Wenn Russland die Durchleitung von Erdöl aus Kasachstan verweigert, hat Deutschland nicht nur ein Problem mit Diesel, Benzin und Kerosin, sondern auch mit Bitumen. Bitumen wird für Asphalt benötigt. Der Lieferstopp ab 1. Mai wird die Preise weiter erhöhen und damit den Straßenbau und Straßenreparaturen noch einmal verteuern.
picture alliance/dpa | Bernd Wüstneck
Man kann der Bundesregierung nicht vorwerfen, dass sie nichts für die Bildung ihrer „Untertanen“ unternimmt. Allerdings ist die Methode schon kritikwürdig, nämlich Lernen auf die harte Tour durch Mangel, durch Verknappung, durch Verzicht. Die neue Lektion von Herrn Merz für die Deutschen lautet: Für den Straßenbau benötigt man Asphalt, für den Asphalt als Bindemittel Bitumen. Bitumen wird aus Erdöl gewonnen. Doch eben nicht aus jedem Rohöl kann man Bitumen raffinieren, denn Erdöl ist nicht gleich Erdöl. Es existieren schwere Erdöl-Sorten, wie das Erdöl aus Russland oder auch aus Kasachstan, und leichtere Erdöle.
Leichte Rohöle enthalten weniger schwere, langkettige Kohlenwasserstoffe, die aber für die Bitumenherstellung notwendig sind. Das heißt, nicht aus jedem Rohöl lässt sich die ganze Produktpalette von Bitumen über Diesel, bis Benzin und Kerosin herstellen. Sollte der Lieferstopp kasachischen Erdöls eintreten, weil Russland das kasachische Erdöl nicht mehr durchleitet, hat Deutschland nicht nur ein Diesel-, nicht nur ein Benzin-, nicht nur ein Kerosin-, sondern auch ein Bitumen- und dadurch ein Asphalt-Problem. Diese Lektion lernen gerade die Deutschen vom Praeceptor Germaniae Friedrich Merz.
Die Gründe für Putins Weigerung, kasachisches Erdöl durchzuleiten, dürften auf der Hand liegen. Herr Merz schwärmte beim letzten Besuch Selenskyjs im Bundeskanzleramt, der Deutschland teuer zu stehen kommt, dass man gemeinsam in der Lage sei, Drohnen über tausend Kilometer tief nach Russland abzufeuern. Dass Herr Merz in seinem außenpolitischen Dilettantismus keine Gelegenheit auslässt, gegen Putin zu wettern und gegen Russland den starken Mann zu markieren, dürfte von den einen als Folklore, von den anderen als nervig, von wieder anderen als ärgerlich empfunden werden.
Doch die jüngsten Äußerungen von Herrn Merz erinnerten an Reden wie weiland von Kaiser Wilhelm II. Herr Merz gefiel sich beim launigen Erzählen einer „Anekdote“ ausnehmend gut, so ganz verwegener Tausendsassa, als er bramarbasierte: „Es war kein normaler Routinebesuch Selenkyjs bei mir, sondern es war die deutsche und die ukrainische Regierung. Und die haben unten im Kanzleramt im Erdgeschoss mal eine kleine Waffenshow gemacht, die haben mal Drohnen ausgestellt, fahrerlose Fahrzeuge …“
Das Ergebnis der „kleinen Waffenshow“, die Herrn Merz offensichtlich ein so reines kindliches Vergnügen bereitete, besteht darin, dass es nach „Einschätzung unserer Mitgliedsunternehmen … mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest kurzfristig zu Versorgungsengpässen bei Bitumen in unserer Region kommen“ wird, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost, Robert Momberg, denn jede Störung bei der Raffinerie in Schwedt wirke sich unmittelbar auf den Markt aus. Aber zu Versorgungsengpässen gesellen sich natürlich Preissteigerungen, denn der Bitumenpreis stieg laut Verband von Februar auf März bereits um 36,4 Prozent. Der Lieferstopp ab 1. Mai wird die Preise weiterpushen und damit den Straßenbau bzw. die Straßenreparatur noch einmal verteuern.
