Proteste gegen Migration: Der Staat verliert seine Glaubwürdigkeit

Die gewaltsamen Proteste in Großbritannien erleichtern es Verantwortungsträgern, die berechtigten Anliegen der Bevölkerung zu ignorieren. Doch letztlich riskieren sie die Glaubwürdigkeit und Durchsetzungsfähigkeit des Staates.

picture alliance / PA Images | Andrew Matthews

Die Randalierer in Belfast haben Presse und Politik zuverlässig die Bilder geliefert, die sie brauchten: Weinende afrikanische Krankenschwestern, verletzte dunkelhäutige Männer, demolierte und ausgebrannte indische und afrikanische Lebensmittelläden. Auch ethnische Iren beklagen die Zerstörung ihres Eigentums.

Ausschreitungen und Gewalt gegen Unschuldige sind inakzeptabel. Immer und unter allen Umständen.

Ebenso inakzeptabel ist es, wenn Politik und Medien die zahlreichen friedlichen Proteste ignorieren, die es ebenfalls im gesamten Vereinigten Königreich gibt, und die Gewalt zum Anlass nehmen, um die Missstände zu leugnen, die den Unruhen zugrunde liegen. Dass Medien und Politik in dieser Form zusammenarbeiten würden, war bereits vorherzusehen, kurz nachdem bekannt wurde, dass ein Sudanese versucht hatte, einem Mann auf offener Straße die Kehle durchzuschneiden.

Soziale Medien als Sündenbock

Als ein Video, das die Tat und den Phänotyp des Täters zweifelsfrei belegt, in den sozialen Medien publik wurde, warnten Polizei und Lokalpolitiker umgehend davor, die Aufnahmen auch nur anzuschauen, geschweige denn zu teilen. Ein schlecht verhüllter Aufruf zur Selbstzensur des Bürgers: Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen. Wenn es Ordnungshütern und Politikern gelingt, das Problem zu verdrängen, dann muss sich das Volk eben ein bisschen bemühen, um es ihnen gleichzutun.

Diese Haltung bildet die Grundlage des Narrativs, das daraufhin gesponnen wurde, und das nun mit der lügnerischen „Berichterstattung“ des ZDF in den deutschen Medien seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat: Wenn es zu Aufruhr und Unruhen kommt, dann ist dafür nicht etwa ein bestialischer Angriff verantwortlich, der freilich ein bedauerlicher Einzelfall ist. Nein, schuld sind die sozialen Medien, rechtsradikale Aufwiegler und natürlich der Tech-Magnat Elon Musk, der sich die ewige Feindschaft linker Meinungsmacher erworben hat, indem er X als Ort der Meinungsfreiheit erhalten hat, wo Zensur nur in vergleichsweise engen Grenzen erfolgt.

Der habe zur Jagd auf Migranten aufgerufen, fantasiert das ZDF nun also frei assoziativ. Die Grenze zwischen Einordnung und Erfindung wurde damit wieder einmal überschritten – so wenig ein Einzelfall, wie die von Migranten ausgehende Gewalt, die Europa überzieht.

Rupert Lowe, Gründer von Restore Britain, hatte auf X ausdrücklich zu friedlichem Protest aufgerufen – und auch Musk hatte lediglich „lauten“ Protest gefordert. Doch Nordirland ist nicht Ostwestfalen. Es handelt sich um eine Region, die Bürgerkrieg und bürgerkriegsähnliche Zustände kennt, und wo das Gewaltmonopol des Staates sowohl durch den Terror der IRA als auch durch paramilitärische Loyalisten jahrzehntelang angefochten wurde. Dass hier auch Unruhestifter walten, denen im Grunde gleichgültig ist, ob sie Katholiken oder Nigerianer terrorisieren, ist nicht überraschend.

Letztlich jedoch werden wir Zeuge dessen, was, man mag es noch so sehr verurteilen und verabscheuen, geradezu zwangsläufig früher oder später geschehen musste: Eskalation, die sich als legitim begreift, weil die buchstäblich brennenden Probleme jahrzehntelang ignoriert wurden.

