Charles Michel zerlegt Ursula von der Leyen und attestiert ihr autoritäre Führung und Machtkonzentration. Nach der „Diktatorin“-Zuschreibung von Kaja Kallas folgt damit der nächste schwere Hieb auf von der Leyen. Auch aus der EU-Spitze wächst der Vorwurf, Brüssel entgleite jedes institutionelle Gleichgewicht.
Der frühere Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, rechnet mit Ursula von der Leyen ab und stellt ihr Führungsmodell grundsätzlich infrage. Er spricht von systematisch blockierter Zusammenarbeit zwischen den EU-Institutionen und einer Kommission, die sich vom vertraglich gesetzten Rahmen entfernt hat. Von der Leyen habe Kooperation nicht organisiert, sondern behindert und damit die Abstimmung an der Spitze der Union geschwächt. Gleichzeitig sieht Michel eine klare Verschiebung der Machtverhältnisse: Der Rat werde an den Rand gedrängt, während sich zentrale Entscheidungen in der Kommission bündeln. Für ihn untergräbt diese Entwicklung die Funktionsfähigkeit der Union und beschädigt das institutionelle Gleichgewicht, das die EU eigentlich tragen soll.
Im Interview mit der Brussels Times beschreibt Michel die Zusammenarbeit als beispiellos schwierig. Ein solches Maß an Konflikten mit einer Kollegin habe er nie zuvor erlebt. Er stellt ausdrücklich klar, dass es ihm nicht um persönliche Differenzen geht, sondern um den Zustand des europäischen Projekts selbst. Genau dort sieht er den Schaden. Die Kommission habe ihr Mandat überschritten, Kompetenzen ausgeweitet und dabei andere Institutionen systematisch zurückgedrängt. Innerhalb der Kommission selbst sei die Lage ebenfalls verschoben worden. Europäische Kommissare hätten faktisch keine eigenständige Rolle mehr, Entscheidungsprozesse konzentrieren sich an der Spitze. Damit geht eine zentrale interne Balance verloren, die eigentlich verhindern soll, dass Macht in einer Hand gebündelt wird.
— Martin Sonneborn (@MartinSonneborn) April 20, 2026
Vor diesem Hintergrund greift auch Martin Sonneborn die Vorwürfe auf und spitzt sie weiter zu. Er verweist auf Michels Diagnose einer „autoritären Führung“ und hält fest, dass die 26 Kommissare faktisch entmachtet seien, obwohl sie laut Verträgen das eigentliche Entscheidungsorgan bilden. Von der Leyen habe sich systematisch jeder Koordination mit dem Ratspräsidenten entzogen, ein Vorwurf, der bereits von früheren Kommissaren wie Frans Timmermans, Margrethe Vestager, Nicolas Schmit und Thierry Breton erhoben wurde. In den Kernfeldern Binnenmarkt, Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit erkennt er keinerlei Ergebnis, während gleichzeitig Kompetenzen in Bereichen wie Verteidigung, Außenpolitik und externer Vertretung an sich gezogen werden. Für Sonneborn ergibt sich daraus ein klares Bild: eine Kommissionsspitze, die Macht bündelt, Zuständigkeiten ausweitet und sich über die vertraglichen Grenzen hinwegsetzt.
Diese Kritik trifft auf eine ohnehin angespannte Lage nach den Europawahlen, in der Beobachter die politische Schlagkraft des aktuellen Kommissionsteams infrage stellen. Michels Aussagen geben dieser Einschätzung zusätzlich Gewicht, weil sie aus unmittelbarer Erfahrung an der Spitze der EU stammen. Gleichzeitig zeichnet er auch inhaltlich ein Bild von Stillstand. Beim Binnenmarkt, einer der Kernaufgaben der Kommission, sei nichts vorangekommen. Auch bei der Weiterentwicklung der Finanzmärkte erkennt er keinerlei Fortschritt. Die zentralen wirtschaftspolitischen Aufgaben der Kommission bleiben damit unerfüllt, während sich die politische Energie auf Machtfragen konzentriert.
Der Zeitpunkt seiner Aussagen verstärkt die Brisanz zusätzlich. Von der Leyen bereitet einen neuen Fahrplan für den Binnenmarkt vor, der es Gruppen von Mitgliedstaaten ermöglichen könnte, ohne Einstimmigkeit voranzugehen. Damit würde ein Mechanismus gestärkt, der faktisch ein Europa unterschiedlicher Geschwindigkeiten zementiert. Mitgliedstaaten könnten in Kernthemen vorpreschen, während andere außen vor bleiben. Genau dieses Modell treibt die Sorge vor einer dauerhaften Spaltung der Union voran, weil es die Gleichrangigkeit der Mitgliedstaaten weiter aushöhlt und Entscheidungsprozesse von der gemeinsamen Basis löst.
Das zerrüttete Verhältnis zwischen Michel und von der Leyen zieht sich durch seine gesamte Amtszeit. In internationalen Fragen und bei zentralen EU-Entscheidungen kam es immer wieder zu offenen Konflikten. Diese Spannungen waren kein Randphänomen, sondern Teil der täglichen Arbeit an der Spitze der Union. Michels jetzige Aussagen wirken deshalb nicht wie eine spontane Kritik, sondern wie eine zusammengefasste Abrechnung mit einem Führungsstil, der aus seiner Sicht dauerhaft auf Machtkonzentration und Kontrolle ausgerichtet war.
Die Vorwürfe stehen keinesfalls isoliert. Auch Kaja Kallas hat sich in der Vergangenheit ungewöhnlich scharf geäußert und von der Leyen als „Diktatorin“ bezeichnet. Eine solche Wortwahl fällt im inneren Kreis europäischer Spitzenpolitiker nur selten und zeigt, wie weit die Spannungen bereits fortgeschritten sind. Wenn führende Akteure der Union zu solchen Begriffen greifen, ist das kein rhetorischer Ausrutscher, sondern Ausdruck einer tief sitzenden Kritik an der Art, wie Macht in Brüssel organisiert und ausgeübt wird.

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Wann verlässt die Ungewählte eigentlich die politische Bühne? Vielleicht könnte eine Rückkehrprämie ins Private ja helfen.
Apropos „Kinder + Jugendschutz“ der EU:
„Videospiel «Bad-Vaxx» – mitfinanziert von der EU. Das Videospiel, das Kinder gegen Impf-Desinformation immunisieren soll, erntet zunehmend Kritik, weil es etablierte Impf-Narrative verstärkt und seine Entwickler Verbindungen zu Militärorganisationen, Big Tech-Konzernen und der Gates-Stiftung haben.“ – Transition News
Demokratisch nicht legitimierte Profiteure unter sich, die unzufrieden sind mit der Verteilung der Sore.
Friedensprojekt?. Wohlstand für Alle?. Nix da. Statt dessen Kontrolle, Piks, Überwachung, Zensur, Sanktionierung und vielleicht noch Krieg?….“DEMOCRACY“?, eher „Dämonkratie“ für die global vernetzte Geldverwalterschattenclique des US-$ und seines untergehenden Darth Vader-Imperiums.