Sie taten so, als wollten sie eine Europäische Bürgerinitiative zum Thema „Remigration” starten. Aber das war nie der Plan. Die Organisatoren bauen eine politische Bewegung.
picture alliance/dpa | Martin Schutt
Am 30. Mai wurde auf einem „Remigrations-Gipfel” rechter Organisationen, Parteien und Aktivisten in Portugal eine Online-Petition gestartet. Sie wurde beschrieben als Vorstufe zu einer EU-Bürgerinitiative, um die EU dazu zu bringen, „Remigration” zu offizieller EU-Politik zu machen. Also Aufnahme- und Zuzugs-Stopp für „nicht-westliche” Ausländer, und Rücksendung aller illegal in der EU weilenden, und/oder straffällig gewordenen Migranten.
Schon gleich zu Beginn schrieb Tichys Einblick, dass aus der „Bürgerinitiative” wohl nichts werden dürfte, weil der Inhalt der Petition in Widerspruch steht zu dem, was in Brüssel als „europäische Grundwerte” interpretiert wird. Die EU-Kommission dürfte die Initiative also vermutlich nicht zulassen. Sowieso irrelevant: Eine solche Initiative ist nie bindend, die EU-Kommission muss nur darauf „reagieren” (wenn eine Million Unterschriften zusammenkommen und einige weitere Bedingungen erfüllt werden).
Tatsächlich erhielten die Organisatoren einen Brief der EU-Kommission, in dem genau das stand: Ihr Text sei „diskriminierend” (gegen Nicht-Europäer). Eine Registrierung sei daher fraglich. Man gebe ihnen aber die Möglichkeit, ihr Begehren genauer zu kommentieren, Abgabefrist 29. Juni.
Nun stellt sich heraus: Eine Bürgerinitiative war nie der Plan. Ko-Initiatoren Eva Vlaardingerbroek und Martin Sellner erklärten auf X, sie hätten natürlich gewusst, dass die EU die Sache nie akzeptieren werde. Das sei auch gar nicht der Plan gewesen: Man wolle eine politische „Bewegung” bauen. Von den mehr als 400.000 Menschen, die bislang unterschrieben haben, hätten sich bereits 100.000 als freiwillige Aktivisten gemeldet. Nächster Schritt: Am 15. Juli wollen die Organisatoren in Brüssel die bisher gesammelten Unterschriften präsentieren.
Nach diesem Update wird einiges verständlicher. Etwa, warum die Petition zur „EU”-Bürgerinitiative überhaupt nicht auf EU-Länder begrenzt ist. Deren gibt es 27, aber 40 Länder sind bislang in der Petition vertreten. Allein aus Großbritannien kamen zum Zeitpunkt dieses Schreibens fast 30.000 Unterschriften zusammen, sowie mehr als 5.000 aus Norwegen, ebenfalls kein EU-Mitglied.
Unterschriften kamen aus den USA, Australien, aus der Schweiz, Neuseeland, und so weiter. Von den zum jetzigen Zeitpunkt 440.000 Unterschriften sind sicher 10 Prozent aus Nicht-EU-Ländern. Ganz klar: Hier soll nicht EU-Regeln entsprochen werden, hier soll Momentum aufgebaut werden um einen Begriff, der im europäischen Diskurs bislang tabu war.
Was aber muss man sich unter einer „Bewegung” vortellen? Ganz klassisch wollen die Organisatoren mit Spendengeldern (man kann und soll spenden, um die Bewegung zu unterstützen) typisches Kampagnen-Material produzieren: Plakate, Werbung, Flugblätter, Videos.
Und dann? Ohne politische Macht muss die Initiative erfolglos bleiben. Vielleicht hofft man, mit hinreichend Unterstützung rechte Parteien zu stärken bei den nächsten Europa-Wahlen.
Oder tragen sich die Organisatoren selbst mit parteipolitischen Plänen? Die noch sehr junge Eva Vlaardingerbroek war kurzfristig in der kleinen niederländischen Rechts-Partei FvD aktiv. Die Petition ist in den Niederlanden gut angekommen, mehr als 15 % der bisherigen Unterschriften kommen von dort. Mehr als 67.000. Das würde schon jetzt reichen, um im proportionellen Wahlsystem des Landes mindestens einen Abgeordneten ins Parlament zu bringen. Überhaupt bedeutet die Petition einen großen politischen Schub für die zum Katholizismus konvertierte Influencerin (1,2 Millionen Follower auf X).
