Wer will Ungarns Wahl beeinflussen? Antwort: Jede ausländische Macht, für die etwas auf dem Spiel steht, - die Ukraine, die EU, die USA. Ungarns Opposition sieht aber nur einen Störenfried: Russland. Das ist falsch, und verfolgt ein klares Ziel.
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Am 5. März berichtete das von westlichen Geldgebern finanzierte investigative Portal Vsquare exklusiv und sensationell, dass enge Mitarbeiter des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Budapest ankekommen seien, um „sicherzustellen, dass Orbán die Wahl gewinnt”.
Das Thema wurde sofort und begierig von Ungarns regierungskritischer Presse amplifiziert, und von der Oppositionspartei als Skandal bezeichnet. Das wiederum wurde zum Thema bei internationalen Medien. Die Financial Times griff es als eigene exklusive Geschichte auf. Quelle der Behauptungen im ursprünglichen Bericht: Drei nicht näher genannte „allierte Geheimdienste”.
Falls das alles bekannt vorkommt: Es ist zum Standardargument liberaler Kräfte geworden, der Aufstieg konservative Parteien und deren Wahlerfolge seien „russischer Einmischung” zu verdanken. 2016 versuchte man so, Donald Trump’s damaligen Wahlsieg zu delegitimieren. Eine CIA-Analyse 2025 stellte fest, dass es zwar russische Bestrebungen gegeben haben mag, dass aber deren Untersuchung methodisch fragwürdig war. Ein tatsächlicher Impakt etwaiger russischer Manipulationsversuche auf die Wahl wurde nicht festgestellt.
Wie die Russen die Wahl angeblich beeinflussen wollen: Online-Inhalte sollen in Russland vorbereitet und im ungarischen Internet verbreitet werden. Csaba Molnár vom linksliberalen Think Tank Political Capital sagt dazu, er habe unzählige derzeit noch inaktive Social Media Profile gefunden, die geeignet seien, plötzlich aktiviert zu werden zur Verbreitung solcher Inhalte. (Quelle: Doppel-Interview mit mir als Kontrahent beim linken Klubrádió in Budapest, aufgenommen am 9. März, bei Redaktionsschluß noch nicht ausgestrahlt).
Das Modell, so heisst es im Vsquare-Bericht, sei bereits in den Wahlen in Moldau erprobt worden. Die Operation habe aus Online- und Medieninhalten und Stimmenkauf bestanden.
Stimmenkauf gab es wohl tatsächlich – ich reiste auch nach Moldau, um mich kundig zu machen, dort bestätigte ein europäischer Diplomat, dass „auf beiden Seiten gemogelt und getrickst wurde”. Die prorussischen Kräfte verloren jedoch, und es steht anzunehmen, dass ausser dem konkreten Stimmenkauf wenig von diesen Manipulationsversuchen wirklich funktionierte. Was gut klappte, war die Beschränkung der Zahl der Stimmlokale für die überwiegend prorussischen rund 300.000 Moldauer, die in Russland leben – sie konnten nur in der Moldauer Botschaft in Moskau ihr Stimmen abgeben.
Stimmenkauf dürfte allerdings das eine Element sein, dass in Ungarn nicht funktionieren dürfte. Zu groß ist die Aufmerksamkeit der Medien und die Politisierung der Bürger, als dass solche Versuche nicht auf die eine oder andere Weise sehr schnell ans Tageslicht kämen. Alles andere: Internet-Inhalte gestalten in Russland, für das ungarische Publikum? Das kann Fidesz, die Regierungspartei, wahrscheinlich besser. Wenn schon Hilfe aus dem Ausland, dann wäre digitale Unterstützung aus den USA logische: Dort versteht man sich auf moderne Social Media-Kampagnen, und man versteht sich auch gut mit Orbán.
