Erst trieb Europas Sackgassen-Politik durch grüne Ideologie Strompreise und Deindustrialisierung, jetzt entdeckt Ursula von der Leyen die Kernkraft neu. Die angeschlagene Frau an der Spitze der EU erklärt die Abkehr von Atomkraft als strategischen Fehler. Es ist das zu späte Eingeständnis des eigenen Versagens.
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Abdul Saboor
Europa ist ein teurer Kontinent geworden, weil es sich seine Energiepolitik viel zu lange von Ideologen, Symbolpolitikern und klimaasketischen Heilsverkündern hat diktieren lassen. Nun steht ausgerechnet Ursula von der Leyen in Paris auf einer Bühne und erklärt, die Abkehr von der Atomkraft sei ein „strategischer Fehler“ gewesen. Das ist politisch brisant, weil hier nicht irgendein Oppositionsredner abrechnet, sondern die Präsidentin der EU-Kommission selbst das Scheitern einer Linie eingesteht, unter deren Dach Europa seine industrielle Basis mutwillig geschwächt und in weiten Teilen zerstört hat.
Von der Leyen begründet ihren Satz nüchtern genug, um ihn umso vernichtender wirken zu lassen. Europa habe einer zuverlässigen, erschwinglichen und emissionsarmen Energiequelle den Rücken gekehrt. Genau so ist es. Wer sicheren Grundlaststrom aus dem Netz drängt, ersetzt Physik nicht durch Moral, sondern Stabilität durch Knappheit, Preisaufschläge und Abhängigkeit. Die EU-Kommissionspräsidentin sagt damit im Klartext, dass ein zentraler Glaubenssatz der deutschen und europäischen Energiepolitik nicht nur teuer, sondern falsch war.
Besonders unerquicklich ist diese ihre sehr, sehr späte Aussage, weil die Schäden längst angerichtet sind. Deutschland schaltete seine letzten drei Kernkraftwerke am 15. April 2023 ab. Milliardenwerte wurden vernichtet. Das war kein unvermeidlicher Zwang der Geschichte, sondern eine politische Entscheidung gegen eine bestehende, verlässliche Stromquelle. Während andere Staaten nüchtern auf Versorgungssicherheit, Netze und Industrie sahen, predigte die Bundesrepublik ihren Sonderweg wie eine säkulare Religion und verkaufte Selbstbeschädigung als Fortschritt.
Jetzt, da die Realität jede Sonntagsrede zerlegt hat, will Brüssel plötzlich pragmatisch wirken. Von der Leyen kündigte eine neue europäische Strategie für kleine modulare Reaktoren an. Diese Technologie solle in Europa bis Anfang der 2030er Jahre einsatzbereit sein. Zudem stellte sie Risikoabsicherungen beziehungsweise Garantien in Höhe von 200 Millionen Euro für Investitionen in innovative Nukleartechnologien in Aussicht. Das alles zeigt vor allem eines: Wenn es ernst wird, flüchtet selbst die Brüsseler Machtmaschine zurück in die Welt der Ingenieure, der Netze und der gesicherten Leistung.
Man muss sich die ganze Ironie dieser Wende auf der Zunge zergehen lassen. Jahrelang wurde der Bürger mit der Botschaft traktiert, Verzicht sei Tugend, Verteuerung Erziehungsmaßnahme und Unsicherheit bloß ein Übergangsphänomen auf dem Weg ins grüne Morgenrot. Gleichzeitig wurden Bürger wie auch Unternehmen mit immer höheren Energiekosten belastet, Standorte ausgedünnt und Investitionen verschoben. Und nun steht dieselbe europäische Spitzenpolitik da und tut so, als habe sie gerade erst entdeckt, dass moderne Volkswirtschaften Tag und Nacht Strom brauchen, nicht nur dann, wenn Windräder sich gnädig drehen und der Himmel wolkenfrei ist. Diese politische Klasse beleidigt nicht nur die Intelligenz der Bürger. Sie beleidigt auch deren Gedächtnis.
