EU und Indien: Im Gewand des Handelsabkommens kommt ein neuer Migrationsdeal

Zwei EU-Präsidenten führen ein diplomatisches Ballett auf, mit Fahne und Truppe beim indischen Tag der Republik. Nun ist die Rede von Freihandel, den es mit Indien aber längst gab. Im Inneren des Deals soll mehr jungen Indern der Weg in die EU geebnet werden. Den umgekehrten Weg werden wohl nur wenige gehen.

picture alliance / Anadolu | Press Information Bureau (PIB)
Indiens Premier Narendra Modi mit Ratspräsident António Costa und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Neu-Delhi, Indien, 27.01.2026

Viermal wechselte Ursula von der Leyen das Outfit auf ihrer Indien-Reise. Und es waren nicht ihre üblichen Hosenanzüge, vielmehr trug die Kommissionspräsidentin indische Designermode aus teuren Stoffen, etwa goldfarbenen Seidenbrokat aus Benares. Das ist einerseits peinlich wegen der Anbiederei, die sich darin ausdrückt, andererseits erweckt es den Anschein, als würde Ursula von der Leyen den Hindu-Nationalismus von Narendra Modi teilen und unterstützen. Aber das wird sie schon nicht gemeint haben.

„Wir haben die Mutter aller Handelsabkommen beschlossen“, sagte die inoffizielle Mutter der EU-Kommission beim gemeinsamen Auftritt mit Modi und Ratspräsident António Costa. Von der Leyen irrte sich allerdings gewaltig, als sie von den „beiden größten Demokratien der Welt“ sprach, die sich so vereinen würden. Der Begriff mag für Indien stimmen, aber die EU ist keineswegs demokratisch organisiert, sondern als Lehensstaat, und von der Leyen empfing das ihre von Emmanuel Macron und Angela Merkel.

Das Abkommen bedeutet geringere oder gar keine Zölle mehr auf über 90 Prozent der indischen Waren. Indien schafft seine Zölle aber nur für 30 Prozent der Importe aus der EU ab. Für maximal 250.000 EU-Autos soll der Zoll binnen der nächsten fünf Jahre von 110 auf zehn Prozent gesenkt werden. Hervorgehoben werden allerdings auch die Begrenzungen, die in diesen Zahlen stecken. Indien tritt beim Auto-Import auf die Bremse, die EU versagte Indien unbegrenzte Stahlimporte. Es scheint fast, als wäre das ein Handelsabkommen für den internationalen Polit-Schein, um eine neue Unabhängigkeit von den USA zu behaupten.

Die Zuwendung zu Indien zeigt auch, dass die EU global in die Enge gerät: Über lange Zeit fast unterwürfig hofierte Handelspartner wie China oder der Iran erscheinen zunehmend fragwürdig. Man hat bemerkt, wie man zumal von China ausgenutzt wird, und ist nun bemüht, Gegengewichte aufzubauen. Da kommt das Sonnen im Glanz einer dreitausendjährigen Kultur gerade recht. Zudem freut sich von der Leyen, dass völkerrechtlich inexistente Souveränitätssymbole der EU, namentlich deren „Flagge“ und Militär, in Indien präsentiert wurden.

Regenten lassen nicht ab von ihrem Ersetzungswahn

Landwirtschaftliche Produkte wurden vorerst ausgeklammert, was europäische Bauernproteste abwenden dürfte. In den Mercosur-Protesten drückte sich dabei weniger Furcht vor der Konkurrenz aus als Ermattung durch die Green-Deal-Vorgaben der EU: Beides zusammen werden die europäischen Bauern nicht tragen können – vor allem aber nicht die unrealistischen Vorgaben, die wirtschaftsferne Euro- und Ökokraten ihnen abverlangen.

Wenige Minuten später zückte Costa seinen indischen Pass – Costa ist stolz auf seine Wurzeln in Goa. Das mag so sein, zu hoffen wäre dennoch, dass er sich zuvörderst um die Interessen der EU-Bürger sorgt. Insofern sind solche Doppelpass-Inszenierungen auch immer etwas fragwürdig. Sie passen ohne Zweifel zum neuen Ansatz der EU-Oberen zur Durchmischung der europäischen Arbeitsmärkte mit indischen Fach- und Arbeitskräften. Man will angeblich die Tore für qualifizierte Arbeitskräfte aus Indien öffnen – das bedeutet offenbar die Entwertung hiesiger Qualifikationen und den Verzicht auf nationale Standards.

Hier drohen neue Gefahren für die Europäer. Denn ihre Regenten lassen nicht ab von den bekannten Ersetzungsträumen. Die Zahl der Arbeitskräfte in der EU-Zone soll stabil gehalten werden, man plant also weiterhin den Arbeitskräfte-Import im großen Stil. Nur zur Erinnerung: 14 Prozent der Inder sind Muslime, sie bilden die zweitgrößte Religion im Land mit um die 200 Millionen Anhängern. Sie sind dabei nicht unbedingt wohlgelitten bei der indischen Regierung, die eng mit dem Hinduismus als nationaler Religion des Landes verbunden ist.

Deutscher Botschafter bestätigt: Migration ist anstehendes Thema

Die indische Seite weist darauf hin, dass es um die „optimierte und sichere Mobilität von Fachkräften“ gehen wird – vor allem um „mehr Jobs für indische Jugendliche“, also für diejenigen, die in Indien nicht benötigt werden. Saisonarbeiter sind nur ein Nebenschauplatz, aber auch hier kann es durchaus zu dauerhafter Zuwanderung kommen.

Von der Leyen sprach – im dunkelblauen Anzug – ganz offen aus, was eigentlich eine Doppelzüngigkeit sondergleichen ist: „Wir beide wissen: Unser größter Wohlstand sind unsere Menschen.“ Doch warum Premierminister Modi dann so viel daran setzt, indische Jugendliche nach Europa abzutreten, bleibt das Geheimnis der Verhandler. Anscheinend kann man den Wohlstand, der sich in geburtenreichen Jahrgängen ausdrückt, auch als Verhandlungsmasse einsetzen. Die EU nimmt so etwas gerne. Wenn man in Betracht zieht, dass die EU und Indien eigentlich nur ihre traditionell freundlichen Handelsbeziehungen bekräftigt haben, dann ist das gesamte Abkommen eigentlich ein Migrationsdeal im Gewand eines Freihandelsabkommens.

Schon bei der Indien-Reise von Friedrich Merz zehn Tage zuvor, spielte neben Verteidigung und 
Handel die Migration zwischen Indien und Deutschland eine Hauptrolle, sei ein heißes „topic on the plate“, also ein anstehendes Thema, wie auch der deutsche Botschafter in Neu-Delhi, Philipp Ackermann, zugab. Es geht also um das Öffnen weiterer Tore der Zuwanderung in die Länder der EU. Wie gesagt: Sie lassen nicht ab von ihrer Theorie, dass jeder ausbleibende EU-Arbeitnehmer durch einen Zuwanderer ersetzt werden müsse. Dieses Dogma muss offensiv bekämpft werden. Davor endet der Migrationswahnsinn in dieser EU nicht.

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Kommentare ( 73 )

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giesemann
15 Tage her

Wenn nur Inderinnen kommen, möglichst junge, dann gibt es kein Problem. Die Kerle bleiben draußen. Söhne Allahs sowieso.

Lizzard04
16 Tage her

Was glauben diese Verbrecher, wie diese v.d.L. eigentlich, wessen Interessen sie eigentlich zu vertreten haben! Weg mit denen, bevor sie unsere Gesellschaften komplett zerstört haben!

Britsch
16 Tage her
Antworten an  Lizzard04

Das was Merkel eingeführt hat wird gerne praktizioert und weiter ausgebaut.
Wie sagte Merkel? Sie mache Alles Richtig, das Volk würde das nur nicht begreifen, wäre zu dumm , man müsse das Volk besser Aufklären, damit es das veranlaßte/ Entschiedene besser versteht/ begreift. Unabhängige Medien wurden absofort für Regierungspropaganda bezahlt. ab in die Diktatur oder Monarchie aus längst vergangenen Zeiten? Wo das Volk gar nichts zu sagen hatte, nur ausgebeutr wurde und aös Pleps bezeichnett

Tin
16 Tage her

Es gibt Millionen Elerwerbslose Europäer in der EU als Insassen, überwiegend Jugendliche. Und es geht überhaupt nicht um den Wohlstand der Europäer. Ich verachte eine menschenunfreundliche, empathielose Humanhülle unermesslich.

giesemann
16 Tage her

“ … also für diejenigen, die in Indien nicht benötigt werden“. Indien ist das drittgrößte muslimische Land nach Indonesien und Pakistan, dort leben so viele Moslems wie es Russen gibt in Russland, also ca. 160 Millionen. Entledigt sich Indien seiner Moslems? Ein Inder warnt uns: Weltbank-Chef Ajay Banga prognostizert weitere 800 Millionen Flüchtlinge – FOCUS online – mal lesen.

Haba Orwell
16 Tage her
Antworten an  giesemann

Demnach sind die meisten der fast 300 Tsd. Inder hier Hinduisten: Inder in Deutschland – Wikipedia. Fast 1/5 der Weltbevölkerung sind Inder – es wäre seltsam, wenn es hier keine gäbe.

giesemann
15 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Nix verstanden, egal.

Emsfranke
16 Tage her

Denkt man nur mal so ins „theoretische Unreine“, dann kann jeder, der in der Schule irgendwann anl. der „Aktionswoche Grundrechenarten“ in der Grundschule aufgepasst hat, ohne große Mühe ausrechnen, wieviele der 1,5 Milliarden Inder in die EU strömen, wenn sich nur 10% der aktuellen Bevölkerung Indiens dafür entscheiden würden. Wer „Freihandelsabkommen“ mit einem bevölkerungsreichen Land wie Indien abschließt, ohne den Vertragstext mit Bezug auf Zuwanderung in Zahlen verbindlich zu regeln, sollte zur Betreuung in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen und nach festgestellter Wiederherstellung der Funktion der Hirnwerkzeuge niemals mehr für ein öffentliches Amt zugelassen werden.

