Bei Illner: Pattsituation in der Ukraine

In der Ukraine scheint festzustehen, dass es keine schnelle Lösung für den Konflikt gibt. Wahrscheinlich tobt der Krieg sogar noch im nächsten Jahr. Derweilen blamiert sich Deutschland bei den Vereinten Nationen. Von Fabian Kramer

Screenprint: ZDF / Maybrit Illner

Der militärische Konflikt zwischen Russland und der Ukraine scheint seit geraumer Zeit wie festgefahren. Auf dem Schlachtfeld werden wenige Kilometer Geländegewinn von beiden Seiten durch einen hohen Blutzoll grausam erkämpft. Die russische Kriegsführung nimmt immer wieder die ukrainische zivile Infrastruktur und Wohngebiete unter Beschuss. Putin versucht, die ukrainische Gesellschaft durch ständigen Terror mürbe zu machen. Doch noch ist die Mehrheit der Ukrainer nicht bereit, sich zu beugen.

Als Vergeltung für die russischen Militärschläge greift auch die Ukraine vermehrt russische Infrastruktur an. Besonders die russische Energiewirtschaft wird von den Attacken hart getroffen. In manchen Gebieten ist Treibstoff deswegen schon ein knappes verfügbares Gut. Nicht nur auf dem Schlachtfeld gibt es keine neuen Dynamiken zu erkennen.

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 Diplomatische Bemühungen zur Einstellung der Gefechte kamen zwar in der Vergangenheit von der Trump Administration, aber der Präsident und sein direktes Umfeld sind im Moment mit anderen globalen Krisen beschäftigt und scheinen das ganz große Interesse verloren zu haben. Europa ist militärisch und diplomatisch bei weitem nicht in der Lage, dass es den Krieg durch einen Verhandlungsfrieden beenden könnte.

Die Lage in der Ukraine bleibt weiterhin vertrackt und ein wenig hoffnungslos. An diesem Donnerstag widmet sich die Polit-Plauderrunde bei Maybrit Illner mal wieder dem Thema Ukraine. Der dortige Krieg und Donald Trumps Außenpolitik sind fast schon feste Konstanten der Sendung. Die deutsche Innenpolitik scheint in der Redaktion hingegen keinen hohen Stellenwert zu genießen. Obwohl der Kanzler wankt und die Koalition ziemlich am Ende ist, dreht sich bei Illner meistens alles um das Ausland. Kreative Themengestaltung sieht anders aus. Für den geneigten Zuseher ist es ermüdend, die immer gleichen Argumente von den immer gleichen Gästen zu vernehmen, obwohl sich keine neue Lage auftut.

Schwächeln die Russen?

Ukrainische Angriffe auf russische Infrastruktur häufen sich. Die russische Armee scheint gegen die vielen ukrainischen Drohnenangriffe nicht gewappnet zu sein. „Putin merkt, dass die Fähigkeiten der Ukrainer stärker geworden sind“, erklärt CDU-Mann Armin Laschet. Er schlussfolgert: „Der Krieg soll für Russland uninteressanter gemacht werden.“ In der Tat haben die ukrainischen Schläge eine nicht zu unterschätzende Wirkung. Zum einen zerstören sie wichtige Infrastruktur und zum anderen wirken sie psychologisch auf die russische Bevölkerung. Der Krieg ist plötzlich alltäglich für viele Russen. Viele Russen stellen sich die Frage, ob ihre Armee überhaupt auf der Siegerstraße ist, wie die staatliche Propaganda des Kremls behauptet.

„Russland ist militärisch schwächer geworden“, mutmaßt Armin Laschet. Vielleicht führt die ukrainische Stärke im Kreml zu einem Umdenken. „Aufhören erscheint für Putin attraktiver als den Krieg fortzusetzen“, hofft der Aachener CDU-Bundestagsabgeordnete. Doch diese Hoffnung ist sehr optimistisch. „Putin genießt noch großen Rückhalt in der Bevölkerung“, weiß der Politologe Wolfgang Merkel. „Beide Kriegsteilnehmer müssen Vorteile an einem Friedensschluss sehen“, meint Merkel. Im Moment sehen beide Seiten den Zeitpunkt noch nicht gekommen, um ernsthaft in diplomatische Verhandlungen zu gehen.

