Frühere und amtierende EU-Spitzenpolitiker sagen bereits offen, der zentralistische Führungsstil Ursula von der Leyens richte langfristigen Schaden an. Jetzt kritisiert auch der ehemalige EU-Kommissar Nicolas Schmit Defizite bei Strategie, innerer Debattenkultur und politischem Mut.
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Virginia Mayo
Nicolas Schmit, von 2019 bis 2024 Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte, beschreibt die Arbeitsweise der EU-Kommission als zunehmend „präsidial“. Entscheidungen würden stark im direkten Umfeld der Präsidentin vorbereitet, während das Kollegium der Kommissare – formal das zentrale Entscheidungsorgan – an Einfluss verliere. Der Eindruck des Luxemburgers: Viele Kommissare seien heute kaum mehr als Ausführende, nicht mehr Mitgestalter europäischer Politik.
Dieses System sei weder gut für die Kommission noch für die EU insgesamt. Besonders kritisch äußert sich Schmit über das Fehlen einer langfristigen strategischen Vision: Europa habe sich in den vergangenen Jahren in einer Welt wiedergefunden, die sich geopolitisch grundlegend verändert habe – mit dem Krieg gegen die Ukraine, wachsendem Systemwettbewerb mit China und einer zunehmend unberechenbaren Rolle der USA. Dennoch habe es in der Kommission keine ernsthafte, offene Grundsatzdebatte darüber gegeben, welche Rolle Europa global einnehmen wolle, berichtet dazu Politico. Die EU-Führung sei häufig reaktiv geblieben, statt strategisch vorauszudenken.
Mit dieser Einschätzung ist Schmit nicht allein. Bereits zuvor hatte der frühere EU-Kommissar und französische Politiker Michel Barnier in seinen Memoiren von einer „autoritären Drift“ innerhalb der Kommission gesprochen. Auch Thierry Breton, einst zuständig für Binnenmarkt und Digitalpolitik, kritisierte offen die Machtkonzentration an der Spitze: Das gemeinsame Europa, so Breton, sei nicht dafür geschaffen, von einer einzelnen Person dominiert zu werden.
Besonders deutlich wird die Problematik am Umgang der Kommission mit dem Konflikt um die EU-Digitalregulierung: Als die USA gegen Breton wegen der Durchsetzung des Digital Services Act und des Digital Markets Act Sanktionen verhängten und ihm faktisch die Einreise untersagten, blieb eine klare politische Reaktion aus Brüssel aus. Schmit kritisiert dieses Schweigen scharf. Die umstrittenen Gesetze seien von allen 27 Kommissaren gemeinsam beschlossen worden, nicht von einem Einzelnen – hier hätte die EU geschlossen auftreten müssen, um seine regulatorische Souveränität zu verteidigen.
Auch Kritik von Kaja Kallas
In diese wachsende Kritik reiht sich auch die jüngst bekannt gewordene Distanzierung der estnischen Regierungschefin Kaja Kallas ein. Kallas äußerte Zweifel daran, dass zentrale außen- und sicherheitspolitische Entscheidungen in Brüssel ausreichend mit den Mitgliedstaaten abgestimmt würden. Eine starke Führung sei wichtig, so der Tenor, dürfe aber nicht zulasten von Transparenz und Vertrauen gehen, insbesondere in Zeiten geopolitischer Unsicherheit.
Ebenso mehren sich im EU-Parlament kritische Stimmen: Die Vorsitzende der Sozialdemokraten, Iratxe García, warf der Kommission mit ihrer Deregulierungsagenda einen gefährlichen Kurs vor. Die sogenannten Omnibus-Pakete, mit denen Umwelt-, Sozial- und Digitalvorgaben gebündelt gelockert werden sollen, seien überhastet und politisch schlecht abgesichert. Parallelen zur Deregulierungspolitik der Trump-Administration in den USA werden offen gezogen.
