Deutschland ist digital abhängig von Ländern außerhalb der EU

Deutschlands Politik sähe das Land so gerne unabhängig von den USA. Auch und vor allem im digitalen Bereich. Doch die Wahrheit kommt aus den Unternehmen. Die klagen: Wir sind abhängig und wir sind es, weil die Politik uns den Raum nimmt.

picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Wären leere politische Versprechen wie Songs, dann wäre „Deutschland und die EU müssen sich von den USA und anderen Supermächten unabhängig machen“ seit fast zehn Jahren in den Top Ten. Seit Donald Trump zum ersten Mal Präsident der USA wurde, kündigen linke Politiker von CDU, CSU, SPD, Grünen, FDP und Linken diese Unabhängigkeit so intensiv an wie einst Beckett den Auftritt von Godot – doch das führt im besten Fall nur zu öden Abenden im Theater. Im schlechtesten Fall sieht es aus wie in der deutschen Digitalpolitik.

Für den Standort Deutschland gilt – entgegen allen Versprechen: „Von Hardware über Künstliche Intelligenz bis hin zu Betriebssystemen: Die Mehrheit der deutschen Unternehmen ist nach eigener Einschätzung weitgehend oder vollkommen abhängig von Technologien, Innovationen oder Dienstleistungen aus Nicht-EU-Ländern.“ Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Auftrag gegeben worden ist. Die Abhängigkeit sei ein Problem „für unsere digitale Souveränität“, sagt Dirk Binding, Bereichsleiter Digitale Wirtschaft in der DIHK. Wobei diese „digitale Souveränität“ weniger real ist als einst Becketts Godot.

Entsprechend mahnt die Kammer „dringenden Handlungsbedarf“ an. Wobei sie die Betriebe dazu in der Lage sieht. Nur böte die Politik denen nicht „den Freiraum, sich entwickeln zu können”. Vor allem die Bürokratie nehme ihnen diesen Raum. Aber die Infrastruktur müsse ebenfalls besser werden. Also: Glasfaser- und Mobilfunknetze, Rechenzentren und – wichtig für deren Betrieb – niedrigere Stromkosten. „Dann können wir auch international besser mithalten“, verspricht Binding.

Wie verheerend sich das Eingreifen der Politik und ihrer Bürokraten auswirkt, zeigt das jüngste Beispiel „Bereitstellung von Mobilitätsdaten“. EU und Bundesregierung wollen durch Eingriffe bis ins Detail die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Betriebe stärken. Doch mit einem Mix aus Regelungswut und offen zur Schau getragener Inkompetenz und Praxisferne verhindern sie das Erreichen des selbstgesteckten Ziels: mehr Souveränität gegenüber den USA und anderen Großmächten. Wie im Beispiel Digitalisierung.

Zur „digitalen Bereitstellung von Mobilitätsdaten“ hat der Verkehrsausschuss eine öffentliche Anhörung durchgeführt. Also: Experten sind in dem Gremium des Bundestags aufgetreten und haben den Abgeordneten erklärt, wie sich deren Politik außerhalb der Berliner Blase auswirkt. Verheerend im Fall des Gesetzesentwurfs der schwarz-roten Bundesregierung „zur Neuregelung des Rechtsrahmens für intelligente Verkehrssysteme im Straßenverkehr und deren Schnittstellen zu anderen Verkehrsträgern und die Datenbereitstellung über den Nationalen Zugangspunkt“.

Gunnar Nehrke nannte diesen Entwurf in der Anhörung „existenzbedrohend für die Carsharing-Branche“. Also für die Anbieter von Leihwagen. Nehrke ist Geschäftsführer des Bundesverbandes Carsharing. Mit dem Entwurf will die Regierung Friedrich Merz (CDU) einen Rechtsrahmen einführen, um „Intelligente Verkehrssysteme“ mit den Systemen anderer Verkehrsträger zu verbinden – oder vielmehr Regelungen für die Verbindung schaffen. Die Bundesregierung setzt damit EU-Recht auf nationaler Ebene um.

Soweit die Theorie der Politik und ihrer Bürokraten. Nun die Realität: Die deutschen Carsharing-Anbieter gehören laut Nehrke zu den weltweit wenigen, die profitabel arbeiten. Vor der Regelung des Bundes und der EU. Wohlgemerkt. Setzen die aber ihre Pläne um, dann müssen die deutschen Anbieter ihr über Jahre erarbeitetes Wissen öffentlich anbieten – und somit den internationalen Konkurrenten zugänglich machen. Diese müssten sie dann nur noch abgreifen.

