Bei Lanz: Das Trump-Bashing geht weiter

Deutschland hätte eigentlich genügend eigene Probleme. Doch bei Lanz geht es mal wieder um die große weite Welt. Sollte der Moderator es im Nachhinein nicht wieder abstreiten, könnte es gestern Abend um die Epstein-Files gegangen sein, um die Ukraine und selbstverständlich – um Donald Trump. Von Brunhilde Plog

Screenprint: ZDF / Markus Lanz

Ein weiterer Abend im Zeichen des Donald. Egal, worum es geht, bei Lanz geht es auch heute wieder wie immer ausschließlich um den bösen Mann im Weißen Haus. Trump bestimmt jedes Thema, sei es Wirtschaft oder Aufrüstung, sei es Krieg, Migration oder Pädophilie.

Beispiel Epstein-Files: Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Dokumente erinnern mit ihren seitenlangen Schwärzungen zwar an Lauterbachs erste Version der RKI-Files, und doch sind sie voller Sprengstoff. Übelste Verschwörungstheorien von gestern erweisen sich heute plötzlich als bittere Realität, festgehalten in FBI-Dokumenten, Fotos und Videos. Es sind Abscheulichkeiten, so grausam und unvorstellbar, dass man sie an dieser Stelle gar nicht aufzählen mag. Kindesmisshandlungen, rituelle Morde, Satanismus und sogar Kanibalismus. Wer nur einmal das Stichwort Pizzagate googelt, ist bereits um den Nachtschlaf gebracht.

Und was macht Lanz, was macht seine kundige Runde? Sie stellt Donald Trump in den Mittelpunkt des Geschehens. Also ausgerechnet jenen Mann, der überhaupt nichts mit all den oben genannten Stichworten zu tun hat. Zumindest wenn man – soviel sei einschränkend gesagt – der geschwärzten Version der Epstein-Files glaubt.

Doch bei Lanz wird gemunkelt und vermutet, was das Zeug hält. Im Zweifel gegen den nicht einmal Angeklagten. Und bei den tatsächlich Überführten? Da geht das Spiel genau anders herum. Da wird beschönigt und verwässert. Man sieht einen Prinz Andrew, der über einem offenbar minderjährigen Mädchen kniet. Lanz fragt scheinheilig: Was sehen wir da? Hilft der jemandem? „Im Zweifel für den Angeklagten“, schiebt er hinterher.

In schneller Folge fallen die Namen der üblichen Verdächtigen: Elon Musk, Handelsminister Howard Lutnik, FBI-Chef Kash Patel. Die Indizienlage ist dünn, von Beweislage mag man gar nicht sprechen. Aber Hauptsache, die Stoßrichtung stimmt. Das ganze Trump-Lager – ein einziger übler Haufen. Julius van de Laar, US-Experte und Lobbyist, bringt die Schieflage – vielleicht ungewollt – ziemlich ehrlich auf den Punkt: „Da ist nichts Strafrechtliches“, sagt er, „aber die Optik. Ich glaube, das spricht Bände.“

Im Gegenzug die Clintons. In den Epstein-Files schwer belastet. Lanz nimmt sie dennoch in Schutz. Hillary etwa – „für sie ist das total übel“, sagt er. Katarina Barley (SPD), eine von 14 (!) Vizepräsidentinnen des EU-Parlaments, stimmt mit ein. Das sei nichts weiter als „Flooding the zone with shit“. Man wolle die Menschen mit Mist zuschütten, bis sie nicht mehr wissen, was wahr ist und was nicht. Barley geht noch weiter: In den USA müsse man bereits eine Schere im Kopf haben, dort sei die Meinungsfreiheit bedroht. Es gebe „strategische Klageverfahren, mit denen man Menschen mundtot machen will“.

Dass in der EU zurzeit Kritiker wie der ehemalige Schweizer Oberst Jacques Baud regelrecht für vogelfrei erklärt werden, dass sie wie im tiefsten Mittelalter von Wohnung, Geld und Lebensmitteln abgeschnitten werden, nur weil sie die Lage in der Ukraine anders beurteilen als die EU, bleibt unerwähnt. Dass hier einige Dutzend Kritiker ohne Gerichtsverfahren, ohne Anhörung, ohne ein Recht auf Verteidigung despotenhaft von der EU sanktioniert werden, dass sich jeder strafbar macht, der einem solchen Menschen auch nur ein Stück Brot gibt, all das hat Barley vermutlich vergessen zu erwähnen.