Ob es überhaupt eine solche russische Operation in Ungarn gibt, wagt Gladden Pappin zu bezweifeln. Er berät als Chef des ungarischen Institute für auswärtige Angelegenheiten die ungarische Außenpolitik. Er ist von Haus aus Amerikaner, mit besten Verbindungen zur republikanischen Partei in den USA, ist aber auch ungarischer Staatsbürger. Er fühlt sich an die Versuche der Demokraten 2016 erinnert, Trump’s Wahlsieg schon im Vorfeld zu deligitimieren.
Immerhin, dass Russland ein Interesse an einem Wahlsieg Orbáns haben mag, dürfte kaum in Zweifel stehen. Andere haben freilich ein Interesse daran, Orbán verlieren zu sehen. Vor allem die Ukraine und die EU, sowie die führenden Mächte in der EU, deren politischen Vorstellungen Orbán stets im Wege steht.
Die Ukraine kann nicht EU-Mitglied werden, und auch keinen weiteren Schritt in diese Richtung tun, solange Orbán an der Macht ist. Die EU stolpert bei jedem Versuch, der Ukraine mit noch mehr Geld zu helfen, und überhaupt due EU weiter zu zentralisieren, über das ungarische Veto.
Die USA haben wiederum ein Interesse an Orbán’s Sieg: Die Trump-Administration sieht die EU in ihrer gegenwärtigen Aufstellung als Selbstmordkommando auf dem Weg zum kulturellen und wirtschaftlichen Freitod, und Orbán als Korrektiv dagegen. Vielleicht kann er eine Rückkehr zu einst klassischen europäischen Werten in der EU herbeiführen: Familie, Glaube, Vaterland.
Viele in Ungarn sehen den Lieferstopp für russisches Öl durch die Ukraine in Richtung Ungarn und Slowakei als abgekartetes Spiel mit der EU. Es soll die Energiepreise steigen lassen, die Inflation anheizen, und zu wirtschaftlichen Problemen führen, die die Wähler dann eventuell Orbán anlasten würden. Die Regierung beschuldigt die Ukraine sogar, über einen massiven Geldtransport versucht zu haben, die ungarische Opposition zu finanzieren (ob da was dran ist, weiss aber niemand).
Auch Kroatien mag in Abstimmung mit Brüssel mit von der Partie sein: Obwohl das russische Öl über Kroatien umgeleitet werden könnte nach Ungarn, und dies auch keinen EU-Sanktionen unterliegt, hat Kroatien mitgeteilt, man wolle nur für nicht-russisches Öl den Transit genehmigen.
Indem sich der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz mit dem ungarischen Oppositionsführer Péter Magyar traf, mit Orbán hingegen nicht, und diesen sogar auf der Münchener Sicherheitskonferenz scharf angriff, verucht auch er, Einfluss zu nehmen auf die Wahl. US-Präsident Trump hält es umgekehrt, traf Orbán in den letzten Monaten mehrfach und lobte ihn über den grünen Klee.
Der wahre Impakt all dessen mag sich erst nach den Wahlen entfalten. Dann nämlich, wenn Orbán die Wahl gewinnt. Dann dürfte es hoch hergehen: Mit dem Argument, die Russen hätten für Orbán die Wahl gestohlen, liessen sich sowohl Massenproteste in Ungarn organisieren, als auch EU-Sanktionen gegen das Land rechtfertigen.

