Neues von den Willigen – Abenteuer in Paris

Nachdem man in der EU und dem UK bemerkt hat, dass Trump ein Meister der Selbstdarstellung ist und sein Team diese Fähigkeit überzeugend inszeniert, hat man in Brüssel und London aufgerüstet. Die Qualität der Inszenierungen hat deutlich gewonnen, aber auch beste Regisseure kommen an Grenzen, wenn die Akteure nicht mehr hergeben.

IMAGO / ZUMA Press

Die EU und das Vereinigte Königreich müssen, nicht zuletzt wegen ihrer selbstmörderischen Energiepolitik, einen Großteil ihrer Energie importieren. Zugleich leben sie, allen voran Deutschland, von Exporten. Diese Waren werden auf Handelsrouten transportiert, die bisher ausschließlich von den Amerikanern auf eigene Kosten gesichert wurden. Die EU, allen voran wieder das moralisch untadelige Deutschland, waren der Meinung, genug zu dieser Sicherung beizutragen, wenn sie die Amerikaner moralisch belehren.

Das ist vorbei. Mit Heuchelei und Doppelmoral kommt man jetzt nicht mehr weiter. Fast nicht. Denn natürlich kann man das nicht zugeben und den Amerikanern recht geben. Die Lösung: Genau mit solchen Inszenierungen, mit denen „Die Willigen“, wie sie sich originellerweise selbst bezeichnen, schon im Ukraine-Krieg nichts erreicht haben.

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Der neueste Versuch einer solchen Inszenierung fand jetzt in Paris statt. „Die Willigen“ wollten zeigen, ohne die Amerikaner die Straße von Hormus sichern zu können. Die Regisseure verstehen etwas von ihrem Handwerk. Die Kulisse im Hintergrund ein überlebensgroßes Ölgemälde, Dekoration mit Fahnen – die wohl die „regelbasierte Multi-Laterialität“ unterstreichen sollen – ein Ziel auf das unsere Protagonisten den Fotografen in die Kameras entgegen gehen sollen. Was soll da schiefgehen? Bei diesen (männlichen) Protagonisten eben alles.

Inszenierungen, genauer die Bilder, die diese Inszenierungen schaffen sollen, sind ein zweischneidiges Schwert. Denn sie transportieren nicht nur die Ebene, die sie sollen. Sondern auch noch eine Subebene. Und diese Subebene überlagert die gewünschte beim bildlichen Ziel „der Willigen“.

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Wir sehen auf diesem Bild die vier Regierungschefs (Giorgia Meloni besteht darauf, Ministerpräsident genannt zu werden) der drei größten und wirtschaftlich stärksten EU-Länder und den Ministerpräsidenten des Vereinigten Königreiches. Alle drei sind in ihrem Land unbeliebt und werden als schwach wahrgenommen. Als Personen, deren Reden und Handeln maximal entgegengesetzt ist. Wir sehen weiter drei Männer, die diesem Eindruck widersprechen wollen, oder, was wahrscheinlicher ist, gesagt bekommen haben, sie mögen ihrem Image durch Gesten entgegenwirken.

Also versuchen sie Optimismus und Zuversicht in ihrer inszenierten Darstellung zu verbreiten. Aber übertriebene und aufgesetzte Gesten (Merz: ich habe mich entschieden, heute entschieden zu sein) verraten sie und verstärken ungewollt genau das negative Bild der Schwäche und Unfähigkeit zu jeglichem Handeln, von Durchsetzungsfähigkeit ganz zu schweigen, ein Bild, das die Meisten ohnehin schon von ihnen haben. Von der alten Theaterregel, dass den König immer die Anderen spielen, haben sie, wie von so viel anderem, natürlich nie etwas gehört.

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Meloni spürt das und geht zu den lächerlich, im gespielten und daher übertriebenen Selbstbewusstsein vor sich schreitenden männlichen Posern auf Distanz. Abstand haltend geht sie zur Seite und schaut nach oben, die Hände am Rücken verschränkt. Sie weiß um ihre bucklige Verwandtschaft, tut so, als wäre sie dabei, und auch nicht, als bliebe ihr das präpotente Betragen verborgen, und eben nicht. Sie ist dabei und setzt sich ab, verstärkt durch die Wahl ihres roten Hosenanzugs, der bildliche Kontrapunkt macht die Regie kaputt.

