Neue Studie: Der Infraschall moderner Windkraftanlagen

Eine schwedische Studie legt konkrete Messungen zu Infraschall vor, der durch Windparks erzeugt wird. Ein Nachweis gesundheitlicher Risiken ist damit noch nicht erfolgt. Allerdings zeigen die Messwerte, dass pauschale Abstandsvorschriften und Standardmodelle der Realität nicht gerecht werden.

picture alliance / NurPhoto | Manuel Romano

Moderne Windkraftanlagen erzeugen erheblichen Infraschall, dessen Pegel und Intensität deutlich höher ist als bisher von älteren Anlagen berichtet wird. Das zeigt eine neue wissenschaftliche Arbeit aus Schweden, die auf umfangreichen Messungen beruht. Damit werden auch Behauptungen des Umweltbundesamtes entkräftet, denen zufolge Infraschall von Windanlagen unterhalb sogenannter „Wahrnehmungsschwellen“ liege, also nicht hörbar sei und damit keine Rolle spielen könne. Außerdem betont die Arbeit, dass dieser Infraschall kein gleichmäßiges Grundrauschen darstellt, sondern gepulst ist. Das relativiert auch jene Aussage, dass in der Natur überall Infraschall vorkomme – dieser nämlich hat einen vollkommen anderen Charakter. Zudem wird der durch Windkraftanlagen erzeugte Infraschall kaum gedämpft.

Die Arbeit behandelt unter anderem die besondere Charakteristik des Infraschalls, der von Windrädern ausgeht. Jeder Durchgang eines Rotorblatts am Turm erzeugt einen Druckimpuls. Das Blatt passiert den Turm, dabei verdichtet sich kurzzeitig die Luft und erzeugt jene typischen knallenden Geräuschen in verschiedenen Frequenzbereichen. Infraschall von Windrädern ist also kein gleichmäßiges Rauschen. Diese „Blattpassierfrequenz“ sinkt mit zunehmender Rotorgröße. Bei modernen großen Anlagen liegt sie typischerweise zwischen 0,2 und 0,5 Hertz; ältere kleinere Anlagen lagen eher bei 0,7 bis 0,9 Hertz. Im Spektrum erscheinen Grundfrequenz und harmonische Frequenz als schmale Spitzen. Natürlicher Infraschall ist demgegenüber meist breitbandiger und weist keine vergleichbar regelmäßigen maschinenbedingten Spitzen auf.

Da die Ausbreitung des Schalls stark von Gelände, Boden, Wind, Temperaturprofil und atmosphärischer Schichtung abhängt, reichen Standardmodelle nach Auffassung der Autoren nicht aus, um den tieffrequenten Schall moderner Windparks realistisch zu bewerten.

Das ist bedeutsam, weil die Forscher nicht mehr nur mit mehr oder weniger fragwürdigen Computermodellen gerechnet, sondern tatsächlich gemessen haben. Sie haben der Studie Infraschallmessungen aus zwei schwedischen Windparks zugrundegelegt: Målarberget mit 27 Vestas V150-4,2-MW-Anlagen und Lervik mit sieben SG170-6,6-MW-Anlagen. Beide Anlagentypen erreichen etwa 200 Meter Gesamthöhe. Gemessen wurde mit kalibrierten Tieffrequenzmikrofonen in Entfernungen von etwa 500 Metern bis 2 Kilometern zur nächsten Turbine. Genau dieser Bereich ist wichtig: nicht direkt am Turm, aber noch nah genug, dass das Signal dem Windpark zugeordnet werden kann.

Das zweite wichtige Merkmal der Messreihen: Die Forscher haben einen Abschaltversuch gemacht, die Windräder also stillgelegt, um Unterschiede messen zu können. Während der Windpark lief, war das Infraschallsignal deutlich höher. Als am 23. Oktober 2024 die Anlagen in Målarberget herunterfuhren und nach rund 150 Sekunden stillstanden, fiel die Amplitude deutlich ab und stabilisierte sich auf einem niedrigeren Hintergrundniveau. Damit erweist sich die alte Behauptung, ab einigen hundert Metern messe man praktisch nur noch natürlichen Windhintergrund, als falsch.

Der Bericht in Applied Acoustics, Band 243, Ausgabe 2026, trägt den Titel „Efficient finite difference modeling of infrasound propagation in realistic 3D domains: Validation with wind turbine measurements“. Die Autoren sind Ken Mattsson, Gustav Eriksson, Leif Persson, José Chilo und Kourosh Tatar von der Universität Uppsala und der Universität Gävle.

