Früher war der ADAC Interessenvertreter der Autofahrer. Aber das ist lange her: Jetzt fordert der ADAC, dass die persönliche Mobilität noch teurer wird. Darüber freuen sich die Wettbewerber, denen neue Mitglieder ins Haus drängeln.
picture alliance / Daniel Kalker | Daniel Kalker
Weihnachten ist das Fest der Geschenke. Man freut sich, man bedankt sich, man schweigt gnädig über misslungene Pullover. Was man an Weihnachten allerdings garantiert nicht braucht, sind ungefragte Belehrungen von Funktionären – erst recht nicht, wenn die direkt ins Portemonnaie greifen und sich selbst bedienen, statt etwas zu verschenken.
Genau so ein Geschenk hat der ADAC seinen Mitgliedern kurz vor Heiligabend unter den Baum gelegt. Absender: Gerhard Hillebrand, Verkehrspräsident des ADAC. Verpackung: Ein Interview in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 23. Dezember 2025, pünktlich zum Fest auf den Tisch. Inhalt: höhere Spritpreise als pädagogische Maßnahme für ungezogene Autofahrer.
Man reibt sich die Augen. Der größte Automobilclub Europas fordert ernsthaft, Diesel und Benzin weiter zu verteuern? Nicht etwa die Deutsche Umwelthilfe. Nicht Greenpeace. Nicht die Letzte Generation. Diesmal auch nicht die Grünen. Nein, diesmal der ADAC.
Hillebrand erklärt mit erhobenem Zeigefinger seinen betragszahlenden Mitgliedern: „Der ADAC hält die CO2-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen.“
Brauchen „die Leute“ wirklich einen Anreiz per Bestrafung und künstlicher Verteuerung, um das für sie richtige Produkt zu finden? Noch dazu, wo die ökologische Überlegenheit des E-Autos höchst umstritten und allenfalls sehr begrenzt wirksam ist. Übersetzt heißt das auch: Wer sich kein E-Auto leisten kann oder will, soll eben mehr zahlen. Erziehung durch Verteuerung von Benzin und Diesel. Pädagogik per Zapfsäule.
Was Dienstautogefahrene Hillebrand offenbar nicht einkalkuliert hat: Autofahrer sind keine Laborratten. Und ADAC-Mitglieder sind keine zahlenden Zwangsmitglieder wie bei ARD und ZDF, die im grünen Verkehrsexperiment mitmachen und Beiträge zahlen müssen. Sie erwarten eine Interessenvertretung. Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten. In sozialen Netzwerken machten tausende Mitglieder ihrem Ärger Luft. Nicht über Klimaschutz, sondern darüber, dass ausgerechnet ihr Automobilclub ihnen das Autofahren madig machen will.
Ein kurzer Blick auf die realen Fakten hätte geholfen. Ja, der Anteil der E-Autos steigt – relativ. In einigen Monaten liegen laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) die Neuzulassungen batterieelektrischer Fahrzeuge bei rund 20 Prozent. Klingt beeindruckend. Dumm nur: Am gesamten Fahrzeugbestand machen E-Autos gerade einmal etwas über vier Prozent aus.
Über 95 Prozent der Fahrzeuge in Deutschland fahren weiterhin mit Verbrennungsmotoren, also
Benziner, Diesel oder Hybride. Das ist keine Meinung, das ist einfache Mathematik. Und genau hier liegt der Denkfehler: Millionen Menschen können oder wollen nicht auf die Elektromobilität umsteigen. Pendler, Handwerker, Familien auf dem Land oder Menschen mit älteren Fahrzeugen; Stadtbewohner, die unter der Laterne keinen Stromanschluss haben und schon gar keine Solarpaneele auf dem Dach der Mietskaserne.
Wer denen erklärt, sie bräuchten nur „Anreize“, meint in Wahrheit: höhere Kosten, weniger Freiheit, mehr Bevormundung. Dass ein hochbezahlter Funktionär ihnen das auch noch erklärt, empfinden viele nicht als Motivation, sondern als Provokation. Das einzige Umsteigen, das Hillebrand damit ausgelöst hat, ist ein gedanklicher Spurwechsel: weg vom ADAC.
