Tax the Rich – funktioniert in der Praxis wohl nicht ganz so gut: Die Reichen meiden New York. Eine Analyse der Citizen Budget Commission (CBC) belegt, New York verliert US-Millionäre. Bürgermeister Zohran Mamdani verstärkt den Trend erheblich.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Lev Radin
Der Slogan „Tax the Rich“ wurde in den letzten Jahrzehnten vor allem durch linke Bewegungen wie Occupy Wall Street und durch Linkspolitiker populärer, so machte etwa Alexandria Ocasio-Cortez (Democrats) ihn im Jahr 2021 mit ihrem Met-Gala-Kleid („Tax the Rich“ auf dem Rücken) noch bekannter. Ihr Berater Dan Riffle prägte verwandte Phrasen wie „Every billionaire is a policy failure“. Aber die Idee ist schon älter als 230 Jahre: Pierre Gaspard Chaumette zitierte während der Französischen Revolution angeblich Jean-Jacques Rousseau mit dem Satz: „Wenn das Volk nichts mehr zu essen hat, wird es die Reichen essen.“
Bereits vor Mamdanis Amtsantritt am Neujahrstag 2026 hatte sich der Anteil New Yorks an den landesweiten Millionären von 12,7 Prozent im Jahr 2010 auf nur noch 8,7 Prozent im Jahr 2022 verringert. Das ist der stärkste Rückgang von allen US-Bundesstaaten, wie das Dashboard „Competitive NYS: Value Proposition Tracker“ der CBC zeigt.
Millionäre sorgen für 45 Prozent der Einkommensteuer-Einnahmen
Hätte New York seinen Anteil gehalten, lägen die Einnahmen aus der persönlichen Einkommensteuer heute deutlich höher, die Abhängigkeit des Staates von wenigen Superreichen ist enorm: Das oberste Prozent der Einkommensbezieher trägt etwa 45 Prozent aller staatlichen Einkommensteuern. „New Yorks Einnahmen hängen stark davon ab, dass die Spitzenverdiener bleiben – und das war in den letzten Jahren eine echte Herausforderung“, warnt Jared Walczak vom einflussreichen Think Tank Tax Foundation.
Besonders kritisiert werden Mamdanis Provokationen in der aktuellen Steuerdebatte: In einem Social-Media-Video feierte er die Pied-à-Terre-Steuer direkt vor dem 238 Millionen Dollar teuren Penthouse des Hedgefonds-Milliardärs Ken Griffin. Das ärgerte Griffin so sehr, dass er mit dem Rückzug eines sechs Milliarden Dollar schweren Entwicklungsprojekts an der Park Avenue drohte. Dieser offene Konflikt mit einem der einflussreichsten Investoren der Stadt hat die Sorgen vor einem noch schnelleren Exodus der Superreichen verstärkt.
Die CBC-Studie ist eine klare Warnung: New York hat an jeden anderen Bundesstaat mehr Einwohner verloren als gewonnen – Florida und Texas profitierten am stärksten. Nach dem Corona-Massenexodus erholte sich die Bevölkerung New York Citys 2023 und 2024 nur dank internationaler Zuwanderung. Pro Kopf erhebt New York mit 12.495 Dollar die höchsten staatlichen und lokalen Steuern der USA – 78 Prozent über dem Landesdurchschnitt.
Mamdani: „Wohlhabende müssen mehr leisten“
Zwar wuchs die absolute Zahl der Millionäre in New York, doch deutlich langsamer als in anderen Regionen: Sie verdoppelte sich hier, verdreifachten sich jedoch in Kalifornien und Texas und vervierfachten sich in Florida. New York liegt damit nur noch auf Platz vier hinter diesen Staaten. Mamdani selbst relativiert die Befürchtungen und argumentiert, New York habe nach früheren Steuererhöhungen sogar mehr Millionäre gezählt: „Wir leben in der wohlhabendsten Stadt im wohlhabendsten Land der Weltgeschichte – es ist inakzeptabel, dass einer von vier New Yorkern in Armut lebt. Die Wohlhabenden können und müssen mehr beitragen.“
Kritiker wie Steve Fulop, CEO der Partnership for New York City, widersprechen: „Wenn die Reichen gehen, leiden am Ende die Ärmsten. Die Menschen, die abwandern, zahlen den größten Anteil am Budget, das die Sozialprogramme für die Schwächsten finanziert. Ohne Kurskorrektur wird die Armutskrise nur noch schlimmer.“
Auch die deutsche Bundesregierung will Gutverdiener künftig noch mehr zur Kasse bitten: Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant, die sogenannte „Reichensteuer“ zu erhöhen.



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