Besser wohnen: Die Mietpreisbremse ist eine Denkbremse

Wohnmaschine nach Le Corbusier: Der Wohnungsbau bleibt weit hinter dem zurück, was die Bevölkerung braucht und was wirtschaftlich möglich und notwendig ist.

Der Preis löst das Problem: Was knapp ist, wird teurer

Was gefragt ist, steigt im Preis, und was langweilt, wird billiger. Daher tragen steigende Preise in den Hotspots des Wohnungsmarkts zur Problemlösung bei: Sie stabilisieren die Preise in jenen Regionen, die sonst nur noch mit der Abrissbirne zu retten sind. In Jena stehen noch 1,9 Prozent der Wohnungen leer, in Chemnitz 14 Prozent. Der Leerstand in Pirmasens beträgt 10 Prozent, in Oldenburg nur 1,5 Prozent.

Man kann es auch so sehen: Billige Wohnungen sind ein Standortvorteil, den Studenten nutzen können ebenso wie Unternehmen. München mit seinen Höchstmieten schreckt ab, und das ist gut so. Und klar ist ohnehin: Wenn die Mietpreisbremse kommt, wird gerade in den Hotspots weniger gebaut. Mit der Mietpreisbremse wird Knappheit verwaltet: zukünftig in München, so wie einst in der DDR. Es wird nicht mehr gebaut, sondern weniger.

„Viel sinnvoller wäre es, wenn die Politiker dafür sorgen würden, dass die 
Baukosten für neuen Wohnraum sinken. Dazu müssten aber im großen Stil 
Gesetze und Vorschriften geändert werden, damit Bauen bezahlbar bleibt 
und für Investoren wirtschaftlich wieder interessant wird“, sagt etwa
Kreisbau-Geschäftsführer Wilfried Haut. Der Chef des bedeutendsten 
Wohnungsunternehmens im Landkreis Heidenheim fordert bereits seit 
längerem vehement ein Ende bei der Preisspirale.

Mittlerweile sind die großen Investoren im deutschen Wohnungsbau angelsächsische  Pensionsfonds. Die deutschen Versicherungen dagegen haben sich weitgehend zurückgezogen. Der Grund ist auch so eine Regulierung, die nach hinten losgeht: Deutsche Versicherungen dürfen kaum Aktien besitzen, weil die angeblich so schrecklich gefährlich sind. Also dürfen sie auch keine Aktien der großen Wohnungsgesellschaften kaufen, obwohl in Zeiten der Niedrigzinsphase und eines stagnierenden Wohnungsbaus gerade das unbedingt notwendige wäre. Regulierung springt zu kurz, übersieht ihre Auswirkungen nicht. Den Schaden hat die Bevölkerung.

Und zwar schon jetzt. Denn vielerorts haben mit der Debatte um die Mietpreisbremse  Vermieter begonnen, auf Teufel komm raus die Mieten z erhöhen; nach dem Motto: Was Du jetzt nicht kriegst, kriegst Du nimmermehr.

Preisunterschiede verhindern das Ausbluten schwacher Regionen

Die regionalen Unterschiede zwischen den starken und den schwachen Wirtschaftsregionen Deutschlands verschärfen sich. Die jetzt betriebene Politik trägt dazu bei, dass die schwachen Gebiete noch schneller und noch gründlicher ausbluten. In den Metropolregionen wird der Zuzug – und damit die Wohnungsknappheit – staatlich gefördert, und dann wird versucht, das Problem noch aufwendiger zu lösen. Die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen bleibt ein vernünftiges Ziel, Raumordnung und Regionalpolitik sind wichtige Aufgaben. Und niedrige Preise sind ein Standortfaktor. Niedrige Mietpreise in den Kummer-Städten des Ruhrgebiets und Ostdeutschlands können aber nur dann als Standortfaktor zugunsten dieser Städte wirken, wenn die Preise in den begehrten Städten nicht künstlich gekappt werden.

Bleiben wir in Berlin: Die Stadt ist nicht nur sexy, sondern nach wie vor im Mietpreisniveau billig. Neue Wohnungen kosten die Hälfte, verglichen mit Düsseldorf, Hamburg, München oder Frankfurt. Mietwohnungen gibt es ab 4 Euro pro Quadratmeter: in den Plattenbauten ebenso wie in den Westberliner Großsiedlungen. Dafür gibt es in den anderen Metropolen vielleicht eine Garage zu mieten. Der Zuzug nach Berlin wird also auch durch die noch niedrigen Mietpreise gefördert. Eine Angleichung an das Mietpreisniveau von Hamburg, München oder Frankfurt kann den unerwünschten Effekt verlangsamen, der Berlin in Fragen der Infrastruktur, der Schulen und Gesundheitsversorgung zu quälen beginnt – und Menschen anzieht, die in anderen Städten fehlen und das Ungleichgewicht verschärfen.

Es gibt kein Grundrecht Berlins auf niedrige Mieten. – Oder will sich die politmediale Clique nur selbst billiges Wohnen sichern? – Also soll die Politik nicht so tun, als sei es ihre Aufgabe zu verhindern, dass Berliner Mieten auf Bundesniveau steigen. Erstens wird es nicht klappen; zweitens ist es nicht gerecht, zwischen „guten“ und „bösen“ Mietern zu unterscheiden. Diese künstliche Unterscheidung ist einer der größten Denkfehler der gegenwärtigen Politik. 

Unterstützung
oder

Kommentare ( 3 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Andere bringen wir ungekürzt.
Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung