In Italien wollen Bürger und Medien nicht länger wegschauen – oder antijüdische Taten umdeuten wie andernorts in Europa. Alles reflexhaft „Rechts“ zuzuschreiben, greift hier immer weniger. Viele erkennen: Die Bedrohung kommt zunehmend aus linken Milieus und einem extremen islamischen Umfeld.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Marcello Valeri
Alltagsszenen dieser Tage: Ein 62-jähriger Mann geht mit seiner Frau spazieren. Ein ganz normaler Sonntag in Rom. Bis er zur Zielscheibe wird. Weil er eine Kippa trägt. Weil er als Jude erkennbar ist. Was folgt, ist keine zufällige Eskalation. Tritte, Schläge, Beleidigungen. Ein verletztes Auge, Krankenhaus, Anzeige. Hemmungslose Gewalt. Das ist längst kein Einzelfall mehr.
Fast zur gleichen Zeit in Mailand: zehn gegen zwei. Zwei junge jüdische Touristen, ebenfalls mit der Kippa. Umringt, beschimpft, geschlagen. Eine gebrochene Nase. Die Täter fliehen – beschrieben als Nordafrikaner, Maghrebiner. Zufall? Wohl kaum. Daran glaubt man in Italien längst nicht mehr. Die Berichte ähneln sich zu sehr bis ins Detail:
- die sichtbare jüdische Identität,
- eine aggressive Ansprache,
- dann die eskalierende Gewalt,
- mehrere Täter, die sich hineinsteigern,
- und anschließende Flucht vor der Polizei.
Und immer wieder dieselbe Frage: Warum passiert das immer öfter?
Die Zahlen lügen nicht
In Italien wurden 2025 fast tausend judenfeindliche Vorfälle registriert. Mehr als ein Drittel davon physische Angriffe. Tendenz steigend. Seit dem 7. Oktober 2023 – dem Massaker der Hamas – hat sich das Klima spürbar verändert. Was früher eher ein Randphänomen war, tritt heute offener, aggressiver, selbstbewusster auf. Antisemitismus ist nicht neu. Aber die Hemmungen sind gefallen. Und immer mehr wird klar: Es ist Hass gegen Juden und Israel.
Der Alltag wird zur Gefahrenzone – besonders für jüdische Bürger, die als solche erkennbar sind. Es geht längst nicht mehr um Schmierereien oder Online-Hass. Es geht um Straßen. Plätze. Supermärkte. Vor allem junge, gewaltbereite Gruppen – in Italien oft „Maranzas“ genannt – inszenieren Übergriffe als Machtdemonstration. Ähnlich wie in Deutschland entsprechende Milieus – Talahons – filmen sie sich, provozieren, testen Grenzen. Die Botschaft ist simpel, und sie sagen es auch so, der öffentliche Raum „gehört uns“.
Ein Spaziergang genügt, ein religiöses Symbol frei sichtbar dazu, und die Gefahrenlage nimmt zu. Die Kippa wird zur Zielmarke. Das bedeutet etwas sehr Grundsätzliches, Menschen müssen wieder überlegen, ob sie ihre Identität öffentlich zeigen können, ohne angegriffen zu werden. Das ist kein Randproblem. Das ist ein Alarmsignal für jede freie Gesellschaft.
Der 25. April – Befreiung ohne Juden?
Besonders sichtbar wird die Lage rund um den 25. April, den Tag der Befreiung Italiens vom Faschismus – eigentlich ein Datum nationaler Einheit. Doch ausgerechnet hier zieht sich nun ein Teil der jüdischen Gemeinschaft zurück. Die jüdische Gemeinde und Community Mailands hat angekündigt, nicht an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Offiziell wegen der Überschneidung mit dem Schabbat. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Hinter vorgehaltener Hand – und inzwischen auch offen – wird ein zweiter Grund benannt: fehlende Sicherheit.
Jüdische Familien wollen nicht mehr an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen. Eltern zögern, auch ihrer Kinder wegen. Zu groß ist die Sorge, erneut zur Zielscheibe zu werden. Die Botschaft ist unmissverständlich: Juden in Italien brauchen Schutz, um öffentlich sichtbar sein zu können. Ein Befund, der an Deutlichkeit kaum zu überbieten ist. Ausgerechnet am Tag der Befreiung bleibt ein Teil derjenigen fern, die zu den Verfolgten gehörten. Nicht aus Gleichgültigkeit – sondern aus Vorsicht.
Dagegen wird die Brigata Ebraica, Jüdische Brigade, an den Feierlichkeiten teilnehmen – gemeinsam mit iranischen Dissidenten, Ukrainern und weiteren Gruppen, die sich ausdrücklich auf die Seite von Freiheit und Demokratie stellen. Eine Koalition derer, die autoritäre Regime kennen – und ihnen entgegentreten. Der Kontrast könnte schärfer kaum sein. Hier der Rückzug aus Angst – dort das demonstrative Festhalten an Freiheit.
Und mittendrin ein Staat, der beides gleichzeitig aushalten muss.
Politische Reaktionen – klare Worte, wenig Wirkung
Verurteilungen gibt es natürlich: „inakzeptabel“, „beschämend“, „alarmierend“. Doch Worte stoppen keine Täter. Die Regierung um Giorgia Meloni, Lega-Chef Matteo Salvini sowieso, verurteilen den Antisemitismus und offenkundigen Anti-Israelismus seit Jahren deutlich. Teile der linken Opposition tun sich dagegen schwerer, die Täterprofile offen zu benennen. Die Realität bleibt nüchtern: Die Gewalt findet statt. Immer wieder. Immer sichtbarer. Und sie trifft gezielt. Das ist keine diffuse Kriminalität. Das ist Hasskriminalität.
Ein unangenehmer Befund. In beiden Fällen berichten Zeugen von Tätern mit nordafrikanischem Hintergrund. Ein sensibler Punkt – und genau deshalb wird er oft umgangen. Doch wer Ursachen verstehen will, darf Muster nicht ignorieren. Es geht nicht um Pauschalisierung. Es geht um Ehrlichkeit. Werden Konflikte aus anderen Kulturen importiert, bleiben sie nicht abstrakt. Sie werden konkret – auf Europas Straßen. Gleichzeitig wächst der Druck, bestimmte Zusammenhänge nicht offen anzusprechen. Wer es dennoch tut, riskiert schnell, selbst zum Problem erklärt zu werden.
Das führt zu einem paradoxen Zustand. Die Realität ist sichtbar und spürbar – aber sie wird nicht klar benannt. Das schwächt jede ernsthafte Gegenstrategie. Die eigentliche Gefahr allgemein? Antisemitismus ist ein Frühindikator. Wo Juden angegriffen werden, ist die Grenze bereits verschoben. Dort ist Gewalt wieder ein akzeptiertes Mittel. Heute trifft es die eine Minderheit. Morgen vielleicht eine andere. Europa befindet sich im Stresstest – und hat ihn sich selbst geschaffen. Man beruft sich auf Werte wie Freiheit, Gleichheit, Sicherheit. Doch diese Werte müssen im Alltag bestehen – nicht in Sonntagsreden.
Wenn Menschen aus Angst ihre religiösen Symbole verstecken, Familien überlegen, ob sie an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen, Polizeischutz zur Voraussetzung für Sichtbarkeit wird – dann stimmt etwas nicht. Das Problem wird nicht kleiner, wenn man es relativiert. Und es verschwindet nicht, wenn man es politisch wegordnet. Die Lage ist längst gekippt. Nicht mehr die Taten allein sind das Problem – sondern das systematische Wegsehen.
Italien beginnt, diese unbequeme Wahrheit offener auszusprechen. Sie ist da. Auf den Straßen von Rom. Auf den Plätzen von Mailand. Und längst auch in vielen anderen europäischen Städten. Man blicke nur nach Berlin, Frankfurt oder München, Paris und London. Was jetzt zählt: Klarheit. Konsequenz. Rechtsdurchsetzung. Nicht selektiv, nicht zögerlich, nicht relativierend. Denn eine Gesellschaft, die ihre Minderheiten nicht schützt, verliert nicht nur ihre Sicherheit. Sie verliert ihren moralischen Kern.
Und eine Politik, die zur Aufrechterhaltung ihrer eigenen Erzählung die Realität verzerrt, verliert ihre Glaubwürdigkeit gleich mit. Italien beginnt endlich, das offensiver auszusprechen. Der Rest Europas wird nicht darum herumkommen.



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Erstaunlich ist ja immer wieder, wie völlig ineffektiv die Israelis bei ihrem angeblichen „Genozid“ sind. Selbst wenn man die Zahlen der Palis für bare Münze nimmt. 2023 haben die Palis (ohne Luftwaffe, Panzer, reguläre Armee, Artillerie) mal eben an einem Tag 1200++ Israelis ermordet. Hochgerechnet hätten die Israelis um dieselbe Menge pro Tag zu erreichen also seit dem 8 Oktober so ca. 929 Tage X 1200 = 1.114.800 Palis töten müssen. Sogar nach Pali Angaben haben sie nur so 67k „geschafft“. Das sind nur 72 pro Tag. Und das mit einem 100fachen Ausrüstungsplus, insbesondere bei schweren Waffen. Summa summarum sind… Mehr
Ich kann dieses Gebarme nicht mehr lesen. Den gleichen Artikel kann man über Deutschland schreiben. Oder über andere Ethnien. Die Juden sind ihrer rassegebundenen Religion nach ein auserwähltes Volk, das sich aufgrund dessen ein Recht auf einen bestimmten Teil der Erde anmaßt, da ihr Gott es ihnen „gegeben“ hat und aufgrund des Zorn ihres Gottes 2000 Jahre in Gastländern und von anderen geschaffenen Strukturen gelebt hat und dort immer ein Fremdkörper geblieben ist, da ihre Satzung vorschreibt, nicht vermischt vor ihren Gott zu treten. Was geht andere die Religion der Juden an und warum sollen für Juden andere Maßstäbe gelten… Mehr
Ach je. Das übliche tumbe Geseibel halt. Man kann halt auch einfach mal ignorieren, das die ach-so anmaßenden Juden etliche Jahrhunderte auf dem Teil der Erde gelebt haben, bevor muslimische Araber sich ihr imperialistisches Reich zusammengemordet haben.
Übrigens gilt auch für den „Rest der Welt“ zumindest in Europa das Recht, das er nicht beliebig von Islamfaschisten, sowie Links-und Rechtssozialistischem Pack zusammengeschlagen werden kann.
„You know where you can shove your Palestine….“
Auch dieser sinnvolle, notwendige Artikel kurvt geschickt um die Hauptursache herum, ohne sie zu benennen. Und die heißt: Islam.
Wobei die Palis auch in anderen islamischen Ländern mitnichten willkommen sind. Das hat seinen Grund.