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Das dahinterliegende Thema sind doch die fortwährenden Blockaden Ungarns auf EU-Ebene. Die EU hat mit Ungarn ein „Club-Mitglied“ das zwar sehr gerne seit Jahrzehnten Geld nimmt. Aber auf allen möglichen Ebenen eine Blockade-Politik fährt. Die EU kann Ungarn nicht wirklich ausschließen. Und von daher ist es eine logisch zu erklärende Hoffnung der anderen EU-Staaten dass es in Ungarn einen proeuropäischen Regierungswechsel gibt. Wenn die Ungarn demokratisch immer wieder den Kandidaten wählen ,der eigentlich gegen eine europäische Union ist ,dann sollten wir dies akzeptieren und der ungarischen Regierung die Frage stellen ,warum sie Teil der EU ist und ob sie es… Mehr
Ungarn betreibt eine Politik die durch ihre Regierung als im Interesse des Landes betrachtet wird. Das ist auch genau das was eine Regierung tun sollte. Das ein Deutsche das nicht verstehen kann, ist aber klar. Finanzierungausgleich ist auch nicht unbedingt falsch. Polen und Ungaren haben dafür Straßen und anderes nützliches Zeug gebaut. Der Deutsche schaut dann natürøich verdächtig daran weil er das nicht gewöhnt ist, das jemand seinen Eid ernstahft nimmt, statt das Geld für den Unsinn von Energiepolitik, durch Massnemigration bis hin zu dem Krieg gegen Russland einfach so auszugeben. Ich kenne Orban nicht. Er scheint aber eine bessere… Mehr
Mir ging es lediglich um die Frage ,warum Ungarn Teil eines Zusammenschlusses von Staaten ist ,deren Politik es eigentlich konsequent seit 18 Jahren ablehnt!? Lassen wir doch mal die ganzen unterschiedlichen Sichten auf Migration etc. beiseite. Keine Organisation oder Vereinigung kann auf Dauer ein Mitglied haben dass alle anderen Mitglieder bei Entscheidungen permanent blockiert und immer erst dann nachgibt ,wenn noch mehr Geld der anderen fließt. Wenn die Ungarn weiterhin von Orban regiert werden möchten ,dann müssen wir das so akzeptieren und Ungarn zugleich fragen ob sie sich sicher sind ,Teil dieses Blocks sein zu wollen. So kompliziert ,ist das… Mehr
Komisch, bei der Aufzählung der Staaten, für die die Wahl in Ungarn wichtig sei und die vielleicht Einluss auf diese nehmen wollen, fehlt mir ein prominenter Name. Zufall oder nicht? Hat Russland kein Interesse an einer ihm zugewandten Regierung, die unter anderem verhindert, dass der Kriegsgegner Ukraine massiv finanziell unterstützt wird? Ein Schelm, wer bei diesem Autor Böses dabei denkt. Natürlich haben auch die Länder der EU ein Interesse, um einheitlicher beschließen zu können. Aber den größten Interessenten verschweigt der Autor – und ich mag nicht daran glauben, dass er ihn einfach vergessen hat zu erwähnen. Und so macht es… Mehr
Budapest ist eine sehr sichere, saubere, sehr freundlich und überraschend kulinarische Stadt.
Man kann bis spät in die Nacht durch die Strassen spazieren, sehr gut essen und der ÖV ist bis in die Nacht hinein sauber und sicher.
Die Ungarn scheinen vieles richtig zu machen.
Obwohl es so offensichtlich ist, verstehen viele nicht was in Ungarn vor sich geht. Nicht zu vergessen sollte man auch die Rolle von Manfred Weber (CSU), der ein enger Vertrauter von Peter Magyar, dem linken Gegenkandidaten ist. Die EU wird alles daran setzen Orbans Wiederwahl zu verhindern. Das kann man jetzt schon daran sehen, dass man im Konflikt zwischen Selensky und Orban keine Position bezieht bzw. die Attacken aus der Ukraine nicht verurteilt. Der Höhepunkt war jetzt eine ausgesprochene Drohung des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters und jetzigen Abgeordneten des ukrainischen Parlaments Omelchenko, dass Orban auf sich und seine Familie (seine Enkel) aufpassen… Mehr
die Drohung sprach auch der in der EU Führung allseits beliebte Wolodimir aus. Und die EU bezieht doch klar Stellung. Nichts zu sagen sagt mehr als die ewigen Phrasen. Hätte der Victor auch nur annähernd ähnlich klingende Drohungen gegen den kleinen Diktator aus der Ukraine von sich gegeben, dann wäre aber das Gezeter von Brüssel bis Berlin groß gewesen.
