Spahns Heuchelei ist ein Ausweis der Integritätskrise der deutschen Politik. Doch Leihmutterschaft ist kein "ungerechtes Privileg", sondern eine Menschenrechtsverletzung mit tiefgreifenden Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft.
picture alliance/dpa | Thomas Banneyer
In der Union brodelt es: Marion Rosin, Vorsitzende der Frauen Union Thüringen, bekräftigte am Freitag im MDR ihre Forderung nach einem Rücktritt Jens Spahns.
Anlass ist die von Spahn und seinem Partner öffentlich gemachte Inanspruchnahme von Leihmutterschaft in den USA – eine Praxis, die wegen ihrer ethischen Implikationen in Deutschland verboten ist und zu der die Union offiziell eine ablehnende Haltung einnimmt.
Zwar handelte Spahn nicht illegal, indem er in den USA ein Kind per Leihmutterschaft austragen ließ. Doch wer das Verbot im Ausland umgehe, setze „sich über den Geist des deutschen Gesetzes hinweg“, so Rosin. Gerade von einem Spitzenpolitiker dürfe man hier Konsequenz erwarten.
Auch Daniel Peters, Chef der CDU Mecklenburg-Vorpommern, hält Spahn als Fraktionsvorsitzenden nicht mehr für tragbar. Dem schließt sich nun Wolfgang Bosbach an. Nicht nur CDU-intern, auch in der Öffentlichkeit bricht sich Empörung bahn.
Allerdings hat die Aufregung um Spahns Vorgehen zwei Aspekte, die voneinander zu unterscheiden sind.
Was Leihmutterschaft mit sich bringt
Zum einen ist da die Frage nach der ethischen Bewertung. Hier sind zunächst soziale, biologische, psychologische und emotionale Gesichtspunkte von Bedeutung, jeweils in Bezug auf Leihmutter, Kind und, normalerweise, Eizellspenderin: Junge Frauen, oft Studentinnen, unterziehen sich einer Hormontherapie, um ihre Eizellen verkaufen zu können – in der Lebensphase, in der sie selbst am problemlosesten schwanger werden können.
Für die Schwangere und den Embryo liegt aufgrund von IVF und fehlender genetischer Verwandtschaft ein höheres medizinisches Risiko vor, die sogenannte „Baby-Take-Home“-Rate bei IVF liegt ohnehin nur bei etwa 22 Prozent. Die pränatale Bindung zwischen Mutter und Kind wird nach der Geburt jäh gekappt. Kritiker weisen darauf hin, dass Hunde- und Katzenwelpen gesetzlich länger bei ihren Müttern belassen werden müssen als ein Menschenkind.
Die Realität der biologischen Gebundenheit von Identität wird verleugnet, dem Kind die Mutter genommen, Mutterschaft in genetische, leibliche und soziale Mutterschaft aufgespalten – mit Folgen für das soziale Gefüge, die noch nicht absehbar sind.
Ein internationales Geschäft
Sodann herrscht ein Machtgefälle zwischen Kunden und „Dienstleisterinnen“. Dies steht auch im Zusammenhang mit der globalen Dimension: Eizellen, Frauen und Kinder werden rund um den Globus geflogen, dorthin, wo Agenturen und Kliniken operieren dürfen und wie es den Kundenwünschen entspricht. So wird die Eizelle der blonden Frau mit der günstigen dunklen Leihmutter zusammengebracht, womöglich in einem dritten Land, wo die Prozedur unbürokratisch erfolgen kann.
Im globalen Süden haben sich bereits kriminelle Strukturen um Leihmutterschaft gebildet, und schließlich bestehen auch Sicherheitsrisiken für die geborenen Kinder: Auch wegen Kindesmissbrauch verurteilte Straftäter haben bereits Kinder bestellt.
Diesen unterschiedlichen Aspekten steht die leidvolle ungewollte Kinderlosigkeit gegenüber.
Gabe oder Konstrukt?
Diese Gemengelage läuft auf die Frage hinaus, was der Mensch ist: Gabe oder Konstrukt? Aus der Beantwortung dieser Frage ergibt sich, ob die biologische und soziale Beschaffenheit des Menschen Realität ist, oder ob, wer kann, sie nach eigenem Wunsch designen darf.
Die Bejahung von Leihmutterschaft beruht allerdings gewöhnlich nicht auf solchen Überlegungen, sondern auf dem Mitgefühl mit Kinderlosen.
Allerdings besteht ein Unterschied zwischen Mitgefühl und dem Gutheißen einer Tat. Und man darf fragen, warum so selbstverständlich dem nicht zustimmungsfähigen Kind die Last der auseinandergerissenen Identität auferlegt wird, und nicht den Erwachsenen die Bürde, sich einen sehnlichen Wunsch nicht erfüllen zu dürfen. Warum soll der Schwächere hier für den Stärkeren einstehen müssen?
Doppelmoral und Heuchelei
Ein anderer Punkt ist Spahns Heuchelei: Er trinkt Wein, während er Wasser predigt, so der Vorwurf.
