Der frühere Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung will offenbar den Beutelsbacher Konsens von 1976 über Bord werfen. Seinem Vortrag beim Jubiläumskongress ist jedenfalls zu entnehmen, dass er ihn für eine „Neutralitätsfalle“ hält: Der Konsens werde als „Fetisch“ missbraucht von der extremen Rechten. Politische Bildung demnächst als Antifa-Bekenntnisfach?
IMAGO / Metodi Popow
Den Linken brennt angesichts der anstehenden Herbstwahlen der Hut: vor allem der SPD, die in Sachsen-Anhalt nahe am parlamentarischen Aus steht und in Mecklenburg-Vorpommern ein Minus gegenüber 2021 von 15 Prozent einfahren könnte. Die Links-Partei ist da relativ fein heraus; sie kann mit 12 bis 14 Prozent rechnen. Aber auch den vormals Bürgerlichen brennt der Kittel. Denn aus den Landtagswahlen am 6. September in Sachsen-Anhalt und am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern könnte die AfD – so die aktuellen „Sonntagsfragen“ – als der mit Abstand größte Sieger hervorgehen: mit derzeit prognostizierten 38 Prozent (Sachsen-Anhalt) und 34 Prozent (Mecklenburg-Vorpommern). Übernahme der Regierungsgeschäfte nicht ausgeschlossen.
Nun stellt sich konkret die Frage, wie die Schulen in diesen beiden Bundesländern mit den anstehenden Landtagswahlen umgehen (Wahlalter in M-V ist 16 Jahre): im Unterricht und/oder bei schulischen Veranstaltungen mit Parteivertretern. Noch konkreter: Wie sollen die Schulen die Aussichten und die Programmatik der AfD behandeln? Sollen auch AfD-Kandidaten in die Schule eingeladen werden? Die gleiche Frage mit Blick auf die „Linke“/Ex-SED scheint übrigens keine Rolle zu spielen.
So weit, so gut? So weit, so schlecht? Schlecht, meint Thomas Krüger (SPD), der langjährige, allzu lang, von 2000 bis 2025 amtierende, ziemlich linksgestrickte Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung. Er will offenbar den Beutelsbacher Konsens von 1976 über Bord werfen. Denn für Krüger ist das eine „Neutralitätsfalle“. Warum? Krüger dazu: Dieser „Konsens“ werde mittlerweile als „Fetisch“ von der extremen Rechten missbraucht.
Diese Wertung jedenfalls hat Krüger für seinen Vortrag beim Jubiläumskongress „50 Jahre Beutelsbacher Konsens von 1976“ am 23./24. April in Berlin angekündigt. Krüger in der Ankündigung konkret: Die extreme Rechte nutze den Konsens zur ideologischen Geiselnahme der Grundrechte. Pädagogik aber dürfe Emotionen und ästhetischen Eigensinn nicht ausklammern. Krüger will ein „dynamisches Mandat zur demokratischen Selbstbehauptung“ und die Demokratie offensiv verteidigen; Pädagogik dürfe kein „neutraler Raum“ außerhalb der gesellschaftlichen Machtverhältnisse sein. Politische und kulturelle Bildung dürfe sich nicht wegducken.
So Krüger, für den es nur die „extreme Rechte“ zu bekämpfen gibt, nicht aber die „extreme Linke“ oder extreme Queer-Bewegung, die immer wieder ihr Unwesen auch in den Schulen treiben darf. Siehe dazu den TE-Bericht vom 16. April 2026 über die jüngsten Vorfälle an einer sächsischen Schule, wo es bei einem „Unterrichtsprojekt“ um Pornografie und um Anti-AfD ging.