In der Eigenwahrnehmung der EU und der Bundespolitik funktioniert der Markt nicht und braucht daher die Weisheit staatlicher Wirtschaftslenker – wie zum Beispiel einst Robert Habeck (Grüne). Sie würden den chaotischen Markt retten. Doch die Wahrheit ist, dass ihre Lösungen eben nicht funktionieren – und den Markt an den Stellen zerstören, an denen er ohne Politik und Verwaltung funktioniert. Deswegen können Politik und Wirtschaft noch weitere zehn Jahre versprechen, mindestens, dass Deutschland und die EU unabhängig von den USA werden. Etwa im digitalen Bereich. Nur passieren wird das halt genauso wenig wie der Auftritt von Godot im Theater.

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Kommentare ( 13 )

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13 Comments
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Iso
1 Stunde her

Wir sind nicht abhängig, sondern von unseren Freunden total erforscht. Unsere Spitzenfunktionäre sind bereits mit Gesellschaft und Soziales über beide Ohren komplett ausgelastet. Da bleibt für ökonomische Randgruppen, wie den bösen Kapitalisten keine Zeit.

Helfen.heilen.80
1 Stunde her

Die USA und China sind bei weitem führend bei den Investitionssummen in die KI-Entwicklung, vermutlich entscheidet sich in diesem Fokus schon die Zukunft.
Dass die Deutschen in ihrer kleinkarierten Vorliebe für Bürokratie nichts besseres herausstottern können als „Glasfaserleitung“ spricht Bände. Wir beobachten einen zivilisationsdynamischen Unterschied. Einen Unterschied in Zielen und Visionen. Hierzulande reicht der Horizont meist grad bis zum Rand vom Brotzeitbrettl, man dreht sich in kafkaesker Anmutung um seinen miefigen Mikrokosmos.

Tin
1 Stunde her

Die Orga EU ist ein Zuarbeiter der USA (wie das Ding in Davos). Es wird nur eine Camouflage aufgeführt, die EU sei gegen die US-Politik. Seit der „Pandemie“ läuft die Zusammenarbeit umso mehr. Die ab 2020 Hollywood-„Pandemie“ löste die größte Plünderung öffentlicher Gelder in der Geschichte aus und führte zu einem massiven Vermögenstransfer an die sogenannten öffentlichen-privaten Partnerschaften, die die verfassungsmäßig beschränkten demokratischen Regierungen in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern eher schon vor langer Zeit ersetzt haben. Die aktuelle Phase eines mehr als höchstwahrscheinlich kriminellen Unternehmens unter Trump 2.0 würde darauf abzielen, den Großteil des verfassungswidrigen Pseudo-Rechts, das in… Mehr

AmpelFluechtling
1 Stunde her

Muss man so hart sagen: Die Amis sind technisch Weltmacht und der Rest der Welt ist davon abhängig. China ist zwar sehr gut, aber nicht auf dem Niveau der USA. Zumal jegliche Kooperation mit den Chinesen immer über Pekings kommunistische Partei geht. Sieht man ganz gut an europäischen KI Lösungen. Außer Mistral AI aus Frankreich sieht’s bei KI ziemlich düster aus in Europa. Und Mistral ist teurer als die amerikanischen Modelle und weniger Leistungsstark. Hängt auch mit den hohen Energiepreisen zusammen. Amazon rationalisiert mit KI 16.000 Jobs weg. UPS durch Automatisierung 48.000 Stellen. Pinterest 15% der IT Jobs durch KI.… Mehr

Last edited 1 Stunde her by AmpelFluechtling
Ohanse
1 Stunde her

„In dreißig Jahren“…Für den einfältigen CDU-Wähler sicher eine Rechengröße. Für jeden, der hier und heute auf endlose, günstige Energie angewiesen ist, ein grandioser Schwachsinn. Da hätte er genausogut 300 Jahre sagen können, das Ergebnis bleibt gleich: Hier und heute und in absehbarer Zeit gibt es keine günstige Energie. Wohlstand und Wachstum – auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben. Die CDU-Wähler müssen dringend lernen, selbst nachzudenken. Wenn man das Leuten wie Merz überlässt, geht es schief.

Harry Hirsch
1 Stunde her
Antworten an  Ohanse

Und warum gibt es keine günstige Energie in Deutschland? Weil die günstigsten Energieerzeuger (Kohle- und Atomkraftwerke) von CDU, SPD und Grünen ohne Not aber mit viel Ideologie in die Luft gejagt worden sind. Das begreift der CDU-Wähler aber nicht. Der glaubt immer noch, dass Putin daran Schuld sei.

