Nach Syrien Afghanistan: Was will Trump tatsächlich?

Offensichtlich ist Trump bestrebt, gegen die Menschheitsverbrecher IS, Kim Jong-un und Assad eine ganz große Allianz zu schmieden. Geht es nach ihm, sollen die USA, Russland und China hier an einem Strang ziehen.

© Aref Karimi/AFP/Getty Images
The top US commander in Afghanistan John Nicholson speaks at a press conference in Kabul on April 14, 2017. Nicholson insisted it was the "right weapon against the right target". The US military's largest non-nuclear bomb killed at least 36 militants as it destroyed a deep tunnel complex of the Islamic State group, Afghan officials said April 14, ruling out any civilian casualties.

US-Präsident Donald Trump hat in den letzten Tagen im wahrsten Sinne des Wortes eine Menge Geld verballert. Erst ließ er am 7. April 59 BGM-109 Tomahawk-Lenkflugkörper auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt a’Shairat niedergehen. Vier Tage später kam die größte konventionelle Bombe der USA, eine GBU-43 „Massive Ordnance Air Blast“ (MOAB), gegen muslimische Fundamentalisten des Islamischen Staats zum Einsatz.

Die Kosten einer Tomahawk liegen zwischen 500.000 und 600.000 Dollar. Die MOAB kostet rund 15 Millionen. Das macht summa summarum 50 Millionen Dollar, die der US-Präsident in der vergangenen Woche seinen Steuerzahler gekosten hat. Will da jemand, weil er es kann, ein wenig Krieg spielen? Sollen hier potentielle Gegner eingeschüchtert werden? Oder sind es vielleicht nur Testläufe für einen weitaus größeren, bereits fest geplanten Einsatz?

Der Kampf gegen „Schlächter“ Assad

Schauen wir einmal auf das Verhalten Trumps in Wahlkampf und Präsidentschaft. Der New Yorker hatte seine wichtigsten außenpolitischen Gegner weder in Kalter-Kriegs-Manier in den Russen noch in den Chinesen gesehen. Trumps Hauptfeind fährt schwarz gewandet durch die Wüsten und Halbsteppen zwischen Mittelmeer und Hindukusch, bekennt sich zu einem vorgeblichen Gott namens Allah und dessen Kriegsherren Mohammed, ermordet und versklavt gnadenlos jeden, der sich nicht der imperialen Strategie dieses Wüstenkriegers aus der Spätantike unterwirft.

Neben diesen selbsternannten Gotteskriegern, deren Handeln sie – will man in den Begrifflichkeiten des Irrealen bleiben – eher als Teufelsanbeter auszeichnet, scheint Trump eine ausgeprägte Aversion gegen Personen aller Art zu haben, die er als Störenfriede eines globalen Friedens und deren Handeln er gegen Menschlichkeit und Friedfertigkeit gerichtet  wahrnimmt.

Deshalb ließ er als erstes Signal die Tomahawks gegen den Syrischen „Schlächter“ Assad einsetzen, dem er nicht nur unmenschliches Vorgehen gegen seine eigene Opposition und in Städten wie Aleppo vorwirft, sondern den er auch für den wiederholten Giftgaseinsatz im vom Krieg verheerten Syrien verantwortlich macht.

Der Einsatz der GBU-43, unter Bezug auf das Akronym  MOAB auch „Mother Of All Bombs“ genannt, gegen den Islamischen Staat in Afghanistan nahe der Grenze zu Pakistan will auch in dieses Feindmuster passen. 36 Islamkämpfer sollen bei dem Bombeneinsatz ums Leben gekommen sein – ein „Kopfgeld“ von rund 420.000 Dollar.

Diese Zahl ebenso wie die ebenfalls mathematisch fragwürdige Bilanz der Zerstörung von a’Shairat lassen die Frage zu, ob es nicht auch „preiswerter“ ginge. Oder besser formuliert: Geht es Trump bei diesen Waffeneinsätzen tatsächlich nur um 36 IS-Kämpfer und etwas Guerilla-Logistik? Geht es nur darum, dem Syrer einen Flughafen und ein paar Flugmaschinen zu zerstören? Oder steckt nicht deutlich mehr dahinter, wenn die USA wenige Wochen nach der Amtseinführung eines in Deutschland als „Rechtspopulist“ verschrieenen US-Präsidenten eine halbe Milliarde Dollar in die Luft jagen, um eine schnell ersetzbare Airbase und ein paar Barbarenkrieger zu beseitigen?