Der entrechtete Bürger

Gewalt durch Migranten ist mancherorts bereits systemisch. Das belegt der Grooming-Skandal, der Großbritannien erschüttert – an dessen erneuter Thematisierung übrigens Elon Musk Anteil hat, der ihn aus der Tiefen der Informationsfluten hervorholte.

Nach brutalem Mordversuch
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Und sie wird durch einheimische Institutionen ermöglicht und vertuscht, die eigentlich dazu verpflichtet sind, dem Wohl und den Interessen der Bevölkerung zu dienen. Die Mitwisserschaft und Mittäterschaft von Politik, Sicherheitsbehörden und Medien ist es, die den Menschen das Gefühl vermittelt, dass ihnen niemand helfen wird, dass sie „die Sache selbst in die Hand nehmen“ müssen. Das Ergebnis im „besten“ Fall: Selbstjustiz. Im schlimmsten Fall werden Unbeteiligte Opfer der sich entladenden Wut.

So hätte der Sudanese Hadi Alodid sein Opfer ermordet, wenn nicht ein beherzter Mann immer und immer wieder mit einem Hurlingschläger auf ihn eingeschlagen hätte. Hurling ist bezeichnenderweise eine gälische Sportart. Das Bild, das sich hier bietet, könnte fataler nicht sein: Nachbarn müssen einander zu Hilfe eilen, weil der Staat die Einreise des Gewalttäters nicht verhindert hat und ihm dann auch noch ein Bleiberecht zuerkannte. Der rechte Aktivist Tommy Robinson hingegen, der zu Protesten aufgerufen hatte, wird am 13. Juni am Flughafen Heathrow verhaftet – aufgrund von Anti-Terror-Gesetzgebung. Handlungsunfähigkeit an der einen, hartes Durchgreifen an anderer Stelle: Der Staat macht sich unglaubwürdig und verspielt Vertrauen.

Das Echo der Geschichte

Enthauptungen und Messergewalt finden einen besonders emotionalen Widerhall in der öffentlichen Wahrnehmung, weil sie beispielhaft für die Barbarei und die zivilisatorischen Defizite der muslimischen Welt stehen. Sie wecken diffuse Erinnerungen an den Abwehrkampf gegen den Islam, der bereits im 8. Jahrhundert mitten in Frankreich stand – dort, wo 1300 Jahre später dem Priester Jacques Hamel am Altar seiner Kirche die Kehle durchgeschnitten wurde, während die Täter „Allahu Akbar“ riefen. Sein Tod jährt sich am 26. Juli zum zehnten Mal.

Die systematische Vergewaltigung europäischer Mädchen wiederum ruft den Sklavenhandel ins Bewusstsein, der insbesondere christliche Frauen aus islamisch kontrollierten Gebieten einem entwürdigenden Schicksal zuführte. Durch Entführung, Zwangskonversion, Zwangsheirat und Versklavung demonstrierten die muslimischen Eroberer ihre Macht über die Unterworfenen. Ein Teil der Geschichte, der durch die Opfererzählung der critical race theory, die die Welt in weiße Täter und braune Opfer einteilt, in Windeseile der Vergessenheit anheimgegeben wurde.

Belfast ist überall
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In der muslimischen Welt hat man die eigene Vormachtstellung aber keineswegs vergessen. Während Europäer dazu neigen, auf Muslime herabzublicken und Migranten als bemitleidenswerte und minderbemittelte Individuen zu betrachten, die keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen können, sehen sich viele Muslime nicht nur dazu berechtigt, sondern dazu berufen, Ungläubige zu dominieren: ein interkulturelles Missverständnis.

Das soll nicht heißen, dass nicht auch Europäer ihrerseits Greueltaten verübt hätten. Geschichte erlaubt keine holzschnittartige Zuordnung. Doch erstens nivellieren durch Europäer begangene Verbrechen jene, die im Namen des Islam begangen wurden, nicht. Und zweitens lässt sich nicht wegdiskutieren, dass Europa mit dem Christentum über eine Kraft verfügte, deren oberste Priorität nicht die Eroberung der Welt ist, sondern zunächst der Triumph über sich selbst. Eine Weltanschauung, die die eigene Schwäche in den Blick nimmt, bevor sie den anderen beurteilt; kurz: eine Geisteshaltung, die Selbstreflexion und die Verurteilung inhumaner Verhaltensweisen in einem Ausmaß einfordert, das dem Islam fernliegt.

