Afrophobia in Südafrika: Die Opfer, die nicht ins Weltbild passen

In Südafrika eskaliert die Gewalt gegen Migranten aus anderen afrikanischen Ländern. Während Nigeria Rückführungen vorbereitet und Ghana zur Vorsicht mahnt, schweigen viele deutsche Politiker und Medien, weil der Befund nicht in ihr bequemes Weltbild passt.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Themba Hadebe

Die Gewalt in Südafrika kam für viele Beobachter nicht überraschend. Seit Jahren gibt es diese Attacken und die Regierung hat es nicht geschafft, für dieses gesellschaftliche Problem Lösungen zu erarbeiten. Seit Wochen hat die fremdenfeindliche Gewalt (oft als Afrophobia bezeichnet) in der Regenbogennation rund um das Thema Migration wieder zugenommen. Migranten werden seit Jahren immer wieder für Arbeitslosigkeit und Kriminalität verantwortlich gemacht. Deren Unternehmen wurden auch jetzt wieder angegriffen oder bedroht. Die teils tödlichen Angriffe und Schikanen richten sich hauptsächlich gegen Menschen aus Nigeria, Ghana, Simbabwe, Äthiopien, Mosambik, Kongo und Malawi, die im Handel, Dienstleistungen und in informeller Arbeit tätig sind. Wütende Mobs haben Geschäfte von Migranten in Johannesburg, Pretoria, Durban und East London geplündert und in Brand gesetzt.

Wegen der wachsenden Besorgnis über die zunehmenden Übergriffe im Land, bereitet Nigeria die Rückführung seiner in Südafrika lebenden Staatsbürger vor, sofern sie das möchten. Außenministerin Bianca Odumegwu-Ojukwu erklärte, dass sich – aus Angst vor einer weiteren Eskalation der Gewalt – bereits 130 Nigerianer für die Rückführung registriert hätten. Ghana hat seinen Bürgern in Südafrika geraten, in der angespannten Situation abzuwarten und ihre Geschäfte vorübergehend zu schließen.

2008 starben 60 Menschen bei fremdenfeindlichen Unruhen. Seither kommt es in Südafrika immer wieder zu gewaltsamen organisierten Kampagnen gegen Migranten, die als Sündenböcke für die Arbeitslosigkeit, den Wohnungsnotstand, mangelnde Sicherheit und Drogenhandel herhalten müssen. Mit der Gründung der Bürgerwehr „Operation Dudala“ („Hinausdrängen“) 2021 in Soweto gegründet, erhielt die gewaltsame Einschüchterung eine neue Dimension. Derzeit ist die lautstärkste Gruppe „March and March“ ( seit 2025 ), die die Bevölkerung gegen Migration mobilisiert.

Die Regierungspartei ANC steht unter massivem Druck wegen einer hohen Jugendarbeitslosenquote (ca. 57–62 %), einer unzuverlässigen Stromversorgung und weit verbreiteter Korruption. So ist es praktisch, wenn die Wut der Bevölkerung auf das eigene Unvermögen auf die Migranten gelenkt werden kann.

Leider schweigen unsere Politiker und die meisten Medien zu dem unbequemen Thema der Gewalt in Südafrika. Gern wird behauptet, dass Rassismus ein rein westliches/weißes Exportgut sei. Die Realität, dass auch schwarze Gesellschaften Vorurteile gegen andere schwarze Ethnien haben können, zerstört das romantisierte Bild einer solidarischen „afrikanischen Einheit“. Die Weigerung, die Zustände beim Namen zu nennen, ist eine weitere Form von Paternalismus – man traut der südafrikanischen Gesellschaft schlicht nicht zu, sich mit der Kritik auseinanderzusetzen.

Diese Diskrepanz zwischen den oft betonten universellen Menschenrechten und das Stillschweigen zu den Vorfällen in Südafrika zeigt die Unaufrichtigkeit. Es hat den Vorteil, sie erspart die Auseinandersetzung. Wer sich auf der Seite der Guten wähnt, muss nicht argumentieren. Aber spätestens beim Einsatz massiver Gewalt gegen Fremde wird eine Grenze überschritten, die dann nicht mehr mit der gewöhnlichen menschlichen Skepsis gegenüber allem Fremden erklärbar ist. Es triumphiert in Deutschland der politische Geist der Naivität, der Vertrauensseligkeit sowie der Apathie und des Desinteresses an den realen politischen Verhältnissen in den meisten afrikanischen Staaten.

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