Signale an die „Bösewichter“ dieser Welt

Schauen wir einmal auf das, was Trump mit beiden Einsätzen tatsächlich gezeigt hat.

In a’Shairat wurde der Welt – und damit jedem tatsächlichen oder potentiellen Gegner – demonstriert, mit welcher Präzision die Marschflugkörper ihr Ziel erreichen und punktgenau das zerstören, was zerstört werden soll. Gleichzeitig hatte Trump damit verdeutlicht: Anders als mein mehr als zögerlicher Vorgänger habe ich keinerlei Skrupel, meine Waffen einzusetzen, wann und wo ich es für richtig halte.

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Damit machte er gleichzeitig deutlich: Die vom Veto-Recht blockierte UN interessiert Trump ebenso wenig wie völkerrechtliche Bedenken, auf welche hinzuweisen nicht nur seine deutschen Kritiker nicht müde werden. War der Tomahawk-Einsatz in a’Shairat militärisch notwendig? Verfolgte er ein strategisches Ziel im US-Kampf gegen den islamischen Staat in Syrien und Irak? Sicherlich nicht. Und – ich schrieb es bereits – er richtete sich auch als Signal nur scheinbar gegen Assad. Der eigentliche Adressat war Russland. Mit dem MOAB-Einsatz sieht es ähnlich aus. Weder war er militärisch unvermeidbar noch verfolgte er ein strategisches Ziel im Kampf gegen den IS. Aber er machte ein weiteres Mal deutlich: Trump ist bereit, seine Vernichtungswaffen nach eigenem Gutdünken einzusetzen, wenn er es für richtig hält. Er wird niemanden fragen – und er wird im Zweifel agieren. Trumps Signal ist deutlich: Ihr Bösewichter dieser Welt! Ihr könnt niemals wissen, was ich wo und wie tue. Nehmt Euch in acht! Will ich Euch treffen, werde ich Euch treffen!

Gleichzeitig – und das freut im Zweifel vor allem die US-Militärs – war der Abwurf östlich von Kabul der erste Kampfeinsatz der Mega-Bombe. Also kann man nun die Folgen dieser 8.000 Kilogramm Sprengstoff mit der Sprengkraft von 11 Tonnen TNT am konkreten Einsatz einschätzen. Gebaut wurde das Vernichtungswerkzeug vor allem für den Einsatz gegen Bodenziele und unter der Erde angelegte Tunnelsysteme. Diese gilt es mit der Bombe, die nicht aufschlägt, sondern kurz oberhalb des Erdbodens explodiert, durch die immense Druckwelle zu zerstören. Alles, was sich in diesen Tunnelsystemen befindet, wird durch den Einsatz vernichtet und verschüttet – ein rund 140 Meter großer Krater an der Einschlagstelle verdeutlicht diese Wirkung in Afghanistan. Das ist das zweite Signal, das Trump nun mit dem Einsatz der GBU-43 an die Welt geschickt hat: Ihr könnt euch und eure unter der Erde angelegte Kriegslogistik noch so gut verstecken – wir wissen, wo Ihr euch in Sicherheit wähnt und haben die Möglichkeiten, euch zu vernichten.

Cowboy oder Strategie?

Trotzdem bleibt die Frage, ob nicht beide Einsätze deutlich überdimensioniert waren? Denn sie werden weder Assad noch den IS dazu bewegen, ihre Waffen zu strecken und ihr Tun einzustellen. Testet hier also nun ein von der Kette gelassener Cowboy aus, was sein Waffenschrank alles hergibt? Oder folgen die Einsätze einer militärischen Logik, einem politisch-strategischen Ziel?

Halten wir uns vorsorglich noch einmal vor Augen, dass Trump in den vergangenen Tagen parallel zu seinen Waffeneinsätzen sowohl Russland als auch China signalisiert hat, dass sie für ihn keine Gegner im Kampf sind, solange sie nicht unmittelbar gegen die USA vorgehen. Offensichtlich akzeptiert Trump die Sicherheitsinteressen Russlands ebenso wie die Chinas. Allem Anschein nach ist er gewillt, auch tiefgreifende Differenzen mit beiden Ländern auf friedliche Weise über Interessenausgleich zu überwinden. Russland war über den Syrien-Einsatz informiert und wusste: Er richtet sich nicht gegen uns. Worüber China möglicherweise informiert ist – darüber lässt sich derzeit nur spekulieren, doch auch hier gibt es bereits Signale.

