„Gen Z steht auf“ zu Protesten am 31. Oktober und „Gen Z Mafia“

„Gen-Z-Mafia“ nennen Ermittler eine neue Generation junger, gewaltbereiter krimineller Gruppierungen. Was den Aufrufen zum 31. Oktober folgt, könnte Licht in die Frage bringen, wie sich extremistische Strukturen und kriminelle unterscheiden oder überschneiden.

picture alliance / abaca | Huchot-Boissier Patricia/ABACA

Einen X-account hat „Gen Z regelt“ – auch „Gen Z regelt das“ und „Gen Z steht auf“ – nicht. Formal unzusammenhängende Initiativen rufen auf verschiedenen Kanälen zu „Jugendprotesten“ am 31. Oktober 2026 in deutschen Städten auf und nennen zur Mobilisierung Bildung, Lebenshaltungskosten, Klimaschutz, Anti-Wehrpflicht und weitere soziale und klimapolitische Forderungen. 

X-website genz-regelt.de +++ Instagram @genzregelt_germany (und lokale Ableger wie „Stuttgart GEN-Z regelt“)+++ TikTok @genzregelt_germany +++ Telegram @genzregelt (und Stadt-Gruppen) +++

Angeknüpft wird an die Proteste und Demonstrationen in Frankreich, Belgien, Spanien und Italien mit Bürgerkriegs-gleichen Brandstiftungen, Plünderungen und Angriffen auf Polizei, Staat und die westliche Kultur. Susanne Schröter sagt auf TE, die allgemein Schülerproteste seien aus den Banlieue in bürgerliche Gegenden und zu deren jungen Leuten getragen worden. – Auch in den USA findet der Kulturkrieg gegen den Westen statt.

Organisatoren wie der Mitinitiator Akram Selo distanzieren sich öffentlich von Gewalt:„Für Deutschland gilt klipp und klar: Das ist nicht unser Weg.“ +++ „Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme. Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspricht allem, wofür wir stehen.“

Im Telegram-Kanal der Gruppe: „Wir sehen alle die Bilder aus Frankreich, Belgien, Spanien und anderen Ländern: Demos, die in Zerstörung, brennenden Barrikaden und Gewalt eskalieren. Für Deutschland gilt klipp und klar: Das ist NICHT unser Weg. […] zu 100 % friedlich, demokratisch und ohne Gewalt.“ Wer zu Gewalt aufruft, werde ausgeschlossen („null Toleranz für Krawall“).

Gianni Matheja studiert an der FU Berlin und tritt als Sprecher der Ortsgruppe Berlin auf. Er ist als Content-Creator („Gianni studiert“) bekannt, Kolumnist bei der Berliner Morgenpost, und moderiert u. a. bei Fritz (RBB). Dem RND sagte er, zum engen Organisationsteam gehörten etwa sechs Personen und betont die überparteiliche und gewaltfreie Ausrichtung. Arda Akyol wird als Mitorganisator genannt.

Gleichzeitig kursieren auf TikTok, Instagram, Telegram und X Aufrufe und Beiträge, die explizit Gewalt, Brände und „französische Verhältnisse“ in Deutschland wünschen oder andeuten. Verfassungsschutz-Behörden in NRW und Hessen melden, dass Akteure aus dem linksextremistischen Spektrum für die Proteste mobilisieren. Sicherheitsbehörden bereiten sich bundesweit auf größere Einsätze vor. Polizei und Innenminister wie Herbert Reul in NRW warnen vor möglichen Ausschreitungen und betonen, „marodierende Mobs“ nicht zu akzeptiert.

Neben politischen Protestaufrufen gibt es jetzt auch Berichte über die „Gen-Z-Mafia“. Junge Tätergruppen der Jahrgänge 1995–2012, die Schutzgelderpressungen mit Schüssen auf Geschäfte und Wohnhäuser unterstreichen und ihre Taten teilweise auf TikTok filmen und posten. Hier ging es um organisierte Kriminalität, nicht um politische Aufrufe, ist der Berichts-Tenor. Wie sich das eine mit dem anderen Milieu überschneiden und gegenseitig verstärken kann, wird sich erst im Nachhinein heraustellenkönnen.

