Evelyn Palla, die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, kritisiert deutlich die mangelnde Leistungsbereitschaft der Führungskräfte im Unternehmen: „Die Leistungskultur der Vergangenheit war für die Performance der Bahn nicht ausreichend, das wollen wir ändern.“
picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka
In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ rechnet die seit Oktober 2025 amtierende Vorstandsvorsitzende nun scharf mit dem eigenen Management ab: Palla kritisiert, dass in der Vergangenheit zu oft mehr Energie in die Erklärung von Problemen als in deren Lösung gesteckt worden sei. Verantwortung sei zwischen der Konzernzentrale und der operativen Ebene vor Ort hin- und hergeschoben worden: „Das war am Ende so etwas wie organisierte Verantwortungslosigkeit. Das muss der Vergangenheit angehören.“ Bei wiederholten Zielverfehlungen hätten Manager oft jahrelang mit guten Erklärungen durchkommen können, ohne dass Konsequenzen gezogen wurden. „Wir hatten bei der Bahn noch nie ein Erkenntnisproblem, aber viel zu lange ein Umsetzungsproblem“, sagte Palla.
Seit ihrem Amtsantritt treibt Palla einen umfangreichen Konzernumbau voran: Die Zentrale wird verschlankt, Verwaltungsebenen gestrichen und Verantwortung dezentralisiert. „Wir haben viele Ebenen in der Verwaltung gestrichen. Aber das allein macht noch keine bessere Bahn. Verändern wird sich erst etwas, wenn sich das Management verändert, wenn Verantwortung in den dezentralen Einheiten auch wahrgenommen und gelebt wird“, betonte sie. Und: Leistung müsse ganz oben beginnen – zuerst bei ihr selbst und dem Konzernvorstand. „Wir sind die erste Ebene, die das verkörpern und vorleben muss.“
Schnelle Verbesserungen verspricht die Bahn-Chefin nicht: Im Netz gebe es noch zu viele Störungen und Baustellen. „Wer hier etwas anderes verspricht, macht den Menschen etwas vor.“ Bei der Zuverlässigkeit würde Palla dem Konzern die Note 4 minus geben, insgesamt jedoch eine 3. „Wir werden oft nur an der Pünktlichkeit im Fernverkehr gemessen, das ist aber nur das halbe Bild.“ Gleichzeitig stellt sie klar, dass ihre Kritik nicht die Mitarbeiter an der Basis trifft: Zugbegleiter, Lokführer, Fahrdienstleiter, Gleisarbeiter und Disponenten seien „meine Helden, die die Eisenbahn täglich am Laufen halten“.
Die Deutsche Bahn beschäftigt 225.817 Mitarbeiter (Stand 30. Juni), im Vorjahr wurde ein Umsatz von 26,985 Milliarden Euro erwirtschaftet, alleine in der ICE-Flotte fahren 400 Züge, die DB-Cargo betreibt 2.300 Lokomotiven.



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„rügt die Manager: Unzureichende Leistungskultur“: Sie sollte die oberste Führungsriege des staatlichen Unternehmens rügen. Denn die ist für die Unternehmenskultur verantwortlich. Die oberste staatliche (versteckt hinter der privatrechtlichen Rechtsform) Führungsriege – vermutlich nach ideologischen Gesichtspunkten eingestellt – hat dafür gesorgt, dass bei den Managern (mittlere Führungsriege) kein Leistungswille vorhanden ist. Durch falsche Einstellungspolitik, durch falsche finanzielle Anreize. Schnelle Verbesserungen verspricht die Bahn-Chefin nicht: Das kann sie nicht. Ein Unternehmen, dessen Infrastruktur und Personal jahrzehntelang heruntergewirtschaftet wurde, kann keiner schnell wieder verbessern. Genau das gleiche gilt für D. Die Republikaner versuchen es in den USA. Die Brandmauer hat die berechtigte Hoffnung,… Mehr
Man erinnert sich, die von Margaret Thatcher betriebene Privatisierung der britischen Staatsbahn führte zu einem ähnlichen Desaster wie in Deutschland. In Österreich, der Schweiz und Ungarn sind die Bahnen noch staatlich, pünktlich und sauber. Von der früheren, ebenso guten Reichsbahn der DDR wurde hier schon berichtet. Gibt eben Bereiche, die sich für die Privatisierung nicht eignen. Auch wenn das smarte und junge Berater immer wieder als Pauschalrezept verkaufen. „Public-private Partnership“, das ist auch so ein Gaunerwort.
Sorry, aber die DB ist ein reiner Staatsbetrieb. Privatisierung ist da nicht erfolgt. Es wurde nur die Rechtsform auf „privat“ umgestellt. Weil „man“ ja an die Börse, privatisieren wollte. Aber der Börsengang ist nie erfolgt.
Genau das meine ich. Staatliche Bürokratie und gleichzeitig das Unternehmensziel der Gewinnmaximierung. Da war die aktuelle Situation vorgegeben. In UK wurde natürlich vollständig privatisiert, mit dem selben Ergebnis. Gibt eben Bereiche, die sich für Privatisierung nicht eignen. Öffentlicher Verkehr, Polizei, Gefängnisse, Bundeswehrfuhrpark und so weiter.
