Der ORF blickt in Wiens Schulen und bilanziert eine ausgewachsene islamische Gegengesellschaft, deren Existenz jahrzehntelang politmedial kleingeredet wurde. Lehrer berichten von religiösem Druck und komplett gescheiterter Integration. Eine Entwicklung, die sich dank willfähriger Politiker in den Herzen Europas kontinuierlich ausbreitet.
Screenprint: ORF
So langsam, allmählich und viel zu spät bemerken die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die Lage in den großen Städten Westeuropas, die von einer neuen Bevölkerungszusammensetzung und damit einhergehenden vielfältigen Unwuchten geprägt ist. Klar ist: Europa hat die ethnisch-kulturellen Konflikte wieder. Die Geschicke der europäischen Staaten von Spanien bis Schweden werden nicht mehr von wirtschaftlichen Fragen und der Verteilung des Wohlstands geprägt wie in den Nachkriegsjahren. Das neue Rückgrat jeder politischen Auseinandersetzung bilden kulturelle, ethnische und religiöse Faktoren.
Es geht um den Islam in Europas Metropolen. Dort konzentriert sich die Entwicklung, die anderswo in kleinerer Potenz dieselbe, manchmal schlimmer ist. Man kann von London, Paris, Mailand, Berlin, Frankfurt oder dem Ruhrgebiet sprechen – und man kann von Wien sprechen. Und das hat der ORF nun etwas ausführlicher in einer Doku getan: „Schwieriges Nebeneinander: Islam in Österreich“. Wien nach dem Türkensturm, könnte man einwerfen. Ein kleiner Wiener behauptet da, dass sein Blut türkisch sei, sein Herz aber österreichisch pulsiere, so ungefähr. So ganz hat sich der kleine Schlawiner seine Theorie nicht überlegen können. Er musste sie improvisieren, als der hartnäckige, aber auch hilflose ORF-Journalist nachbohrte.
Auch wenn die Pumpe in Österreich gebaut wurde, bleibt der Saft, der sie antreibt, türkisch. So muss man diese Ausführungen – die so herzig klingen – offenbar deuten. Alle hier befragten Schüler unterscheiden säuberlich zwischen ihrem österreichischen Pass und ihrer kurdischen, türkischen oder arabischen Nationalität. Das sind für sie zwei ganz verschiedene Sachen: Sie sind Pass-Österreicher und Bluts-, Kopf- oder Herzens-Ausländer.
„Solange ich beten kann, ist es für mich leichter“
Ein Tschetschene darf dazu gleich zu Beginn Näheres ausführen. Wir versuchen ein sinngemäßes Zitat, weil die Grammatik, die jeder Muttersprachler im Traum beherrscht, hier und da nicht stimmt: „Als erstes in unserem Herzen steht unser Gott. Danach kommt unsere Ehre. Muslime dürfen nicht einmal vor Gericht gehen. Das Gericht und alle [diese] Sachen, das liegt an unserem Gott. Wenn Allah will, dass wir reingehen, er bestraft uns. Solange ich in diesem Land beten und meine Religion behalten kann, ist es für mich leichter.“
Das ist gut zu wissen: Die Religionsfreiheit erleichtert dem radikalen Muslim sein Leben in Europa – eine Freiheit, die in Deutschland angeblich noch strikter gehandhabt wird als im Nachbar-Alpenland. Ein Syrer sagt dazu noch, Kopftuchzwang und -verbot, das sei doch genau dasselbe… Menschenrechte! Noch ein westliches Instrument, das sich Orientalen aneignen.
Religionsfreiheit ist auch, was sich einige Mädchen am sehnlichsten für ihr ideales Land wünschen, als sie den Plan dazu in kleiner Runde erarbeiten sollen. Als ob es die nicht längst gäbe. Aber es reicht den jungen Migrantinnen nicht, sie wollen noch mehr von der guten Sache, ganz im Zeichen der zu bekämpfenden Muslimfeindlichkeit. Nur auf Nachfrage des Journalisten gestehen sie auch den Ungläubigen das Recht auf ihren Unglauben zu. So weit hatten sie gar nicht gedacht, steckten im Mustopf der Islamophobie.
