X-Razzia in Paris: Wer nicht nach EU-Regeln spielt, wird bekämpft

EU-Europa verlässt den Pfad eines freiheitlichen Umgangs mit abweichenden Meinungen. Die Razzia in den Pariser Geschäftsräumen von Elon Musks Firma X erscheint dabei nur als Spitze des Eisbergs. Wer sich widersetzt, wird auf mehreren Ebenen bekämpft, geschont wird nur, wer sich unterwirft. Es ist Zeit, den Druck auf Brüssel zu erhöhen.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Markus Schreiber

Elon Musks Kommunikationsplattform X ist zwischen die systemischen Fronten geraten. Auf der einen Seite steht das amerikanische Verständnis von Meinungsfreiheit, das mit der neuen Präsidentschaft von Donald Trump eine politische Wiederbelebung erfahren hat. Auf der anderen Seite zersetzt ein zunehmend repressives Kontrollregime der Europäischen Union das Kräfteverhältnis zwischen Staatsapparat und Bürger.

Angesichts des offen zutage tretenden wirtschaftlichen Niedergangs des europäischen Wirtschaftsmodells und der wachsenden Kritik am längst entgleisten Ukraine-Engagement war absehbar, dass es zu offenen Auseinandersetzungen kommen würde. Niederlagen und persönliche Verantwortung sind unbekannte Größen im politischen Machtzirkel der EU.

Die Souveränität des Bürgers, verankert im Prinzip der Meinungsfreiheit, löst zwangsläufig Widerstand bei jenen aus, deren Einfluss auf der Kontrolle des öffentlichen Diskurses gründet.

Vor diesem Hintergrund sind auch die gegen X erhobenen Vorwürfe leicht zu durchschauen. Erneut geht es um Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder oder um die Manipulation von Bildern mithilfe künstlicher Intelligenz, konkret um die Integration der Plattform-Anwendung Grok.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, versucht die Europäische Union in diesem Fall, über Frankreich als Exekutor der Brüsseler Interessen Elon Musk auch noch die Leugnung des Holocausts anzulasten. Es geht dabei ausdrücklich nicht darum, maximal verwerfliches Verhalten zu relativieren. Die Verfolgung solcher Straftaten ist Aufgabe von Staatsanwaltschaften, polizeilichen Ermittlungen und der Anwendung des geltenden Strafrechts.

Doch der Angriffsvektor der Europäer ist ein anderer. Er ist eindeutig politisch motiviert. Auch die Festsetzung des Telegram-Gründers Pavel Durov im vergangenen Jahr in Frankreich weist in dieselbe Richtung. Es soll keine freien Kommunikationsräume mehr geben, in denen sich europäische Bürger unkontrolliert austauschen, oppositionelle Positionen koordinieren und sich öffentlich gegen den Brüsseler Zentralapparat formieren können.

Dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dessen Präsidentschaft vielen als blutleer und politisch erschöpft gilt, in dieser Gemengelage eine Nebelkerze zündet und mit der Attacke gegen X versucht, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, fügt sich nahtlos in dieses Bild ein. Das Manöver ist durchschaubar.

Doppelte Standards im Namen der Meinungsfreiheit

Wie offen sich europäische Akteure inzwischen gegen die Meinungsfreiheit positionieren, zeigt das Einreiseverbot, das die Amerikaner im vergangenen Jahr gegenüber dem ehemaligen EU-Kommissar Thierry Breton aussprachen. Breton hatte öffentlich Einschränkungen der Kommunikationsfreiheit gefordert, da er in ihr ein Risiko für Wahlen in Europa sah.

Breton beschrieb dabei mit maximaler Naivität die Taktiken und Hintergründe der Brüsseler Repressionspolitik und bestätigte den Verdacht der Manipulation freier Wahlen in der EU. Wiederholt bediente er dabei das altbekannte Argument des Schutzes vor Desinformation, Hass und Hetze – ein längst abgenutztes und durchschaubares Manöver. Desinformation ist in dieser Logik letztlich alles, was sich kritisch mit dem zentralistischen Kurs Brüssels auseinandersetzt.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich X angesichts der Vorwürfe gleich mit mehreren hohen Strafen der EU-Kommission konfrontiert sieht, während bei vergleichbaren Sachverhalten eine offenkundige Ungleichbehandlung greift. Die Attacken werden also auf mehreren Ebenen orchestriert, sowohl monetär als auch moralisch.

Im Fall des Konzerns Meta von Gründer Mark Zuckerberg, zu dem die Plattformen Facebook und Instagram gehören, zeigte sich Brüssel deutlich großzügiger, obwohl Phänomene wie das Grooming von Kindern und betrügerische Werbung systemischer Natur sind und nicht allein X betreffen.

