Wie ein verpeilter und tragisch gestrandeter Buckelwal in der Ostsee uns dank Medien und Politik so schön vom Ernst der Lage in Deutschland und der katastrophalen schwarz-roten Bundesregierung ablenkt.
IMAGO / SNS UG
Wer dieser Tage bei starkem Wind und Sonne auf einer Insel die Ostsee genießen will, kommt um Timmy nicht herum. Nein, kein Sportler oder Kinderstar. Es ist allein ein verpeilter und tragisch vor der Insel Poel gestrandeter Buckelwal. Der Gute ist vom Atlantik über die Nordsee in die Ostsee falsch abgebogen. Seit über drei Wochen ist er an verschiedenen Stellen gestrandet.
Ob Radio, Online, Fernsehen oder gar Influencer, alle treibt es um, das Schicksal des vom Kurs abgekommenen Buckelwals muss in die Schlagzeilen. Es lenkt so schön ab vom Untergang eines einst so gewichtigen Industrielandes wie Deutschland.
Erst verirrte sich Timmy, der Buckelwal, in die Ostsee, strandete in der Kieler Bucht bei Timmendorf – daher sein Pseudonym. Allerdings wollten dort Tieraktivisten den tragisch auf Grund Gelaufenen einfach nicht in Ehre sterben lassen, obwohl die Küstenwache aufgrund ihrer Erfahrungen mit verpeilten Walen einem Überleben so gut wie keine Chance einräumt. Nein, und nochmals nein, endlich entdecken auch die Medien den Ärmsten. Denn: Timmy darf nicht sterben!
Der arme Wal hat noch eine Aufgabe. Er lenkt mit seinem tragischen Schicksal, für das sich aus Tierliebe so viele interessieren, so wunderbar vom Elend der deutschen und europäischen Politik, ach was, sogar von der Weltpolitik an der Straße von Hormus ab.
Wahnsinns-Spritpreise rücken in den Hintergrund, Rekordhoch bei Insolvenzen – 4.573 Fälle schon im ersten Quartal – zehntausende Jobs, die in der deutschen Kernindustrie weiter auf nimmer Wiedersehen verlorengehen, all das verblasst doch angesichts des Wal-Dramas in der Ostsee. Denn: Timmy darf nicht sterben!
Ein besseres psychologisches Aufbauprogramm für die geschundene deutsche Seele hätte sich ein im Volke noch nie so unbeliebter Bundeskanzler wie Friedrich Merz von der CDU gar nicht herbeiwünschen können.
Weit mehr als zwei Drittel der Deutschen wollen ihn laut INSA-Umfrage nach der nächsten Bundestagswahl 2029 als Kanzler nicht mehr ertragen. Auch deswegen sagt sich das Kanzleramt: Timmy darf nicht sterben!
Selbst in der Provinz erscheint der tragisch Sterbende an der Ostseeküste den Regierenden von SPD und Ex-SED, die um ihre Abwahl fürchten, wie ein Messias. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister und Sozialdemokrat Till Backhaus ist, wie die Bild und der Heimatfunk vom NDR, ganz nah am gestrandeten Buckelwal dran. Denn: Timmy darf nicht sterben!
Backhaus, im Volksmund wegen seiner hohen Stimme Piepsi genannt, sorgt sich wie verrückt um Timmy, erlaubt persönlich eine Fütterung des Hungernden mit 2,5 Kilogramm Makrelen und steht eng mit privaten Rettern in Verbindung.
Der NDR sendet Backhaus eifrig im täglichen Timmy-Programm. Die Hörer und Zuschauer sollen ihre Regierenden in voller Aktion erleben. Was bisher geschah, wirkt als Dauerberieselung.
Journalisten berichten im Stundentakt über Bigpacks, Luftpolster und Schlepper, die den Heldenwal bewegen sollen, und selbstverständlich über jede kleinste Zuckung des Opfers. Ein ehrenvoller natürlicher Tod kommt keinem oder darf keinem in den Sinn kommen. Denn: Timmy darf nicht sterben! Der Wal und sein Schicksal werden gebraucht. Er dient dem Vergessen.
