Hitzeaktionstag fällt aus – wegen schlechten Wetters

An Kälte sterben mindestens fünfmal so viele Menschen wie an Hitze. Hitzeaktionstage werden allerdings nicht abgesagt, weil sie unnötig sind und nur der Panikmache dienen – sie fallen schlicht und einfach ins Wasser.

picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Die Schafe frieren, Veranstaltungen im Freien werden abgesagt oder ertrinken im Regen. Besucher des legendären Weißenhof-Tennis-Turniers in Stuttgart frieren – doch keine Frage, es droht akute Überhitzungsgefahr. Das behauptet weiterhin steif und fest die staatliche Klimapropaganda.

Deshalb wurde 2023 ein „Hitzeaktionstag“ eingeführt – von einem breiten Bündnis aus dem Gesundheitswesen, wie es immer so schön heißt. Allen voran natürlich Lauterbach. „Mit Hitze keine Witze“, das ist tatsächlich das Motto.

Zu dem Bündnis gehören die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), die Bundesärztekammer und das Aktionsbündnis Hitzeschutz. Sie alle verdienen prächtig daran, unter anderem Kita-Kindern einzubleuen: „Hitze ist das größte durch die Klimakrise bedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland und sie betrifft uns alle.“

„Deutschland braucht mehr Hitze- und Klimaschutz“, behauptet da eine Stefanie Langkamp, die sich den Posten der „politischen Geschäftsführung der Klima-Allianz Deutschland“ unter den Nagel gerissen hat. Gut, da muss sie nicht mehr arbeiten, sondern kann fordern: „Bund und Länder müssen die Kommunen in die Lage versetzen, die Menschen vor Ort wirksam zu schützen, etwa durch mehr Personal, ausreichend finanzielle Mittel und gute Vorsorge. Die Bundesregierung sollte jetzt mit konkreten Lösungen vorangehen, statt Klimaschutz zurückzudrehen. Deshalb fordern wir sie auf, den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen und die Abhängigkeit von teurem Öl und Gas zu reduzieren.“

Was oft wie „schönes Badewetter“ wirkt, soll die tödlichste Naturgefahr in Europa sein.

Doch irgendwie wirken staatliche Kampagnen über „extreme Hitzegefahren“ seltsam, während man im Pullover da sitzt und die Heizung länger laufen lassen muss als sonst; wenn also der Sommer wieder einmal einfach nicht in die Gänge kommen will.

Das kommt mittlerweile sogar den ersten Gebietskörperschaften komisch vor. Sie spüren, es könnte irgendwie und irgendwann an ihrer Glaubwürdigkeit nagen, Hitzeschutztage zu veranstalten, während die Menschen vor Schafskälte bibbern. So hat der Landkreis Ebersberg mitgeteilt, der Hitzeaktionstag leider ausfallen müsse – „aufgrund des aktuellen Wetters“ ausfallen. Er fügt noch hinzu: „Und ja … wir sind uns der Ironie bewusst.“

Die Lesung „Periode ist politisch“ findet indes trotzdem statt, in einem hoffentlich beheizten Raum. Die Kälte draußen könnte die Hitzewallung dämpfen. „Teilnehmer der anderen 72 Geschlechter sind herzlich eingeladen“, kommentiert Dr. David Lütke auf X süffisant. Dass ein Hitzeaktionstag ausfallen muss, geschieht übrigens nicht zum ersten Mal. Vor einem Jahr etwa traf es den Landkreis Coburg. Auch hier war schlechtes Wetter schuld.

Während sich das Wetter vor der Haustür in den letzten Monaten als unbeständig, grau und gefühlt viel zu kühl für die Jahreszeit erwies, versuchen all die Klimatrupps weiter, uns einzureden, wir alle würden den Hitzetod sterben, wenn wir weiterhin Autofahren, Heizen und rund um den Erdball fliegen.

Deshalb hier noch einmal ein paar Handreichungen: Ja, im Sommer ist es in der Regel wärmer als im Winter. Manchmal sogar heiß. Früher hat man sich in der Mittagszeit schattige Plätze gesucht, in südlichen Ländern macht man das heute noch so. Ansonsten gibt es Klimaanlagen.

Aber: Kälte ist tödlicher als Hitze. Daten – allen voran die großen europäischen Metastudien im Fachmagazin The Lancet –, zeigen: Kälte fordert in Europa und auch in Deutschland historisch gesehen deutlich mehr Todesopfer als Hitze. In Deutschland lag das Verhältnis in den letzten Jahrzehnten im Schnitt bei etwa 5:1 . Europaweit sterben statistisch gesehen sogar rund achtmal mehr Menschen an den Folgen von oft nur moderater Kälte als durch Hitze.

Es gibt zwei große, maßgebliche Studien der letzten Jahre, die diese Asymmetrie zwischen Kälte- und Hitzetoten untersucht haben: Eine aktuelle Europa-Studie von 2024 hat die temperaturbedingte Sterblichkeit gezielt für 1.368 europäische Regionen (darunter auch Deutschland) für den Zeitraum von 1991 bis 2020 analysiert. Wer nachschlagen will: Die Studie heißt „Temperature-related mortality burden and projected change in 1368 European regions: a modelling study“ und wurde im September 2024 in The Lancet Public Health publiziert.