Eine denkbare Folge der Intiative könnte die Auflösung der politischen Grenze zwischen „Souveränisten” und „Identitären” im rechten Lager der europäischen Politik sein. Souveränisten wollen eine kleinere EU mit weniger Kompetenzen, und eine strenge Migrationspolitik. Vor dem Wort „Remigration” scheuen sie aber oft zurück. Es ist kein Zufall, dass zwar „Flügel”-Chef Björn Höcke die Petition unterschrieben hat, moderatere AfD-Politiker aber nicht.
Diese Grenze zwischen Souveränisten und Identitären war ohnehin immer schon eher taktisch als ideologisch: „Identitär” kann leicht mit „Rassismus” gleichgesetzt werden und das ist gegebenenfalls gesetzeswidrig. Ganz sicher sympathisieren viele AfD-Wähler mit beispielsweise Martin Sellner, die Parteiführung (außer Höcke) bleibt dennoch auf Distanz. Anders die FPÖ, die 2024 die Idee eines „Remigrationskommissars” für die Europäische Kommission lancierte.
Die Bedeutung der neuen „Bewegung” sollte freilich nicht überschätzt werden. 440.000 Unterschriften, verteilt auf 40 Länder, sind nicht viel. Die bisherige Ausbeute aus Deutschland (54.000 zum Zeitpunkt dieses Schreibens) entspricht weniger als 0,1 Prozent der Wahlberechtigten. Gemessen an diesem Wert (Wahlberechtigte) führen die Niederlande (0,5 Prozent), aber auch das ist noch kein Tsunami. Überhaupt: Proportional ist die Teilnahme in den größten und einflußreichsten Ländern Europas (Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, England) sehr viel niedriger als in kleinen Ländern wie Ungarn, der Slowakei oder Irland.
Und: Die Unterschriften sind bislang nicht überprüft. „Jeanette S.” aus Schweden hat allein in den Augenblicken, als ich die Liste betrachtete, im Laufe der Tage insgesamt gut zwanzigmal unterschrieben.
Also: Abwarten und Tee trinken. Vielleicht bringt diese Petition einen Stein ins Rollen, der eine politische Lawine auslöst. So weit ist es aber noch lange nicht.


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„Remigration“ ist sich hier illegal Aufhaltende und eingewanderte Kriminelle wieder außer Landes schaffen.
Warum sollte davor „zurückgescheut“ werden. Die „Politik“ unterdrückt lieber die eigene Bevölkerung und beutet sie aus um diese erschlichene Destruktiv Migration zu finanzieren.
Welche der beiden Varianten ist davon tatsächlich „rassistisch“. Die Rechtsdurchsetzung per Abschiebung oder das zementieren der „Herrschaft des Unrechts“ (Zitat Seehofer zu Zeiten Merkels Einladung an die ganze Welt)
Frau Merkel hat bereits 2016 gesagt, alle Syrer würden mittelfristig zurückkehren. Die Zeit ist gekommen.
Warum wird Remigration als etwas Schlechtes gesehen, wenn erstens von Merkel ins Gespräch gebraucht wurde und zweitens um die Rückkehr in die unfreiwillig verlassene Heimat geht?
Als Merkel von der Rückkehr sprach, hatte noch kein schutzsuchender Syrer einen deutschen Pass. Sie waren also alle gemeint gewesen – alle schutzsuchenden Syrer.
Ich erwarte, dass Worte, die ein Kanzler sagt, auch umgesetzt werden. Ist das zu viel?
Eine „Bürgerinitiative“ schafft nicht den pol. Druck, den die EU braucht. Eine Bewegung dagegen schon, sobald sie groß genug wird. Eine „Initiative“ kann die EU mit einem Federstrich abschmettern, was wohl auch so passiert ist. Eine Bewegung dagegen kann sie nicht abschmettern, allenfalls mit struktureller Gewalt unterdrücken. Zumindest solange sie noch klein und schwach ist.
Die geringe Zustimmungsquote hat keine starke Aussagekraft, denn natürlich konnte die Petition nicht auf eine mediale Unterstützung bzw. Reichweite hoffen.
Wäre das in der Bildzeitung gestanden, hätte es anders ausgesehen. Aber das kommt ja bekanntlich nicht von ungefähr.
Für mich gehört Martin Sellner zu den klügsten Strategen innerhalb des metapolitischen Vorfeldes der blauen Parteien Europas.