Spahn scheint unterschätzt zu haben, wie groß der Unmut über eine Politikerkaste ist, die nur die eigene Bereicherung im Sinn hat. Er, der sich während der Corona-Krise eine Villa für vier Millionen Euro gönnte und zugleich von Deutschen erwirtschaftetes Geld für Masken verschleuderte, führt das Klischee der dekadenten, abgehobenen Elite konsequent fort, indem er nun deutlich macht, dass ihm auch das deutsche Recht gleichgültig ist, das er umging, während er nach außen hin die Position der CDU vertrat.
Es ist beachtlich, dass aus der Union umgehend scharfe Kritik an Spahns Handeln laut wurde. Die Partei präsentiert sich immer wieder als inhaltlich entkernt. Ein konservatives Gerüst, sei es politisch oder ethisch, ist kaum je erkennbar. Der kurzfristige Machterhalt ihrer Abgeordneten und Amtsträger scheint oberste Priorität zu genießen.
Die Mischung aus offener Verachtung für die deutsche Rechtslage und die Beschlusslage der Union scheint dann aber doch explosiv genug, um Widerstand zu erzeugen.
Teillegalisierung als strategisches Ziel
Doch trotz des Gegenwinds ist möglich, dass Spahns offensiver Umgang am Ende das bewirkt, worauf Lobbyisten des Leihmutterschaftsapparats hinarbeiten: Eine Legalisierung oder Teillegalisierung von Leihmutterschaft.
Stimmen aus der FDP kritisieren bereits die Diskrepanz zwischen öffentlicher Positionierung und Handeln, leiten daraus aber eine Forderung nach Legalisierung ab. Wer selbst unter Kinderlosigkeit leidet, erwartet, dass Spahn anderen zubilligt, was er sich selbst gewährt. Die Debatte droht, in einen Habitus des Neids abzugleiten.
Der Kontext: Eine Gesellschaft dekonstruiert sich zu Tode
Spahns Verhalten entspricht dem hedonistischen Gaunertum, das im Gewand des Biedermanns die deutsche Politik fest im Griff hat. Dahingehend muss es diskutiert werden.
Doch Knackpunkt bleibt die inhaltliche Auseinandersetzung, die in einem größeren Kontext steht: Dem einer Gesellschaft, die die Mechanismen gelingenden Lebens zerstört, die Scherben in Frankensteinscher Manier neu zusammenfügt und dann angesichts der auftretenden Mängel immer neue Monstrositäten hinzufügen muss, um das dysfunktionale System am Laufen zu halten.
Sexuelle Revolution, Auflösung der Familie, Genderideologie: Der Mensch, insbesondere die Frau, unterliegt seit Jahrzehnten umfassenden Dekonstruktionsprojekten. Als Lösung für die daraus entstehenden Probleme wird die Reproduktionsmedizin angepriesen. Für einige Akteure ein lukratives Geschäft.
Biologische Vorgänge werden zunächst manipuliert und verschoben, um sie dann mit großem finanziellem Aufwand und hohem persönlichen Risiko künstlich herbeizuführen.
Strukturen, die sich aus diesen Vorgängen natürlich ergäben, namentlich die Familie und ein aus Familien gebildetes Sozialgefüge, werden destabilisiert, was wiederum zu verstärktem Rückgriff auf Methoden führt, die von diesen Strukturen unabhängig machen.
Damit schwinden Gespür und Wertschätzung für organische Gegebenheiten, die Konstruktion erscheint unumgänglich: Haben die zahllosen Frauen, die ihre fruchtbaren Jahre dem Bruttosozialprodukt geopfert haben, kein Anrecht auf Eizellen jüngerer Frauen? Was ist mit den Hunderten rührender Einzelschicksale, die die Transgenderideologie in den nächsten Jahrzehnten produziert haben wird? Unfruchtbar gemachte Teenager, die mit fortschreitendem Alter ihren Kinderwunsch entdecken und Leihmutterschaft brauchen, um ihn zu realisieren?
Die Schlacht der Narrative
Befürworter können herzzerreißende Geschichten platzieren. Die Kinder hingegen können zunächst nicht sprechen. Später dann ist es ein leichtes, ihre Einwände mit dem Hinweis auf die individuelle Natur ihres Leidens wegzuwischen – also mit eben jener Argumentationsweise, die ihren Käufern Mitgefühl beschert.
Wenn etwa Olivia Maurel, Leihmutterschaftskind und Sprecherin der Casablanca-Deklaration, die sich für Abschaffung der Leihmutterschaft einsetzt, von ihrem Leidensweg spricht, so werden ihre Ausführungen mit dem Hinweis verworfen, dass sie nicht belegen könne, dass das Gefühl der Verlassenheit real ist – und dass nicht nachgewiesen ist, dass dieses Gefühl, dass Drogensucht oder Suizidalität wirklich Folgen ihrer Herkunft seien.
Wer hingegen mit demselben Streben nach Objektivierung einem Kinderlosen entgegenhält, dass sein subjektiv empfundenes Leid nicht dazu berechtigt, die reale biologische Identität eines Menschen auszuhebeln, muss sich den Vorwurf der Mitleidlosigkeit gefallen lassen.