Das macht aber nichts, denn die Regierung nutzt die Sonderschulden für Infrastruktur und Klima ohnehin nicht für die Infrastruktur, sondern zum Stopfen von Haushaltslöchern und zur weiteren märchenhaften Finanzierung der Klima-Kaste. Und natürlich, wie bei den Gesprächen zwischen Herrn Merz und Herrn Selenskyj beschlossen, für den Wohnungsbau – in der Ukraine.
Die Ukraine lebt von Erdölimporten aus der Europäischen Union, da die eigene Förderung (2025 ca. 3.000 Barrel/Tag) den Bedarf nicht decken kann. Aufgrund des Krieges ist die Ukraine vollständig von der Versorgung westlicher Partner abhängig. Ob die Ukraine aus der Raffinerie von Lukoil Neftochim in Burgas nur kasachisches oder nicht eben auch russisches Erdöl bekommt, weiß man nicht.
Laut Bundesregierung hat seit Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar 2022 Deutschland bilaterale zivile Unterstützung für die Ukraine in Höhe von rund 41 Milliarden Euro und militärische Unterstützung in Höhe von circa 55,5 Milliarden Euro geleistet, beziehungsweise für die kommenden Jahre bereitgestellt. So dürfte ein erheblicher Teil der Schulden, die für die Aufrüstung Deutschlands aufgenommen werden, auch für die Aufrüstung der Ukraine ausgegeben werden.
Wohnungsbau für die Ukraine, Wiederaufbau der Ukraine, Aufrüstung der Ukraine, Provokation von Lieferengpässen für Deutschland, Sanktionspakete, die am Ende eher die deutsche Wirtschaft treffen, Turbo-EU-Mitgliedschaft und EU-ähnliche Zwischenformen der Quasi-EU-Zusammenarbeit für die Ukraine erheben schon die Frage, für wen und in wessen Interesse Herr Merz und die Bundesregierung Politik machen?
Gäbe es eine Weltausstellung, würde über dem deutschen Stand stehen: Ausverkauf. Und an der Tür zum Bundeskanzleramt und zum Vizebundeskanzleramt hängt ein Schild wie an Hoteltüren: Bitte nicht stören, wir deindustrialisieren gerade so schön.
Übrigens entspricht der Wert der Goldreserven nicht einmal dem Volumen eines Bundeshaushaltes. Fratzscher nannte auch die Möglichkeit, den Erlös in die Bildung oder die Infrastruktur zu investieren. Nicht aber für einen Tankrabatt oder für die Senkung von Steuern, das könnte man doch über autofreie Sonntage und Tempolimits regeln. Die Wirtschaftswaise Schnitzer hat schon ähnliche Ideen geäußert und fügte hinzu, dass die Deutschen ja mal einen Pullover weniger kaufen könnten.
Fratzscher will also den Erlös aus dem Verkauf der deutschen Goldreserven in die Infrastruktur investieren. Wobei wir wieder bei der Ukraine wären, oder bei Gaza, oder bei Syrien oder bei Peru? Wer weiß das schon.
Übrigens wird der Zuwendungsbedarf von Fratzschers DIW „vom Bund und den Ländern im Verhältnis 50:50 erbracht“. Wie wäre es, wenn die Bundesregierung mit Sparen beginnen würde? Doch Sparen ist für die Regierung Klingbeil-Merz bekanntlich keine Option. Alles muss raus. Und Rentner haben künftig ihre Basisabsicherung durch Wühlen im Müll aufzubessern.
Herr Merz ist wirklich der neue Praeceptor Germaniae.





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Und, Gott sei Dank, keine kriegstauglichen Brücken und Straßen.