Schauen wir deshalb einmal auf die militärische Logik, die beiden US-Einsätzen innewohnt. Denn tatsächlich machen sie in ihrer Abfolge dann Sinn, wenn dahinter ein klares, strategisches Ziel steht.

Mit dem Einsatz von a’Shairat haben die USA bewiesen, dass sie mit einem Hammerschlag in der Lage sind, jede beliebige Luftwaffenbasis innerhalb kürzester Zeit außer Funktion zu setzen. Mit dem Einsatz in Afghanistan wurde der Beweis angetreten, dass die USA ein beliebiges, unterirdisches Ziel effektiv zerstören können. Allerdings mit einem kleinen Haken: Die fast 10.000 Kilogramm schwere MOAB bedarf eines entsprechend leistungsfähigen Bombenträgers. Doch dafür könnte – neben der nun in Afghanistan zum Einsatz gekommenen Lockheed MC-130 „Hercules“ – die Rockwell B-1B eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um einen der derzeit leistungsfähigsten Überschallbomber der US-Airforce, der über begrenzte Tarnkappenfähigkeit verfügt.

Sitzt der eigentliche Gegner in Pjöngjang?

Denken wir nun einmal an einen weiteren Todfeind des Donald Trump – jenen Kim Jong-un, der gegen UN-Beschlüsse Atomraketen testet und den USA ständig mit Vernichtungsschlägen droht. Dessen Atomanlagen sind sämtlichst unterirdisch angelegt – mit der MOAB jedoch wären sie, wenn nicht zu knacken, so jedoch über sehr lange Zeiträume funktionsunfähig zu machen. Wollten die USA diese Anlagen zerstören, so wäre die MOAB dafür optimal geeignet. Das wurde gerade in Afghanistan getestet und der Welt demonstriert.

Um jedoch diese Ziele zu erreichen, sollte zuvor die Luftwaffe Nordkoreas auch deshalb zerstört werden, um das Risiko für Gegenschläge gegen den Süden der Halbinsel so gering wie möglich zu halten. Wie das zumindest bei einer Airbase funktioniert, hat Trump in Syrien gezeigt.

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Kommentare

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  • Seneca

    Anscheinend leben wir in verschiedenen Welten. In meiner Welt betreiben die Amerikaner nun auch mit Trump konstant eine Containment-Politik gegenüber Russland und China. Kooperation ist aus US-Sicht nur denkbar, wenn beide „regionalen Mächte“ die Universalherrschaft des globalen US-Hegemons bedingungslos anerkennen. China gegen Russland setzen und aus Nordkorea eine chinesische „Ukraine“ machen, Russland gegen den Iran setzen, etc.etc. sind lediglich Varianten des immer gleichen Spielzugs „divide et impera“. Trumps Manöver bzw. die seines Militärs sind deshalb sehr berechenbar „unberechenbar“. Manche hatten die Hoffnung gehegt, dass mit Trump das Empire friedlich entsorgt wird. Nun scheint es doch anders zu kommen.

  • hasenfurz

    Update:

    Es mag sein, daß der Einsatz der MOAB-Bombe auch ein öffentliches Schauspiel in Richtung Nordkorea sein sollte. Darüber läßt sich genausoviel spekulieren wie über das assadsche Giftgas.

    Ich möchte hier nochmal einen anderen Aspekt hervorheben: der CIA / deep state Komplex, der schon seit Langem ein Eigenleben in den Strukturen von amerikanischer Regierung und Militär führt. Diesem deep state, der auf eigene Rechnung zusammen mit Eliten arbeitet, hat Trump eindeutig den Kampf angesagt, und dieser wirft ihm Knüppel zwischen die Beine, soviel er nur kann, um seinen Sumpf zu erhalten.

    Einer der Aspekte, die dabei zum Tragen kommen, ist die Frage wie sich der deep state finanziert. Eine der Finanzquellen ist unzweifelhaft der Drogenhandel, auch drug trafficking genannt. Betrachtet man nun die zentralen Orte der Drogenherstellung, landet man in zwei, drei Regionen auf dem Globus. Eine davon ist die Region Afghanistan / Pakistan. Die Verbindungen, oder besser, Verquickungen des CIA mit Drogen- und Waffenhandel zum Destabilisieren von Regierungen, zu Aufbau und Finanzierung von Guerillakampf gegen solche Regierungen sind bekannt und ein Teil der verdeckten Strategien.