Allerdings befindet sich die russische Wirtschaft in einer prekären Lage. „Es gibt kein reales Wachstum“, berichtet der Ökonom Rüdiger Bachmann. Obwohl die russische Führung das Land zu einer Kriegswirtschaft umstrukturiert hat und der russische Staat Milliarden in den Wirtschaftskreislauf pumpt, flaut die Konjunktur ab. „Der Staatshaushalt liegt in Trümmern“, analysiert Bachmann. Dieses Problem kennt nicht nur Russland. Auch in Deutschland liegt der Haushalt in Trümmern, wenn auch aus anderen Gründen. Aber die Haushaltssituation in Deutschland hat Auswirkungen auf die Unterstützung für die Ukraine. Das Geld ist knapp und der Winter kommt bald.

„Die Ukraine ist in der Energie-Infrastruktur sehr verwundbar“, meint Claudia Major vom German Marshall Fund. Die Russen würden mit Blick auf den kommenden Winter auf Zeit spielen, so die Militärexpertin. Es scheint festzustehen, dass es keine schnelle Lösung für den Konflikt gibt. Wahrscheinlich tobt der Krieg sogar noch im nächsten Jahr.

UN-Klatsche mit Ansage

An deutschem Wesen soll die Welt genesen. Nichts da! Die UN-Vollversammlung hatte wenig Lust auf moralische Besserwisserei und deutsche Gutmenschen-Attitüde. Die Bundesrepublik fiel in der Abstimmung über einen Sitz als vorübergehendes Mitglied im UN-Sicherheitsrat krachend durch. Das diplomatische Gewicht, welches der „Außenkanzler“ und sein Außenminister in die Waagschale warfen, war keines. Obwohl Deutschland einer der Hauptgeldgeber der UN ist, genießt die Bundesrepublik kein hohes Ansehen.

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Nach dem Debakel muss die deutsche Politik erstmal Wunden lecken. „Es ist nicht relevant“, meint Armin Laschet lapidar dazu. Ein wenig hat der ehemalige Kanzlerkandidat der Union auch Recht. Die UN ist ein zahnloser Papiertiger. Die Macht haben die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats. Weil diese Länder in viele Konflikte involviert sind, geht überhaupt nichts voran, weil sich alles gegenseitig blockiert. Trotzdem ist es für eine große Volkswirtschaft wie Deutschland eine Demütigung auf internationalem Parkett. „Die Gründe dafür sind vielfältig“, weiß Armin Laschet. Ein deutscher Grund für die herbe Niederlage sitzt sogar schon bei der UN. Annalena Baerbock hat sich als feministische Außenministerin mit ihrem volkspädagogischen Diplomatie-Ansatz wenig Freunde in der Welt gemacht. Außerdem sah man es in diplomatischen Kreisen nicht gerne, dass Baerbock einer deutschen Spitzendiplomatin in letzter Sekunde den Job wegnahm.

„In der Außenansicht sieht Deutschland nicht gut aus“, kritisiert Politologe Wolfgang Merkel. Der deutsche Anspruch auf Führung sei lächerlich, findet er. Vielleicht wird im politischen Berlin nach dieser Klatsche nachgedacht, ob die deutsche Rolle in der Welt nicht besser anders ausgestaltet werden sollte. Anscheinend ist das weltweite Image längst nicht so gut, wie es sich die Berliner Blase zurecht fantasiert. Statt die internationalen Partner zu belehren und vor den Kopf zu stoßen, sollte in Zukunft buchstäblich ein diplomatischer Ton angeschlagen werden, wie es früher der Standard war.

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Kommentare ( 25 )

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Peter Gramm
1 Monat her

talk show mit beliebigem Gequatsche. Das Thema wurde wieder einmal zerredet.

Haba Orwell
1 Monat her

> Putin versucht, die ukrainische Gesellschaft durch ständigen Terror mürbe zu machen.

Aha. Aber ein Internat in Starobielsk mit 21 toten zivilen Teenagern (um 100 Verletzte) mit mehreren Drohnen-Wellen zu bombardieren, sei kein Terror?