Wuehlmaus
1 Stunde her

Letztes Jahr wurde noch in einem Hauruckverfahren, gültig ab sofort, NIS-2 beschlossen, dass viele Firmen in der Industrie und Telekommunikation harte Regularien vorsetzt. Dies ist eine schon länger verabschiedete EU Verordnung. Der Bundestag hatte sich viel Zeit gelassen. Unter anderem soll man staatliche Meldestellen nutzen. Die es aber noch nicht gibt.

haqus b.
2 Stunden her

Wer damals Herrn Stoiber wegen einer etwas verhaspelten Aussage verspottet hat, hat die eigentliche Botschaft nicht verstanden. Denn die schnellen Züge wurden schließlich anderswo gebaut – und heute raubt uns die Bahn durch Verspätungen jedes Jahr rund 60 Millionen Minuten Lebens- und Arbeitszeit. Genau so geht es weiter mit dem „Neuland“ und der Digitalisierung. Mein Arzt darf mir meine Laborwerte nicht per E-Mail schicken, obwohl ich das ausdrücklich möchte. Also sendet er sie an meine „digitale Faxnummer“ – ich habe seit 20 Jahren kein Faxgerät mehr, aber so landet das Fax als E-Mail in meinem Posteingang. Muss man dazu noch… Mehr

GermanMichel
2 Stunden her

Das sind doch alles Ammenmärchen für Leute ohne Gedächtnis. Als ob die EU und die nationalen Politiker Europas vor Trump nicht eine Zweigstelle der US Regierung in Europa waren, Statthalter des Imperiums, lupenreine Marionetten. Jetzt wollen die gleichen Leute auf einmal unabhängig von den USA werden? Ich übersetze das mal in ihre wahren Absichten: „als unterwürfige Marionetten der US Globalisten wollen wir in Europa weiterhin deren zerstörerisches Werk umsetzen, und uns (innenpolitisch) nicht von Trump in die Suppe spucken lassen“. Außenpolitisch sieht es dann nochmal wieder anders aus, da Trump kleiner ist als die mittel- und langfristige US Geostrategie. Er… Mehr

hoho
1 Stunde her
Antworten an  GermanMichel

Hier finden Sie nicht viel Freunde. Es gibt hier eine große Gruppe begeisterten Trumpisten und Atlantiker. Die sind genauso intelligent wie die Deppen auf der anderen Seite die an Klimarettung durch Windmühlen glauben. Es ist einfach wieder die Zeit ein grosses Blutbad anzurichten. Das wird so weiter gehen, bis die Amis auf die Fresse fallen, weil die Kohle nicht mehr reicht, um die Armee und CIA zu unterhalten. Es ist übrigens ähnlich auch da – eine Seite glaubt an Frauen mit Schwanz und offene Grenzen und die andere an das Recht die Welt zu beherrschen. Die Deutschen sind einfach zu… Mehr

jsdb
2 Stunden her

DBDDHKP.
Das Problem ist bekannt „Das Microsoft Dilemma“ (mal danach googln) und wurde durch eigene Dummheit selbst verursacht.
Speziell München hat sich dabei besonders beim Stop des LiMux Projektes eklatant hervorgetan, welches in der Welt der IT-Fachleuten nur kopfschütteln verursacht hat, nach meinem persönlichem Dafürhalten ist der Anfangsverdacht Korruption und Vorteilnahme im Amt gegeben … so krass ist das Fehlverhalten aus meiner Sicht.

Last edited 2 Stunden her by jsdb
GWR
2 Stunden her
Antworten an  jsdb

Mit LiMux hat sich München total verhoben. Wenn es vorher nicht geklärt wird, welche Schnittstellen man zu bedienen hat, dann kann es nur schief gehen. Die IT in München war nicht in der Lage diese Schnittstellen zu bedienen. München ist nun mal keine Insel der Seeligen. Allein schon an der Anbindung zum KBA (Fahrzeugzulassung) sind sie gescheitert. Aber gut, man hat es probiert und zig Millionen verbrannt.

hoho
1 Stunde her
Antworten an  GWR

Schnittstellen wie diese zum KBA sind nicht das Eigentum von Microsoft oder etwa doch? Es lag also an der Dummheit der zuständigen Behörden, die sich nicht die Mühe gemacht haben, das Vorhaben sich genauer zu überlegen und es vernünftig zu organisieren. Das unterscheidet sich nicht von den anderen Problemen der Gegenwart in D.: die zuständigen Beamten/Fachleute sind dermaßen überzeugt, dass sie alles wissen, dass sie an niemanden hören. Dazu kann natürlich auch Korruption kommen. Dem Land geht es deutlich zu gut, deshalb egal in welchem Bereich – eine deutsche Lösung muss kompliziert, ungerecht, teuer und ineffizient sein. Anders wird sie… Mehr