Studienautor im Kampf mit türkischem Kulturverband
Ein gewisses Rückgrat verleihen dem Beitrag die Befragungsergebnisse des Soziologen Kenan Güngör. Güngör fand 2019 (erneut) heraus, dass für 41 Prozent der befragten Muslime zwischen 14 und 24 islamische Vorschriften über den österreichischen Gesetzen stehen. Das Ei des Kolumbus wird so im Jahrestakt „neu“ entdeckt. Für 65 Prozent der jungen Muslime gelten islamische Vorschriften in sämtlichen (!) Lebensbereichen. 53 Prozent meinen, dass Musliminnen immer ein Kopftuch tragen sollten – und das wird in vielen Fällen auch Unter-14-Jährige betreffen. Dazu zwinkert die Muslima-Animation und wiegt neckisch den Kopf, als ob sie eine andere Meinung hätte, was keineswegs sicher oder auch nur von Belang ist.
Man kennt das sehr ähnlich aus deutschen Studien, die im Grunde ein noch schlimmeres Bild malen. Der Niedersachsensurvey des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von 2022 zeigte, dass zwei Drittel (67,8 Prozent) der befragten muslimischen Schüler die Koranregeln wichtiger fanden als deutsche Gesetze. Knapp die Hälfte (45,8 Prozent) sind für den Gottesstaat als beste Staatsform. 35 Prozent befürworten Gewalt, wo der Islam beschimpft wird. In Niedersachsen ist der „Himmel“ eben noch etwas leerer, also mehr Raum für radikale Islamapologeten. Aber im Grunde ähneln sich die Ergebnisse. Der Motra-Monitor des Bundeskriminalamtes fand 2026 heraus, dass 45 Prozent der Muslime unter 40 Jahren latent oder manifest „islamismusaffin“ sind, also die eben genannten Dinge in Gradabstufungen befürworten.
Die Güngör-Studie wird trotzdem von der Türkischen Kulturgemeinde Österreich (TKG) als nicht repräsentativ angesehen. Die TKG fordert „wissenschaftliche Verantwortung“. Auch der Forscher wird von der TKG kritisiert. „Seine an ein deutschsprachiges Mehrheitspublikum gerichteten Botschaften werden als anleitend, pauschalierend und teils bevormundend empfunden“, heißt es da. Das heißt, den Türken der TKG gefällt es nicht, dass der Kurde Güngör seine Ergebnisse über den Euro-Islam mitteilt, der eben nicht harmloser als der Asia-Islam ist.
Aber so erklärt dann auch der Studienautor im ORF-Beitrag, dass die Religion eigentlich gar „keine so starke Rolle“ spiele. Auch das Herkunftsland soll nur eine indirekte, vermittelte Rolle über Erziehung, Familie, Sozialisation spielen – was auch sonst? Die Kinder sind ja in Österreich aufgewachsen. Die Hauptrolle weist Güngör der angeblichen Vereinsamung und Orientierungslosigkeit von Jugendlichen zu und dann den „Algorithmen“, welche die jungen Muslime angeblich über das Internet zu Frömmlern erzögen. Schuld sind also TikTok und Elon Musk. Ist da schon einer auf der Flucht vor den Islamverbänden?
Die Musterschule, an der es nicht brennt
In Österreich wird die Zahl der Muslime mit 746.000 von 9,2 Millionen Einwohnern angegeben, also acht Prozent der Bevölkerung (Zahlen von 2021). Aber im Schuljahr 2025/26 waren 38 Prozent der Wiener Schüler muslimischen Glaubens. Nur noch 20 Prozent der Schüler waren Katholiken, 23 Prozent ohne Bekenntnis.
Der Lehrer – sein multikultureller Name ist Nikos Hamah Said – berichtet, dass er den Schülern erst einmal deutsche Wörter und Grammatik beibringen müsse. Schockierte Nachfrage/Klarstellung des Journalisten: „Obwohl sie hier geboren sind…“. Als ob dies nicht seit 50 Jahren Normalität wäre, dass Kinder in der Parallelgesellschaft aufwachsen. Aber heute fällt es zunehmend auf, auch bei Markus Lanz ja schon, wo man lernen konnte, das simple Worte wie „Bach“ oder „Schwein“ Schülern unbekannt sind.
