Die CDU ist fertig wie die SPD. Die zwei Volksparteien der Bonner und Berliner Republik bis Merkel gibt's nicht mehr. Eine todkranke SPD und eine schwerkranke CDU stützen sich gegenseitig, um im Amt zu bleiben. Zu mehr reichen die Restkräfte nicht. Alles andere ist Mediengeschwätz.
IMAGO / dts Nachrichtenagentur
Wohin man auch schaut, sogar in den Einheitsmedien schimmert durch, dieser Klingbeil-Merz-Koalition traut niemand mehr etwas anderes zu als im ersten Jahr. Merz kündigt konservativ klingendes an, Klingbeil kassiert es ein. Nichts darf anders werden, die unbegrenzte Einwanderung soll weitergehen wie der Ruin von Wirtschaft und Sozialstaat durch die Folgen einer Entelektrifizierung durch eine Energiewende ohne jede Einsicht in ihr Ende.
Kanzler Merz beharrte bei ARD-Miosga gestern hilflos darauf, in allem kritisierten recht zu haben, allenfalls etwas irgendwie anders formulieren zu sollen. Merz wirkte paralysiert, überfordert. Kein Wunder, wenn die Fragen sich mehren, wann die CDU ihn durch einen anderen ersetzt, gleich gefolgt von der Frage, aber durch wen.
Erstens geht das nur, wenn Merz abtritt. Das kann er nicht, denn dann stürzte er ganz ab. Merz hat zwei Jahrzehnte auf seinen Kanzlertag gewartet. Den Thron gibt er nicht her.
Zweitens hat die CDU niemanden, der es besser als Merz könnte. Die CDU ist so fertig wie die SPD. Die zwei Volksparteien der Bonner und Berliner Republik bis Merkel gibt es nicht mehr. Eine todkranke SPD und eine schwerkranke CDU stützen sich gegenseitig, um im Amt zu bleiben. Zu mehr reichen die Restkräfte nicht. Alles andere ist Mediengeschwätz.
Bis zur Kanzlerschaft von Helmut Kohl hatte die CDU ein Personenpotential mit stets mehreren Kanzler-Geeigneten: Kurt Biedenkopf, Heiner Geißler, Lotah Späthund so weiter. Die SPD hatte nach Gerhard Schröder keine mehr, wie Olaf Scholz bewies. Natürlich werden die bei Hofe zugelassenen Journalisten Markus Söder nennen und Hendrik Wüst, aber die könnten nichts anderes tun als Merz: nichts.
Die kleinste der Bonner Parteien, die FDP, ging SPD und CDU voran. Ihr struktureller Niedergang begann mit der „Sozialliberalen“ Koalition 1969. Der FDP-Flügel gleichen Namens verließ die Partei mit dem Koalitionswechsel zur Union 1982. Nun war sie weder sozialliberal noch freidemokratisch, nur noch auf Regierungsämter aus. Die Grünen hielten sich mit solchen Umwegen nicht auf und schlüpften bald nach ihrer Etablierung in die FDP-Rolle. Wie es einst nicht möglich war, ohne FDP zu regieren mit der kurzen Unterbrechung von drei Jahren Großer Koalition von Kurt Georg Kiesinger, ist es seit Angela Merkel nicht mehr möglich, nicht grün regiert zu werden, auch wenn die Grünen gar nicht in der Regierung sind.
Die Regierung Merkel IV von 2018 bis 2021 konnte man nicht mehr ernsthaft Große Koalition nennen bei einer Union wenig über 30 Prozent und einer SPD gerade noch über 20. Nicht mehr an die 30 und 20 heran kamen 2025 die Union (28,5) und die SPD (16,4). Gelingt den Brandmauerparteien nicht doch noch das Verbot der AfD, wartet auf sie die Not, nur noch alle zusammen eine Mehrheit bilden zu können.

Käme es dazu, setzte sich der paralysierte Zustand von CDU und SPD heute fort in Gestalt von vier erstarrten Kaninchen vor der Schlange AfD.
Maximilian Tichy, nicht vorgeschädigt wie die Alten vom Republik-Abstiegs-Trauma von 60 Jahren, sagt auf die Frage von Roland Tichy: wer nach Merz, schlicht und einfach: Hauptsache nicht weiter er. Recht hat er.
Also keine Perspektive? Von heute aus gesehen gibt es innerhalb der geltenden Regeln tatsächlich keine. Alle werden, mehr beteiligt oder weniger oder gar nicht, abwarten müssen, bis sich die CDU so zerlegt hat wie die SPD. Vielleicht tritt die SED-Die Linke bald das Resterbe der SPD an. Rotgrünrot hat demoskopisch 37,7 Prozent. Die Brandmauerparteien müssen noch 18 Punkte verlieren, bis sie keine rechnerische Mehrheit mehr bilden können, politisch hält sie bekanntlich sowieso nichts zusammen, es sind nur die Posten im Selbstbedienungsladen Parteienstaat. 18 Punkte sind viel, aber es gibt immer ein erstes Mal. Wie auch immer das aussieht.


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