Meta ordnet sich im weiteren Sinne den europäischen Regeln unter, ähnlich wie es für LinkedIn gilt. Entsprechend drückt man in Brüssel schon einmal ein Auge zu, wenn es heikel wird. Der Konzern hat sich den Digitalvorgaben angepasst, seine Moderations-, Melde- und Risikomanagementstrukturen eng an die EU-Vorgaben angelehnt, arbeitet intensiv mit europäischen Aufsichtsbehörden zusammen, setzt DSA-Pflichten proaktiv um und hat seine Community-Standards in den vergangenen Jahren mehrfach im Sinne europäischer Regulierung verschärft.

An dieser Stelle tritt die ganze Heuchelei der europäischen Behörden offen zutage. Es geht ihnen nicht um die systematische Verfolgung von Straftätern auf digitalen Plattformen. Ziel ist vielmehr, die Spitze der Kritik am eigenen Regime zu kappen – gewissermaßen die wichtigsten Köpfe abzuschlagen, bevor sich im Internet eine handfeste Opposition formieren kann.

Die Ironie der Geschichte: Die europäische Zensurpolitik muss auf die Amerikaner wie eine neue Form des Kolonialismus wirken. Während der Regierungsjahre von Präsident Joe Biden unterwarf sich Washington dieser Politik nahezu willenlos. Die Folge war, dass europäische Zensur- und Compliance-Regeln plötzlich auch für amerikanische Nutzer Geltung beanspruchten.

Die neue Führung in Washington demonstriert ihre Unabhängigkeit vom europäischen Einfluss und stellt sich dem Konflikt mit Brüssel – egal, wie unfair dieser ausgetragen wird. Aus amerikanischer Sicht wirken Macrons Trotz und der hektische Abwehrkampf Brüssels angesichts der ungleichen Kräfte zunehmend grotesk.

Reaktanz als Triebkraft europäischer Machtpolitik

Der Psychologe J. W. Brehm bezeichnete dieses markante Trotzverhalten bei Individuen als Reaktanz. Angesichts der geopolitischen und ökonomischen Unterlegenheit der EU handeln deren Repräsentanten um Ursula von der Leyen oder Emmanuel Macron dabei weniger rational als instinktiv. Es geht im Kern um die Wiederherstellung einer Autonomie-Illusion und um die Wahrung öffentlicher Würde. Dieser Impuls verstärkt sich, je deutlicher die Grenzen des eigenen politischen Handelns aufgezeigt werden.

Die Protagonisten des europäischen Kontroll- und Zensurgebildes sehen sich, nach oftmals hermetisch geschlossenen politischen Karrieren, erstmals mit direktem Widerstand konfrontiert. Entsprechend wird kaum eine Gelegenheit ausgelassen, diesen Widerstand in der Person des US-Präsidenten Donald Trump zu personalisieren und diesen medienwirksam zu dämonisieren.

Die Chronologie der Eskalation lässt sich seit dem Auftritt des US-Vizepräsidenten J. D. Vance im vergangenen Jahr auf der Münchner Sicherheitskonferenz klar nachzeichnen. Vance fand ungewöhnlich deutliche Worte und warf der Europäischen Union vor, einen Kampf gegen die Meinungsfreiheit ihrer Bürger zu führen.

In der Folge erhob die US-Regierung erstmals Zölle im wirtschaftspolitischen Streit mit der EU. Außenminister Marco Rubio aktivierte anschließend diplomatische Initiativen gegen das, was Washington als europäische Zensurpolitik bewertet. Schließlich mündete die Auseinandersetzung im Herbst des vergangenen Jahres in einem Handelsabschluss, den die Europäer als maximale Demütigung einer vollkommen inkompetenten politischen Führung wahrnahmen.

Brüssel reagierte auf diese Entwicklungen wiederholt mit dem beschriebenen Reaktanzmuster – im Versuch, sich gegenüber der eigenen Öffentlichkeit zu behaupten, ohne zu erkennen, dass ein politisches System, das seine eigenen Bürger zunehmend unter Druck setzt, langfristig an Vertrauen und Legitimität verliert.

Die Repression der Meinungsfreiheit hat beunruhigende Ausmaße angenommen: In Großbritannien etwa können politisch missliebige Kommentare in Internetforen strafrechtliche Konsequenzen bis hin zu Verhaftungen nach sich ziehen.

Mit der Verankerung einer bewusst unscharfen Grauzone, aufgefächert unter den Schlagworten von „Hass und Hetze“ haben sich die Zensoren dabei als bemerkenswert kreativ erwiesen. Unter diesen Deutungsrahmen lässt sich nahezu alles fassen, was den politischen Machthabern in Brüssel und den europäischen Hauptstädten nicht in ihre gezinkten Karten spielt.

Vor diesem Hintergrund erscheint es folgerichtig, dass Stimmen in den Vereinigten Staaten fordern, die Politik der Europäischen Union bzw. einzelner Nationalstaaten wie Frankreich mit einem nochmals verschärften Zollregime zu beantworten. Lernen durch Schmerzen.