Noch bemerkenswerter ist der historische Befund, den von der Leyen selbst liefert. 1990 stammte etwa ein Drittel des europäischen Stroms aus Kernenergie, heute sind es nur noch knapp 15 Prozent. Das ist kein Fortschrittsdiagramm. Das ist die Bilanz eines energiepolitischen Rückbaus, der Europa deutlich verletzlicher gemacht hat. Wer gleichzeitig aus Kernkraft aussteigt, Kohle verteuert, Gas moralisch verteufelt und Industrie mit Regulierung überzieht, darf sich über Standortflucht nicht wundern. Er organisiert sie geradezu.
Dass von der Leyen nun von einer weltweiten Renaissance der Kernenergie spricht, ist deshalb auch ein Versuch, politisch die eigene in höchstem Maße angeschlagene Kurve zu kriegen. Nur sieht selbst die nüchterne Bestandsaufnahme weit weniger euphorisch aus. Nach Angaben des World Nuclear Industry Status Report gingen 2025 weltweit vier neue Reaktoren mit zusammen 4,4 Gigawatt ans Netz, während sieben Reaktoren mit insgesamt 2,8 Gigawatt stillgelegt wurden. In der EU ist derzeit nur ein Reaktor im Bau, Mochovce-4 in der Slowakei, dessen Bau bereits 1985 begonnen hatte. Von einer atemberaubenden Renaissance kann also keine Rede sein. Eher von einem verspäteten Wiedererwachen in Zeitlupe.
Gerade deshalb ist die politische Pointe so scharf. Wenn selbst unter diesen Bedingungen eine angeschlagene Kommissionspräsidentin erklärt, die Abkehr von der Atomkraft sei strategisch falsch gewesen, dann fällt damit das Schutzgerüst einer ganzen Epoche zusammen.
Dann war der deutsche Atomausstieg nicht Ausdruck moralischer Überlegenheit, sondern ein Lehrstück staatlich organisierter Selbstschwächung. Dann waren die Warnungen vor steigenden Kosten, sinkender Versorgungssicherheit und wachsender Importabhängigkeit eben keine Panikmache, sondern Realitätssinn.
Für Deutschland ist diese Wende besonders blamabel und katastrophal. Denn während Frankreich, Osteuropa und inzwischen weite Teile der EU längst wieder nüchterner auf Kernenergie blicken, hängt Berlin noch immer an den Ruinen einer alten Erlösungslehre. Die politische Klasse, die den Bürgern Wärmepumpen, Verzichtsmoral und Stromdisziplin predigte, bekommt jetzt aus Brüssel schwarz auf weiß vorgeführt, wie unerquicklich ihr Kurs war. Ausgerechnet von der Leyen, die sonst jede neue europäische Großmission mit feierlicher Selbstgewissheit verkauft, muss nun einräumen, dass eine der teuersten Selbsttäuschungen des Kontinents eben doch nur das war: eine Selbsttäuschung.
Am Ende bleibt ein Satz, der härter ist als jede Oppositionsrede. Europas Abkehr von der Atomkraft war ein strategischer Fehler. In diesem einen Satz steckt das Eingeständnis von Milliarden- und Billionenkosten, verspielter Wettbewerbsfähigkeit und mutwillig erhöhter Verwundbarkeit. Was jahrelang als Fortschritt verkauft wurde, erscheint plötzlich als politischer Irrweg. Nicht die Kritiker müssen sich erklären. Erklären muss sich eine Machtelite, die erst Schaden anrichtet und ihn dann, wenn er unübersehbar geworden ist, mit staatsmännischer Miene nachbuchstabiert.

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Das wäre ja ein Anfang. Wenn UvdL jetzt noch die restlichen ca. 7588 Fehler einsieht, die sie verbrochen hat und aufhören würde, neue zu machen, wären wir weiter.
Dann könnte man auch mal mit der Korrektur der Fehler anfangen.
Merkel hat sie doch in dieses Amt gehievt! Vorher war sie die Pannen-Uschi bei der Bundeswehr!