Naja, die Ost-Europäer, an der Spitze der größte EU-Netto-Empfänger Polen, lassen Orban die versalzene Ukraine-Suppe auslöffeln. In dem Augenblick, in dem in Budapest eine Pro-EU-Regierung an die Macht kommt, müßten alle anderen Ost-Europäer Farbe bekennen & gegen die EU-Aufnahme der Ukraine ein Veto einlegen. In Augenblick, in dem die Ukraine in die EU aufgenommen wird, werden alle EU-Netto-Empfänger zu Netto-Zahlern. Das ist auch nicht verhandelbar.
Das ganze Gezerre und schmierige Verhalten von Opposition, EU, der Holzpuppe aus dem Saarland kennt man doch schon von Rumänien, da bestimmt am Ende die Eu das Rumänien die Wahl wiederholt, damit das Ergebnis in ihrem Sinne passt. In Amerika wollte man auch Harris haben, leider konnte der gute Elmar die Wahl nicht rückgängig machen, da war Uschi in Brüssel ganz traurig, der liebe Joe mit dem wachen Verstand war ihr doch so ans Herz gewachsen genau wie der Gute aus der Ukraine dem die Ursel ganz wie Omi und Enkel ein paar Milliarden zukommen lassen würde, wäre da nicht… Mehr
Kleine Korrektur: Wenn sie davon schreiben, dass die USA unter Trump sich gegegen den wirtschaftlichenund kulturellen Suizid Europas stellen würden, dann sollte man auch etwas in die Tiefe gehen und die jüngere Geschichte nochmal rekapitulieren. Zunächst halte ich es für eine vor allem in konservativen Kreisen verbreitete Illusion, dass die USA unter Trump eine völlig andere Politik machen würden und Trump ein Art konservativer Messias sei. Von bestimmten Aktionen von Vorgängerregierung hat er sich weder distanziert, noch dazu bekannt. Die großen richtungsgebenden Operationen bleiben weiter unter der Decke. 9/11und im Gefolge inszenierte Kriege mit Destabilisierung großer Regionen und wohl gewollten… Mehr
Diejenigen, die sich lautstarkl alsy Demokratieschützer Demokraten, Guten ausgeben, suind nach meinen Erfahrungen die größten Betrüger an der Demokratie
Die Frage einer Wahlbeeinflussung wird der Wahltag beantworten. Und diese Antwort wird beeindruckend sein.
Dieses Volk ist doch nicht so blöde wie die von der EU und der Mutti aus dem Osten weichgekochten Deutschen. Die Österreicher nennen diese Gattung von Menschen nicht umsonst „Piefke“. Es ist kein Schimpfwort mehr wie damals vor 20, 30 Jahren. Es ist der reale Zustand einer abgehobenen und ungebildeten Klasse die glaubt die Welte neu erfinden zu müssen, weil nur sie die „wahre“ Wahrheit kennen.
VdL, Weber und Kallas, die EU-Hauptveruntreuer von Steuergelder der Bürger und Merz, dieser Ukraine-Kanzler versuchen jeden dreckigen Trick, um Fidesz und Orban aus dem Weg zu räumen. Mit der Aufnahme der Ukraine, Korrupt bis unter die Haarwurzeln, bedeutet den Offenbarungseid für die EU. Keines der jetzigen 27 EU-Länder ist sich bewußt, dass sie dann allesamt als Nettoeinzahler behandelt werden, um das bodenlose Loch Ukraine halbwegs an die EU-Infrastruktur anzupassen. Hier in Ungarn sind es alte und mittelalte Damen, die zu den Veranstaltungen von Tisza rennen, um den Peter anzuhimmeln. Bei einem Wahlsieg von Tisza wäre binnen kurzer Zeit ein zweites… Mehr