Sicher ist sicher

Merkelpoller, Zuckersteuer und Autos, die selbst lenken. Der fürsorgliche Staat warnt, reguliert und schützt vor Hass, Zucker und freiem Willen. Bei den tatsächlichen, ganz konkreten Bedrohungen hat er längst kapituliert oder wirkt erstaunlich hilflos. Sicherheit kann es nach seiner Ansicht nur geben, wenn die Freiheit abgeschafft ist.

IMAGO / Arnulf Hettrich

Wenn uns eines wichtig ist in unserem Land, dann ist es die Sicherheit. Davon zeugen die dekorativen Merkelpoller vorm Weihnachtsmarkt – oder sollten wir besser von „Lichterfestmarkt“ sprechen? Und ist es nicht wunderbar, dass unsere Synagogen rund um die Uhr bewacht werden? Warum? Ach, man frage nicht.
Unserer Sicherheit dient auch der Kampf gegen Hass und Hetze und gegen irgendwelche Naziparolen – etwa, wenn jemand, und sei es in satirischer Absicht, für die AfD-Jugend die Formulierung „Generation Deutschland erwache“ verwendet. Vorsicht auch bei der Formulierung „Lastenräder müssen rollen für den Sieg gegen den Klimawandel“!

Die einzige vernünftige Lösung wäre natürlich: weg mit dem Internet und der Meinungsfreiheit! Aber das ist wohl derzeit nicht so einfach. Fangen wir also klein an mit der Herstellung von Sicherheit. Ich sage nur: Zuckersteuer! Eine Überzuckerung der Gesellschaft ist fast so schlimm wie Hass und Hetze, Zuckerkonsum kann zu Diabetes und Herzerkrankungen führen. Die Risiken für Adipositas, Schlaganfälle, Bluthochdruck und Fettleber steigen. Also: Zuckerkonsum drastisch verringern!

Wer könnte schon dagegen sein? Die Bevölkerung besteht aus naiven Gutgläubigen, die man zu ihrer Sicherheit zwingen muss. Und da sich am „Stadtbild“ offenbar nichts ändern lässt, fängt man eben klein an. Mit Merkelpollern und Zuckersteuer. Und vielleicht kann man noch was anderes verbieten? Vorschläge werden entgegengenommen! Denn eines ist gewiss: Sicherheit beginnt weit bevor irgendein Unglück eintreten könnte.

Vorbildlich in diesem Sinn ist übrigens so ein modernes Auto, ganz im Unterschied zu meinem guten alten Toyota, der läuft und läuft und läuft und mich ansonsten höchstens mal mit einer schwächelnden Batterie belästigt. Der Transporter, den ich kürzlich mieten musste, beglückte mich mit betreutem Fahren. Jede kleine Abweichung vom geraden Weg wurde korrigiert, immer wieder bewegte sich das Lenkrad ohne mein Zutun. Zauberisch! Und beunruhigend: wo blieb mein freier Wille? Bei der kleinsten Geschwindigkeitsüberschreitung blubberte das Auto ungehalten, nur zu meiner Sicherheit, versteht sich. Und alle zwei Stunden forderte mich der große Bildschirm dazu auf, eine Pause einzulegen.

So möchte auch der uns behütende Staat sein: stete Warnung, bevor es zu spät ist, auch wenn uns dann schon mal das Lenkrad entgleitet.

Doch vielleicht sollten wir Mitleid haben mit unseren Staatslenkern. Gegen die großen Bedrohungen können sie nunmal rein gar nichts machen, Stichwort Straßenbild, bevölkert von jungen Männern, die uns für unsere Toleranz und Großzügigkeit verachten. Oder von Clans unterschiedlichen kulturellen Zuschnitts, Großfamilien, die es sich mit Staatsknete und/oder Drogenschmuggel bei uns gemütlich machen. Oder von hochgereckten Hinterteilen, weil es einigen behagt, durch öffentliches Beten Straßen und Plätze zu versperren. Wer von unseren Politikern möchte schon des „antimuslimischen Rassismus“ bezichtigt werden?

Für rechte Abweichler von der Willkommenskultur ist die linksextremistische Antifa zuständig, das entlastet die Regierung. Und wer im Inneren sonst nichts weiter bewirken kann, der engagiert sich für Kriege anderswo, das kostet zwar Geld der Steuerbürger, aber nicht das Leben.

Und deshalb: legen Sie alle zwei Stunden eine Pause ein und machen Sie sich für eine Zuckersteuer stark! Sicherheit geht vor! Und sollten Sie unsicher sein: fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, dort gibt es Beruhigungspillen. Oder Schlaftabletten.


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Kommentare ( 8 )

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Rob Roy
4 Stunden her

Zuckerkonsum drastisch verringern!

Ich bin gegen eine Steuer. Und jeder soll sich so viel Zucker in den Kaffee tun, wie er möchte.
Aber warum müssen in allen Nudelnsorten und Pastaprodukten 3% Zucker enthalten sein?