Das hat schon Merz gesagt – freilich ohne die Absicht, den Fehler zu korrigieren. Der Fehler liegt aber nicht in einer herbeiphantasierten europäischen Strategie, sondern in einer fehlgeschlagenen US-Strategie. Der Atomausstieg war Teil der US-Strategie , sich auf Kosten Deutschlands/Europas zu reindustrialisieren. Der Fehler der Amerikaner besteht darin, daß ihre Rechnung nicht aufgegangen ist: Die großflächige Umsiedlung der europäischen Industrie scheitert gerade am Fachkräftemangel in den USA. Es fehlt an Ingenieuren und ausbildungsfähigen Jugendlichen (25% Analphabeten unter Schulabsolventen). Ohne brauchbares Personal kann ein Firmenumzug nicht funktionieren – irgendjemand muss die Arbeit ja machen. Im Ergebnis gehen Firmen wie Mercedes oder… Mehr
Atompläne mit neuartigen Reaktoren „fern jeder Realität“ https://www.vdi-nachrichten.com/technik/energie/die-langfristige-entwicklung-der-kernenergie-zwischen-erwartung-und-realitaet/ Fr. Dr. Funny Böse, TU Berlin/BASE „Diese Ideen sind fern jeder Realität“ (Studie: Long Term Development of the nuclear Power System) Näheres unter TU Berlin oder BASE (Bundesamt für sichere Entsorgung) Bzgl. SMR, Lernrate: „Erst ab 3000 Reaktoren mit identischem Design ist ein SMR gleich teuer wie heutige Reaktoren“ „Diese kleinen Reaktoren sind ein Mythos. Es wird viel über sie geredet, aber es scheitert an der Umsetzung“ Welt: Installiert 1990, 105GW 2020, 95 GW Kaum Zubau, In Russland u. China kommt der Staat für die Kosten auf. Strompreis: 50er Jahre 42$/MWh 2022… Mehr
Kaum sind die letzten Kühltürme gesprengt ,kommt die mit solchen Aussagen daher. Wie durchschaubar ist das denn?
Fehlt noch das Eingeständnis dass der Kampf „gegen das CO2“ ein genau so großer strategischer Fehler war und ist. Mal sehen wann dieses Eingeständnis des eigenen Versagens folgt….
Wir hatten nicht nur stabil laufende und mit hohen Sicherheitsstandards ausgestattete AKW, wir waren auch Technologieführer in der Kernkraft. So konnten wir auch Einfluss auf die Reaktorsicherheit im Ausland ausüben und gut bezahlte Arbeitsstellen schaffen.
Jetzt müssen wir hoffen, dass in F die AKW noch lange funktionieren und überweisen viel Geld ins Ausland, weil unsere fossilen Kraftwerke zu teuer produzieren.
Für den Atomausstieg wurde die Union bei der Bundestagswahl 2013 mit einem exzellenten Ergebnis belohnt. Die AfD scheiterte damals an der Fünfprozenthürde. Geliefert wie bestellt.
> Von der Leyen nennt Atom-Ausstieg strategischen Fehler
Aha. Warum hat sie es nicht rechtzeitig ihrer Freundin Angela M. gesagt, als diese nach Fukushima ob der Tsunami-Gefahr in Buntschland hysterisierte?
Es ist nicht weiter als eine unfassbare Frechheit und Hinterhältigkeit von dieser Person UvdL .
Jeder der ein wenig Verstand zwischen den Ohren hatte sah es !
Nur Politiker vonm Schlage einer Merkel ,VdL ,den Grünen und schlußendlich den prolligen CDU Vorständlern eben auch nicht
Die allerdings ,wie sich zeigt ,haben eben keinen Verstand der über den Tellerrand des parteipolitischen Horizontes hinaus geht .
Sorry ,und der ist beschämend flach .
Von der Leyen selbst ist der strategische Fehler!
Soweit ich weiß, gibt es in Deutschland keine Hexenverbrennung mehr❗