Offensichtlich ist Trump bestrebt, gegen die Menschheitsverbrecher IS, Kim Jong-un und Assad eine ganz große Allianz zu schmieden. Geht es nach ihm, sollen die USA, Russland und China hier an einem Strang ziehen.
© Aref Karimi/AFP/Getty Images
So deutet einiges darauf hin, dass sowohl a’Shairat als auch das IS-Tunnelsystem nichts anderes waren als Testläufe für einen denkbaren Schlag gegen die Atomanlagen des Provokateurs Kim. Die Chinesen scheinen dieses zu wissen, wenn sie derzeit wiederholt „friedliche Mittel“ gegen Nordkorea fordern – und gleichzeitig die USA ihren Flugzeugträgereinsatz mit Einheiten der fernöstlichen Verbündeten ergänzen und abstimmen. Südkorea ist ohnehin in ständiger Alarmbereitschaft, um Angriffe aus dem Norden abzufangen. Japan hat angekündigt, den Verband der USS Carl Vinson mit eigenen Kriegsschiffen zu unterstützen.
Trump bittet China um Unterstützung
Trump selbst sucht neben der Unterstützung seiner Partner am Chinesischen Meer auch die Hilfe Chinas selbst. Am 11. April twitterte er: „North Korea is looking for trouble. If China decides to help, that would be great. If not, we will solve the problem without them! U.S.A.”
Das Signal an die chinesische Führung ist identisch dem an Russland: Entweder, Ihr löst das Problem – gern mit unserer Unterstützung – oder wir lösen es allein. Dabei wird es nicht mehr damit getan sein, Kims nächsten Raketentest zu unterbinden. Trump erwartet, dass Nordkorea ent-nuklearisiert wird. Wer das macht, ist für ihn offenbar nachrangig.
Steckt vielleicht mehr hinter dem Cowboy?
Ist Trump also doch der unberechenbare Cowboy? Erst schießen, dann reden? Falls überhaupt noch jemand zum Reden da ist? Riskiert er sogar einen globalen Konflikt, wie selbsternannte „Linksintellektuelle“ und Antiamerikaner befürchten?
Vielleicht tut er das. Vielleicht aber verfolgt er auch ein ganz konkretes Ziel, das so überhaupt nicht mit dem Bild des bösen „Rechtspopulisten“ übereinstimmen will. Um diese Möglichkeit zu verstehen, sollten wir uns zu allererst die Frage stellen, was einen 70-jährigen, der in seinem Leben scheinbar alles erreicht hat, anspornt, im hohen Alter Präsident des mächtigsten Landes der Erde zu werden.
Es könnten ganz simple, niedere Motive sein. Das aus zahlreichen Kränkungen entstandene Bedürfnis, es dem „Establishment“ einmal so richtig zu zeigen. Wer seinen Wahlkampf beobachtet hat, könnte zu dieser Auffassung gelangen – denn genau das war es, womit Trump den Sieg errungen hat. Andererseits – könnte ein Mann wie Trump nicht über all dem stehen – so wie er es beispielsweise gegenüber Hillary Clinton unmittelbar nach seiner Wahl getan hatte, als alle Anfeindungen der Vorwochen wie weggeblasen waren?
Der Wunsch nach Unsterblichkeit
Wenn es das nicht sein sollte und der Kampf gegen das „Establishment“ nur Mache war, um den Wahlsieg einzufahren – dann könnte bei Trump möglicherweise eines der ältesten Motive überhaupt vorliegen, welches überwiegend mächtige Männer berauscht und immer wieder zu den irrsinnigsten Taten hat hinreißen lassen: Der Wunsch nach Unsterblichkeit.
Nun ist Unsterblichkeit heute anders als zu der Zeit der Pharaonen keine nachirdische Dauerexistenz mehr – und ob Trump tatsächlich an die Märchen von dem Leben nach dem Tode glaubt, lassen wir einmal dahingestellt. Von einem allerdings ist er fest überzeugt: Unsterblichkeit ist heute gleichbedeutend damit, dass Generationen von Nachgeborenen jenen kennen, der unsterblich ist. Das sind im Patriotismus der USA nun nur die ganz großen Präsidenten: George Washington, Abraham Lincoln, Franklin D. Roosevelt, John F. Kennedy und Ronald Reagan.
Könnte es also sein, dass jener Donald Trump, der in seinem Leben alles erreicht hat, nur deshalb Präsident werden wollte, um eines Tages der nächste – und vielleicht einer der größten in dieser erlauchten Reihe zu sein?
Man mag diese Vorstellung für absurd halten – aber für jemanden mit einen unbegrenzt ausgeprägten Ego wie Trump wäre sie das beste Argument von allen, die Mühen des wichtigsten Amtes auf sich zu nehmen, statt sorglos seinen Reichtum zu genießen.
Wie wird ein Präsident unsterblich?
Angenommen, es wäre so. Dann wird Trump kaum anstreben, nach seiner Präsidentschaft als unbedeutender Name auf Platz 45 einer langen Reihe zu verschwinden. Wenn es so wäre – und dafür spricht eben jenes Ego seiner Person – dann sollen hinter dieser 45 mindestens drei große Sterne stehen. Eine „USS Donald Trump“, „Trump-Universities“ in zahlreichen Bundestaaten und am besten ein monumentales „Trump-Memorial“ inklusive – ihm zu Ehren von seinen Amerikanern in ewiger Dankbarkeit errichtet und nicht selbst an Bank-finanzierte Hochhäuser gemalt.