Die Bürger der Europäischen Union zahlen einen hohen Preis für ein Regime, das den Dissens erstickt. Wer auf freien Austausch pocht, trifft auf den Widerstand Brüssels – und muss erkennen: In diesem Spiel geht es längst nicht mehr um den Schutz von Kindern, sondern um die Errichtung eines Kontrollstaats.

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Kommentare ( 22 )

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Anaklasis
15 Minuten her

Die „Grande Nation“ hatte schon immer eine starke, meist anti-amerikanische Linke, (Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten, Gewerkschaften, diverse linke Splittergruppen etc.) die ihre politischen Hoffnungen mehr auf die ehemalige Sowjet-Union projezierten als auf das kapitalisch-„profitotientierte“ Amerika! Das ist in gewissem Sinne Teil der politischen DNA vieler Franzosen, obgleich wahrscheinlich ohne die USA die „Grande Nation“ gar nicht mehr existent wäre! Aber das ist noch eine hinzukommende Kränkung für viel Frsnzosen!

murphy
32 Minuten her

Nein, es sollte keine Anstrengung geben, irgendwelchen Druck auf Brüssel zu erhöhen. Das ist verschwendete Energie denn Brüssel ist an Machtgier unheilbar erkrankt und damit unbelehrbar. Die einzig sinnvolle Reaktion – wenn man nicht das Brüsseler Sklaventum als wohltuend empfindet – ist:
RAUS AUS DER EU
Schlechte Gesellschaft soll man meiden. So sind England, die Schweiz und Norwegen bewusst kein Mitglied der EU-Diktatur. Geht es Norwegen und der Schweiz besser oder schlechter wie Deutschland ???

alter weisser Mann
52 Minuten her

„Es ist Zeit, den Druck auf Brüssel zu erhöhen.“

Prima Erkenntnis … und weiter? Warten auf „the Donald“ oder wer solls richten?

Haba Orwell
57 Minuten her

> Während der Regierungsjahre von Präsident Joe Biden unterwarf sich Washington dieser Politik nahezu willenlos. Die Folge war, dass europäische Zensur- und Compliance-Regeln plötzlich auch für amerikanische Nutzer Geltung beanspruchten. Es heißt oft, es seien Regeln der US-Woken – die kamen also doch zuerst von der anderen Atlantik-Seite. Dugin sieht gegenwärtig die Balkanisierung des Westens in gleich fünf Teilimperien: https://www.voltairenet.org/article223645.html > „Balkanisierung des Westens: Die „5 Abendländer“ des russischen Geostrategen Aleksander Dugin … Alexander Dugin, der die Auflösung der Vereinigten Staaten voraussieht, wie er die der UdSSR miterlebt hat, versucht, die derzeitige Zersplitterung des Westens zu definieren. …“ Dies macht… Mehr

OJ
1 Stunde her

Das ist ja so lächerlich, erbärmlich. Ursula von der Leyen votiert zum Staatsfeind Numero 1 bei Donald Trump❗

CasusKnaxus
1 Stunde her

Stehn die Marines bereit?

OJ
47 Minuten her
Antworten an  CasusKnaxus

Dürfte eher eine Nacht- und Nebelaktion mit der Delta Force werden, wie in Venezuela, rein und raus❗

Maja Schneider
1 Stunde her

Es bleibt zu hoffen, dass die EU sich mit dem Falschen angelegt hat ,Musk sich zu wehren versteht und die USA massiv eingreifen, um die Kommission zur Rechenschaft zu ziehen und auch Deutschland zur Vernunft zu bringen. Die Bürger schweigen wieder einmal mehrheitlich und lassen sich weiter Stück für Stück ihre Grundrechte, und nicht nur sie, nehmen, das hat doch schließlich in der Corona – Zeit auch so gut funktioniert!

Galen
1 Stunde her

Immer derselbe Mechanismus: Erst Hass und Hetze gegen bestimmte Personen, damit in der Folge Rechtsbrüche akzeptiert werden.

Raul Gutmann
1 Stunde her

EU-Europa verlässt den Pfad eines freiheitlichen Umgangs mit abweichenden Meinungen.

Laut dem jüngst veröffentlichten Bericht des US-Justizausschusses geht die EU schon seit Jahren bewußt und massiv gegen Meinungen vor, welche ihrer globalistischen, familienfeindlichen und Umsiedlungspolitik widersprechen.

Autour
1 Stunde her

Es ist Zeit, den Druck auf Brüssel zu erhöhen.

Der war gut! Der war richtig gut selten so gelacht! Man kann ja nicht mal den Druck auf unsere Clownsriege erhöhen! Die laufen auch alle noch frei rum und errichten hier völlig frei und losgelöst die nächste Diktatur!!!!
Ich würde erst mal von der eigenen Haustüre Kehren bevor ich hier von Brüssel reden oder soll man viel eher schwadronieren würde….