühte sich um den Erwerb wichtiger Hafenanlagen.
Der Trump-Regierung Strategie des „Friedens durch Stärke“ reicht natürlich weiter. Sie will China keine neuen kritischen Infrastrukturen in America bilden lassen und vorhandene abbauen, die regionale Vorherrschaft wiederherstellen. Deshalb war Panama als Anfang so wichtig.
Venezuela: America hat die chinesischen Investoren aus dem El-Guri-Staudamm, Venezuelas drittgrößtem Wasserkraftwerk der Welt nach Itaipú, verdrängt. Siemens und GE sind mit der Bewertung und Sanierung des Staudamms und des gesamten nationalen Stromnetzes (SEN) beauftragt. Das ist kein einfaches Infrastrukturprojekt. Es geht um eine geopolitische Neuordnung der Energiezukunft Venezuelas. Und Venezuelas Öl geht nun nach America statt China.
Iran. Die Medien sagen „Straße von Hormus“ und alles denkt an Minen, Raketen, Drohnen, Schnellboote, Zerstörer, Flugzeugträger, Luftwaffe, Army. Sie alle sind wichtig, aber nicht der Schlüssel.zum maritimen Handel , der ist die Versicherung. Ohne Versicherung liegt das seetüchtige Schiff kommerziell vor Anker. Trumps Schattenflottenstrategie ist nicht, jeden Tanker zu beschlagnahmen, sondern jeden mit iranischer Ladung unversicherbar zu machen. Der Iran hat die Meerenge nicht geschlossen, das hat Lloyd’s of London. Die City of London herrscht weltweit mit ihrer Marine- und Kriegsrisikoversicherung. Lloyd’s mag Trumps Lösung nicht, weil es an die Hälfte des globalen Spezialversicherungsmarktes kontrolliert. Dem geht Trump mit US-Versicherungslösungen an den Kragen.
Die Macht im Mullah-Iran hatte das IRGC schon ergriffen, als der Nachfolger des wirklichen Ayatollahs installiert wurde. Der strategische Erzfehler der IRGC-Junta war, die arabischen Golfnachbarn anzugreifen und auf die Seite von Israel und America zu bringen. Der Eindruck, Trump setze am Golf auf Saudi-Arabien und MBS speziell, war stets vordergründig bis falsch.
Die VAE wählen Kooperation
Die Vereinigten Arabischen Emirate waren schon dabei, Modernität über Ideologie zu stellen, als der Golfkrieg begann. Die VAE bauten an einer Nation für morgen mit Innovation, wirtschaftlicher Dynamik, strategischer Offenheit und institutioneller Stärke. Der Erfolg der Emirate ist wirtschaftlich, strategisch und zivilisatorisch. Eein arabisches Land muss sich nicht von Milizen und Sektierern einschüchtern und zur permanenten Konfrontation zwingen lassen. Es kann souverän, modern, sicher und global vernetzt sein – bauen statt zerstören.
Die Demontage eines terroristischen Netzwerks mit Iran, Hamas und Hisbollah, ist eine Erfolgsgeschichte der emiratischen Behörden. Das Netzwerk wurde mit fiktiver kommerzieller Deckung betrieben und war an Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Aktivitäten beteiligt, die die nationale Sicherheit und die finanzielle Stabilität des Landes bedrohten. Das spiegelt die Logik des Gottesstaates: offene Konfrontation, verdeckte Durchdringung, militärischer Druck, finanzielle Infiltration, nicht nur auf Schlachtfeldern, sondern in Schattennetzwerken, die still in souveränen Staaten arbeiten. Die iranische Aggression beschränkte sich nicht auf Raketen, Drohnen und Propaganda. Sie bewegte sich in der kommerziellen Sphäre, die Bankensphäre und der strategischen Schwachstellen des modernen Staates. Um Regierungen unter den permanenten Schatten der Destabilisierung zu zwingen.
Das VAE–Südkkorea-Wirtschaftsbakommen schafft einen strukturellen Handelskorridor zwischen dem Golf und Asien:
• Zölle auf 91,2 % der Waren gesenkt oder abgeschafft
• Verdopplung des Handelsvolumens erwartet
• Direkte Stärkung von Energie, Industrie und Lieferketten
Die VAE haben diesen Druck abgestreift. Sie haben an ihrem Entwicklungsmodell, ihrem Investitionsklima und ihrem strategischen Engagement für regionale Stabilität festgehalten. Belastbarkeit – als „Resilienz“ in Europa bei jedem nichtigen Anlass bedeutungslos dahergeplappert – als beherrschendes Verhalten. Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan hat die VAE in der arabischen Welt zur disziplinierten Stärke geführt, die Passivität wie Rücksichtslosigkeit durch Geduld, Ernsthaftigkeit und technologische Fortschritt ersetzt mit dem Wissen, dass Stärke aus Abschreckung und der Fähigkeit kommt, Vertrauen zu schaffen.
