Bahn-Chefin Palla rügt die Manager: Unzureichende Leistungskultur

Evelyn Palla, die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, kritisiert deutlich die mangelnde Leistungsbereitschaft der Führungskräfte im Unternehmen: „Die Leistungskultur der Vergangenheit war für die Performance der Bahn nicht ausreichend, das wollen wir ändern.“

picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka
Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Berlin, 08.07.2026

In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ rechnet die seit Oktober 2025 amtierende Vorstandsvorsitzende nun scharf mit dem eigenen Management ab: Palla kritisiert, dass in der Vergangenheit zu oft mehr Energie in die Erklärung von Problemen als in deren Lösung gesteckt worden sei. Verantwortung sei zwischen der Konzernzentrale und der operativen Ebene vor Ort hin- und hergeschoben worden: „Das war am Ende so etwas wie organisierte Verantwortungslosigkeit. Das muss der Vergangenheit angehören.“ Bei wiederholten Zielverfehlungen hätten Manager oft jahrelang mit guten Erklärungen durchkommen können, ohne dass Konsequenzen gezogen wurden. „Wir hatten bei der Bahn noch nie ein Erkenntnisproblem, aber viel zu lange ein Umsetzungsproblem“, sagte Palla.

Seit ihrem Amtsantritt treibt Palla einen umfangreichen Konzernumbau voran: Die Zentrale wird verschlankt, Verwaltungsebenen gestrichen und Verantwortung dezentralisiert. „Wir haben viele Ebenen in der Verwaltung gestrichen. Aber das allein macht noch keine bessere Bahn. Verändern wird sich erst etwas, wenn sich das Management verändert, wenn Verantwortung in den dezentralen Einheiten auch wahrgenommen und gelebt wird“, betonte sie. Und: Leistung müsse ganz oben beginnen – zuerst bei ihr selbst und dem Konzernvorstand. „Wir sind die erste Ebene, die das verkörpern und vorleben muss.“

Mit Schlimmstem rechnen, das Beste hoffen
Wie tief geht tief? Aussichten eines Landes im Absturz
Die Zahlen der Bahn belegen den Handlungsbedarf: Im ersten Halbjahr 2026 waren lediglich 58,7 Prozent der Fernzüge pünktlich. „Das ist kein guter Wert. Da müssen wir auch nichts beschönigen“, räumte Palla ein. Allerdings hätten in drei Vierteln der Fälle die Verspätungen unter 15 Minuten gelegen. Für das Gesamtjahr hatte sie ein Mindestziel von 60 Prozent ausgegeben, bisher liegt die Bahn aber dahinter.

Schnelle Verbesserungen verspricht die Bahn-Chefin nicht: Im Netz gebe es noch zu viele Störungen und Baustellen. „Wer hier etwas anderes verspricht, macht den Menschen etwas vor.“ Bei der Zuverlässigkeit würde Palla dem Konzern die Note 4 minus geben, insgesamt jedoch eine 3. „Wir werden oft nur an der Pünktlichkeit im Fernverkehr gemessen, das ist aber nur das halbe Bild.“ Gleichzeitig stellt sie klar, dass ihre Kritik nicht die Mitarbeiter an der Basis trifft: Zugbegleiter, Lokführer, Fahrdienstleiter, Gleisarbeiter und Disponenten seien „meine Helden, die die Eisenbahn täglich am Laufen halten“.

Die Deutsche Bahn beschäftigt 225.817 Mitarbeiter (Stand 30. Juni), im Vorjahr wurde ein Umsatz von 26,985 Milliarden Euro erwirtschaftet, alleine in der ICE-Flotte fahren 400 Züge, die DB-Cargo betreibt 2.300 Lokomotiven.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 6 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

6 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Lars Baecker
20 Minuten her

Der Fisch, werte Frau Palla, stinkt immer vom Kopf her. Wenn dem so ist, wie Sie das sagen, wäre es Aufgabe der Führungsspitze, sich von betreffendem Personal zu trennen und es durch fachlich geeignetes zu ersetzen. Das ist bei Ihren Vorgängern nicht erfolgt, und auch Sie werden dies nicht erreichen, weil, üblich für Staatsbetriebe, über jedem Minderleister eine schützende Hand aus der Politik ruht. Man hat diesen Laden über Jahrzehnte als Versorgungsträger für abgehalfterte Politiker genutzt und ihn mit Inkompetenz geflutet. Wer hat sich damals nicht gefragt, warum gerade Ronald Pofalla dazu befähigt sein soll, einen Betrieb wie die Deutsche… Mehr

Kraichgau
29 Minuten her

Als reiner Staatsbetrieb ohne dutzende Ebenen von Ex-Politmanagern war die Bahn pünktlich,die Gleise und Freiebenen ordentlich und es gab keinerlei grössere Probleme…wer hat also die ganze Problematik geschaffen?
Kohl und Mehdorn,damit fing das Desaster an!
P.S.bei Post und anderen Bereichen das gleiche Bild…heute dritte Welt

Last edited 29 Minuten her by Kraichgau
Steuernzahlende Kartoffel
34 Minuten her

Wieso fühle ich mich an Behörden & Regierungen erinnert? Muss ich noch mal drüber nachdenken;-) Jdf., wenn Frau Palla die Bahn auf Spur gesetzt hat, sollten wir sie ins Bundeskabinett schicken…

roffmann
34 Minuten her

Da kann man der Frau Palla nur Glück wünschen und dass sich die Meute der bisherigen Versager nicht gegen sie stellt ! Ein Managment , das bei Versagen noch mit Boni und Abfindungen belohnt wird ? …. was soll man da erwarten? Wer macht solche Verträge ? und stelt bei Versagen keine Regressforderungen?

Jens Frisch
38 Minuten her

„Wir hatten bei der Bahn noch nie ein Erkenntnisproblem, aber viel zu lange ein Umsetzungsproblem“, sagte Palla.“

Da hat die deutsche Bahn etwas gemeinsam mit dem deutschen Wähler!

derostenistrot
46 Minuten her

Vermutlich ist Pofalla nicht der einzige Minderleister dieses Bahn-Gremiums.