Wie so oft gibt es auch hier lachende Dritte. Automobilclubs, die verstanden haben, wofür sie da sind: Der ACE ist es nicht; der liegt brav auf Linie der EU. Der AvD, das ist der älteste Automobilclub, der allerdings in der Verbrennerfrage herumschwurbelt – nicht Fisch nicht Fleisch. Aber da gibt es noch den jüngsten „Mobil in Deutschland“. Dessen Gründer und Präsident, Dr. Michael Haberland, ist das genaue Gegenteil des ADAC-Sounds. In den 1990er-Jahren setzte er sich mit einem Bürgerentscheid in München erfolgreich für den Bau der drei Tunnels am Mittleren Ring ein, ohne die der Autoverkehr heute in München undenkbar wäre. Aus dem Aktivismus wurde ein Autmobilclub mit klarer Kante, klar, dass er bei den Mainstream-Medien nicht so zu Wort kommt.
Jetzt klagt Haberland auch gegen Dieselfahrverbote, um Euro 4- und Euro 5-Fahrer vor willkürlichen Einschränkungen zu schützen. Auch beim geplanten EU-Verbrennerverbot bleibt Haberland standhaft. „Man kann Menschen nicht umerziehen, indem man ihnen das Leben künstlich verteuert. Wer Mobilität wie unseren hocheffizienten Verbrennungsmotor derart verteufelt, verliert die Akzeptanz der Menschen. Wir brauchen sowohl niedrigere Stromkosten als auch geringere Spritkosten. Die Autofahrer in Deutschland sind ohnehin schon heute über Gebühr belastet.“
Während der ADAC seinen Mitgliedern erklärt, was sie angeblich falsch machen, will „Mobil in Deutschland“ ihnen zuhören. Jetzt freut sich der Verein über das vergiftete Weihnachtsgeschenk des ADAC. Denn bei „Mobil in Deutschland“ wurde der Urlaub gesperrt und Hilfskräfte ins Büro geholt – wütende Mitglieder des ADAC wechseln noch schnell zur Konkurrenz. Für viele ist es ein großer Schritt. Zu fest ins Hirn eingenistet hat sich das Bild der „Gelben Engel“, die zur Hilfe eilen, wenn die Karre liegen bleibt. Da die Fahrzeugflotte in Deutschland immer älter wird, weil Geld für den Neukauf fehlt und Unsicherheit die Verbraucher lähmt, steigt auch die Gefahr von Fahrzeug-Pannen. Bringt „Mobil in Deutschland“ Engel auf die Straße?
Auch bei Leistung und Service zieht der kleine Club am gelben Riesen vorbei, sagt nicht nur Haberland. Das Deutsche Institut für Servicequalität (DISQ) vergleicht regelmäßig Automobilclubs. Im aktuellen Vergleich (September 2025) erhält „Mobil in Deutschland“ als einziger Anbieter das Qualitätsurteil „sehr gut“. Bestwerte beim Online-Service, bei der telefonischen Beratung und bei den Konditionen für Pannen- und Unfallhilfe, Rücktransport oder Mietwagen – deutschland- und weltweit.
Der ADAC schneidet zwar ebenfalls ordentlich ab, bleibt mit 74,4 Punkten aber klar hinter „Mobil in Deutschland“ mit 81,7 Punkten. Größe ist eben nicht alles. Service schon. Und die vielen Funktionäre beim ADAC wollen bezahlt werden, statt Größenvorteile des Marktführers an Mitglieder weiterzugeben. Frech und schnell will „Mobil in Deutschland“ den Unmut über den scheinbar allmächtigen ADAC ausnutzen: Eine Weihnachtsaktion mit 50 Prozent Rabatt im ersten Jahr auf alle Mitgliedschaften – gültig bis 6. Januar 2026.
Vielleicht ist das die eigentliche Pointe dieser Geschichte: Der ADAC wollte Autofahrer zum Umsteigen bewegen und hat jetzt genau das erreicht. Nur eben anders als geplant. Die Rede ist von 15.000 Kündigungen der Mitgliedschaft. Und jetzt fühlt er sich auch noch „falsch verstanden“, wobei er sich doch klar ausgedrückt hat. Der Strompreis soll gesenkt werden, damit das ungeliebte E-Auto attraktiver wird. Klar. ADAC-Mitglieder zahlen ja keine Steuern, mit denen der Strompreis gesenkt werden soll. Das Geld kommt ja vom Staat, meint der weltenferne Verband des Allgemeinen Deutschen E-Autoclubs.