Man muss immer wieder schmunzeln über diese abgestandenen Rezepte. Schlechtes Management, schlechte Politik, zuviel Bürokratie, in den letzten Jahren zu wenige Investitionen, also von der Sustanz gelebt. Und jetzt liegt es an der „Leistungskultur“ der Mitarbeiter und Manager. Wer castet denn dermaßen inkompetente und phantasielose Topmanager? Bei Mercedes ist es doch ähnlich. Nach Jahren erratischem Management mit „touchy-feely“ fordert nun die oberste Personalerin „mehr Leistungskultur“. Kurieren an Symptomen, das klappt sicher!
… und abgesehen von dem Geschriebenen fahren sie zu wenig Bahn und kommen so auch nicht in Kontakt mit akustisch unverständlichen Lautsprecherdurchsagen, fehlenden Staumöglichkeiten für Gepäck, unzumutbaren Umsteigehilfen (zu kleine Aufzüge, Übergänge statt Unterführungen mit Rolltreppen sh. Ulm), und was der Feinheiten noch mehr sind, die nur „echte“ Reisende erleben dürfen …
Sie ist wie ihre Vorgänger: „ Wo steht die nächste Kamera, wo ist der nächste Journalist? DIE ANDEREN SIND DRAN SCHULD UND ICH FODERE LEISTUNG! “
Meine Erfahrung mit früheren Vorgesetzten war ganz einfach. Die, die immer Kommunikation und ihre Arbeit so verstanden haben ihre Abteilung, ihren Geschäftsbereich lautstark schlecht zu machen, waren immer mehr als schlecht und haben es nur schlimmer gemacht und ihre Kohle angegriffen. Jene die ruhig waren und einfach selbst abgepackt haben, haben etwas verbessert. Die Frau ist Ersteres.
Es ist längst dokumentiert, dass die Bahn-Chefin für ihre Wochenendpendelei zwischen Berlin und Wien schlicht und ergreifend das Flugzeug nutzt. Die Begründung lautet dann natürlich immer „enger Terminkalender“.
Es sei ihr ja auch vergönnt. Ich würde doch bei diesem Gehalt auch keinen Job ausschlagen, schon gar nicht, wenn man mal eben mit dem Flieger von A nach B hinüber hüpfen kann…
Wenn ein neuer Chef kommt und als erstes sagt: Also an den Hauptproblemen wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit kann ich nichts ändern, dann ist er überflüssig.
Abwarten !
Der Weg nach unten bei der Deutschen Bahn ist dank jahrzehntelanger Mißwirtschaft und Verantwortungslosigkeit inzwischen nur noch sehr begrenzt.
“Im ersten Halbjahr 2026 waren lediglich 58,7 Prozent der Fernzüge pünktlich.“ Diese Zahl stimmt definitiv nicht. Meine Frau pendelt wöchentlich mit der Bahn zwischen Berlin und NRW. Seit Januar 2026 war exakt KEIN Zug pünktlich. Im Schnitt lagen die Verspätungen bei 2 Stunden! Dazu kommen noch ganz andere Probleme. Oft fielen Verbindungszüge komplett aus! Ich musste sie dann Abends per PKW spät aus Hannover abholen, weil es von dort nicht weiter ging. Oft wurden die gebuchten Verbindungen gar nicht mehr angefahren, sondern die Fahrtrouten wurden geändert. Das hieß für mich kurzfristige Änderungen des Zielbahnhofs, an dem ich meine Frau abholen… Mehr
Als langjährig beruflich Involvierter ( freie Wirtschaft) fällt mir dazu nur ein “ ich werf mich weg“ ein. Die organ. Verantwortungslosigkeit resp den Begriff “ führte“ ich vor etwa 30 Jahren plus x im Unternehmen ein, durchaus unter Beifall, aber, o Wunder, ohne Veränderung. Dass staatliche, staatsnahe, staatsähnliche Betriebe strukturell und kulturell besonders anfällig sind, erst recht als Entsorgungseinrichtungen der vollkommen Unfähigen, in der Politik übrigens nicht zufällig ein Regelfall, ist klar, aber kein Alleinstellungsmerkmal. Der strukurelle/ kulturelle Bruch verläuft eher zwischen dem eigentümerbasierten Mittelstand, in dem keineswegs alles richtig gemacht wird, und den Unternehmen, i.d R AGs, in denen… Mehr
Ich war vor der Wende , also vor dem Zusammenbruch der DDR oft in mit dem Zug gefahren , der Staat war Pleite , aber die Züge fuhren Pünktlich . Vielleicht einmal die ex DDR Bahnmitarbeiter fragen woran das lag ?
An der Stasi? An den IM? Die wollten ja schließlich pünktlich Feierabend machen!
Nicht die Stasi sorgte für saubere WCs in den Schulen und Krankenhäusern , dazu war das ganze Gesundheitsweseb vorbildlich !