Immer größer wird in dieser Lage die Zahl der sogenannten „außerordentlichen Schüler“, was schon sehr vornehmes Deutsch für das ist, was man früher eher Sonderschüler nannte. In Österreich ist es ein Begriff für frei schwebende Schüler, die nicht über ausreichende Deutschkenntniss verfügen und „bei Bedarf“ die erste Volksschulklasse wiederholen können. 45 Prozent der Wiener Schüler gehören in diese Kategorie. Die Zahlen aus der Güngör- und den anderen Studien will der wohl griechisch-arabische Grundschullehrer so nicht bestätigen. Anscheinend zeigt er so viel Präsenz in diesen Fragen, dass er die jüngeren gut anleiten kann. Von älteren Schülern hat er so etwas aber schon einmal gehört und dann macht er das einfach sofort „zum Thema“. Das Scharia-Gesetz wird ausdiskutiert und der Fall erledigt – so klingt diese naive Annahme.
Die anonyme Lehrerin – ins Dunkel getaucht
Die nächste Lehrerin erscheint nur als nachgesprochene Stimme und anonymisiert als „Lena“. Man erfährt nicht einmal, in welchem Bezirk ihre Schule steht. Alles ist höchst geheim. Die Türkische Kulturgemeinde wird vermutlich behaupten, dass die Frau gar nicht existiert, ebensowenig die Probleme, von denen sie berichtet. „Lehrerin Lena“ beklagt, die seit 2019 aufgehobene Klassenobergrenze, die dazu führt, dass bis zu 30 Schüler in einem Raum, einer Klasse beisammen sind. Es ist folglich „sehr lebhaft“ und laut, viel Geschubse, viele disziplinarische Probleme.
Die Schüler sind unzureichend alphabetisiert, können also nicht ordentlich lesen und schreiben. Das Frauenbild entspreche dem hiesigen von vor 50 oder 100 Jahren. Buben räumen nicht auf, Mädchen müssen das tun. Die Buben haben auch sehr feste Vorstellungen davon, wie die Mädchen sich zu bedecken haben. Im Ramadan wird auf die Einhaltung des Fastens auch bei Mitschülern geachtet; es gibt einen Wettstreit zwischen Gruppen, das gilt auch für die ganz jungen. In den Ferien hören sie mit dem Deutschsprechen ganz auf, sie haben keinen Kontakt zur österreichischen Gesellschaft.
Und da kommt die Rede natürlich auf den Finanzbedarf: In einer 30er-Klasse mit solchen Schülern, da wird selbstredend die Forderung nach „Stützlehrern“ laut. Die sind ja inzwischen eine Realität in vielen Ländern: Wo früher ein Lehrer 20 bis 30 Schüler souverän unterrichtete, da sind nun weitere Lehrkräfte nötig, die sich um die kümmern, die nicht mitkommen – oder nicht mitkommen wollen. „Akute Personalnot“ heißt so etwas dann und führte in Frankreich angeblich auch zu den Protesten. In Wahrheit kann das auch Schüler belasten und stören, wenn der Unterricht wegen einiger Störer nicht vorangeht. Das ist ja auch vertane Zeit gewissermaßen.
Musik, Schweinefleisch und Kopftuch: Der Kampf um halal und haram
Eine weitere Lehrerin – nun wieder mit Gesicht, Namen und ohne Visier – erzählt, dass sie den Tag mit einem „kleinen Gesprächskreis“ beginnt, nicht mit Unterricht, und jenes auch nur, soweit das sprachlich möglich ist. In der ersten Esspause gibt’s den ersten Streit über „halal“ und „haram“; und die Lehrerin macht da gerne Differenzierungen zwischen muslimisch und nicht-muslimisch halal (= religiös erlaubt). Schweinefleisch ist eben halal für Christen und Atheisten. So einfach ist das.
Aber Musik bleibt für viele Schüler schon der ersten Klasse haram, also religiös verboten. Die Diskussionen auch über Kleidungsvorschriften nehmen immer mehr Raum ein. Lehrerin Susanne Wiesinger schlägt Deutsch-Unterricht ab drei Jahren vor (Elementarpädagogik nennt sich das), mehr und bessere Ganztagsbetreuung und dann für alle Eltern, die nicht kooperieren, soll es an die finanzielle Unterstützung gehen. Das letzte ist ein Vorschlag, der bislang nur von sehr national denkenden Politikern wie Eric Zemmour in Frankreich gemacht wurde. Jetzt sagt die Schulfachfrau „Ja“ dazu.