Die Forscher ermittelten für Europa einen jährlichen Median von 363.809 Kältetoten gegenüber 43.729 Hitzetoten. Das entspricht in Europa einem exakten Verhältnis von 8,3 zu 1 „zuungunsten“ der Kälte.

Auch die wegweisende Mammut-Studie aus dem Jahr 2015, die das Thema zum ersten Mal weltweit mit über 74 Millionen analysierten Todesfällen systematisch untersucht hat, erschien in The Lancet: Mortality risk attributable to high and low ambient temperature: a multicountry observational study“.

Danach waren von allen untersuchten Todesfällen insgesamt 7,71 Prozent auf nicht-optimale Temperaturen zurückzuführen. Davon gingen 7,29 Prozent gingen auf das Konto von Kälte und nur 0,42 Prozent auf das Konto von Hitze.

Global gesehen verursachte Kälte also in den untersuchten Regionen im Schnitt sogar rund 17-mal mehr Todesfälle als Hitze.

Eine weitere große Arbeit aus dem Jahr 2021 stützt diese Ergebnisse. Sie hat die globalen Daten für den Zeitraum von 2000 bis 2019 ausgewertet, um langfristige Trends herauszuarbeiten: In der Studie „Global, regional, and national burden of mortality associated with non-optimal ambient temperatures from 2000 to 2019: a three-stage modelling study“ zeigte sich weltweit ein ähnliches Bild: 8,52 Prozent aller weltweiten Todesfälle hingen mit Kälte zusammen, 0,91 Prozent mit Hitze, ergibt also ein Verhältnis von über 9 zu 1.

Das bedeutet: Der Großteil der temperaturbedingten Sterblichkeit findet bei niedrigen Temperaturen statt. Sowohl mäßige als auch extreme Kälte ist statistisch der weitaus größere Faktor für die Übersterblichkeit als Hitze.

Dagegen helfen nur warme Wohnungen, genügend Heizmaterial und ausreichend Nahrung. Es sollte also besser Kälteschutztage geben. Oder einfach nur Normalität. Aber dann kann könnte man den Menschen keine Angst vor der drohenden Katastrophe krass steigender Meeresspiegel einjagen. Diese Angst aber braucht man, um sicherzustellen, dass die Klimalobby auch weiterhin großzügig finanziert und alimentiert wird.

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Kommentare ( 6 )

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Ohanse
9 Minuten her

Solche Prognosen leben von der Dummheit eines Großteils der Menschen. Niemand, der im Freiland auch nur eine einzige Tomatenpflanze zieht, glaubt, daß es zu warm ist. Wer auf eigenes Wissen, eigene Anschauung und eigene Erfahrung verzichtet, ist leicht zu übertölpeln. Wer nichts weiß, muß alles glauben.

Dundee
11 Minuten her

Die Klimakatastrophe ist so akut, dass nicht einmal der aktuelle Wetterbericht noch stimmt. In der Nachbarschaft machen wir Witze darüber, indem wir uns gegenseitig fragen „Na, wie ist das Wetter heute?“ Wir gucken dann gleichzeitig auf die Wetterapps unserer nicht so smarten Smartphones, zeigen uns gegenseitig was der eine gemeldet bekommt und gleichzeitig der gegenüber stehende andere – jeder bekommt eine andere Meldung – wir gucken in den Himmel – wieder zeigt sich etwas völlig anderes – und lachen uns kaputt. Wir haben mittlerweile nicht nur 72 Geschlechter. Wir haben auch 72 verschiedene Wettermeldungen für ein und denselben Tag. Und… Mehr

Last edited 1 Minute her by Dundee
Edwin
14 Minuten her

Seit 2004 war und bin ich jedes Jahr Ende Mai/ Anfang Juni in Barcelona. So eine kalte erste Juniwoche habe ich in meinen Wetteraufzeichnungen noch nicht erlebt. Dennoch musste ich mir in der letzten Karwoche im spanische Radio vom Hitzerenord seit Wettersufzeichnungen (!) berichten lassen. Die Höchsttemperaturen in Barcelona liegen seit Beginn der 3. Maiwoche bei maximal 28/29 Grad. Letzte Woche lagen sie bei 20 bis 22 Grad. Kurz, der Sommeranfang ist zu kalt. Wie gesagt hier in Barcelona bestimmt nicht. Daraufhin habe ich mir die Temperaturen in Malaga, Sevilla und Cordoba angeschaut. In Malaga 28/29 Grad und in Sevilla… Mehr

Ludwig von Gerlach
18 Minuten her

Dass auch die Bundesärztekammer zu dem hitzigen trio infernale gehört, ist eigentlich ein Skandal. Sie ist ein Zusammenschluss der 17 Landesärztekammern in Rechtsform eines Vereins. In den Landesärztekammern als Körperschaften des öffentlichen Rechts besteht Zwangsmitgliedschaft. Also werden die Mitgliedsbeiträge dieses privatrechtlichen Demagogenclubs aus den Zwangsbeiträgen der Ärzte zu den Landesärztekammern finanziert. Zum Glück bin ich kein Arzt.

Jens Frisch
34 Minuten her

„Mit Hitze keine Witze“ – wir werden systematisch verhöhnt.

Steuernzahlende Kartoffel
23 Minuten her
Antworten an  Jens Frisch

„Die Erde brennt“, meinte eine Supergrüne ich glaube letztes Jahr in München während größeren Schneefalls.