Es fehlt nur noch, das Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident und Brandmauerbauer, persönlich an die Ostsee zur Insel Poel reist – mit Timmy auf Du und Du sozusagen. Steinmeier hat ja ohnehin kaum mehr etwas Wichtiges zu sagen.
Obendrein bleibt wohl noch die woke Frage zu klären, ob Timmy auch Timmy heißen will, denn er könnte ja auch divers sein oder vielleicht sein Geschlecht wechseln wollen. Vielleicht ist er/sie Tini?
Sterbende Betriebe, Arbeitslosigkeit und schwindende Hoffnung auf einen Aufschwung dürfen jedenfalls in dieser nationalen Notlage an der Küste keine Rolle spielen. Denn: Timmy darf nicht sterben!
Deswegen räumen sie den Respekt vor einem ehrenhaften und natürlichen Tod einfach beiseite. Die Schlagzeilen der Medienaktivisten und die Voyeure der modernen Zivilgesellschaft lechzen förmlich nach ablenkenden Neuigkeiten.
Wie geht der Atem des Gestrandeten, was macht seine Haut, hat er sich bewegt? – diese Meldungen strahlen stündlich in den Äther. Natürlich ist die Bild-Zeitung ganz vorn dabei mit einem Liveticker. Aber auch das ARD-Morgenmagazin, das ZDF mit einem Liveblog oder sogar die im Süden – die österreichische ZIB 2 mitten in den Alpen – sorgen sich um den gestrandeten Buckelwal.
Bloß nicht an den Ernst des Lebens und die Zukunft Deutschlands denken. Wir können es ja sowieso nicht ändern.
Aber Timmy darf nicht sterben!



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Ja, es nervt inzwischen gewaltig. Da stellt man sich in Abwandlung eines deutschen Antikriegsfilms von 1959 unwillkürlich die Frage: „Wal, willst du ewig leben?“ Wenn es nach der Politik geht, dürfte die Antwort eindeutig sein.
Nur den bedauernswerten Wal fragt niemand, ob er – womöglich zu Tode – gerettet werden will. Die ganze Aktion grenzt doch inzwischen an Tierquälerei.
Was ist, wenn „Timmy“ nun doch stirbt, zwar ehrenvoll aber in seichten Gewässern? Stirbt dann auch noch einiges dazu, nämlich, ich weiß nicht was und der Rest aller Hoffnung auf.. ja was wohl?
Vorschlag, man wickle Timmy in ein richtig großes Netz und zieht ihn in die Nordseee oder man baut eine richtig große Taucherglocke, buxiert den Timmy da hinein und ab geht die Post.
Kritik zieht runter und löst nichts. Sie ist sui generis destruktiv, egal ob mit guten Absichten oder nicht.
So wie die Politik vom Wal ablenkt und die ganze andere Zeit von allem Schönen, ergibt sich eine andere Sicht der Dinge. Die Politik sollte gut und unauffällg sein, vor allem nicht alles durchdringen. Sie ist Mittel zum Zweck, nicht der Zweck.
