Jens Spahn sei "Papa" geworden, jubelt die Bildzeitung. Damit macht sie sich zum Handlanger eines Politikers, der deutsches Recht untergräbt, die Rechte von Kindern und die Würde von Frauen verachtet. Gleiches Recht für alle – außer, man ist gleicher.
picture alliance/dpa | Annette Riedl
Ein Kind ohne Mutter? Das ist der Traum so manchen schwulen Paares, das unabhängig von der Biologie ein „vollwertiges“ Familienleben führen möchte. Das eigene Lebensglück in einem Kind finden zu wollen, ist ein verständlicher, ein allgemein menschlicher Impuls.
Wer dieses Glück allerdings als Recht betrachtet, das man sich mit allen Mitteln verschaffen darf, steht vor dem Widerspruch, dass er dazu bereit sein muss, die Rechte des Kindes, das zu lieben er vorgibt, mit Füßen zu treten – ebenso wie die Würde der Frau, auf die Mann, bei aller Abneigung gegen das weibliche Geschlecht, dann doch zurückgreifen muss.
Dieser Widerspruch entlarvt jene, die Leihmutterschaft in Anspruch nehmen. Auch, wenn es schmerzhaft ist: Ein Kind zu kaufen, ist kein Ausdruck von Liebe. Eine Frau auf ihren Uterus zu reduzieren, einer anderen eine Hormontherapie abzuverlangen, um an ihre Eizellen zu kommen, dem Kind die eigene Identität zu rauben – all das ist, so sehr man es sich einreden möchte, nur Ausdruck von einer Form der Liebe, nämlich der Liebe zu sich selbst.
Ausbeutung von Frauen als Geschäftsmodell
Die medizinischen Risiken für die beteiligten Frauen, von denen keine am Ende als Mutter gelten wird; die Missachtung des pränatalen Bandes zwischen Mutter und Kind, der Wille, dieses noch vor seiner Zeugung zu entwurzeln: All das gehört zum Komplex der Leihmutterschaft dazu. Ebenso die Unterstützung einer weltweiten Industrie, die Menschenhandel mit dem werbewirksamen Etikett der Liebe und Fürsorge versieht, während dahinter menschliches Elend und Zwang stehen – und nicht zuletzt das Machtgefälle zwischen reichen Kunden und den „Dienstleisterinnen“, die ihren Körper, ihre Fruchtbarkeit und potenziell ihre Gesundheit veräußern.
Die Sonderbeauftragte der UN für Gewalt gegen Frauen, Reem Alsalem, betrachtet Leihmutterschaft als Ausbeutung und Gewalt und macht die Parallelen zur Prostitution deutlich.
Man sollte meinen, dass das Leid der Kinderlosigkeit nicht rechtfertigt, anderen derart schweres Unrecht zuzufügen.
Eine gravierende Menschenrechtsverletzung
Dieser Ansicht ist auch der deutsche Gesetzgeber, der Leihmutterschaft verbietet. Und zwar nicht nur schwulen Männern, die durch ihre Lebensführung eigene Kinder ausschließen, sondern allen: Die Menschenwürde, das Gut, das durch Leihmutterschaft in vielerlei Weise verletzt wird, ist so kostbar, dass auch ungewollt kinderlose heterosexuelle Paare nicht auf sie zurückgreifen dürfen.
Doch wer Geld hat, lässt sich davon nicht abhalten und geht ins Ausland: Nach Griechenland, Georgien, Kolumbien, in die USA. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kann man sich unter Umständen das Wunschgeschlecht aussuchen, Kataloge bieten Eizellspenderinnen bester Qualität mit den erwünschten phänotypischen und genetischen Eigenschaften. Ein beinahe maßgeschneidertes Baby, das man sich durchaus eine Viertelmillion kosten lässt.
Häufig wird die Mutter gleich ganz aus der Geburtsurkunde getilgt. Da die Eizellspende ohnehin oft anonym erfolgt, bleiben genetische und leibliche Mutter in diesem Fall unauffindbar. Eine Wunde im Leben des Kindes, die in Kauf genommen wird.
Dies soll im Fall von Jens Spahn anders sein: Die Mutter werde Teil des Lebens des Kindes bleiben, ließen er und sein Partner Daniel Funke nun verlauten. Die beiden haben in den USA ein Kind über Leihmutterschaft erworben.
Die ethischen Probleme, die dies mit sich bringt, sind das eine. Sie lassen sich nicht wegdiskutieren: Seit 2023 fordert die Casablanca-Deklaration eine weltweite Ächtung der noch jungen Praxis.
Die Sprecherin der Deklaration, Olivia Maurel, die selbst durch Leihmutterschaft gezeugt wurde, hat für ein Buch sowohl ihre persönlichen Erfahrungen dargelegt als auch Fakten zusammengetragen, die das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen, die mit Leihmutterschaft einhergehen, deutlich machen. Ebenso wie die Marketingstrategien eines Business, das diese Fakten systematisch verschleiert.