Kassandra
1 Monat her

„Die Ukraine ist in der Energie-Infrastruktur sehr verwundbar“
Die Russen auch – und so geht das – bis die Weißen in GesamtEuropa ohne Energie sein werden:
The moment a Ukrainian drone strikes the oil terminal in St. Petersburg https://x.com/visegrad24/status/2062148053025333306
Und unserePolitiker zahlen für unseren eigenen Untergang. Mit unseremGeld.
Zumal uns unsere Politike hier auch noch selbst sabotieren und nicht nur funktionierende Kraftwerke zerstören – sondern alle Infrastruktur der Nachwelt, mit der wohl gar nicht mehr geplant wird, unsaniert hinterlassen.
.
Was für einer wird das gewesen sein, der den Clip aufnahm – und für alle ins www stellte?

verblichene Rose
1 Monat her
Antworten an  Kassandra

Man muß allerdings auch sagen, daß man diesen doch sehr langen Flug einer Drohne über russischem Luftraum etwas merkwürdig finden darf, oder? Ich sah übrigens keine anderen Contrails am Himmel, das bedeutet, daß die russische „Luftaufklärung“ dort wohl gerade Mittagspause hatte, oder?

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  verblichene Rose

Tja. Seltsam.
Ziehen etwa beide uns als „Gegner“ vorgestellten am gleichen Strick – und zwar dem der EU-Länder um den Hals?
Mich wundert schon auch, dass da nichts verhindert wird und da wie dort alles, was Energie betrifft, unbrauchbar gemacht werden kann.
.
Wär mal gut, das alles unter neuen Perspektiven zu betrachten – nicht wahr?

Monostatos
1 Monat her

Strack-Zimmermann brauchte nicht anwesend zu sein, wenn man hier solch absurde Sätze zu lesen bekommt wie: „Putin versucht die ukrainische Gesellschaft durch ständigen Terror mürbe zu machen. Doch noch ist die Mehrheit der Ukrainer nicht bereit, sich zu beugen.“ Bitte informieren Sie sich, bevor Sie so etwas zu Papier bringen. Ein Einstieg wäre das Gespräch zwischen Glenn Diesen und Jeffrey Sachs vom 31.05.2026: https://youtu.be/RKgCEAM0mIA?is=q3DHmSmb8ivLTxJr Kurzversion: Die EU und die NATO führen längst Krieg gegen Russland: 1. Über das Baltikum werden eigens dafür in Westeuropa gefertigte Drohnen ins russische Hinterland abgefeuert, und es werden Zivilisten wie zuletzt in einer Schule in… Mehr

Digenis Akritas
1 Monat her

Auf dem Schlachtfeld sind nur relativ wenige Infanteristen unterwegs, da die Luft voller Drohnen ist. Gelände kann nur gewonnen (und gehalten) werden, wenn „die Luft rein ist“. Vorrücken ist schwierig und nur in kleinen Kampfgruppen und steter Deckung möglich (und Selbiges würde am Boden im Iran für die „unbesiegbaren“ USA gelten). Im Ganzen ist die Ukraine schneller besiegt als Russland, auch wenn es schwächelt. Letztlich ist die Ukraine nurmehr eine „Abschussrampe“ des Westens fast ohne Soldaten. Insgesamt können wir froh sein, dass Putin (noch) nicht durch einen Hardliner (z.B. General Gerassimov) ersetzt wurde.

Dr. Rehmstack
1 Monat her

Der interessanteste Beitrag in der Runde der immer Selben, die immer die selben Fragen der immer die selben Fragen Stellenden immer gleich erwidern, wurde hier leider nicht erwähnt: nämlich die dezidierten Aussagen von Herrn von Dohnányi, der sich sehr mainstream ignorierend zu den Ursachen und den Schuldigen dieses fürchterlichen und vermeidbaren Krieges äußerte und dabei die westliche Seite, einschließlich Selenskyj, wahrlich nicht gut aussehen ließ, warum wohl?

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Dr. Rehmstack

Eine Kurzchronik dessen, was in der Ukraine seit 1990 angezettelt wurde: https://ansage.org/verpasste-chancen-und-tragoedien-die-unerzaehlte-geschichte-des-ukraine-konflikts-als-kurzchronik/
Denn der Konflikt besteht beileibe nicht erst seit Februar 2022.
Erwähnt wird dort auch:
„Wie der ehemalige ukrainische Präsident Poroschenko, die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Merkel und der französische Präsident Hollande, die alle an den Verhandlungen teilnahmen, Jahre später zugaben, diente Minsk-II es lediglich dazu, Zeit zu gewinnen und die Ukraine auf einen offenbar geplanten Stellvertreterkrieg gegen Russland vorzubereiten.“
.
Hier noch einmal von anderer Seite kurz erklärt, wie und seit wann sich die NATO ausbreitete und Russland sich dadurch bedroht fühlte: https://x.com/WallStreetMav/status/1895850260024668325

Biskaborn
1 Monat her
Antworten an  Dr. Rehmstack

Die offensichtlich höchst spannenden Aussagen von Herrn Dohnanyi wurden hier nicht erwähnt, WELTOnline berichtet ausführlich darüber und vor allem, das sich im Nachhinein alle Studiogäste davon distanziert hätten!

