Inflation ist Gift für Wohlstand und Wirtschaft

Ob Migrationspakt oder die Definitonsänderung der EZB für Inflation: Überall werden die Bürger hinter die Fichte geführt.

© DANIEL ROLAND/AFP/Getty Images

Kartoffeln werden teurer. Im kommenden Jahr steigen die Strompreise um über fünf Prozent; die Folgen der Energiewende werden spürbar. Allein dadurch verliert ein durchschnittlicher Drei-Personenhaushalt 55 Euro. Benzin und Heizöl steigt auf schreckerregende Höhen: Der Transport per Schiff nach Süddeutschland klappt nicht mehr so richtig, weil der Rhein Niedrigwasser führt.

Inflation hat viele Ursachen. Im Oktober 2018 sind die Verbraucherpreise in Deutschland um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Die Inflationsrate errechnet sich aus dem Preisanstieg eines durch das Statistische Bundesamt definierten Produktwarenkorbs. Glücklich, wer keinen Strom, Kartoffeln oder Heizöl braucht – Smartphones werden billiger.

2,5 Prozent Inflation klingt überschaubar. Doch dieser Eindruck trügt. Binnen Jahresfrist schrumpft die Kaufkraft von 1.000 Euro auf 975 Euro. Nach 5 Jahren sind die 1.000 € nur noch 873 wert; jetzt schmerzt der Verlust schon richtig. Viele Sparer sorgen für das Alter vor. Wenn sie heute 1.000 Euro auf die Seite legen sind sie in 10 Jahren bei 2,5 Prozent nur noch 781 € wert. Wer spart, ist der Dumme. Lange war die Euro-Zone eine Zone der Preisstabilität. Bei ihrer Gründung wollte die Europäische Zentralbank Preissteigerungen von 0-2 Prozent tolerieren, so der damalige Chefvolkswirt der EZB Ottmar Issing. Begründet wurde das mit der Schwierigkeit, die Inflation exakt berechnen zu können; werden die Kartoffeln teurer, ist das für sich genommen noch nicht Inflation.

FKK am Berliner Wattenmeer
Konjunktur: Nackt in den Abschwung
Aber diese beruhigende Botschaft der EZB wurde schrittweise aufgeweicht. 2010 wurde als Ziel ausgegeben, die Preise sollen „nahe 2 Prozent“ steigen. Das wären ein Kaufkraftverlust von 20 Euro im Jahr pro Tausend Euro. Schon spürbar, aber nich nicht wirklich schlimm. Aber schon 2016 wurde das Ziel der Preisstabilität durch die EZB noch weiter aufgeweicht: „Nachhaltig und im Durchschnitt sind 2 Prozent“ erlaubt. Klingt nur nach mehr Worten bei gleichem Inhalt, aber bedeutet einen erheblichen Eingriff. „Nachhaltig“ heißt, man nimmt kurzfristig höhere Inflationsraten in Kauf. Und „im Durchschnitt“ bezieht sich auf die gesamte Eurozone. Nun unterscheiden sich die Inflationsraten in den unterschiedlichen Ländern der Euro-Zone erheblich: Griechenland kennt keine teuren Kartoffeln und auch das Benzin fließt ungehindert über seine Seehäfen. Und deshalb hat ein EZB-Ratsmitglied, der Finne Erkki Liikanen, bereits im vergangenen Jahr vorgerechnet, dass damit auch eine Inflation von 4 Prozent mit diesem Ziel vereinbar sei: Irgendwo sinken die Preise, und „nachhaltig“ umfasst einen längeren Zeitraum.

Bei 4 % schrumpfen aber 1.000 € in nur 5 Jahren auf 889 € Kaufkraft zusammen. Im Durchschnitt hat der Sparer ziemlich Pech. Vor allem, weil im Euro-Raum die Zinsen sich entlang der Null-Linie bewegen. Niedrige Zinsen sollen die Wirtschaft ankurbeln und den Süd-EU-Ländern ermöglichen, dass sie ihre hohe Staatsverschuldung billig finanzieren können. Deshalb will die Europäische Zentralbank an dieser Politik festhalten und indirekt die Wirtschaft und die Staatsausgaben in den schwachen Ländern weiter subventionieren. Die Zeche zahlen Sparer in Deutschland – ihre Guthaben werden nicht verzinst, aber ihre Kaufkraft rasiert.