Deutsche Politiker arbeiten aktiv gegen das Recht
Das andere aber ist, dass hier ein hochrangiger deutscher Politiker das deutsche Recht umgeht, und eine Gesetzeslücke ausnutzt: Denn Deutschland ermöglicht Kunden, die sich per Leihmutterschaft ein Kind kaufen, dieses über eine Adoption legal ins Land zu bringen. Diese Regelung existiert zum Schutz der Kinder, die sonst Gefahr laufen, heimat- und staatenlos zu werden und sich in einem juristischen Niemandsland zu bewegen. Hier handeln Spahn und sein Partner also bewusst gegen den Sinn der deutschen Rechtsprechung – weil sie es können.
Selbst abseits der Frage, ob man Leihmutterschaft ablehnt oder nicht, sollte ein derart nonchalanter Umgang mit deutschem Recht seitens eines Angehörigen der Legislative Zweifel an dessen Vertrauenswürdigkeit wecken.
Doch Jens Spahn ist nicht der einzige Politiker, der über Leihmutterschaft an ein Kind gekommen ist. Im April 2026 machte Hendrik Streeck, ebenfalls CDU-Abgeordneter, Schlagzeilen, bereits 2023 nahm SPD-Politiker Johannes Arlt Leihmutterschaft in Anspruch.
Arlt legt Wert darauf, festzuhalten, dass er und sein Partner keine kommerziellen Dienste in Anspruch genommen haben. Nachdem alle Alternativen ausgeschöpft gewesen seien, „inklusive Nicht-Vermittlung eines Adoptivkindes trotz Vorliegen aller Voraussetzungen und erfolgreicher behördlicher Prüfung in Deutschland“, hätten sie im Heimatland seines Partners auf altruistische Leihmutterschaft zurückgegriffen, so Arlt gegenüber Tichys Einblick: „Im Gegensatz zu vielen anderen Paaren hatten wir jedoch das Glück, dass eine uns nahestehende mutige Frau und Freundin in Dänemark, die selbst verheiratet ist und zwei Kinder hat, von sich aus aus eigener Initiative angeboten hat, uns bei der Erfüllung unseres Kinderwunsches als altruistische Leihmutter zur Verfügung zu stehen.“ Sie sei „weiterhin ein wichtiger Bestandteil“ des Familienlebens, so Arlt. Geld sei keines geflossen, betont der SPD-Politiker.
Dies ist allerdings nicht der Regelfall. Obwohl der Begriff altruistische Leihmutterschaft suggeriert, dass es sich um ein selbstloses Angebot handelt, bezeichnet sie nicht nur die Austragung eines Kindes durch Verwandte oder Bekannte: Auch diese Form der Leihmutterschaft ist gewöhnlich ein Geschäftsmodell, an dem Agenturen und Kliniken verdienen – lediglich die Mutter erhält weniger Geld, da sie kein Honorar, sondern lediglich eine Entschädigung für entstandene Kosten erhält. In Dänemark allerdings ist die Vermittlung von Leihmutterschaftsverträgen verboten, so dass Leihmutterschaft abseits eines privaten Rahmens erschwert wird, Entschädigungszahlungen an die Mutter sind verboten.
Mit Blick auf das Kind, dem seine Mutter genommen und das bereits mit dem Vorsatz erzeugt wird, es aus seiner natürlichen Identität und Bindung zu reißen, bleibt auch abseits von kommerzieller Leihmutterschaft die Menschenrechtsverletzung bestehen – ganz abgesehen von der Frage nach psychischen Implikationen für Mutter und Kind, die, ganz im Sinne einer Gesellschaft, die die Bedeutung von Schwangerschaft und Mutterschaft herunterspielt, außen vor bleiben.
Im deutschen Recht spiegelt sich allerdings das Bewusstsein für diese Aspekte noch wider, weshalb auch sogenannte altruistische Modelle nicht erlaubt sind.
Im Grunde wird die Gleichgültigkeit gegenüber dem Recht, die sich bei Spahn insbesondere mit Blick auf Covid-Krise und Maskenbeschaffung bereits abzeichnete, mit diesem Vorgehen auf die Spitze getrieben: Die Herstellung eines Menschenlebens unter vertraglicher Missachtung der Rechte des „Produkts“ – um einer Simulation von Familie Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Die Medien als Handlanger der Reichen und Mächtigen
Dass deutsche Politiker sich so verhalten, ist skandalös. In nichts nach stehen ihnen Medien, die durch irreführende Schlagzeilen die frauenverachtende Natur der Leihmutterschaft vertuschen: „Jens Spahn und sein Ehemann sind Eltern geworden“, titelt der Focus. „CDU-Politiker Jens Spahn und sein Ehemann sind Papas geworden“, heißt es bei der Bild, die auf die Tränendrüse drückt: „Es ist eine Nachricht voller Liebe, Glück und einer großen Veränderung“, heißt es weiter; Daniel Funke tut Kritik ab als „Unsicherheit“ und „Vorurteil“. Von den gravierenden Implikationen der Leihmutterschaft erfährt der Leser nichts.