89-erlebt
1 Monat her

Habe ich eine andere Plapper Show gesehen ? Kein Wort zum Beitrag von Dohnanyi? Etwa weil der es klar auf den Punkt gebracht hat: Die NATO Phantasien von WolleMir‘s Banderas und dessen Büchsenspanner in der EUdSSR haben den alten UdSSR Konflikt eskalieren lassen. Von Dohnanyi hat es wiederholt deutlich gesagt: Entgegen den Absprachen bei 2+4 ist die NATO nach Osten erweitert worden. Mit den Ukro’s unter WolleMir wurde diese Expansion nach Osten zur Provokation des RUS maximiert. Zudem kein Wort (wie immer) zu den Vorgängen im Donbass vor und um 2014, kein Wort zu den geschichtlichen Fakten der Banderas in… Mehr

Monostatos
1 Monat her
Antworten an  89-erlebt

Das Unerwünschte nicht zu berichten, ist gängige Praxis der Lückenpresse.

Apfelmann
1 Monat her

Putin kann diesen Krieg nicht gewinnen. Es wird sein Ende und das Ende Russlands, wie wir es nach der Sowjetunion kannten, sein. Der Diktator und sein Reich werden an der eigenen Aggression zerbrechen.

Jerry
1 Monat her
Antworten an  Apfelmann

Wer gewinnt denn dann?

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Jerry

Wir hier und die EU wie GB jedenfalls nicht.
Vielleicht soll tatsächlich alles Umma werden – bis zum Ural – und dann hätten wir hier Scharia und der Islam gewonnen – so sie sich nicht erneut „übernehmen“ wie der in Reich III.
.
Wenn das aber so wäre und wir dafür auch noch zu zahlen hätten – bedeutete das dann nicht, dass wir hier lange unterworfen wären?
Wie irre kann man eigentlich sein, und nicht erkennen, dass es nach unsererKriegsgeschichte vollkommen unmöglich ist, einen erneuten Feldzug gegen Russland anzustreben und zu finanzieren?

ESC-Gast
1 Monat her

Schon bei dem vom ZDF eingespielten Filmchen am Anfang, als von den „Russland-Bewunderern der AfD“ gefaselt wurde, stieg mein Blutdruck an. Mehr habe ich mir dann nicht mehr angetan.
Selenskijs Vorschlag zu einem Gespräch mit Putin lässt hoffen, kann aber auch sein, dass er befürchtet, die Geldquelle aus dem Westen könnte versiegen, man weiß es nicht.

Elmar
1 Monat her

Bei den russischen Raketenangriffen handelt es sich um Vergeltung für ukrainischen Terror gegen Zivilisten seit 2014 im Donbass und seit 2022 zusätzlich gegen Zivilisten in Russland. Der Herr Kramer bringt da etwas durcheinander. Dem Herrn Kramer sei gesagt, das Lügen auch durch ständige Wiederholung nicht wahr werden. Geländegewinne verzeichnet übrigens nur die russische Armee. Geländegewinne der ukrainishcen Armee sind gleich null.

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Elmar

Selenskyj schickt die letzten Wochen fast täglich Drohnenschwärme Richtung Russland – u.a. bis an den Ural nach Perm. Und manchmal wird berichtet, wenn dort wieder Energieinfrastruktur in Flammen aufgeht.
Gar nicht berichtet wird, wie sehr uns hier im Abendland, das an Energie hängt wie der Alkoholiker an der Flasche, sich dafür zahlend selbst trifft – und uns damit auf Dauer der Garaus gemacht wird.

martinique
1 Monat her
Antworten an  Kassandra

Die Ukraine hat seit einiger Zeit geniale Ingenieure, Waffenentwickler und Erfinder herangezogen? Woher hat Ukraine den Erfindergeist und dazu Produktionskapazitäten? Oder sind es doch eher die Rüstungsentwickler des Westens, die all diese Waffen entwickeln und bereitstellen? For free?

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  martinique

Kostenfrei sicher nicht – aber er hat ja unsere Milliarden, mit denen er zahlen kann.
Und hat nicht u.a. Rheinmetall auch Produktionskapazitäten in der Ukraine?