Die deutliche Zustimmung von NATO-Generalsekretär Mark Rutte zum Vorgehen der USA im Iran hat ein Nachspiel – in Europa setzt es deutliche Kritik: Repräsentiert Rutte noch die gesamte Allianz oder orientiert er sich zu stark an der Linie des US-Präsidenten?
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Evan Vucci
Auslöser der Debatte war ein TV-Auftritt von Mark Rutte in den USA, in dem er den US-Präsidenten ausdrücklich unterstützte. „Ich hoffe wirklich, dass das amerikanische Volk hinter ihm steht, denn er tut das, um die ganze Welt sicherer zu machen“, sagte Rutte. Zudem betonte er, Europas Staats- und Regierungschefs stünden geschlossen hinter Washington.
Diese Aussagen gehen nach Ansicht vieler Kritiker deutlich über das hinaus, was von einem NATO-Generalsekretär erwartet wird. Dabei hatte sich Rutte in den vergangenen Monaten durchaus Anerkennung für seine diplomatischen Bemühungen erworben, insbesondere im Umgang mit der US-Regierung: Sein Ziel war es, Spannungen zu entschärfen und ein mögliches Auseinanderdriften des Bündnisses zu verhindern. Doch sein Stil sorgt immer wieder für Kontroversen.
Bereits zuvor war ihm ein allzu unterwürfiger Ton vorgeworfen worden – etwa, als er den US-Präsidenten bei einem Gipfel als eine Art „Daddy“ für Europa bezeichnete. Auch eine öffentlich gewordene SMS, in der Rutte schrieb, er könne es „nicht erwarten“, den US-Präsidenten wiederzusehen, hatte für Kopfschütteln gesorgt.
Mit seinem jüngsten Lob für einen Militäreinsatz ohne NATO-Mandat habe Rutte nun eine Grenze überschritten, meinen mehrere europäische Außenpolitiker.
Agnieszka Brugger, stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, formulierte die Kritik deutlich: „Mark Rutte ist nicht der Pressesprecher von Donald Trump, sondern der Generalsekretär des ganzen Bündnisses.“ Zwar erkenne sie die schwierige Lage Ruttes an, doch warnte sie: „Diese Strategie der Unterwürfigkeit gegenüber Donald Trump droht sich langfristig zu rächen.“ Zudem erwecke der Generalsekretär „den falschen Eindruck, es sei nur eine Frage der Zeit, bis weitere NATO-Staaten in einen Krieg einsteigen, dessen gefährliche Strategielosigkeit jeden Tag offensichtlicher wird“.
Etwas Unterstützung erhält Rutte hingegen aus Deutschland, berichtet dazu das Handelsblatt: Thomas Röwekamp, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Bundestag, nahm ihn in Schutz, schränkte jedoch zugleich ein: „Die Aussagen von Mark Rutte sind ungewöhnlich deutlich, aber in der Sache nachvollziehbar.“ Er verwies auf die sicherheitspolitische Bedrohung durch den Iran. Dennoch stellte er klar: „Dies ist kein Einsatz der NATO, und deshalb wird sich Deutschland an diesem Krieg nicht beteiligen, sondern das Ziel weiterverfolgen, eine weitere militärische Eskalation in der Region zu verhindern.“ “Wie ein Ticket für die Titanic, nachdem sie den Eisberg gerammt hat“
Die EU-Staaten lehnen eine Beteiligung am aktuellen Nahost-Konflikt ab. Dies bekräftigten die Staats- und Regierungschefs erneut bei einem Gipfeltreffen. Militärische Experten warnen ebenfalls vor einer Ausweitung des Konflikts. Der frühere stellvertretende Chef des NATO-Hauptquartiers SHAPE, Michel Yakovleff, verglich ein mögliches Eingreifen der Allianz drastisch damit, „ein Ticket für die Titanic kaufen, nachdem sie bereits zu sinken begonnen hat“.
Besonders scharf fiel die Kritik aus Frankreich aus. Die EU-Abgeordnete Nathalie Loiseau stellte dazu provokant die Frage: „Seit wann mischt sich ein NATO-Generalsekretär in die amerikanische Innenpolitik ein? Wie lange werden die europäischen Staats- und Regierungschefs Mark Rutte noch gewähren lassen?“ Der ehemalige Botschafter Gérard Araud ging noch weiter und bezeichnete Ruttes Aussagen als „unerträglich“. Er forderte sogar: „Unser Vertreter bei der NATO in Brüssel soll ihn zum Schweigen bringen.“
Auch aus diplomatischen Kreisen ist zu hören, Rutte schieße „über das Ziel hinaus“. Dies gelte umso mehr, als sich selbst in Washington zuletzt Anzeichen für ein Umdenken im Krieg gegen den Iran abzeichnen: Der US-Präsident schlug zuletzt einen moderateren Ton an, verschob geplante Angriffe und sprach von „sehr, sehr starken Gesprächen“ mit Teheran. Es gebe eine „reale Möglichkeit“, ein Abkommen zu erreichen und den Konflikt zu beenden, meinte Donald Trump.