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Danke an den Autor für den Wechsel-Tipp. Nach über 30 Jahren ADAC-Mitgliedschaft wird es für mich dann „Mobil in Deutschland“ und nicht „AvD“. Im Jahre 2018 hatte ich leider mit dem Austritt gehadert, als der ADAC diese Kampagne veröffentlichte:
„Wir sind nicht allgemein. Wir sind für jeden etwas anderes.“
„Wir sind nicht deutsch. Wir sind überall.“
„Wir sind nicht automobil. Wir sind einfach so mobil.“
„Wir sind kein Club. Wir sind eine Bewegung.“
Ja freilich ,immer das gleiche verlogene Spiel — Hillebrand auf Regierungskurs — will ja einen Brosamen abhaben ,von den „ Oberen „ , will ja irgendwie mitspielen in einer dieser falschen Liegen . Seine Bezüge ,bezahlt von den ADAC Mitgliedern sind gewiss nicht in der Nähe vom Bürgergeld ,nein es reicht nicht , er muss sich „ beliebt „ machen , hinten reinkriechen in einen schon sehr von Lug und Trug ausgefranzten …… na,sie wissen schon . Das die Preise an den Zapfsäulen weit über 60% von Steuern und Abgaben bestimmt sind ,welche die Politik mit einer Selbstverständlichen Frechheit verschleudert… Mehr
Keinen Cent mehr für diesen links-grün verseuchten Antiautofahrer-Verein !
Werde nun sofort alle Verträge beim ADAC kündigen und habe schon die Kündigungsfristen angefragt.
Bessere und günstigere Anbieter gibt es reichlich. Zur Nachahmung empfohlen.
Und schwupp, die Kündigung ist raus. Bedauerlicherweise sind die meisten Dutschen selbst dafür zu faul. Damit ist auch klar, dass der Rest definitiv den Bach runtergehen wird.
Vom Kampf und Wegeckeln des ADAC seiner zahlenden (!) Mitglieder wurde ja schon berichtet. … Das war einmal undenkbar. Der ADAC hatte sich für seine Mitglieder eingesetzt, in welcher Form auch immer.
Seit dem neuen Vereinsvorsitzenden im Besonderen, hat sich das grundlegend geändert! … Die Geisterjagd ist das neue Geschäftsmodell. Wird mit irren Statements beackert!
Also, Weniger ist das neue Mehr (Mitglieder)! … Frei nach Merkel.
ADAC kann weg! Leider. … Es gibt Alternativen.
Wäre ich ein Vereinsmeier, würde ich einen Antrag auf Beendigung der Mitgliedschaft Hillebrands stellen, denn, was diese Personalie da von sich gibt, ist klar vereins- und mitgliederschädigend. Ist ja schön, wenn er sich nur seinen persönlichen Überzeugungen und nicht dem Verein, den er leitet, verplichtet fühlt, aber wenn seine Überzeugungen derart inkompatibel zu seinen Aufgaben als Vorstand dieses speziellen Vereins sind, dann hat er dort auf dem Vorstandsposten überhaupt nichts verloren. Aber es scheint ja in Deutschland mittlerweile ein bewährter Brauch zu sein, sich unter falschen Versprechungen und Vorspiegelung falscher Tatsachen in hohe Ämter zu schleichen, um dann, erstmal gewählt… Mehr
Was soll man dazu noch sagen: Irrer und woker geht immer. Meine Antwort darauf: Kündigung meiner Mitgliedschaft nach 33 Jahren. Von mir kriegen diese Kanaillien keinen Pfennig mehr.
Danke für diesen Artikel. Tatsächlich ist die Kündigung nach mehr als einem Jahrzehnt Mitgliedschaft beim ADAC gerade raus gegangen. Die Basis Mitgliedschaft bei Mobil in Deutschland pro Jahr ist mit 38,- € auch noch viel günstiger als beim ADAC (pro Jahr 54,- €). Der Wechsel lohnt sich also ohnehin.
Na wenn denn die zahlenden Mitglieder dieses gleichgeschalteten Vereins , der ihre Interessen mit Füßen tritt, ihren Unmut darüber im Internet ausgedrückt haben und dann hoffentlich weiterhin die Blockparteien wählen, ist ja alles gut. Was sind das für Leute, die , dafür das man sie demütigt, weiter brav Beiträge bereit sind zu zahlen ? Es muss Gründe haben, dass im Osten althergebrachte Vereine und Organisationen aus dem Westen nie einen Fuß auf die Erde bekommen haben.Einer sollte sein, dass man genau hinschaut mit wem man es zu tun hat, ein anderer, dass man diesseits der Elbe immer schon immer darauf… Mehr
Ist nicht verwunderlich.Das ist das deutsche Myzel.Der ADAC ist abhängig von staatlichen Genehmigungen und verhält sich entsprechend. Genauso wie der Bauernverband oder ähnliche Verbände die z.B den Parteitag der Grünen sponsern. Braucht für seine Interessen kein Mensch.