Besser wohnen: Die Mietpreisbremse ist eine Denkbremse

Wohnmaschine nach Le Corbusier: Der Wohnungsbau bleibt weit hinter dem zurück, was die Bevölkerung braucht und was wirtschaftlich möglich und notwendig ist.

Die Moden wechseln, aber wärmen nicht

Wer heute von bezahlbarem Wohnen spricht, sollte nicht unterschlagen, dass sich die Baukosten durch allerlei Energiespargesetze um mindestens acht Prozent verteuert haben; wobei sich die eingesparten Heizkosten auf Jahrzehnte verteilen, wenn überhaupt. Bauen lohnt also nicht. Zum Teil entstanden Energiesparhäuser, in denen niemand wohnen will: das berüchtigte Wohnen in der Thermoskanne. Trotzdem wird energetisch saniert, was das Styropor so hergibt, und werden gewohnte Fassaden verschlimmbessert wie alte Gesichter durch falsches Lifting. Die angebliche Energieeffizienz ist der heilige Gral, das oberste Ziel, dem sich alles andere unterordnen muss, auch wenn hinter dem Styropor der letzte Gründerzeitstuck verschwindet und die Häuserfenster wegen der vorgepappten Dammwände zu Schießscharten werden.

Einerseits wird vom bezahlbaren Wohnen gesprochen, andererseits wird Bauen und Wohnen vom Staat künstlich verteuert. Wohnungen werden zudem völlig entgegen der Lebensqualität saniert. Dabei ist wohnen ein elementares Grundbedürfnis des Menschen, und Nachhaltigkeit hat viele Facetten. Wer eindimensional nur einen der Faktoren – neuerdings die Heizbilanz – heranzieht, schafft keinen guten, lebenswerten Wohnraum. Das ist genauso sinnlos, wie das Ziel der „autogerechten Stadt“, für die beispielsweise Köln mit gigantischen Autobahnschneisen gevierteilt wurde. Hier werden Fehler gemacht, über die unsere Enkel noch verzweifelt die Köpfe schütteln werden. Wohnen ist zu wichtig, als dass man es nur kurzfristig, hektisch behandeln darf.

Bewahrt das steinerne Gesicht der Städte!

Wohnhäuser sind eine langfristige und stabile Angelegenheit, mit einer Lebenszeit zwischen 40 und 60 Jahren, ach was: Gründerzeit-Bauten sind gerade sehr beliebt und zeigen, dass dieses Gut hoch geschätzt wird, auch wenn es schon 100 Jahre alt ist. Wir empfinden eine sentimentale Bindung an jene Orte, die unsere Kindheit und Jugend beherbergt haben. Wir lieben die steinernen Gesichter unserer Städte und Heimatorte; mit einigem sentimentalem Abstand auch die Falten und Runzeln, die finsteren und zugigen Ecken, an denen wir uns als gelangweilte Teenager herumgedrückt, die erste Zigarette geraucht und den ersten Kuss getauscht haben. Wir entdecken gerade die Quartiere der 1950er und frühen 1960er Jahre neu, obwohl die damals als luxuriös geltenden Drei-Zimmer-Wohnungen nicht mehr für fünf- oder sechsköpfige Familien als geeignet betrachtet werden, sondern gerade noch groß genug sind für junge, kinderlose Paare oder zweiköpfige Studenten-WGs.

Eigentlich ist Wohnen etwas, das sich nur langsam ändert; allenfalls soll es unserer eigenen Entwicklung hinterherwachsen. Hektische Sprünge lieben die Bauträger, aber nicht die Menschen, die die Entwicklung ertragen und die Folgen durchleben müssen. Es wird Zeit, dass endlich eine andere Sicht in die Wohnungsbaupolitik einzieht. Sonst werden unsere Städte weiter ruiniert.

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