Kernkraft? Ja bitte! – Atom-Wiedereinstieg jetzt

Dreistellige Milliardenbeträge hat Deutschland volkswirtschaftlich laut Energieökonom Manuel Frondel irreversibel verloren. Futsch. Verschwunden. Aber das Geld ist natürlich nicht weg, es haben jetzt nur andere.

picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Kommt jetzt langsam Klartext in die Debatte? Wobei: Es ist eigentlich keine Debatte mehr, in der man gepflegt über das Für und Wider streitet. Es ist eher fünf nach zwölf Uhr, die Energieversorgung Deutschlands ist bereits massiv bis ins Mark beschädigt.

Der Spruch von der Leyens, der Ausstieg Deutschlands aus der Kernkraft sei ein „strategischer Fehler“, sorgte für Schlagzeilen und Reaktionen, die viel über den Zustand eines postindustriellen Zeitalters sagen.

Ein Carsten Schneider von der SPD, den der Parteienstaat auf den Chefsessel des Bundesumweltministeriums gespült hat, nannte von der Leyens neue Linie eine „rückwärtsgewandte Strategie“.

Der eine Bankkaufmannsberufsausbildung und Zivildienst in einer Jugendherberge vorzuweisen hat, bevor er über die Juso-Schiene in die mit reichen Finanzmitteln ausgestatteten warmen Plenarsäle eintauchte, gab von sich, Wind- und Solarstrom seien sauberer, sicherer und günstiger. Er könnte im TE-Energiewende-Wetterbericht jeden Tag vom Desaster an der Stromfront erfahren. Etwa am Dienstagabend von der elektrischen Leistung von 10,4 GW, die Deutschland aus den Nachbarländern importieren musste.

Zur Einordnung: Das ist die Leistung von etwa zehn Kernkraftwerken. Der Preis: 218 Euro/MWh. Normal sind etwa 60 Euro.

Schneider sollte mit Unternehmen sprechen, die aufgrund des unzuverlässigen und zu teuren Stroms ins Ausland abwandern. Statt sich in die Aussage zu versteigen, Deutschland sei durch den Atomausstieg „ein ganzes Stück sicherer geworden“. Wie er dazu kommt angesichts eines massiven Strommangels und der durch die Decke schießenden Stromkosten, kann der Sozialist nicht erklären. Man fragt ihn vermutlich besser nicht danach, was Energie überhaupt ist.

Grünen-Energiefachfrau Katrin Göring-Eckardt schrieb nach dem Wort von der Leyens sinngemäß, der eigentliche „strategische Fehler“ wäre, 15 Jahre nach Fukushima Atomkraft wieder als Zukunft zu verkaufen. Ihre Begründung folgt dem alten grünen Raster: Atomkraft sei teuer, langsam und riskant, die Atommüllfrage bleibe ungelöst, Europa brauche keine Atom-Renaissance, sondern mehr Tempo bei den „Erneuerbaren“.

Lediglich Peter Boehringer erklärte, von der Leyen komme damit zwar „im Ergebnis“ endlich zum richtigen Schluss, nannte ihre Wendung aber opportunistisch und unglaubwürdig. Der ist aber von der AfD und betont sogar noch: Wer den Atomausstieg jetzt Fehler nennt, müsse auch sagen, wer ihn betrieben und abgesichert hat.

Diese Namen sind klar: Jürgen Trittin („Kugel Eis“) und Hans-Josef Fell waren neben anderen wesentliche Urheber der „Energiewende“. Nicht umsonst holzt er derzeit vehement gegen die zaghaften Versuche der Bundeswirtschaftsministerin Reiche, etwas die gigantischen Kosten zu deckeln. Sieht er doch seine Pfründe wackeln.

Die Leyen-Sätze von Paris und die heftigen Reaktionen machen deutlich: Der Ausstieg war der GAU. Eingeführt von Rot-Grün im Jahr 2000, fortgesetzt von Merkel und von der Ampel 2023 mit dem Abschalten der letzten KKW gegen großen Widerstand vollendet.

20 Professoren wandten sich 2022 mit der Stuttgarter Erklärung gegen den Atomausstieg

Noch nicht einmal das hat funktioniert, weshalb die sogenannte „Energiewende“ losgetreten wurde: Das Weltklima retten, CO2 reduzieren. Die CO2-Bilanz von Deutschland ist dramatisch schlecht, die von Frankreich deutlich besser. Sack und Asche für Merz & Co wären besser angebracht als markige „Weiter-so“-Worte.

In Berlin scheint man den Ernst der Lage sowohl in der Energieversorgung als auch darum, wie es in Europa rund um Deutschland bestellt ist, nicht erkannt oder nicht begriffen zu haben. Die EU-Kommission setzt auf eine nukleare Renaissance, Frankreich drängt auf neue Finanzierungsmöglichkeiten, und selbst der deutsche Kanzler nennt den Ausstieg im Kern falsch. Aber Berlin bleibt beim Ausstieg.

Die EU ist für die Kernkraft, der Wind dreht sich. Bisher hat Berlin Brüssel beherrscht, jetzt kehren sich die Verhältnisse um. Die anderen europäischen Länder, die die Nase voll von den Eskapaden haben, werden Deutschland disziplinieren. Die derzeit regierende Berliner Truppe hat dem nichts entgegenzusetzen. Das Geld ist weg, mit dem Merkel noch sagen konnte, was die Länder zu tun und zu lassen haben. Und Strom ist auch nicht mehr da, die Berliner Regierung ist auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass Nachbarländer Strom liefern. Deutschland hängt am Tropf der französischen Kernkraft.

Bezahlen müssen dies die deutschen Stromkunden und die Industrie, die mit den höchsten Strompreisen weltweit leben müssen. Dass dies nicht lange gut gehen kann, dürfte irgendwann auch einmal bis ins Berliner Regierungsviertel dringen.

Die deutschen Grünen können den Unsinnsspruch von sich geben: Die Sonne schickt keine Rechnung. Gut, die nicht, aber ihre Windbarone, von denen durch die sogenannte Energiewende manche schon zu Milliardären geworden sind.

Von daher ist auch der unverantwortliche Merz-Satz, der Ausstieg sei irreversibel, in gewisser Weise richtig: Das Geld ist irreversibel in dreistelligen Milliardenbeträgen fort aus Deutschland, weil volkswirtschaftlich den Worten des Energieökonoms Manuel Frondel verloren. Futsch. Verschwunden. Aber das Geld ist natürlich nicht weg, es haben jetzt nur andere.

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Kommentare ( 1 )

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Sonny
41 Minuten her

Es ist leider absolut nicht befriedigend, immer Recht zu behalten. NATÜRLICH war der Atomausstieg ein Fehler und zwar nicht nur ein strategischer! Das wußten Hunderttausende deutscher Bürger und Millionen haben es geahnt. Wider besseres Wissen hielt man stur an diesem Desaster fest. Deutsche Politik krankt seit der Jahrtausendwende an Überheblichkeit, Selbstgefälligkeit und Schönrednerei. Die tausenden von Parteisoldaten sind so dermaßen in ihrer eigenen Lobhudelei versunken, dass das Land nunmehr zum Ausverkauf steht. Die Bürger, die jetzt noch einen Job haben und arbeiten gehen, sind nichts besseres als Sklaven. Deutschland berherbergt insgesamt die größten politischen Idioten der Welt, und das Wahlvolk… Mehr