Angenommen, es wäre so. Was könnte es sein, das Trump für die Nachwelt unterblich machen könnte?
Washington führte sein Land in die Unabhängigkeit. Lincoln erhielt die Einheit der Union und schuf die Sklaverei ab. Roosevelt stellte Amerika wieder auf leistungsfähige Beine und führte das Land erfolgreich durch den größten aller bisherigen Kriege. Kennedy trotzte dem Erzfeind Sowjetunion und schickte die ersten Menschen auf den Mond. Reagan beendete den Kalten Krieg. Was also bleibt für Trump zu tun? Was könnte es sein, das ihn für seine Nachwelt unsterblich macht?
Aktionismus mit Ziel
Blicken wir nun noch einmal auf den Aktionismus, den Trump seit seiner Inauguration an den Tag gelegt hat. Mit seinen vorgeblich größten Gegnern Russland und China scheint er auf der Basis gegenseitigen Respekts und gemeinsam verfolgter Ziele einen Ausgleich zu suchen. Er strebt nicht an, den einen oder den anderen zu unterwerfen. Er erwartet lediglich faires Verhalten nach seinen Bedingungen.
Offensichtlich ist Trump bestrebt, gegen diese Menschheitsverbrecher eine ganz große Allianz zu schmieden. Geht es nach ihm, sollen die USA, Russland und China hier an einem Strang ziehen. Und wenn diese Allianz nicht zustande kommt, dann ist er willens, diese „Probleme“ selbst rücksichtslos aus der Welt zu schaffen.
Träumt Trump einen ewigen Traum?
Könnte es also sein, dass Trump tatsächlich einem ganz großen, persönlichen Traum folgt, an dem bisher jeder scheiterte, der ihn auch nur ansatzweise zu realisieren suchte? Und der dennoch als Kernbestandteil amerikanischer Miss-Wahlen in den USA – vom Rest der Welt mitleidig belächelt – ständig präsent ist? Träumt Trump davon, dass er so etwas wie „Weltfrieden“ schaffen kann, indem er das Übel rücksichtslos vernichtet und die Guten und Halbguten hinter diesem Ziel eint?
An einem führt kein Weg vorbei: Eine Welt ohne Diktatoren wie Assad, ohne archaische Gotteskrieger wie den IS und ohne Menschenschinder wie Kim wäre eine bessere. Gelänge es, diese Übel zu vernichten und diese Vernichtung allen möglichen Nachahmern gleichzeitig zur Abschreckung werden zu lassen, wäre tatsächlich auch ohne weltumspannenden Frieden Großes erreicht. Groß genug, um jenen, der es getan hat, für alle menschlich vorstellbare Ewigkeit unsterblich werden zu lassen.
„Think bigger“, Herkules!
Dafür, dass es so sein könnte, spricht die Eile und die Konsequenz, mit der Trump unverkennbar an die Arbeit geht. Die Lebenszeit eines 70-jährigen ist begrenzt – das weiß auch Trump. Für die Unsterblichkeit bleibt ihm nicht mehr allzuviel Zeit.
Dagegen spricht, dass die Vorstellung, diese menschlichen Grundübel tatsächlich beseitigen zu können und so eine neue, friedliche Menschheitsordnung zu schaffen, für jeden normalen Sterblichen gänzlich absurd erscheinen will. Vielleicht aber braucht man tatsächlich die Hybris, die Rücksichtslosigkeit und das unbegrenzte Selbstvertrauen eines Donald Trump, um sich ein solches, absurd scheinendes Ziel zu setzen und alle verfügbaren Mittel dafür zu nutzen.
Die Konsequenz, mit der er die von ihm ausgemachten Menschheitsprobleme anzugehen scheint, spricht dafür, dass er tatsächlich seinen Weg zur Unsterblichkeit gehen will. Ob es gelingen kann, steht auf einem anderen Blatt. Und dass es dabei möglicherweise auch zu einer Weltkatastrophe kommen kann, die Trump ganz offensichtlich um fast jeden Preis zu vermeiden sucht, hängt letztlich davon ab, ob die für ihn unverzichtbaren anderen Großen sein Ziel erkennen, teilen und mitziehen.
„Think big“ ist ein altes US-Motto. Vielleicht ist „Think bigger“ tatsächlich das heimliche Motto Trumps. Vielleicht liegen dann auch tatsächlich all diejenigen grundfalsch, die Trump zu einem Monster in Menschgestalt gemacht haben und machen wollen. Vielleicht. Denn vielleicht ist Trump tatsächlich doch nur ein wildgewordener Cowboy. Aber warum hätte sich der 70-Jährige Milliardär mit allen Tricks und Kniffen in das wichtigste Amt des Planeten gekämpft, wäre es ihm nur darum gegangen, ein wenig das überdimensionierte Rumpelstilzchen zu geben? Und wie würde es zu der gegenwärtig zu beobachtenden Stringenz seines Vorgehens passen?
Warten wir also ab. Warten wir ab, ob die bislang gezeigte Konsequenz Bestand hat und ob es ihm gelingt, die Parias zu beseitigen, ohne dabei einen Flächenbrand zu entzünden. Waren wir ab, ob Trump tatsächlich vorhat, in die Fußstapfen der Sagengestalt Herkules zu treten und jene zwölf scheinbar unmöglichen Taten zu vollbringen, die ihm den Einzug in den Olymp der Ewigkeit ebnen könnten.



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