Das wird in den kommenden Jahren nicht besser. Kaum jemand rechnet mit Zinserhöhungen, zu schwach ist die südeuropäische Wirtschaft und zu gierig die Finanzminister. Rechnen Sie deshalb mit steigender Inflation, denn Inflation kennt keine feste Größe. Kommt sie erst einmal ins Laufen, beschleunigt sich das Tempo: Die Gewerkschaften schlagen erwartete Preissteigerungen auf die Lohnforderung drauf, Unternehmer planen damit, Vermieter passen Staffelmietverträge an, die Leasingrate steigt. Keiner will der Verlierer sein, am Ende allerdings verlieren alle: an verfügbarem Einkommen und Planungssicherheit. Inflation ist Gift für Wohlstand und Wirtschaft. Gerade wird die Dosis erhöht.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 91 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Andere bringen wir ungekürzt.
Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Schade, dass auch Sie, Herr Tichy, nicht zwischen Teuerung und Inflation unterscheiden. Was Sie an Preissteigerungen von Kartoffeln, Strom, Diesel und Benzin u.a. beschreiben sind erst einmal Teuerungen, deren Gründe genau beschrieben werden können; und wenn die Geldmenge stabil gehalten würde, noch lange nicht zur Inflation führen müssen. Der Begriff Inflation ist dagegen die Beschreibung des allgemeinen Preisanstieges durch gezielte Ausweitung der Geldmenge. Das alles kann nur so laufen, weil wir weltweit Geld- und Zinsmonopole haben. Allen Markteilnehmern innerhalb des Geltungsbereichs einer Währung wird es vorgeschrieben, allein diese Währung zu verwenden. Ich behaupte die Geld- und Zinsmonopole sind neben allen… Mehr

Die EZB „druckt“ seit mehreren Jahren 60 Milliarden Euro – pro Monat – ohne jeden realen Gegenwert. Und Sie erkennen da keine Ausweitung der Geldmenge? Da würde mich interessieren, wann bei Ihnen eine Ausweitung der Geldmenge beginnt. Mann, Mann!

Die Prämien für die private Krankenversicherung steigt 2019 um 10%. Herr Draghi verwechselt bei der Inflationsrate von 2% Ziel und Obergrenze.

Roland Tichy hätte ich aufgrund seiner Biografie schon mehr makroökonomioschen Sachverstand zugetraut, die Inflationsrate wird hier ausschließlich mit der mikroökonomischen Brille betrachtet. Inflation (steigende Ölpreise sind genausowenig Inflation wie fallende Ölpreise Deflation sind) hängt untrennbar mit den Löhnen, ihrer Steigerung sowie den an der Produktivität einer Volkswirtschaft orientierten Lohnstückkosten zusammen. Und Inflation als nomineller Wert ist immer auch eine der Voraussetzungen für Zinsen. Man kann nicht Null Inflation wollen und gleichzeitig 5% Zinsen aufs Sparguthaben. Gesund wäre eine Inflation um die zwei Prozent, bei gleichzeitiger Anpassung der Löhne, die den Kaufkraftverlust ausgleicht und zusätzlich noch eine Schippe drauflegt. Diesen frappanten… Mehr

„Gesunde Inflation“ – ein unbewiesener Mythos. In der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte gab es lange Perioden wirtschaftlicher Prosperität bei 0% Inflation.

Bei diesem Kommentar reicht es vielleicht…den Kopf zu schütteln.
Gewerkschafts-Rhetorik pur. Entspricht dem Sachverstand eines Funktionärs, der damals Neue Heimat und COOP in die Pleite gefahren hat. Auf Löhne hat der Gesetzgeber keinen Einfluss….Damit entfällt die Logik dieses Kommentars. Die Zinsen beschreiben nur den Wert des Geldes….und der fällt eben gegen null…demnächst.

„Man kann nicht Null Inflation wollen und gleichzeitig 5% Zinsen aufs Sparguthaben. Gesund wäre eine Inflation um die zwei Prozent“ … bei wie viel Prozent Zinsen?
Sind die aktuell 2% Inflation und die 0,01% Zinsen bei meiner Sparkasse in Ordnung?
Richtig ist natürlich, dass die Löhne nicht der Produktivität gefolgt sind. Dass dies eine Begründung für den Exportweltmeister Deutschland ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Wie sagte doch unser aller Angela gestern im Parlament? Es sei schön, dass man es sich raussuchen könne, worüber man reden möchte. Folgerichtig hat sie zur schon realen Wirtschaftskrise des durchschnittlichen Deutschen Michels fortgeschrittenen Alters lieber nichts gesagt, sondern über weitere Opfer desselben zur allgemeinen Weltrettung. Ich will endlich eine Regierung, die sich um deutsche Interessen kümmert und um sonst nichts anderes, sonst zahle ich nicht mehr.

