Die Radikalisierung Jugendlicher: Von Bombendrohungen bis zum IS-Anschlag

Das Amtsgericht Halle rollt einen Fall auf, in dem es um 105 Bombendrohungen eines 16-Jährigen in Deutschland, Österreich und der Schweiz geht. Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf beginnt der Prozess gegen einen 18-Jährigen. Der Vorwurf lautet: dreifach versuchter Mord und Anschlag im Namen des IS.

picture alliance/dpa | Stefan Sauer
Symbolbild

Ein ungewöhnlicher Kriminalfall beschäftigt zurzeit das Amtsgericht Halle in Sachsen-Anhalt. Die Staatsanwaltschaft Halle hat einen 16-jährigen Jugendlichen wegen „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhen von Straftaten“ angeklagt, wie die Behörde der „Mitteldeutschen Zeitung“ bestätigte. „Angeklagt worden sind insgesamt 105 entsprechende Taten, die der Angeschuldigte zwischen Juli und September 2025 begangen haben soll“, sagte Staatsanwalt Benedikt Bernzen dem Blatt. Der Jugendliche soll seine Droh-E-Mails „an zahlreiche Schulen und Krankenhäuser“ adressiert haben.

Der Prozess findet am Jugendschöffengericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Laut Gericht ist der Angeklagte in Deutschland geboren. Er habe sich bereits zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft geäußert, sagte ein Gerichtssprecher der Zeitung. Details nannte er nicht. „Im Fall der Verurteilung drohen die bei Jugendlichen üblichen Sanktionen, also Erziehungsmaßregeln, Zuchtmittel oder Jugendstrafe“, so Kolbig. Mit einem Urteil sei nicht vor Ende Juni zu rechnen.

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Ein weiterer Fall steht für eine Entwicklung, die Sicherheitsbehörden seit Jahren alarmiert: Radikalisierung junger Menschen: Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf beginnt am Montag der Prozess gegen Erjon S., einen 18 Jahre alten Schüler aus dem Kosovo. Der Generalbundesanwalt wirft ihm dreifachen versuchten Mord und einen Anschlag im Namen der Terrororganisation Islamischer Staat vor.

Erjon S. kam mit seinen Eltern als Asylbewerber aus dem Kosovo nach Deutschland. Er soll seit Anfang 2025 einer islamistisch-jihadistischen Ideologie gefolgt sein. Innerhalb weniger Monate habe er sich radikalisiert und im September 2025 den Entschluss gefasst, Menschen zu töten.

Am 5. September soll er zunächst an einer Grundschule in Essen einen Hausmeister angegriffen haben. Danach lief er zu seinem Berufskolleg und stach laut Anklage mehrfach auf seine Lehrerin ein. Anschließend suchte er in der Innenstadt weitere Opfer. An der Alten Synagoge soll er Passanten gefragt haben, ob sie Juden seien. Später attackierte er einen Obdachlosen an einer Bushaltestelle.

Alle Opfer überlebten, teils schwer verletzt. Die Polizei stellte den Verdächtigen nahe dem Hauptbahnhof. Als er mit einem Messer auf Beamte zugelaufen sein soll, schoss ein SEK-Beamter.
Der Angeklagte überlebte schwer verletzt. Seine Eltern erklärten, von der Radikalisierung ihres Sohnes nichts bemerkt zu haben.

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