„Gen-Z-Mafia“ ist der Begriff, den Ermittler und Medien für eine neue Generation junger, hoch gewaltbereiter krimineller Gruppierungen verwenden – überwiegend türkeistämmige Täter der Jahrgänge 1995–2012 – keine einheitliche Organisation.
Viele seien zwischen 18 und Ende 20, aber teilweise auch Minderjährige, ihren Ursprung hätten sie in ärmeren Vierteln Istanbuls und gehörten zur „Mafia der neuen Generation“ in der Türkei. In Deutschland sind die meisten Beschuldigten türkische Staatsangehörige oder türkeistämmig, aber auch aus anderen Nationalitäten – z. B. syrisch, afghanisch, pakistanisch, deutsch-türkisch.

Bekannte Gruppennamen sind – oft an Comicfiguren angelehnt: „Daltons“ + ++ „Daltonlar“ +++ Casperlar“ +++ „Caspers“ +++ „Şirinler“ (Schlümpfe) +++ „Red Kits“ +++ „Ezgins“ +++ „Skins“.

Im Gegensetz zu Mafia-Familienclans sind diese Netzwerke nicht hierarchisch, diskret und familienbasiert strukturiert, sondern lose und flach, mit wechselnden Mitgliedern, stark digital vernetzt (Social Media, WhatsApp etc.) und international gesteuert. Die Hintermänner sitzen häufig im Ausland (u. a. Russland, Dubai, Italien, Georgien). Ein bekannter mutmaßlicher Anführer der „Daltons“ (Berat Can Gökdemir) soll sich Berichten nach in Russland aufhalten.

Es gibt „Crime as a Service“ und „Violence as a Service“: Spezielle „Shooter“ oder „Top-Shooter“ werden für einzelne Aufträge (Schüsse, Brandanschläge) gebucht und eingeflogen oder lokal rekrutiert. Hauptgeschäft ist die Schutzgelderpressung, vor allem von türkeistämmigen Geschäftsleuten (Imbisse, Dönerläden, Autohäuser, Shisha-Bars, Immobilienbüros etc.). Die Forderungen sollen oft im fünf- bis sechsstelligen und manchmal noch höherem Bereich liegen. Wird nicht gezahlt, folgen:
• Schüsse auf Geschäfte, Wohnhäuser oder Fahrzeuge (auch tagsüber),
• Brandanschläge,
• Drohungen (teilweise mit Munition in Briefumschlägen),
• in schweren Fällen Handgranaten oder versuchte Tötungen.

Weitere „Geschfts“-Bereiche sind Waffenhandel, Drogen, Auftragsgewalt. Das neue ist der Einsatz von Social Media. Anders als die klassische Mafia setzt die „Gen-Z-Mafia“ auf maximale Sichtbarkeit. Taten werden gefilmt und auf TikTok, Instagram etc. verbreitet – zur Einschüchterung von Opfern, zur Rekrutierung neuer Mitglieder und zur Selbstdarstellung („Posergehabe“). Es gibt Berichte über Videos, in denen Täter nach Schüssen beiläufig von „indisch essen gehen“ sprechen.

Schwerpunkte in Deutschland sind Städte mit hohem türkeistämmigem Anteil wie Berlin, Köln und das NRW-Rhein-Ruhr-Gebiet, Mannheim, weitere Städte in Bayern, Baden-Württemberg.. Das LKA NRW erfasste allein seit Anfang 2026 rund 20 einschlägige Fälle, davon mehrere Schusswaffendelikte. In Berlin gibt es eigene Sondereinheiten: „Ferrum“ und „Telum“. Zusammengefasst: Es handelt sich um junge, hochgewaltbereite, digital vernetzte und international gesteuerte Netzwerke, die mit Schutzgelderpressung und demonstrativer Gewalt („Schießen und filmen“) operieren – deutlich offener und rücksichtsloser als traditionelle Mafia-Strukturen. Die Behörden stufen die Gewaltbereitschaft als besonders hoch ein und haben deshalb die spezialisierten Einheiten eingerichtet.

Welches Echo die Aufrufe zum 31. Oktober finden werden, könnte mehr Licht in die Frage bringen, wie sich extremistische Strukturen und kriminelle unterscheiden und/oder überschneiden.


Berichte finden sich bei BILD, RTL, WELT, tagesschau, Rheinischer Post, NW und LKA-Angaben, Behörden und Gewerkschaften wie dem Bund Deutscher Kriminalbeamter.

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