PaulKehl
16 Tage her
Antworten an  Emsfranke

Das kann sich auch alles in Luft auflösen. Von den 20.000 in Kenia erhandelten Busfahrern redet heute auch keiner mehr. Das ist kreative Statistik. Wahrscheinlich sollen auf den Posten „legale Arbeitsaufnahme“ Raubnomaden gebucht werden, damit die unkontrollierte Landnahme weniger auffällt. Vorliegend wahrscheinlich aus Indiens Nachbarland Bangla Dash. Aber nicht die patenten Schrauber-Jungs und Rangierarbeiter aus you tube.

Innere Unruhe
16 Tage her
Antworten an  Emsfranke

Ich habe seit langem schon den Eindruck, dass EU und speziell Deutschland als reine Fabriken betrachtet werden.
Darum, wie sich ein Deutscher fühlt, wenn er lauter fremde Gesichter auf der Straße und in der Schule sieht, geht es kaum.
Stattdessen werden irgendwelche Zahlen in den Raum geworfen, als ob unser Lebenssinn darin besteht, eine gewisse Steuersumme abzuwerfen, um irgendwelche Statistiken zu fühlen.
Es geht zu wenig um die eigene Kultur und Tradition. Vor so großen demographischen Veränderungen muss erstmal das Einverständnis der Menschen eingeholt werden.
Wobei ich auch hier meine Angst habe.

Haba Orwell
16 Tage her
Antworten an  Innere Unruhe

> Darum, wie sich ein Deutscher fühlt, wenn er lauter fremde Gesichter auf der Straße und in der Schule sieht, geht es kaum.

Hoffentlich mies genug bis zum bitteren Untergang – wenn ich nur daran denke, dass die meisten stets den Ökosozialismus wählen. Röper zitierte mal eine Studie – 57% glauben stramm staatlichen Narrativen, während es „mit Hintergrund“ nur die Hälfte ist.
Jeder Bio-Michel sollte in den Schädel einrammen – die Chancen gab es, man hätte sie nutzen und nicht verschwenden sollen. Jetzt müsste wer anders die Dinge besser organisieren – die Frage nur noch, wer genau?

Deutsche
17 Tage her

Offensichtlich ist Brüssel/Berlin der Eigentümer der Menschen Europas und sie füllen ihren Herdenbestand auf. Ist ja schließlich letztendlich „egal“ wer ihnen ihr Luxusleben finanziert.

Deutsche
17 Tage her

Wie war das mit Troja und den tollen, riesigen, hölzernen „Geschenken“, die man vor deren Stadttoren abgestellt hat?
Die Bürokraten Menschenmassenverschieber, die angeblich für uns arbeiten machen die Deutschen/Eigentümer zu einer Teilgruppe im eigenen Land.
Sie löschen Deutschland bereits mittelfristig gesehen aus. Hört sich für mich wie ein bemänteltes schweres Verbrechen an.

Flavius Rex
17 Tage her

Der indische Aktienmarkt hat auf das Abkommen auch gar nicht reagiert, so wichtig war das.

Hauptsache wieder millionenfach nicht-Europäer nach Europa bringen und sich in den Medien für Lügen zum Freihandel und Kampf gegen die USA abfeiern lassen. Und eine schöne Reise in den Orient unternommen, mit tollem Unterhaltungsprogramm und Fresserei.

Die EU ist widerwärtig und die CDU, die Gestalten wie Merkel, Leier und Fritze hervorbringt ist der Bodensatz, der das korrupte Konstrukt am Laufen hält. Hätte ich nicht gedacht, dass die BRD nach 1945 wieder Europa ins Unglück stürzen würde.

Peter Klaus
17 Tage her

Die „Spitzen-Inder“ gehen sowieos woanders hin – kommen werden nur die, die es in der Heimat nicht geschafft haben und die auch sonst keiner haben möchte. Wir hatten im Klinikzentrum 2 solche Spitzen-Inder (in GB studiert), die nach dem Brexit in Deutschland angeheuert haben, der eine ist jetzt in Kanada und der andere in Neuseeland – mehr Netto vom Brutto, bezahlte Ü-Stunden, keine sprachliche Barrieren (damit sind nicht die die schlechten Deutschkentnisse der beiden Inder gemeint, sondern die der Patienten und des bunt zusammengewürfelten restlichen Klinik-Personals); also wegen der AfD sind die nicht weg. Freuen werden sich jedoch die zahlreichen… Mehr

Britsch
17 Tage her

Ist es eigentlich nicht sinnvoll, wenn man bei etwas wenig Erfahrung, Kenntnisse hat, zuerst einmal zu versuchen von dem Wissen und Können Anderer zu lernen? Aber „die Deutschen“ waren ja, zumindest vielfach, der Meinung, die Chinesen seien nicht fähig Gleiches zu machen.. Bei vielen Deutschen ist es nach meinen Erfahrungen auch so, daß sie überheblich meinen, was Andere machen wäre fast generell „Mist“ sie könnten alles besser, ohne sich ernsthaft mit dem Anderen auseinander zu setzen