Die Runde vergisst es ebenfalls. Man ist ja so schön im Trott.

Stattdessen: Trump habe ja auch seine Steuern nicht veröffentlichen wollen. Die Medienhäuser hätten „richtig Angst“. Und auf TikTok könne man nicht mal mehr das Wort Epstein posten. „Was macht das mit einer Gesellschaft?“ fragt Lanz scheinheilig. Man möchte antworten: Ein Blick nach Deutschland würde helfen. Wo eine Nancy Faeser ein Compact-Magazin verbieten wollte. Wo ein Daniel Günther offen die Zensur unliebsamer Medien wie „Nius“ fordert. Was macht das mit einer Gesellschaft?

Das Trump-Bashing funktioniert themenübergreifend. Für den Ukrainekrieg ist heute mal wieder die Kostüm-Kommandantin Claudia Major am Start. Sie liefert wie bestellt: Und diagnostiziert, „dass die USA kein verlässlicher Partner mehr sind. Sie sind kein Verbündeter mehr.“ Manche würden sogar sagen, die USA seien auf der Seite Russlands. Die Lage sei festgefahren. Kurze Live-Schalte nach Kiew zur „Zeit“-Korrespondentin Olivia Kortas. Bevor sie in der festgefahrenen Situation möglicherweise gleich festgefroren ist, „scherzt“ Lanz. Puh…

„Russland versucht, die Ukraine ins Unmenschliche zu bomben“, berichtet Kortas. Major nennt es „eine brutale Entvölkerungs- und Vernichtungskampagne“. Lanz gibt sich bestürzt: „Wie gebrochen ist die Moral der Bevölkerung?“, fragt er. Kortas: „Man sieht sehr viel Zusammenhalt. Es gibt alte Frauen, die Socken stricken.“ Putins Bomben würden nur die Wut schüren und den Menschen Mut geben, „weiterzumachen, durchzuhalten“.

Barley, Major, Lanz – sie alle bemängeln, dass der Ukraine der NATO-Beitritt verwehrt werde, dass es maximal um einen EU-Beitritt gehe: „Schon an dieser Stelle bricht Europa auf“, sagt Major. Und die Idee der NATO sei „sowieso obsolet“.

Stichwort Mercosur: Mit dem Vertagen des Abkommens habe man die Chance vertan, dem bösen Trump ein wirtschaftliches Gewicht entgegenzusetzen, klagt van de Laar. „Wie kann sowas passieren?“, fragt Lanz und horcht mal wieder in sich hinein: „Ich hab da so ein Störgefühl.“

Man sei in der EU eben beim Verbraucherschutz gut, aber bei vielen anderen Dingen nicht so, sagt Barley mit einem Anflug von Ehrlichkeit. Und bei Mercosur müsse man sowieso aufpassen. Wenn man in Ländern wie Frankreich auch nur das Wort fallen lasse, „dann werden Sie gelyncht“. Dabei sei doch die Kritik, etwa der Landwirtschaft, völlig abwegig. Alle Produktstandards für europäische Güter müssten auch für die Produkte aus Südamerika gelten, behauptet Barley wahrheitswidrig. Und setzt zu einer bemerkenswerten Aussage an: Es seien „Ängste die womöglich gar nicht begründet sind“.

Damit tritt Barley in die Fußstapfen ihrer SPD-Genossin Elfriede Handrick, die in einem mittlerweile epischen Meme zu dauerhaftem Internet-Ruhm gekommen ist: „Was haben die denn für Sorgen und Nöte? Ich kann das nicht verstehen.“

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Kommentare ( 66 )

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Fralarovi
12 Tage her

Das überschuldete und deindustrialisierte Deutschland zensiert die eigene kritische Bevölkerung und wendet sich gegen alle Weltmächte?

Wer so etwas unterstützt, ist ein Fall für den Psychiater.

EinBuerger
12 Tage her

Meine Vermutung: Ich glaube, die wissen alle, dass ihre fetten Jahre bald vorbei sind. Die greifen noch schnell alles ab, was möglich ist und schaffen es ins Ausland in Sicherheit. Oder besorgen sich noch schnell dank deutschen Geldes einen Job im Ausland.

Freigeistiger
12 Tage her

Wenn fünf. Blinde ueber Farben diskutieren tendiert der Erkenntniswert für Sehende gegen Null.