Ich finde, dass der Fokus auf den verendenden Wal die wahre Lage in Deutschland überaus konkretisiert. Alleine solche Schlagzeilen: Streit auf Poel – Wal-Retter werfen sich gegenseitig Selbstdarstellung und schwere Fehler vor https://www.welt.de/videos/video69c4234caf187d606b8130b3/jetzt-im-livestream-bundestag-streitet-ueber-spritsteuer-senkung.html . Das ist wie bei der „Migration“ im Zeitraffer. . Kollateralschäden inclusive: „Nicht außer Lebensgefahr“ Tierärztin nach Not-OP im Koma – Buckelwal in künstlicher Kuhle gefangenDerweil muss die private Initiative zur Rettung des Wals mehrere Rückschläge verkraften. Unter anderem liegt die leitende Tierärztin, Janine Bahr-van Gemmert, aktuell im Koma, nachdem sie am Montag ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Die Mitinitiatorin der Rettungsinitiative, Karin Walter-Mommert, sagte dem NDR, der Rettungsdienst… Mehr
„Ich finde, dass der Fokus auf den verendenden Wal die wahre Lage in Deutschland überaus konkretisiert.“
So nehme ich es auch wahr. Zu empfehlen ist noch die Doku von Robert Marc Lehmann, dessen Art ich nicht besonders mag, aber in der Doku sieht man in aller Deutlichkeit die Inkompetenz der Bürokratie und Politik und was wir für „Experten“ haben. Das heutige Deutschland in a nutshell.
https://www.youtube.com/watch?v=apSjwShd6so
Er darf aber auch nicht gerettet werden.
Das Drama soll so lange wie möglich ablenken – im Idealfall bis zur Fußball-WM.
Man muss nur die Startseiten von Bild oder Spiegel überfliegen.
Konsumenten dieser Gewohnheitsmedien haben keinen Schimmer, worüber sich AfD-Wähler überhaupt derart aufregen.
Alles halb so schlimm – denken die.
Propaganda funktioniert.
Ich tippe ja auf eine Gedenktafel, oder zumindest eine Schweigeminute, wenn „Timmy“ in die ewigen …was auch immer … abgerudert ist! Natürlich erwarte ich keinen geringeren als Frank-Walter, zur feierlichen Enthüllung der Gedenktafel und wen man sich sonst noch dort vorstellen kann. AfD wird natürlich ausgeladen, logisch!
Da erlaube ich mir eine andere, eine eigene Meinung. Ein Wal, eine Kreatur wie wir auch, kämpft um sein Leben. Ich lasse mir dafür meine Empathie nicht nehmen, kann leider nur mit “ Daumendrücken“ helfen. Ich wünsche mir in diesen Zeiten , dass die Hilfe nützlich ist/war. Selbst , wenn der Wal sterben müsste, dann in seinen Heimatgewässern, zu irgendeinem Zeitpunkt absinkend auf Meeresgrund, prosaisch zu Hause, und nicht in einer Halle in Stralsund ausgestellt. Die Regierung, die uns vertritt, hat dadurch keine Atempause. Leider kann der Bürger zurzeit keine anderen Möglichkeiten zur Änderung. Dies können lediglich Herr Merz himself… Mehr
Bald ist Fußball WM, hoffentlich hält er, als Ablenkungsmanöver, noch so lange durch.
Der Herr Backhaus übernachtet inzwischen am oder beim Wal. Rührend. Unklar ist, ob es Timmy gefällt. Vielleicht will er allein sein oder eine Dame , wenn möglich keine (Wahl)Feministin, an seiner Seite. Tatsächlich beschreibt die causa Timmy nicht nur die neurologische Verpeiltheit des Wals, sondern sehr vieler Michel und Michelinen. Inzwischen streitet man sich wohl auch untereinander heftig und vertreibt erfolgreich die überflüssigen Meeresbiologen und Tiermediziner. Der Wal gehört den Politikern und Ideologen, wie alles in Schland. In der “ Bild“ gibt es inzwischen minütliche Meldungen und natürlich werden dem Mal interessante “ Gedanken“ und “ Gefühle“ angedichtet. Leider hat… Mehr
Was der Wal will ist vollkommen wurtsch. Hier wird gerettet.
Wie bei den eingereisten jungen Herren aus Islamland auch.
Viktor Orbán war schon 2015 der, der den gesamten Zinnober durchschaute.
Timmy der Wal hat die geballte Sympathie der Presse. Jupp der Wal wurde damals von Bild & Co fertiggemacht, als er strandete.
Witzig, an den hatte ich auch schon gedacht, wenngleich mich Fußball nicht sonderlich interessiert 😉