Diese boulevardeske Empathie verdrängt, dass hier nicht eine Familie gegründet, sondern die familiäre Identität eines Menschen mit Vorsatz zerstört wurde, ja, dass dieser Mensch explizit dafür geschaffen wurde, um aus seiner natürlichen Bindung gerissen zu werden.
Die Berichterstattung zeigt zudem, dass eine Normalisierung vorangetrieben wird, die auf eine Legalisierung der Leihmutterschaft abzielt. Bei Streeck wurde nicht oder nur indirekt von Leihmutterschaft gesprochen. Man berichtete nebulös darüber, dass er und sein Partner „Eltern geworden“ seien. Spahn und Funke hingegen benennen Leihmutterschaft offen und bieten sich als Gesprächspartner darüber an.
Zwischen diesen beiden Fällen liegen nur wenige Monate, die offenbaren, wie schnell Hemmschwellen sinken und wie strategisch hier vorgegangen wird, um deutsches Recht nicht nur zu unterlaufen, sondern zu kippen.
Es verleiht dem Vorgang eine bittere Note, dass Medien Menschenrechtsverletzungen beschönigen und sich derart unbekümmert Politikern andienen, denen deutsches Recht nichts gilt, die aber aufgrund von Geld, Macht und Status gleicher sind als die anderen.
17. Juli, 16:43 Uhr
Redaktioneller Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, neben Hendrik Streeck habe sich auch Johannes Arlt per Leihmutterschaft „ein Kind gekauft“. Johannes Arlt weist diese Aussage zurück und stellt klar, dass er und sein Partner in Dänemark über nichtkommerzielle Leihmutterschaft ein Kind haben austragen lassen. Die Aussage wurde daraufhin entfernt und durch eine Stellungnahme Herrn Arlts ergänzt.





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Um wieder einmal Adenauer zu zitieren: „Hauptsache. et is einer wech..“
Werden wir noch öfter brauchen…
CSU-Landesgruppenchef.“Die Entscheidung von Spahn veduent allerhöchsten Respekt…“
Zum Abschied noch ein Tritt in den A….in Politsprech.-Manier
Für Kinder muß man eben Opfer bringen -das wissen viele Eltern, und das erfährt jetzt auch Spahn, dessen politische Karriere vermutlich zuende ist.
Eine Frage an Jüristen: Hat die Leihmutter eine Dienstleistung vollbracht oder das Kind verkauft?
Der Fall zeigt nur exemplarisch was BRD Politiker sind. Mir fällt keine noch so tiefe Kategorie ein in der die einzuordnen wären. Selbst ein arabischer Gebrauchtwagenhändler ist wohl noch besser.
Etwas weiter gedacht. Auch „Olivia Jones“ ist ein homosexueller Mann, der eine Frau nur imitiert. Was mich immer wieder wundert, in jeder homosexuellen Verbindung wird die traditionelle Rollenverteilung Mann-Frau gelebt. Ob in der hässlichen Prostituierten-Szene mit rumänischen Jungs oder mit Schlips und Kragen wie Spahn samt virilem Anhang als Samenspender. Ein Gruselkabinett aus der „GAY-Szene“, das immer noch nicht davor zurück scheut, zumindest die Öffentlichkeit ob bevorzugter sexueller Präferenzen nicht weiter zu nerven. Man kann also noch froh sein, das „Mami Spahn“ doch nur über begrenzte Einkommen aus Steuern verfügt. Sonst gebe es wie im Fall Michael Jackson ein „Neverland“… Mehr
Wohlgemerkt: Es geht hir nicht um eine moralische Beurteilung von (männlicher) Homosexualität.
Auch nicht – jedenfalls nicht in erster Linie – um die Rolle der Leihmutter.
Es geht um das Kind, das allein sein ganzes Leben lang die Folgen eines Geschäfts tragen und ertragen muß, bei dem es eine Ware man kann wohl sagen:Opfer war.
Glückwünsche wozu? Jedenfalls nicht zur Geburt.. Also wozu dann? Zum gelungenen Einkauf unter Umgehung deutschen Rechts?
Ich will auch in die Bild! Hab heute super eingekauft bei Lidl.
Frau Klöckner hat den beiden gratuliert…na dann
Entscheidend wird sein, wie der weitere Lebensweg des Kindes verlaufen wird.
Ein Mädchen zu wählen, kam wohl von vornherein nicht in betracht.
So ein Kindlein fein, kostet 100-250 TAUSEND Euronen, wobei der Großteil an Anwälte geht….
Kein Spaß für JEDERMANN. Wußte gar nicht, daß man als CDU-Fraktionsvorsitzender so gut verdient. Wo hat Papi das ganze Geld her ?
Ich sag nur Masken.