Man kann nur hoffen, dass Putin den Ölhahn zudreht. Vielleicht wachen weitere Leute auf. Das ist schon lange überfällig. Im übrigen hat doch Baerbock doch grossspurig verkündet, dass Deutschland kein russisches Öl mehr braucht. Warum jetzt diese Wehleidigkeit?
Hier in NRW geht die Verwendung von Bitumen für Asphalt im Straßenbau schon länger gegen null.
Kein Bitumen? Macht doch nichts, da die Strassen ja ohnehin nicht repariert werden, weil darüber hinaus auch kein Geld in den Gemeinden und Kommunen ist. Wenn ich mir hier die Rübenschnellwege so anschaue, die früher Bundesstrassen oder Autobahnen genannt wurden. Jedenfalls ein Konjunkturprogramm für Stoßdämpferhersteller…
Wohne in Ostwestfalen und ich erschrecke mich jeden Tag über die Löcher auf den Straßen. Anstatt sie gleich nach Meldung zu reparieren, wird erstmal eine Baustelle mit Absperrung und Geschwindigkeitsbegrenzung installiert.
Weiss gar nicht, worüber jetzt schon wieder gemeckert wird. Das muss man im Gesamtzusammenhang sehen. Ohne Öl kein Diesel und kein Benzin, ohne Diesel und Benzin kein Strassenverkehr, ohne Strassenverkehr kein Strassenbedarf, ergo auch kein Bitumenbedarf. Dieses Sparpotential ist riesig, da können wir noch viel Gutes tun in der Ukraine und weltweit.
„……..erheben schon die Frage, für wen und in wessen Interesse Herr Merz und die Bundesregierung Politik machen?“ Dazu erklärte Putin kürzlich sinngemäß, daß einem die deutsche Bevölkerung leidtun könnte, weil sie einen Kanzler hat, der nicht ihre Interessen verfolgt, sondern die seiner Auftraggeber. Da dürfte er richtig liegen, aber wer sind denn nun diese Auftraggeber? Die sitzen im Zweifel in den USA. BlackRock, Soros und Co. haben in der Ukraine stark investiert und wollen einen lukrativen return of invest. Zudem sind da noch die russophoben, an absoluter US-Hegemonie interessierten US-Neocons, denen Merz offenbar folgt (wohl auch aufgrund eigener Russophobie). Für… Mehr
An die Prahlerei in der „berühmten“ Telefonkonferenz sei ebenso erinnert, in der hohe Bundeswehroffiziere von Planungen zur Zerstörung der Brücke von Kertsch sprachen…
Bei dieser Art von Statusmeldungen frage ich mich immer, wie weit unsere Regierung es mit dem Degrowth noch treiben will.
Gibt es da eine Zielmarke oder soll die deutsche Industrie und Wirtschaft unendlich weiter geschrumpft werden? Falls nicht: Wie weit soll Deutschland noch geschrumpft werden, damit die Bundesregierung mit dem Ergebnis endlich (hinreichend) zufrieden ist?
Diese Frage müssten unsere „Volksvertreter“ mal beantworten. Aber bisher hat – soweit ich weiß – niemand die Regierung danach gefragt. Dabei liegt diese Frage doch auf der Hand.
Es geht dabei nicht um die Regierung Merz, sondern deren Auftraggeber, also jene, die laut H. Seehofer tatsächlich entscheiden, aber nicht in der Regierung sind.
Merz treibt das Vasallentum gegenüber transatlantischen Kräften auf die Spitze, er gehört offenbar zu dieser „Familie“.
Für die USA ist ein wirtschaftlich geschwächtes Deutschland ohne Zweifel ein Vorteil, allerings sollte der Niedergang nicht vollständig sein, weil das die ganze EU in Mitleidenschaft zöge, was die USA aus geostrategischen Gründen nicht wollen kann.
Papperlapapp, das ist alles kein Problem. Wir stellen ein Windrad neben die holprige Straße und die Schlaglöcher verschließen sich CO2-neutral im Nu ganz von alleine.
Oder so ähnlich.