Diese Bedenken werden durch institutionelle Kritik gestützt. Die EU-Bürgerbeauftragte rügte im vergangenen Herbst erhebliche Verfahrensmängel bei der Ausarbeitung dieser Omnibus-Pakete. Zu kurze Fristen, mangelnde Transparenz und eingeschränkte Beteiligungsmöglichkeiten hätten das Verfahren geprägt – ein Befund, der in Brüssel selten so deutlich formuliert wird.
Die Kommission weist die Vorwürfe zurück und betont, Ziel der Reformen sei es, Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Unternehmen von Bürokratie zu entlasten. Zu den persönlichen Angriffen auf von der Leyens Führungsstil äußert sie sich nicht.
Der öffentliche Druck wächst: Dass ehemalige Kommissare, Regierungschefs und führende Parlamentarier ihre Kritik nicht mehr hinter verschlossenen Türen äußern, zeigt, wie groß die Unzufriedenheit mit Ursula von der Leyen bereits ist.


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Aber sind die Kritiker denn wirklich besser? Ich habe da so meine Zweifel.
Die sind nicht besser und vom gleichen Kaliber. Die einzigen, die sich dieser niedersächsischen Schranze mit dem Betongesicht entgegen stellen, sind neben Obàn und Fico jetzt auch wieder Babis aus Prag. Diese unsägliche Westdeutsche weiß nicht einmal wie man sich auf internationalen Parkett zu bewegen hat. Während alle Damen, die von Orbàn , bei einem EU-Treffen in Budapest, gemäß der ungarischen Tradition, mit Handkuss begrüßt wurden, diesen dankend entgegen nehmen, hat dieser Trampel an der Spitze der EU, ihre Hand demonstrativ zurück gezogen und glaubte wohl ernsthaft Orbàn damit beleidigen zu können. In Wirklichkeit aber hat sie damit vor aller… Mehr
Nun, was heißt hier „besser“ ? Ohne massive Kritik keine Änderung.
Wenn ich die Wahl zwischen einer chronisch lügenden, täuschenden/erschleichenden und übergriffigen Politikerkaste oder dem Spitzenpersonal der AfD habe, dann weiß ich „wer besser ist“.
Aber Sie meinen wahrscheinlich das Machtgerangel innerhalb der „EU“.
Die wollen mehr „Haltung“ zeigen?
Mir kommt es so vor, als wenn absichtlich ein wenig „rebelliert“ wird, um die Stimme der Alternative vermeintlich zu bestätigen, nur um dann eine Legitimierung zu bekommen, den nächsten großen Umsturz vorzubereiten, aber eben nicht in die korrigierende Richtung, sondern schnurstracks weiter in die EUdSSR.
UvdL ist Merkels Marionette. Merkel zieht die Fäden für ihre und Honeckers Rache am Westen. Und „unsere Demokraten“ spielen dabei mit.
https://x.com/Donuncutschweiz/status/2011748444545957930?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E2011748444545957930%7Ctwgr
„Kaja Kallas – are you kidding me!?
Van der Leyen – are you kidding me!??
Merz – oh my God!!
Come on … it goes from bad to worse!“
Jeffrey Sachs, Ökonom
(Also ECHTER Ökonom, nicht sowas wie die
Lyssenkos der Wirtschaft in Brüssel und Berlin)
Die Kritik wird lauter?
Wie tief muß man denn in letzter Zeit geschlafen haben, um erst jetzt bloße Kritik zu äussern?
Ich frage mal rein rhetorisch:
Kann es sein, daß diese „Kritiker“ zunächst permanent alle Hände voll damit zu tun haben, sämtliche Kritik an ihnen selber abperlen lassen zu können? Oder waren diese „Aufrichtigen“ etwa wirklich so beschäftigt, daß ihnen diese stümpernde EU nicht so richtig ins Bewusstsein rücken konnte?
Und was soll denn nun nach einer vdL kommen?
„… Ziel der Reformen sei es, Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Unternehmen von Bürokratie zu entlasten.“
Fehlte nur noch ihr Lieblingsbullshitbuzzword:
„… zum Schutz von Unseredemokratie“.