Normalisierung, Koexistenz und regionale Zusammenarbeit in Frieden mit Israel ist für das iranische Regime und seine regionale Klientel unerträglich, weil sie sein ideologisches Narrativ zerstören. Die Abraham-Abkommen sind eine strategische Neuordnung der Region, in der arabische Staaten für Zusammenarbeit, Innovation und Handel statt ewigem Konflikt entscheiden. Die VAE haben nicht zugelassen, dass die iranische Aggression diese Wahl wieder umkehrt.
Der Machtkampf in Teheran ändert nichts am gemeinsamem Interesse der Verfeindeten, machtpolitisch zu überleben. Dazu gehört, die US-Seeblockade durch Chinas Schienennetz zu ersetzen. Seit Beginn der US-Seeblockade am 13. April hat sich die Häufigkeit der Güterzüge auf der Strecke Xi’an–Teheran von etwa einmal pro Woche auf einmal alle drei Tage erhöht. Der Preis für diese Lebensader steigt rasant. Die Frachtkosten für einen Standard-40-Fuß-Container auf dieser Strecke haben die vor drei Tagen erreichten 7.000 US-Dollar wohl schon überstiegen.
Der Schienenkorridor Xi’an–Teheran kann nur einen Bruchteil des normalerweise auf dem Seeweg transportierten Volumens bewältigen. Den blockierten Hafenhandel des Irans kann die Bahn nicht ersetzen. Aber es ist Teil einer größeren Architektur, an der Teheran seit Jahren baut parallel zum Iran-Russland-Indien-Korridor und verstärkten Lkw-Verkehr durch den Irak und die Türkei wie Vertiefung der Logistikbeziehungen mit China. Kein Stratege wird glauben, welche Regierung in Teheran als Haupstadt welches Iran auch immer ließe von diesen Plänen ab. Das wissen natürlich alle in Washington und Peking und Moskau. Die in Brüssel nicht, aber das spielt auch keine Rolle.
Indonesien
America hat ein Verteidigungsabkommen mit Indonesien geschlossen. Es umfasst militärische Modernisierung und Kapazitätsaufbau, Übungen, professionelle Militär-Ausbildung, operative und Zusammenarbeit bei asymmetrischen Fähigkeiten – maritimen, unterirdischen und autonomen Technologien der nächsten Generation. Das Abkommen gibt America den Griff auf die vier wichtigsten Punkte östlich von Suez und Hormus: die Straßen von Sunda, Lombok, Makassar und Malakka. Wo Hormus wichtig ist, es Malakka noch mehr. Zwanzig Prozent des weltweiten Öls fließen durch Hormus, 29 Prozent durch Malakka. Weniger als die Hälfte des Öls für China geht durch Hormus, durch Malakka 80 Prozent.
Föderalisierung
Der deutsch-israelische Historiker Michael Wolffsohn hält zentralistische Nationalstaaten im Nahen Osten für eine Hauptursache der Konflikte, Bürgerkriege und Minderheitenunterdrückung. Er propagiert seit Jahren Föderalisierung als realistische Lösung zur Selbstbestimmung von Ethnien, Konfessionen und Regionen, ohne bestehende Staaten komplett aufzulösen. Ob es nach einem echten Machtwechsel beim Staat Iran bleibt oder zu einer inneren oder äußeren Föderalisierung kommt, ist darüber hinaus durchaus die Frage. Einen Eindruck von den sich anbietenden Möglichkeiten hat Mahmoud AI-Tikrity vor Jahren ins Bild gesetzt.
— مجتهد العراق (@mujtahid_i) April 15, 2026
Wo es so viel um Seewege und Marine geht, diese Fußnote zum nachdenken: »Japan hat als erstes Land erfolgreich eine schiffsgestützte elektromagnetische Railgun auf ein Zielschiff abgefeuert. Auf modernen japanischen Marineschiffen installiert, könnten diese Railguns die moderne Raketenabwehr grundlegend verändern und chinesische Raketen alt aussehen lassen.«
Nach dem Trump-Xi-Treffen sieht man weiter.


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