Wie so oft sind die Opfer unsichtbar, stumm und in Kommunikation und Wahrnehmung benachteiligt.
Wie weiter?
Die Gesellschaft schafft also selbst die Voraussetzungen, die ethische Belange zurücktreten und Leihmutterschaft als akzeptabel erscheinen lassen, während sie wohlweislich dem ethischen Diskurs zugunsten der Einzelfallempathie ausweicht – zu erodiert ist das Verständnis der Menschenwürde bereits, als dass man es einem solchen Test aussetzen wollen würde.
Entscheidend ist, ob das Verhalten Spahns als ungerechtes Privileg empfunden wird oder als inakzeptable Menschenrechtsverletzung. Überwiegt ersteres, wird die Entwicklung dahin gehen, Spahns Handlungsfreiheit allen zu eröffnen – auf absehbare Zeit vorbehaltlich finanzieller Mittel.
Ein Blick ins Ausland zeigt jedoch, dass dies keine zwangsläufige Entwicklung ist. Länder wie Indien und Thailand haben Leihmutterschaft nach schlechten Erfahrungen mit dieser Praxis stark eingeschränkt, auch Griechenland hat Regelungen verschärft; Länder wie Italien und die Slowakei verbieten sie und schließen Schlupflöcher, Chile folgt diesem Beispiel.
Spahns PR-Aktion, die proaktiv der Enthüllung seiner Heuchelei vorgreifen und dabei Sympathien generieren sollte, ist gescheitert – die Dystopie einer identitätsgestörten Gesellschaft, in der Frauen auf körperliche Funktionen reduziert und Kinder wie Ware behandelt werden, ist damit aber nicht abgewendet. Dazu braucht es ein entschlossenes Bekenntnis dazu, dass persönliches Glück nicht um jeden Preis erkauft werden darf.












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Der hätte längst wegen der Maskenangelegenheit gehen müssen. Aber Merz ist schwach und feige. Auch der verlogene Betrüger Voigt hätte längst gehen müssen.
Spahn wird gehen müssen. Der Druck ist zu groß, oder die CDU bekommt einen von den Wählern verpasst, der sich gewaschen hat.
Spahn oder CDU, ein Drittes gibt es nicht.
Vom ethischen Standpunkt aus betrachtet, ist die Sache klar. Der Mensch wird zum Konsumprodukt degradiert. Man bestellt sich das passende, genetische Outfit und b e z a h l t. Technokraten loben diese Entmenschlichung, abseits der Erkenntnisse der Psychologie und Entwicklungspsychopathologie eines heranwachsenden Kindes. Gleichzeitig glaubt Spahn, zusammen mit BILD, er erheische sich g e r a d e mit inszenierter Emotionalität….wir glücklichen Eltern, wir ergänzen unser Glück….🤮.. viel gefühlsduseligen Beifall im Publikum. Bauernschlau. Man wird versuchen, solche „Austragungen“ nachträglich zu legalisieren. Wir sitzen mit gekauften Kindern, totalitär zusammengegendert, mit Haschisch in den Taschen, unterm Windrad, voll vegan,…. und glotzen… Mehr
Ein kluger Schachzug von Spahn?: Er weiß, dass er die Politik verlassen muss, sodass er dann nicht mehr so interessant ist wegen seiner Maskendeals. Das könnte nämlich noch teuer werden. So wird es vielleicht vergessen … . Inshallah.
Nicht vergessen: Spahn hat als Gesundheitsminister hunderte Anträge schwerkranker Menschen auf den Erwerb von letalen Medikamenten ablehnen lassen, obwohl das Bundesverfassungsgericht zuvor das Recht auf selbstbestimmtes Sterben bekräftigte. Die menschenverachtende Hybris ist also nichts neues.
Erwachsene Menschen durften aufgrund seines Spahnsinns kein würdiges Lebensende finden, ein kleines Baby keinen würdigen Lebensanfang.
„In der Union brodelt es: Marion Rosin, Vorsitzende der Frauen Union Thüringen, bekräftigte am Freitag im MDR ihre Forderung nach einem Rücktritt Jens Spahns.“ Die sollte sich mal besser um ihren Bildungsbetrüger Mario Voigt kümmern! „Anlass ist die von Spahn und seinem Partner öffentlich gemachte Inanspruchnahme von Leihmutterschaft in den USA – eine Praxis, die wegen ihrer ethischen Implikationen in Deutschland verboten ist…“ Und genau hier liegt der Bock im Pfeffer begraben. Ich kann keine Strafverfolgung umgehen, nur weil ich meine Straftaten im Ausland begehe! Was in Deutschland strafbar ist, muss auch strafbar bleiben. Ansonsten hätte Spahn und sein Lover… Mehr
Als Mutter muss Spahn jetzt ohnehin zuhause bleiben – es sei denn, die beiden leisten sich eine zweite Leihmutter für das Söhnchen … . Wer ko der ko.