Den Bürgern wurde geraten weniger Strom zu verbrauchen, damit die Umwelt nicht so belastet wird und die individuellen Stromkosten gesenkt werden, was dann wiederum zur allgemeinen Verbesserung der Kaufkraft führen sollte. Diese Ratschläge betrafen den Wasserverbrauch, dass steigende Müllaufkommen, sowie den Sprit und Gasverbrauch. Das Volk sparte und sparte und sparte, wo es nur konnte. Man kaufte sich Energiesparleuchten, drehte den Wasserhahn beim Zähneputzen zu, kaufte sich teure spritsparende Autos (!) und benutzte öfter das Fahrrad. Und was war das Ende vom Lied. Die Preise für den Energieverbrauch stiegen. Dann kamen einige wenige Politiker und Journalisten auf die Idee, die… Mehr

Bei 4 % schrumpfen aber 1.000 € in nur 5 Jahren auf 889 € Kaufkraft zusammen
Ist das nicht ein Rechenfehler ?

Ja, stimmt. Sollte wohl 789€ heißen.

Inflation und Niedrigzinsen sind Staatsbetrug. Von wegen Altersvorsorge durch private Versicherungen? Selbst Versicherungen für den Todesfall reichen, durch die abgemagerten Auszahlungssummen, oft nicht einmal für eine ordentliche Beerdigung mehr. Die Ersparnisse der Deutschen werden von Merkel und der EU, für ihre ureigenen wohlfühl Experimente sinnlos verbrannt oder in Kanäle geleitet, die uns nichts nutzen und dabei keinem anderen EU Land, noch der Welt wirklich helfen. Nur da wo wirklich sehr viel Geld sich ansammelt, vermehrt es sich zunehmend. Die EU wird immer mehr zu einem sozialistischen Grünkram Konstrukt. In dem sich daher Bildung, Fleiß und Leistung nicht mehr lohnen. Unsere… Mehr

Stimmt genau, Herr Tichy, aber der Wohlstand ist Gift für den Geist. Der Wohlstand ist in der Regel eine Folge des Geistes, aber er braucht ihn nicht. Nur jene, die Wohlstand ohne Geist haben wollen, haben irgendwas falsch verstanden. Um den Geist ist es aber gegenwärtig schlecht bestellt. Der Zusammenhang, daß ein voller Bauch nicht gerne studiert, ist Ihnen doch geläufig, oder etwa nicht?!

Nullzinsen und Inflation, interessante Kombination.
So können Staatsschulden weginflationiert werden.
Doch was macht man in der Rezession? Tiefer als Null können die Zinsen kaum sinken.

Und nun ist die deutsche Autoindustrie angeblich selber Schuld an ihrem Niedergang.Die Welt fährt nun bald elektrisch.Wer solchen Meldungen glaubt ist kein Realist.(Norwegen setzt auf Brennstoffzellen Antrieb und fördert das). Inflation entsteht heutzutage wohl in erster Linie aus politisch versauter Misswirtschaft,und hierin ist Deutschland Weltmeister.Per Order also muss den Damen und Herren aus der Politik bis in den wirtschaftlichen Ruin folge geleistet werden.Wenn es wieder mehr regnet und die Kartoffeln billiger werden bezahlen wir diese,ähnlich wie den Soli,weiter so teuer,denn eine freie Marktwirtschaft gibt es nicht mehr.**

@ gerhard, mein Namensvetter:Wenn doch nur die Deutschen tatsächlich solche „Weltmeister“ wären, dann käme nämlich keiner mehr hier her und wir hätten endlich Ruhe. ´Vielleicht ist das des Rätsels Lösung: Wir stellen uns doofer als wir sind, senken unsere Attraktivität, reißen das Maul nicht so weit auf, mit dem Ergebnis, dass alle kommen um nach zu gucken … . Zu NO: Brennstoffzellen brauchen Wasserstoff, den macht man aus Wasser – womit? Na mit el. Strom, den die Norweger reichlich haben durch ihre Wasserkraftwerke – absolut grundlasttaugliche. Haben wir nicht so. Wenn sie dürften, die Norweger, dann könnte sie halb DE… Mehr