Was ist nun der Eindruck, den unsere drei Willigen auf dem Bild verbreiten? Die Billigen wollen den Eindruck erwecken, einen Großbrand löschen zu können. Allerdings – kleine Einschränkung – erst nachdem die richtige Feuerwehr ihn gelöscht hat. Dann, aber erst dann, kämen sie mit ihrem Gartenschlauch, um noch Symboltropfen auf die rauchenden Reste zu gießen. Aber wahrscheinlich würden sie vergessen, den Schlauch an einen Wasserhahn anzuschließen.

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Kommentare ( 40 )

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Harry777
2 Tage her

Seit wann ist denn UK wieder in der EU? Oder ist das der neue Club „wie wirtschafte ich mein Land durch illegale Migration am schnellsen ab“? Spanien fehlt da noch. Und Ungarn kann sich jetzt auch schon mal anmelden. Kein Wunder wird´s der Meloni da mulmig.

Norbert Gerth
2 Tage her

Die impotenten westeuropäischen Gartenzwerge proben mal wieder den Aufstand?

JoergJ.
2 Tage her

Die drei von der Resterampe, der eine hat über 200 Admirale und vielleicht drei Schiffe die laufen, der andere glaubt er sei Napoleon mit seiner Grand Armee und der letzte Strohhalm glaubt wieder an den Endsieg 2029 über Russland.
Präsident Trump lacht nur über die in der Nacht.

Nibelung
2 Tage her

Jeder einzelne auf diesem Bild repräsentiert auf die jeweilige Art den Ritter von der traurigen Gestalt, während andere um uns herum die Welt gestalten und die Rolle die dort übernommen wird, kann man ja bemängeln oder gutheißen, während wir in Europa im Schlafwagen auf die nächste Katastrophe zusteuern, die an menschlichen Fehleinschätzungen, fehlendem Wagemut und diplomatischen Gespür nicht mehr zu toppen ist. Ihre selbstgeschaffenen Probleme innerhallb und außerhalb ihres Einzugsbereiches gleichen doch bereits einem Offenbarungseid und das schlimmste was Politikern wiederfahren kann ist die fehlende Akzeptanz beim Wahlvolk und dem politischen Gegenüber überall auf der Welt und wer dumm genug… Mehr

Haba Orwell
3 Tage her

> Diese Waren werden auf Handelsrouten transportiert, die bisher ausschließlich von den Amerikanern auf eigene Kosten gesichert wurden.

Gesichert? Gemeint ist wohl eher exzessive Piraterie auf allen Weltmeeren? Dieses Jahr begann es gegen Tanker aus Venezuela…

gast
3 Tage her

Das ist ein witziges Bild. Ich begann meinen beruflichen Werdegang als einzige Frau in einer Männertruppe. Wenn ein Bild gemacht wurde, hieß es immer: Moment, die Frau muss in die Mitte. Auch wenn ich nicht wollte, ich wurde gar nicht gefragt.
Und auf diesem Bild laufen drei selbsternannte Weltenlenker und bemerken die Frau am Rande gar nicht.

Kassandra
2 Tage her
Antworten an  gast

Ja. War auch mein erster Impuls.
Nur ist sie jetzt rechts- oder eher linksaußen, die Frau Meloni?

Logiker
3 Tage her

Geblendet von dem Irrglauben an die eigene Bedeutung.

November Man
3 Tage her

Die drei Versagen sind wohl eher eine Koalition der Wichtigtuer die so tun als könnten sie irgendwo auf der Welt irgendwas mitbestimmen. Die drei nimmt doch niemand mehr ernst. Man kann sich mit seinen großspurigen Worten auch auch lächerlich machen.

Johann P.
3 Tage her

Einfach köstlich, wie Giorgia „die Drei von der Zankstelle“ auflaufen lässt, im wahrsten Sinn des Wortes! Outfit, Körperhaltung und Mimik sind einfach unschlagbar, Gratulation!

merkelinfarkt
3 Tage her

Wo verläuft denn auf dem Bild die ewige Brandmauer zwischen Merz und der lt. ARD u. ZDF „Postfaschistin“ Meloni? Oder soll Merzens Brandmauer durch den Gleichschritt nur der Herren und den erweiterten Luftspalt von Starmer zur Dame symbolisiert werden? Fährt Merz mit Meloni im gleichen Aufzug? Spricht Merz? Kann er zu Melonie wie meine Nora wenigstens „guten Tag“ krähen? Fragen über Fragen. Bei Frau Weidel schafft der alte Knabe das alles nicht…