„Der Unterricht trägt dazu bei, unsere marxistisch-leninistische Weltanschauung auf eine solche Weise zu propagieren, daß die Schüler zu einer wissenschaftlich-fundierten, unverrückbaren Klassenposition erzogen werden und sich ihre Bereitschaft entwickelt, für die Sache des Sozialismus in jeder Situation Partei zu ergreifen und die ganze Kraft für die begeisternden Aufgaben bei der Weiterführung der sozialistischen Revolution einzusetzen.“
Lassen wir diese Reminiszenzen. Was Krüger hier intendiert, ist Indoktrination durch Totschweigen und Ausgrenzen einer politischen Bewegung, die vor allem in den mitteldeutschen Ländern von schon mehr als einem Drittel der Wahlbevölkerung getragen wird. Sollten sich Leute der Denkart Krügers in der politischen Bildung mit der Folge durchsetzen, dass die AfD aus einer dem Neutralitätsgebot verpflichteten politischen Bildung ausgegrenzt oder entsprechend etikettiert behandelt wird, dann wird sich die AfD für so viel Werbung bedanken dürfen. Dann verkehrt sich Krügers Feldzug nicht als Feldzug gegen die AfD, sondern für die AfD. So schreibt es übrigens auch der jeglicher AfD-Sympathie unverdächtige Claus Leggewie in einem FAZ-Gastbeitrag vom 14. April 2026: Die AfD auszuschließen, wäre wohl die beste Werbung.
Leggewie war zuletzt von 2007 bis 2017 Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen und Mitherausgeber der „Blätter für deutsche und internationale Politik“. Laut früherem „Bayernkurier“ das „Zentralorgan der APO“, also der (Alt-)Achtundsechziger. Leggewie spricht sich übrigens gegen ein AfD-Verbotsverfahren aus, da dies die Partei in die Opferrolle bringen könnte, und plädiert stattdessen für einen inhaltlichen Kampf. Nach den vom „Wannsee-2.0“-Lügen-Portal Correctiv ausgelösten Massenprotesten Anfang 2024 sprach Leggewie im Frühjahr 2024 davon, dass der „Kipppunkt“ erreicht sei und der ungebremste Siegeszug der AfD beendet werden könne. Wie man sich doch täuschen kann!
Ist das der Grund für Krüger, es gar nicht erst zu einer intellektuellen Auseinandersetzung mit der AfD kommen zu lassen, vor einer „Neutralitätsfalle“ in der politischen Bildung zu warnen und von einer neuen „Staatsbürgerkunde“ zu schwärmen?




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Aus dem Neutralitätsgebot eine Neutralitätsfalle zu konstruieren, da wäre der große Bruder aber stolz.
Der Beutelsbacher Konsens ist so vieles Makulatur in diesem Gesinnungs- und Propagandastaat.
Dafür schickte man 1918 den Kaiser ins Exil.
Ja, verehrter Herr Kraus: Es brennt, wie Sie so schön sagen, der Kittel! Und die frischgebackenen Ruheständler (und nicht nur die!) friemeln und fummeln angstschlotternd, hektisch und dabei ohne jeden Anflug eines schlechten Gewissens an allen nur erreichbaren Stellschrauben herum, in der wackeligen Hoffnung, dass der (scherzhaft gesagt) bedrohlich anwachsende ‚Blaue Elch‘ doch bitte, bitte, bitte an ihnen allen vorübergehen oder wenigstens zu beherrschbarer Größe schrumpfen möge. Mich erinnert das Ganze an das köstliche Bildchen bei Altmeister Wilhelm Busch in dessen ‚Nächtlicher Politik‘, wo nicht der Kittel, sondern die geruhsame Bommelmütze eines Dorfpolitikers Feuer fängt, der sich schließlich in heller… Mehr
Was Georg Restle für den ÖRR ist, will Thomas Krüger für die dt. Schulen sein. Weg mit Neutralität und Objektivität, endlich den Weg ganz offiziell frei machen für linksgrüne Propaganda und Indoktrination. Erinnert immer mehr an die DDR, auch dort diente alles dem antifaschistischen Kampf (bis hin zum Schutzwall), im Westen saß der Feind, da saßen die „Faschisten“, die die Deutsche „Demokratische“ Republik zerstören wollten. Geschichte wiederholt sich.
