Liebe nur bei bezahltem Polizeischutz

Die Veranstalter der Berliner Feier-Demo „Zug der Liebe“ haben die Versammlung in diesem Jahr abgesagt. Anlass sind die hohen Kosten für die Sicherung durch die Polizei.

IMAGO / dts Nachrichtenagentur
Techno-Parade Zug der Liebe, Berlin, 26.08.2023

Der Zug der Liebe wird „aufgrund des islamistischen Anschlages auf den CSD“ ausfallen, teilte Jens Schwan, Pressesprecher und einer der Gründer des „Zug der Liebe“ am Mittwoch der rbb24 Abendschau mit. „Es ist jetzt nicht die richtige Zeit, um auf der Straße zu feiern“, sagte Schwan. In einer Mitteilung der Veranstalter zur Absage heißt es, die Absage liege auch an logistischen Herausforderungen. Die Veranstaltung war für den 29. August in Berlin geplant.

So seien etwa zahlreiche LKWs weggefallen, die für den Zug benötigt werden. Auch Genehmigungen der Behörden würden noch fehlen. Letztlich entscheidend für die Absage sei aber die aktuelle gesellschaftliche und sicherheitspolitische Lage.

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„Eine Durchführung des Zug der Liebe würde in diesem Jahr massive Auflagen nach sich ziehen, von physischen Wegfahrsperren über lückenlose Personenkontrollen bis hin zu einer massiv aufgerüsteten Polizeipräsenz“, heißt es im Statement. Der Zug der Liebe habe aber immer für einen „unbeschwerten, angstfreien Raum des Protests“ gestanden, eine Demonstration im aktuellen Angstgefühl und unter „derart restriktiven Rahmenbedingungen“ widerspreche der Grundidee, so die Veranstalter.

Als Ersatz wolle man statt des Zugs der Liebe eine Demonstration für das RAW-Gelände unterstützen.

Der Zug der Liebe hätte in diesem Jahr bereits zum elften Mal stattfinden sollen. In den vergangenen Jahren waren meist mehr als 10.000 Menschen zu der Techno-Parade in Berlin gekommen, die sich als politische Demo mit elektronischer Musik versteht. Themen waren im vergangenen Jahr Mitgefühl, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, aber auch Klimawandel und Verkehrswende.

Damit treffen jetzt die hohen Kosten der Sicherheitsmaßnahmen auch die bunte Gegenwelt. Im vergangenen Jahr wurden vielfach Weihnachtsmärkte wie in Schongau abgesagt, da die Kosten für den Polizeischutz für die Veranstalter untragbar erschienen. So wurden in Marburg und Kempten die traditionellen Rosenmontagsumzüge abgesagt.

Die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd) warnt, dass viele Kommunen und private Veranstalter die Kosten dauerhaft nicht mehr tragen könnten und erste Weihnachtsmärkte bereits abgesagt würden. Es trifft vor allem die zahlreichen kleineren Veranstaltungen, die den Tod der Angst sterben. Die Kultur Deutschlands in seiner Vielfältigkeit des Landes verendet. Jetzt auch in Berlin.

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