Von den Kindern zu den Erwachsenen: Wenn Frauenblut halal wird
Und dann wird die Debatte entinfantilisiert, aus dem Kindlichen ins Erwachsene gehoben. Die Diskussion ums neue Kopftuchverbot unter 14 ist lebhaft. Einer schreibt auf Facebook, dass Muslime die Gesetze überall respektieren, aber gleichzeitig tun würden, was ihre Religion vorschreibt. So einfach wäre das, und 70 Prozent der Kommentatoren scheinen das so zu sehen. Das wird dann mit Menschenrechten und auch natürlich der Religionsfreiheit begründet. So wird ein Schuh aus der Diskussion über die Religionsfreiheit. Diese nützt am Ende den inbrünstig-religiösen Bevölkerungskreisen, zu denen vor allem Syrer, Afghanen und Türken gehören.
Es treten dann noch allerhand „gemäßigte“ Muslime auf, die teils von islamischen und christlichen „Extremisten“ sprechen, deren Facebook-Kommentare der Asylberater Nimer Nimer eigenhändig löscht. Neben ihm sitzt die zwar geschminkte, aber streng verhüllte Mitarbeiterin, die erklärt, viele Asylbewerber kämen aus ländlichen und rückständigen Regionen, von woher sie nun einmal einen solch rückständigen Islam pflegten.
Derweil versucht die Muslimin Nur El-Huda, den patriarchalen Mustern im Islam zu entkommen. Sie ist der Meinung, dass ein Mann seine Frau nur im Sinne Allahs oder vielleicht auch gar nicht schlagen darf (so genau wird das nicht klar) und stellt allgemein in Frage, dass Prügel eine Wohltat sein können. Im Mai hat sie ihren Hidschab abgenommen und damit einen digitalen Sturm unter Muslimen ausgelöst. Fortan war ihr Blut „halal“: Es durfte also fließen. Messerbilder wurden gepostet, dem Bruder ausgerichtet, solch eine Schwester müsse man töten. El-Huda ist immer noch Islam-Influencerin, behauptet, es gäbe einen moderaten Islam. Doch dem widerspricht jeder Blick in die Welt.
Schule: Wo es nur begrenzt Parallelgesellschaften gibt
Ein vorgezeigter Imam hat seine liebe Not, die schlimmen „Radikalen“ im Zaum zu halten. Ein ehemaliger Salafist berichtet – wiederum anonym –, er sei durch die sozialen Medien von seinen Glaubensbrüdern abgefallen. Dann können sie wohl doch etwas gut sein, zumal jener westliche Raum für freie Argumente, den es auf X und Telegram, in minderer Form auch auf Facebook & Co noch gibt. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, hier Achtung zu schreien, nur weil auch Muslime diesen Raum nutzen können.
Wichtiger erscheinen immer noch jene Instanzen, die auch Erstklässlern in Wien offenbar schon islamische Werte mitgeben; Eltern und Familien, die ihrerseits den Vorgaben der Moschee (Ditib), der daheimgebliebenen Verwandten (Herkunftsland!) und anderen Autoritäten wie Stamm und Scheich (Syrer etwa) folgen. All das rückt in den Hintergrund auch in dieser ÖRR-Dokumentation, in der sich der geschätzte Standeskollege zwischendurch die Haare rauft und den Kopf hält, wohl weil er den Irrsinn darin nicht mehr aushält. Man kann ihn verstehen.
In Deutschland warten wir immer noch auf auch nur raunende Dokumentationen, die sich dem Thema stellen. Stattdessen wartet man die nächsten „Proteste“ und Unruhen ab und schüttelt dann den Kopf, wenn Beobachter ein Massenphänomen wahrnehmen. Nur Einzeltäter. Einzelfälle sind aber die Konflikte zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen eben auch an deutschen Schulen nicht. Hier kommen alle Gesellschaftsschichten zusammen wie vielleicht in keinem anderen Bereich.
Die Schulen sind nicht nur wegen des Blicks in die Zukunft, den sie ermöglichen, wichtig. Sie zeigen auch, wo Kinder und Menschen miteinander klar kommen und wo nicht. In ihnen darf es keine Parallelgesellschaft geben, die ansonsten überall geduldet und gewahrt wird – im Grunde sogar bis in die Schulwahl der Eltern hinein, die den Speckgürtel dem Brennpunkt vorziehen.


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