Für die Frage, was Trump für welchen Zweck sagt, und was er tatsächlich tut, interessierte sich auch in diesem Wortwechsel von lauter Experten niemand.


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„Für die Frage, was Trump für welchen Zweck sagt, und was er tatsächlich tut, interessierte sich auch in diesem Wortwechsel von lauter Experten niemand.“
Damit ist alles gesagt.
Je weniger Europa zu leisten vermag, desto weiter reißen seine nichtsnutzigen Repräsentanten ihre Mäuler auf. Da ich auch Europäer bin, tut mir das weh. Wäre ich kein Europäer, hätte ich für diese Leute nur eines übrig: einen Fußtritt.
Zweiundzwanzig Unterstützer haben sie schon um die Straße von Hormus freizufegen, wobei die Sympathisanten der Iraner überhaupt keine Probleme haben ihr Öl dort abzuholen und nur die andere Seite ein Problem damit hat und würden sie sich benehmen, dann könnten auch sie partizipieren. Das kommt davon wenn man Leute vom Bau zum Präsidenten macht und man seine gesamte Entourage im gleichen Geist noch umsonst dazu bekommt und wer da glaubt, daß die vereinigten Lügner und Betrüger aus dem Westen noch ein Standing im Osten und Süden haben kann lange warten, denn die sehen es aus einem völlig anderen Blickwinkel und… Mehr
Der Größenwahn einiger europäischer Nato-Mitglieder ist ebenso lächerlich wie erschreckend! Ohne die USA im Rücken funktioniert da überhaupt nichts, noch nicht einmal eine einheitliche Kommunikation. Donald Trump hat vollkommen Recht, hier Tacheles zu reden und das bequeme, parasitäre sich Verlassen auf den großen Bruder anzuprangern.
Herr „Experte“
„in Europa setzt es deutliche Kritik“
Welches Europa meinen sie?
Etwa das des Brüsseler Turnbau zu Babels?
Unterlassen sie bitte ihren Populismus…
Ansonsten werden sie bitte präzise.
„Aussagen gehen nach Ansicht vieler Kritiker „
schmeissen sie solche Sätze
bitte genauso in ihre Dummgeschwätzmülltonne….
Hier gibt es gottseidank noch keinen Spiegeljournalismus und deren Anhänger…
Trump hat seinen Zauber wohl zwischenzeitlich bei seinen nationalen und internationalen Anhängern wohl absolut verloren. er ist nicht anderes als ein gewinnorientierter Kaufmann auf dem nationalen Thron. Dass er gleichzeitigig der mächtigste und gefährlichste Mann der westlichen Welt ist, liegt an der militärischen Domäne der USA. Jetzt ist Trumps militär- und wirtschaftliche Entscheidung zum Angriffskrieg gegen den Iran nicht aufgegangen, sondern schon jetzt gescheitert. Der Iran ist nicht besiegt, sondern startet den Gegenangriff. Die bisherige Führungsschicht in Teheran ist Geschichte, jetzt haben nach meiner Einschätzung die Revolutionsgarden die militärische und politische Macht in der Region. Die Region ist weitaus größer… Mehr
Möglicherweise ist Trump doch nicht so ein Esel, wie ihn die europäische Systempresse hinstellt, sondern hat Clausewitz und Machiavelli gelesen.
Die europäischen Politiker sind wie der alte, verarmte Adel, der satt und brass von vergangenen Zeitaltern träumt, damit er aus neuen, unverstandenen Welt flüchten kann, ohne zu bemerken, dass sich die Welt immer weniger um sie schert.
„Ich hoffe wirklich, dass das amerikanische Volk hinter ihm steht, denn er tut das, um die ganze Welt sicherer zu machen“, sagte Rutte.
Richtig, so wie auch die Israelis die Drecksarbeit für die „hypermoralischen, woken und antisemitischen“ stark islamistisch orientierten EU PolitikerInnen und deren NGOs erledigen. Dass die wieder zu plärren anfangen, war zu erwarten.
Was wäre denn die Nato ohne die USA? Ein militärischer Zwerg ohne Führungskraft. So gesehen orientiert sie Rutte nur an den tatsächlichen Machtverhältnissen.
Ein „militärischer Zwerg“.
Aber eben auch eine mit mehr Unabhängigkeit von Washingtoner Befindlichkeiten und Großmachts-Fantasien.