Last edited 4 Stunden her by Rob Roy
H. Priess
8 Stunden her

In unserer christlich geprägten Gesellschaft und im Zuge der Aufklärung hat sich folgendes als Prinzip entwickelt: Es ist alles erlaubt, was nicht eindeutig verboten ist. In der islamisch gepägten Gesellschaft gilt: Es ist alles verboten, was nicht eindeutig erlaubt ist. Das ist ein sehr großer Unterschied. Soll man die Menschen einfach tun und lassen können wie sie wollen solange sie nicht gegen ein Gesetz verstoßen oder soll man für alles ein Gesetz zum Verbot haben und nur die Ausnahmen zu lassen? Ich denke, daß wir uns von Ersterem weg bewegen und uns Zweitem zuwenden. Es werden immer mehr Gesetze die… Mehr

Sonny
10 Stunden her

Seit 2005 und insbesondere seit 2015 ist Deutschland zu einer Schlangengrube geworden – der Bürger wird von drei Seiten massiv angegriffen. Von Inquisitoren, Möchtegerndiktatoren und von durchgeknallten Religionsfanatikern. Bevormundung, Verbote, gedankliche „Weichenstellungen“, Abzocke und Überwachung. Das „moderne“ Auto ist ein prima Beispiel für den Verlust von Freiheit und nur vermeintlich ein „Gewinn an Sicherheit“. Wer in solchen Autos fahren will/muss, der wird mit Erschrecken erkennen können, wie sehr die Einengung des Horizonts bereits fortgeschritten ist. Die Freiheit der Menschen liegt in Deutschland jedenfalls längst auf der Mülldeponie. Und trotzdem ist alles nur Scheinsicherheit. Es gibt eben auch in mittlerweil überwältigend… Mehr

Manfred_Hbg
21 Stunden her

Zitat 1: „Unserer Sicherheit dient auch der Kampf gegen Hass und Hetze und gegen irgendwelche Naziparolen – etwa, wenn jemand, und sei es in satirischer Absicht, für die AfD-Jugend die Formulierung „Generation Deutschland erwache“ verwendet.“ > Wobei hier dann auch das von der AfD-Führung angestrebte Parteiausschlußverfahren gegen Kevin Dorow (AfD-Jugend) und besonders auch die Vorgehensweise eine Schande ist. Die AfD(-Führung) soll nun bloß nicht wegen den anstehenden Wahlen damit beginnen, anderen wie den Relotius- und „Qualitätsmedien“ und den vom AltparteienKARTELL kommenden „WirDemokraten“ gefällig werden und ihnen in den Ar…. kriechen zu wollen. Nur eine -auch- mit Rückgrat, Standhaftigkeit und Selbstbewußtsein… Mehr

Raul Gutmann
22 Stunden her

1914 war das Leben sicher, die Menschen sahen in ihrer großen Mehrheit seiner Majestät Wilhelm II. das dsynastische, natürliche Staatsoberhaupt. Die Regierung seiner Majestät kümmerte sich um das Wohl seiner Untertanen.
Gut 120 Jahre später ist die Gesellschaft gespalten, das formelle Staatsoberhaupt ist mehrheitlich unglaubwürdig. Die demokratisch gewählte Regierung handelt wider die vitalen Interessen der sich bürgerlich wähnenden Konsumenten.

VK
22 Stunden her

Mir fällt leider gar nichts mehr ein, was nicht „geregelt“ ist. Selbst wenn ich im nahegelegenen Fluss schwimme, wird regelmässig die Feuerwehr/Wasserschutzpolizei gerufen, weil ich ja ertrinken könnte.

Manfred_Hbg
7 Stunden her
Antworten an  VK

Na, wenn Sie hier dann aber vielleicht im Rhein oder in der Donau und mitten im Fahrwasser am schwimmen sind, dann wundert das Verhalten der lieben Mitmenschen aber nicht. 😉 DOCH mal Scherz beiseite und hin zum „was nicht „geregelt“ ist“: Man sollte sich heute zum Beispiel mal angucken, was zum Erwerb von einen Angelschein alles „geregelt“ ist. Hierfür, nur um vielleicht mal die Angelrute ins Wasser halten zu können, ist heute ein halbes „Studium“ nötig :-/ Damals hat man meiner Erinnerung nach 5 oder 10 DM aufm Tresen gelegt und hat dann diesen „Lappen“ ausgehändigt bekommen. Das ist alles… Mehr

Jens Frisch
22 Stunden her

Früher einmal war es das linke Menschenbild – der unmündige Proletarier, dem die Partei erst die „internationalen Menschenrechte“ ein prügeln musste – heute vertreten alle Altparteien dieses Menschenbild – Corona hat es bewiesen:
„Der Bolschewismus ist über das Land gekommen!“