Judith Panther
12 Tage her

In den USA …sei die Meinungsfreiheit bedroht. Es gebe „strategische Klageverfahren, mit denen man Menschen mundtot machen will“. So die suizidaldemokratische Barley aus dem Abklingbecken der Brüsseler Bürokratenschmiede. Hmm … woran erinnert mich das … Ah! Ich weiß! Angeblich habe Hermann Göring beim Nürnberger Tribunal eine Frage nach den Mechanismen während der Zeit des Faschismus folgendermaßen erklärt: „Wir werfen anderen vor was wir selbst tun.“ Der Comedian Salmi Samatou, der sich eigenen Angaben zufolge sämtliche Aufzeichnungen von damals reingezogen haben will behauptet jedenfalls, Göring habe es gesagt, er habe es selber gehört. Nachdem dann auch noch die Zwielichgestalten aus der… Mehr

Last edited 12 Tage her by Judith Panther
Judith Panther
12 Tage her
Antworten an  Judith Panther

Hab die Aussagen von Salim Samatou im Interview mit „Ben“ jetzt wiedergefunden auf https://www.youtube.com/watch?v=HZ-wvoUNwIM „Migrant schockiert – Wie können Deutsche nur so blind sein?“ Samatou zitiert Göring gleich zu Beginn des Videos. Hier aus dem Transkript: Samatou zitiert H. Göring: „Wir mussten die Presse zuerst zensieren, denn das Problem war bei der Presse, daß die von der Opposition genutzt wurde, um uns zu schaden. Und dann mussten wir die Opposition verbieten. Wir werfen unseren Gegnern immer das vor, was wir machen.“ Eine Garantie für die Korrektheit der Göring-Zitate kann ich allerdings auch nicht übernehmen, aber die Aufzeichnungen sind wohl noch… Mehr

Landgraf Hermann
12 Tage her

Anscheinend waren wieder lauter Klage-Weiber in der Sendung (Lanz inkl,)?

Chris Groll
12 Tage her

Habe mir gestern zwei Minuten dieser Sendung angetan. Unterirdisch.
Heute bei NIUS gab es sehr gute Informationen zu diesem Thema. Sehenswert.
Es läßt alle ehemaligen Verschwörungstheorien ( QAnon) in einem anderen Licht erscheinen.

tbrey
12 Tage her

Die ignorante Unbedarftheit unserer „Eliten“ ist schon amüsant. Die letzen beiden Male, die wir uns die USA und Russland gleichzeitig „vorgenommen“ haben, sind ja nicht so gut ausgegangen für uns Deutsche. Mal sehen, wie es diesmal ausgeht…

Haba Orwell
12 Tage her

Die Ukros sollen alten Michels-Traum verwirklichen? https://tkp.at/2026/02/04/stalingrad-die-nie-verkraftete-niederlage/ > „… Die deutsche Elite scheint die Niederlage von Stalingrad, die sich gerade wieder jährt, immer noch nicht verkraftet haben, anders ist die Russophobie kaum zu erklären. … Und wieder soll Deutschland „kriegstüchtig“ werden. Wieder sind die Lehren der letzten Kriege vergessen. … Die heutige russische Elite erklärte mehrmals, dass es eine solche Schlacht auf russischem Boden nicht mehr zulassen werde. Die Atomdoktrin wurden mehrmals verschärft, um sicher zu gehen, dass der Kreml die rechtlichen Möglichkeiten hat, atomarer Vernichtung gegen einen Feind einzusetzen, der die Revanche für Stalingrad suchen würde. …“ Wenn man… Mehr

Nibelung
12 Tage her

Bei Trump kann man nur sagen, was scherts ihn, wenn sich die „deutsche Sau“ dran kratzt und er sich irgendwann mal uns gegenüber abreagieren wird, zumeist dann, wenn man am allerwenigsten damit rechnet. Zur Zeit will er ja mal wieder mit lauten Tönen den Iran angreifen, weil er sich die Zwickmühle in der er sitzt, selbst aufgebaut hat und das Ergebnis könnte der Untergang der Armada sein, tausende von US-Toten und die totale Vernichtung des Judenstaates, unabhängig von eigenen Verlusten des Irans. Wer so fahrlässig und das noch vor den Midterms etwas veranstaltet belegt im Grunde genommen, daß er nicht… Mehr

Chris Groll
13 Tage her

Habe mir gestern zwei Minuten dieser Sendung angetan. Unterirdisch.
Heute bei NIUS gab es sehr gute Informationen zu diesem Thema. Sehenswert.
Es läßt alle ehemaligen Verschwörungstheorien ( QAnon) in einem anderen Licht erscheinen.