Habe Google gefragt was denn der Beutelsbacher Konsens sei, weil ich es auch nicht wusste. Google KI Antwortet: Der Beutelsbacher Konsens (1976) ist der grundlegende Kodex für politische Bildung in Deutschland. Er definiert drei Kernprinzipien, um Indoktrination zu verhindern und Mündigkeit zu fördern: Überwältigungsverbot (keine Indoktrination), Kontroversitätsgebot (kontroverse Themen auch kontrovers darstellen) und Schülerorientierung (Befähigung zur eigenen Interessenanalyse). bpb.de +2 Entstehung: Die Grundsätze wurden im Herbst 1976 bei einer Tagung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg in Beutelsbach von Fachdidaktikern formuliert, um politische Bildung von Indoktrination abzugrenzen. Überwältigungsverbot: Es ist nicht erlaubt, Schüler mit einer bestimmten Meinung zu überrumpeln. Ziel ist die Befähigung zu einem selbstständigen Urteil.Kontroversitätsgebot: Was in Wissenschaft… Mehr
Entweder ist Krüger ein AfD U-Boot, der durch genau diese (längst Realität gewordene) Forcierung linker Ideologoieen an den Schulen effektiev Wahlhilfe für die AfD betereibt, oder er ist ein Betonkopf. Der Staatsbürgerkundeunterricht und die Ausrichtung der DDR Schulen nach stramm links hatte auch nicht funktioniert, konnte die DDR auch nicht retten. Wenn Leggewie sich gegen AfD-Verbotsverfahren aus spricht, da dies die Partei in die Opferrolle bringen könnte und für einen inhaltlichen Kampf plädiert, dann kann man nur laut lachen. Das hat die Brandmauerfraktion schon so oft angkündigt und nicht ein einziges mal ist das gelungen. Darum versuchen sie mit Taschenspielertricks… Mehr
„Nun also Krüger (*1959): Er scheint sich an seine eigene DDR-Schulzeit in den 1970er Jahren und offenbar nostalgisch an das Fach „Staatsbürgerkunde“ für die Klassen 7 bis 10 zu erinnern.“ Sehr geehrter Herr Kraus, liebe Redaktion, die nachstehenden Gedanken müssen nicht unbedingt veröffentlicht werden. Aber ich wäre der Redaktion sehr dankbar, wenn sie einmal beginnt nachzudenken. Mittlerweile ist die berechtigte Kritik/Ablehnung an der linken Demagogie und Entartung in der gegenwärtigen Politik bei Tichys Einblick zu einem mehr oder weniger fanatischen DDR-Hass verkommen. Die penetrante Hinzufügung von „SED“ zum Parteinamen der Linken – 35 Jahre nach dem Ende der DDR und… Mehr
Ich bin auch Jahrgang 1959 und in der DDR aufgewachsen. Vor einigen Tagen hatte die AfD zu einem Bürgerdialog eingeladen (Ulrich Siegmund war auch da). Man konnte ohne Anmeldung einfach hingehen. So einfach alledings auch nicht, da ein Mob bestehend aus AntiFa, Omas gegen Rechts und der SED offenbar etwas gegen Dialog hatte und uns als Nazis beschimpfte. Einem massiven Polizeiaufgebot war es zu verdanken, dass die Veranstaltung sauber über die Bühne lief. Warum ich die Linke bei ihrem früheren Namen nenne? Es ist die SED, die sich lediglich mehrfach umbenannt hat, sich aber nicht inhaltlich von der SED verabschiedet… Mehr
Das ist ein offenes Bekenntnis zur schulischen Indoktrination von Kindern und Jugendlichen. Immerhin macht man sich ehrlich, denn geschehen tut das nachweislich seit Jahrzehnten.
Man muss Deutschland nicht lieben. Man darf sich innerlich u/o äußerlich trennen.
„Neutralitätsfalle“, wie erbärmlich ist das alles geworden.
Nie vergessen, dass für die West-Linken die DDR das „bessere“ Deutschland war.
Und das wiedervereinigte Deutschland soll daran anknüpfen.
Bei der Union immer an die Genossen der Pizza-Connection denken… Die nahmen die heutige Anbiederung der CDU an die Mauermörderpartei vorweg…
wenn die linken oder linksextremen Fuguren von einem “ inhaltlichen Kampf“ faseln. Auf den warte ich immer noch. Abgesehen vom Inhalt ist mir unklar, woher die Linken den Geist nehmen, den es braucht, es sei denn sie lassen knüppeln. Das können sie durchaus. Bislang habe ich noch kein ( logisches) Argument für eine linke oder gar linksextreme Position gelesen, wobei bereits die Selbstzuschreibung “ links“ von ihnen regelmässig widerlegt wird. Der Sozialismus ist eine Ideologie für psychokognitiv Gehandicapte, somit dem Islam nicht unähnlich. Aber vielleicht schaffen es die genannten linken Protagonisten, auch nur ein erwägenswertes Argument zu erzeugen. Vermutlich wissen… Mehr