Breton (z. B.: Großinquisitor gegen Trump und Musk) und Kallas (z.B.: Russenphobie und Kriegsgeilheit) sind doch selbst totalitäre Despoten. Geben wir doch allen Brüsseler Kommissaren einen Besen. Der Hexentanzplatz wäre dann der ideale Landeplatz für diese Höllenfürsten.
„Viele Kommissare seien heute kaum mehr als Ausführende, nicht mehr Mitgestalter europäischer Politik.“
Die AM-Unsitte bzw. die Unsitte der geschlossenen Fraktion (Brandmauer gegen Gewissen) und der Liste gegenüber der Direktwahl greift um sich.
Ach, die Herrschaften haben in ihrem abgeschlossenen Teekränzchen Meinungsverschiedenheiten?
Der eine will den Bürger so schröpfen, der andere so.
Man könnte fragen: was hat der europäische Bürger mit dieser EU zu tun?
Er hat kein Einfluss, er kann nichts bewirken, er kann nur hinnehmen und üppige Zahlungen für die Privat-Projekte der abgehalfterten Politiker leisten.
Es verstärkt sich der Eindruck, der Bürger ist für die EU da und für das auskommen der dort tätigen Agitatoren.
Nun, wie kann man das ändern?
Tja, da gab es mal ein Sprichwort das lautete: „ Und bist du nicht willig, so brauche ich……………….. gutes Zureden
Die EU ist doch nur noch ein verwahrloster korrupter Haufen abgeschobener Politiker die nur in ihre eigene Tasche wirtschaften. Bedient von schätzungsweise 15.000 bis über 29.000 Lobbyisten. Mehr Geld kann man ohne Leistung zu erbringen nicht mehr erhalten. Dexit sofort!
Interessant ist in diesem Zusammenhang vor allem was Michel Barnier vorbringt. Er ist ein gestandener Konservativer mit liberalem Grundstrich.
Wenn sich jedoch Linke über zuviel Deregulierung in der Wirtschaftspolitik, Breton über zuviel Meinungsfreiheit und Schmit als oberster Bückling von Asselborn aufregen, dann ist das ein gutes Zeichen. Auch die Kritik von Kallas ist ambivalent: Ich finde zwar ihre klare Haltung gegen Putin gut. Jedoch schießt sie damit verbal insofern oft über das Ziel hinaus, als dass sie dabei offenbar unabgestimmt mit Ländern wie Ungarn oder der Slowakei vorgeht.
Er könnte genauso ein Scheinkonservativer sein wie die in der Union. Weitere Gelder wollte er, wie üblich, mit höheren Steuern einnehmen. Woke Ideologien waren nicht auf seiner Liste.
Anscheinend hatte er nicht genug Eier, um sich strikt gegen Links durchzusetzen, wodurch auch die Stimmen von Rechts fehlten und er schnell wieder abgesetzt wurde.
Außer verlängerter „Grenzkontrollen“ ist von seinem „Masterplan“ nichts übrig geblieben…
Es geht nicht nur um die (wirklich unsägliche und unerträgliche) Frau von der Leyen. Die gesamte EU müsste wieder zurück zu den Ideen der EWG – ein gemeinsamer Markt zum allseitigen Vorteil, und ansonsten Akzeptanz der Verschiedenheit der europäischen Nationen und Kulturen. Gleichmacherei und Regelungswut sind ein Irrweg!
Ich hoffe sehr, es gibt genügend EU-Staaten, die einen besseren Überlebenswillen haben als die EU und D. Und dann muss man auch mal Fehler korrigieren. Es mag ja lange Zeit gut gegangen sein ohne Grenzkontrollen innerhalb der EU. Aber wenn man merkt, dass die Außengrenzen zu durchlässig sind und man das als EU nicht geregelt bekommt oder bekommen will, dann müssen halt die Kontrollen an den Innengrenzen wieder her. Aber Wasser ins U-Boot lassen, ohne Schotten dicht zu machen, führt zum Untergang des gesamten Bootes. Eigentlich ist völlig egal, wohin man schaut. Die EU und einzelne Staaten wollen freie und… Mehr