SoWiTec-Insolvenz: Palmers Windpark und die wirtschaftliche Realität

Palmer versprach Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stärke. Kurz nach der Eröffnung des Windparks Hohfleck meldet dessen Projektentwickler Insolvenz an. Einmal mehr holt die Realität die Energiewende ein.

IMAGO / Ulmer II
Boris Palmer bei einer Informationsveranstaltung zum geplanten Windpark Rammert.

Die Worte waren markig und gewohnt lautstark: „Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stärke sind kein Widerspruch – wenn man entschlossen handelt.“ Die Zukunft der Energieversorgung entstehe „hier und jetzt“. Das hatte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer zum Besten gegeben, als der Windpark Hohfleck bei Sonnenbühl eingeweiht wurde. Palmer war als auch als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Tübingen bei der Einweihung dabei.

Doch nur gut zwei Monate nach der Einweihung des Windparks hat dessen Projektentwickler SoWiTec jetzt Insolvenz angemeldet. Betroffen sind die SoWiTec Group GmbH sowie drei weitere Gesellschaften. Die Anträge wurden beim Amtsgericht Tübingen wegen Zahlungsunfähigkeit und insolvenzrechtlicher Überschuldung gestellt. Laut Geschäftsführer Frank Hummel scheiterten zuvor Versuche, Forderungen eines Lieferanten und Verpflichtungen aus Avalbürgschaften zu stunden. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst fortgeführt werden.

SoWiTec kämpfte bereits länger mit Liquiditätsproblemen. Die Laufzeit einer Unternehmensanleihe war bis November 2026 verlängert worden; Teilrückzahlungen mussten gestundet werden. Nach Bekanntwerden der Insolvenz brachen die Kurse der börsennotierten Anleihen ein.

Die fünf Vestas-Anlagen des Windparks im Waldgebiet zwischen Sonnenbühl-Undingen und Engstingen mit zusammen 21 Megawatt waren Anfang Mai in Betrieb genommen und mit mehr als 650 Gästen gefeiert worden. Nach Angaben der Stadtwerke sollen sie jährlich rund 41 Millionen Kilowattstunden erzeugen.

SoWiTec hatte das Projekt entwickelt und die Anlagen errichtet. Die Insolvenz bedeutet allerdings nicht, dass der Windpark Hohfleck selbst insolvent ist. Eigentümer sind die Stadtwerke Tübingen. Sie hatten über ihre Tochtergesellschaft Ecowerk bereits 2023 sämtliche Anteile an der Projektgesellschaft übernommen. SoWiTec blieb Projektentwickler und Baupartner. Der laufende Betrieb des Windparks ist damit rechtlich vom Insolvenzverfahren der SoWiTec-Gesellschaften getrennt.

Offen ist jedoch, welche Folgen das Verfahren für Gewährleistungsansprüche, technische Leistungen und noch ausstehende Arbeiten hat. Die Stadtwerke hatten angekündigt, im Sommer mit der Wiederaufforstung und Renaturierung der während der Bauzeit beanspruchten Flächen zu beginnen. Ob SoWiTec daran beteiligt bleiben kann, dürfte vom Fortgang des Insolvenzverfahrens und den Entscheidungen des vorläufigen Insolvenzverwalters abhängen.

Parallel steht Palmers nächstes Windkraftvorhaben auf dem Prüfstand: der geplante Windpark im wunderschönen Höhenrücken Rammert bei Tübingen. Den will Palmer ebenfalls mit Windrädern entstellen. Für Gutachten, Windmessungen und Planungen wurden laut Palmer bereits mehrfach sechsstellige Beträge ausgegeben. Mehrere ursprünglich vorgesehene Anlagen wurden wegen zu geringer Windstärke oder Lärmschutzproblemen aus der Planung genommen. Am 14. Juli sollte der Aufsichtsrat der Stadtwerke über das weitere Vorgehen beraten.

Im Mai präsentierte Palmer den Windpark Hohfleck als Beispiel dafür, dass Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stärke miteinander vereinbar seien. Im Juli ist der Projektentwickler zahlungsunfähig, während das nächste kommunale Windkraftprojekt wegen fehlender Wirtschaftlichkeit auf der Kippe steht:
Grüne politische Wunschvorstellungen, die reale Stromproduktion eines Windparks und die wirtschaftliche Stabilität des daran beteiligten Projektentwicklers sind drei verschiedene Größen.

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Kommentare ( 3 )

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3 Comments
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Kraichgau
32 Minuten her

Spitzenaktion..nur zwei Monate nach Abnahme durch den „Eigentümer“ ist die Firma,die das Projekt durchführte und auch die Verpflichtungen bei Rückbau etc trägt,Pleite geschickt worden….heisst? nach Problemen,etc plus nach Funktionsende sitzt die Stadt auf den Rückbaukosten und allen anderen absehbaren finanziellen Lasten 🙂
Palmer…“the man for thä länd“
oha,da ist mir doch noch ein lapsus passiert….die Windräder sind noch gar nicht beim Hersteller bezahlt 🙂 Forderungen von Lieferanten nicht beglichen….

Last edited 31 Minuten her by Kraichgau
maps
38 Minuten her

Palmer ist doch der Gott, der als guter Grüner durch die alternativen Medien gereicht wurde/wird! Ich weiss nur, dass er zu Corona seine widerliche totalitäre Fratze gezeigt hat.

Teiresias
38 Minuten her

Palmer.
Studierter Mathematiker.
Daß er nicht rechnen kann, ist wohl auszuschliessen.
Wer oder was drängt diesen Mann, den Klimaunfug an vorderster Front voranzutreiben?
Er verhält sich, als ob er auf Epstein-Island gewesen wäre.