Was dieser Mann an persönlichen Opfern gebracht hat, was er (und seine Familie) erdulden mußte, sprengt jede Vorstellung. Allein aus diesem Grund rate ich jedem Kritiker zur maßvollen Äußerung, im Hinblick auf die Person Sellner und dessen Taktik.
Im übrigen wird es von entscheidender Bedeutung sein, daß die AfD zur Identitären Bewegung den Schulterschluß vollzieht, um den patriotischen Protest breitenwirksam auf die Straße tragen zu können.
Was hat Robespierre damals den Kopf gekostet?
Eine Petition?
Nein.
Es waren wachsende Angst und Wut bei seinen potentiellen Opfern.
Haben Sie mitbekommen, wie die Stasi gerannt ist, als 1989 die Grenzen gefallen sind und die Bürger sich aufmachten, deren Burgen zu stürmen?
Es ist wie bei einem Zimmer mit Leck in der Gasleitung:
Man sieht nix, man hört nix, aber sobald einer das Licht anmacht wird´s hell.
„Hell“ wie Hölle.
Beim nächsten Mal werden sie sich vielleicht nicht in der Adresse irren:
https://www.theguardian.com/world/2021/aug/09/confused-anti-vaccine-protesters-storm-bbc-hq-years-after-moved-out
Alles fängt einmal klein an.
Die junge Eva Vlaardingerbroek könnte in ein paar Jahren groß rauskommen. Die Zeichen stehen auf Veränderung und selbst im fernen Südafrika wird Remigration groß geschrieben. Wenn die Politik nichts tut und alles im Kreise laufen lässt wie in der Zirkusmanege, dann laufen irgendwann Einige schneller und verlassen das stickige Zelt um neue Ziele zu erreichen.
Solange wir auf den europäischen Straßen und Plätzen um das Leben und die Unversehrtheit unserer Kinder und Frauen bangen müssen und der Islam unbehelligt von der Politik die „Unterwerfung“ Europas fortsetzen darf
wünsche ich Frau Eva Vlaardingerbroek viel Erfolg!
Mhh, nun komme ich aber ein büttel durcheinander….. Ich habe hier die letzten Tage vereinzelnd folgenden Link für die Kampagne und Unterschriftenaktion für „Ein Plan für ein souveränes, freies und sicheres Europa“ eingestellt, https://www.save-europe-act.com/de/#section-charter . Und nun frage ich mich mit Blick auf diesen TE-Artikel und der Ähnlichkeit wegen, ob es sich hier nun um die gleiche oder ob es sich um unterschiedliche Aktionen handeln tut?? – – – UND was das im TE-Artikel erwähnte Schreiben aus EU-Brüssel angeht, hier habe ich vor ein/zwei Tage von den Initiatoren für „Ein Plan für ein souveränes, freies und sicheres Europa“ eine Mail… Mehr
Ich habe die Seite vor 2 min. aufgerufen und sofort unterschrieben. Denn ich habe das gehobene Bückbürgertum satt , aber sowas von. Da mag der Autor sich beschweren so viel er will.
Die Grenzen sind offen , es ist ein Kampf gegen die Zeit.
so ist es. Uns läuft die Zeit davon. Aus diesem Grund gilt es nun alle Kräfte zu bündeln, d.h. die Gemeinsamkeiten suchen und ausbauen, anstatt Ego-Nabelschau zu betreiben!
Warum muß dieses zarte Pflänzchen wieder auf widerlichste Art und Weise zerredet werden? Ich kann nur sagen: Ich begrüße ausnahmslos JEDE Strömung oder Bewegung, die sich Remigration auf die Fahnen geschrieben hat. Es MUSS ein Ende haben mit diesen inkompatiblen Gestalten, die hier ungebremst hereinströmen. Die müssen vor allem wieder RAUS. Ich kann der AfD nur raten, hier auf der Höcke-Linie zu bleiben – denn hauptsächlich dafür werden sie gewählt. Wenn die ihre Positionen zu diesem Thema aufweichen, um „anschlußfähig“ zu werden, haben sie mich die längste Zeit als Wähler gehabt. Dann werde ich wieder Nichtwähler und warte, bis ENDLICH… Mehr
Damit die AfD auf Höcke -Linie bleibt – keine inhaltliche Aufweichung von innen erfährt – bedarf es eines starken politischen Vorfeldes als Korrektiv. Dafür steht der Name Martin Sellner. Man kann deshalb die Bedeutung der Identitären Bewegung nicht oft genug betonen