    „Nowhere, however, was the CIA more closely tied to drug traffic than it was in Pakistan during the Afghan War. As its principal conduit for arms and money to the Afghan guerrillas, the agency chose the Pakistan military’s Inter-Services Intelligence Bureau. The ISI in turn steered the CIA’s support toward Gulbuddin Hekmatyar, an Islamic fundamentalist. Mr. Hekmatyar received almost half of the agency’s financial support during the war, and his fighters were valiant and effective. But many of his commanders were also major heroin traffickers. “ („The CIA Drug ConnectionIs as Old as the Agency“, nytimes com, 03.12.1993)

    Gehen wir einmal davon aus, daß wesentliche Teile des gegen Trump agierenden CIA (und damit des deep state) in diesen Drogennetzwerken unterwegs sind und sie nutzen, um dort Gewinne für den Unterhalt der eigenen Strukturen (illegale Hierarchien) zu generieren, käme ein solider Schlag in eines der Verteilerzentren einem ordentlichen Zudrehen der Geldquellen gleich. Da die alte Regel gilt „Ohne Mampf kein Kampf“, könnte man durchaus soweit gehen zu sagen: wenn eine der wesentlichen Drehschreiben des deep state für Drogen- (und Waffen?) Schmuggel zerstört wird, trocknet auch in Washington der Widerstand des deep state Netzwerkes gegen Trump ein ordentliches Stück aus. Denn Korruption wird nunmal nicht von Idealismus angetrieben.

    Möge ein Jeder für sich selbst entscheiden, was da dran sein könnte…

    -> „MOAB hit caves used by ISIS, drug smugglers and Osama bin Laden“ (cnn, 14.04.2017)

    -> WikiLeaks: ISIS Tunnels Blown Up By MOAB Were Built By CIA http://www.mediaite.com/online/wikileaks-isis-tunnels-blown-up-by-moab-were-built-by-cia/

    -> „A Conspiracy Theory that became a “Conspiracy Fact”: The CIA, Afghanistan’s Poppy Fields and America’s Growing Heroin Epidemic“ (globalresearch ca)

    https://uploads.disquscdn.com/images/568051ce7420f0d60fc2d888371c52509883fef1a5ed58e8d2d7eb1875cafa79.jpg

  • Dr. Schulz

    Sehr geehrter Herr Spahn, ich möchte ihren Artikel nicht in Gänze kommentieren.
    Nur soviel: Der amerikanische Steurzahler bezahlt für den militärisch industriellen Komplex pro Tag!! 2 Miliarden USD oder auf amerikanisch 2 Billionen USD, was sind da schon ein paar Tomahawks.
    Gut finde ich, dass sie den Schlächter Assad in Anführungszeichen gesetzt haben. Was zur Zeit wieder medial in Bezug auf Assad und den Giftgasangriff, der ihm in die Schuhe geschoben wird, abgeht, spottet jeder Beschreibung.
    Was soll Assad für ein Interesse haben, den Befriedungsprozess für sein Land, der jetzt in Gang gekommen wäre, so zu torpedieren ?

    Aber das bekannte Schema:
    1. ein unabhängiges Land wiedersetzt sich dem Imperium ( Bsp. im Fall Lybien
    Gadafis Versuch eine goldgedeckte Währung einzuführen, um den Petrodollar
    zurückzudrängen, im Fall Assad sein Versuch, eine wichtige Gaspipeline mit
    Russland und dem Iran zu realisieren)
    2. Einschleusung von Terrorgruppen und NGOs unter Koordination von der
    CIA mit hoher finanzieller Unterstützung durch das Imperium.
    3. Ausübung von terroristischen Anschlägen gegen Representanten der gewählte Regierung unter Kaufnahme von zivilen Opfern und Provokation der Sicherheitskräfte.
    4. Einschaltung des westlichen Medienkomplexes und den Presseorganen der
    NATO und Beginn der Dämonisierung ( Hiltlerisierung) des zu beseitigenden
    Machthabers.
    5. “ Programmierung“ der westlichen Gesellschaften durch die o.g. Medien
    um von der westlichen Bevölkerung eine moralische Legitimation für ein
    völkerrechtswidriges Vorgehen durch das Imperium und seine Vasallen zu
    legitimieren.
    6. Militärisches Eingreifen im Namen von Demokratie und Menschenrechten
    und Erzeugung von einem failed state mit Millionen Toten und Erzeugung von
    globalen Flüchtlingsströmen.