Nun sollte nicht unterschlagen werden, dass die Tendenz des Islam, den eigenen Einflussbereich gewaltsam zu vergrößern, nur ein Teil des Problems ist. Ebenso bedeutsam ist, dass viele Migranten aus gewaltaffinen Gesellschaften stammen, aus Ländern, in denen Bürgerkriege toben, in denen die Menschen nichts anderes kennen als das Recht des Stärkeren, und wo die Staatsmacht entweder als Aggressor auftritt oder keinerlei Schutz garantiert.

Unterwerfung und Demütigung

Bedrohung und Demütigung durch Gewalttäter aus fernen Erdteilen ist das eine. Das andere ist, dass diese flankiert wird durch eine noch schwerwiegendere Demütigung, die in Großbritannien auf die Spitze getrieben wird: Hier werden für einen kritischen Tweet oder dafür, auf einer Demonstration Steine geworfen zu haben, drakonische Strafen verhängt. Täter mit Migrationshintergrund werden häufig nachsichtig behandelt und exkulpiert.

Deren Opfer wiederum werden verhöhnt: Wie Henry Nowak, der starb, während man ihm Handschellen anlegte, und dessen röchelnder Hinweis auf das Verbrechen, das man an ihm verübt hatte, mit einem jovialen Spruch abgetan wurde. Oder wie die von Pakistanis gequälten Mädchen, die von Polizisten und Sozialarbeitern als Flittchen betrachtet wurden, die für ihr Schicksal selbst verantwortlich sind – wenn man ihnen denn überhaupt Glauben schenkte. Rassismus gegen ethnische Briten wird institutionalisiert, die eigene Kultur als minderwertig und böse gebrandmarkt, auf die man nicht stolz sein, die man nicht bewahren wollen darf.

— Jonathan Wong (@WONGthink) June 11, 2026

Die Unterwanderung erfolgt also unter tatkräftiger Unterstützung durch einheimische Verantwortungsträger. Wer diesem Unrecht politisch abhelfen will, wird als „rechts“ diskreditiert, mundtot gemacht und aus Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Wer seiner Wut verbal oder schriftlich Ausdruck verleiht, landet vor Gericht. Welcher Weg bleibt dann noch, um sich zu wehren?

Dass sich in den derart Geknebelten nicht nur Wut aufstaut, sondern richtiggehende Verzweiflung, ist alles andere als erstaunlich. Ausgerechnet linke Kräfte jedoch, die Verbrechen gewöhnlich psychologisieren und den Täter zumeist als Opfer seiner Umstände sehen, wollen in den protestierenden Briten nichts als rassistische Ausländer- und Menschenhasser erkennen. Dass sich solche unter den Demonstranten befinden, ist wahrscheinlich. Aber ihre Existenz delegitimiert das Anliegen des Großteils der Unzufriedenen ebenso wenig, wie die Existenz migrantischer Gewalttäter das Recht friedlicher Ausländer auf Unversehrtheit einschränkt.

Das Fatale an der Ignoranz der Verantwortungsträger ist, dass sie den Effekt nur verstärkt. Man nimmt Gewalt gegen Migranten zum Anlass, um der Migrationskrise ihren Lauf zu lassen. Mehr Zensur und härtere Einschränkung der Meinungsfreiheit sollen es richten. Der Aufschrei der Bevölkerung soll erstickt werden, nicht der Mechanismus, der sie vor Schmerz aufschreien lässt.

Würde diese Strategie weiterbetrieben, wäre der Zerfall der europäischen Gesellschaften unumgänglich. Es bleibt zu hoffen, dass es noch nicht zu spät ist, um durch politische Umwälzungen einen Politikwechsel zu erzwingen, der dem Souverän wieder eine Stimme gibt: dem Staatsvolk, dessen berechtigte Anliegen derzeit in so gut wie jedem Bereich mit Füßen getreten werden.

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