Ausgangspunkt ist die Vermutung, dass tieffrequenter Schall unterhalb von 200 Hertz akustisch und gesundheitlich besonders relevant sein kann, weil er Gebäude leichter durchdringt als höherfrequenter Schall. Frequenzen unter etwa 100 Hertz werden vom Menschen oft weniger als Ton, sondern eher als Druck, Vibration oder räumliche Belastung wahrgenommen. Zu den Quellen zählen Straßen-, Luft- und Schienenverkehr, Industrieanlagen, Lüftungen, Heizungen und eben moderne Windkraftanlagen. Die Autoren betonen, dass man verlässliche Rechenmodelle benötigt, wenn man Schallausbreitung, Lärmkarten und mögliche Umweltwirkungen beurteilen will.

Kern der Arbeit ist das Modell SoundSim360. Dies stößt nicht mehr bei tiefen Frequenzen an Grenzen. Denn lange Schallwellen „biegen“ sich gewissermaßen um Hindernisse herum, werden an Kanten gebeugt und breiten sich in komplexem Gelände anders aus als kurzwelliger Hörschall. Dies konnten die bisherigen Modelle nicht richtig abbilden.

Die Autoren zeigen an einem Beispiel mit einer 25-Hz-Quelle in Uppsala, dass frühere Modelle die Schalldruckpegel hinter Gebäuden unterschätzen, weil sie Beugung und Welleneffekte bei niedrigen Frequenzen nicht ausreichend abbilden.

Bei dem neuen Modell handelt sich um ein numerisch stabiles Rechenverfahren, das die Wellenausbreitung in unregelmäßigem Gelände und wechselnder Atmosphäre physikalisch genauer erfassen soll.

Das Ziel der Arbeit ist zweigeteilt: Erstens soll SoundSim360 durch Infraschallmessungen an Windparks validiert werden. Zweitens wollen die Autoren aus den Messungen die Infraschall-Schallleistungspegel moderner Windkraftanlagen bestimmen und die Rolle der Atmosphäre untersuchen.

In Genehmigungsverfahren werde häufig mit vereinfachten Annahmen gearbeitet, etwa Rückenwind in alle Richtungen. Die Autoren zeigen dagegen, daß reale Atmosphäre, Tageszeit, Nachtprofil, Windgeschwindigkeit und Schichtung einen großen Unterschied machen können. Die Ergebnisse sind deutlich: An fünf Schutzpunkten in Entfernungen von 1.085 bis 13.460 Metern zur nächsten Turbine schwanken die simulierten 1-Hz-Pegel erheblich. Beim entferntesten Punkt E etwa liegt der simulierte Pegel bei Tagesprofil und 1 m/s Wind bei 76,7 dB, bei Nachtprofil und 8 m/s Wind aber bei 91,2 dB. Das ist eine Differenz von 14,5 dB. Bei Punkt A, nur 1.085 Meter entfernt, beträgt die Differenz zwischen denselben Extremen 3,8 dB. Die Atmosphäre wirkt im Fernfeld besonders stark. In bestimmten Nacht- und Windprofilen entstehen wellenleiterartige Effekte, die den Abfall des Pegels mit der Entfernung deutlich vermindern können.

Die gesundheitlichen Aussagen der Studie sind vorsichtig, aber bemerkenswert. Die Autoren berichten, daß zwei von ihnen nach ersten Messungen Schlafstörungen und Migränekopfschmerzen erlebten, nachdem sie mindestens vier Stunden Infraschallpegeln von etwas über 95 dB im Bereich um 1 Hertz ausgesetzt waren. Sie verweisen auf ältere und neuere Literatur, in der unter anderem Blutdruckänderungen und Wirkungen auf Gehirnaktivität diskutiert werden. Laborstudien, die keine messbaren Gesundheitseffekte von Windkraft-Infraschall fanden, nutzten nur kurze oder nicht realitätsnahe Expositionen und bildeten zudem den pulsierenden Charakter moderner Anlagen nicht ausreichend nach.

Die Forscher behaupten nicht, die Gesundheitsfolgen abschließend bewiesen zu haben. Im Gegenteil schreiben sie, dass die gesundheitlichen Auswirkungen von Windkraft-Infraschall weiterhin ungeklärt seien. Aus ihrer Sicht fehlen kontrollierte Experimente, die den realen pulsierenden Infraschall moderner Turbinen nachbilden, über mehrere Wochen laufen, ausreichend viele Teilnehmer umfassen, auch empfindliche Gruppen wie Migräneanfällige einschließen und medizinische Expertise aus Otoneurologie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde einbeziehen.

Der nächste notwendige Schritt, so die Autoren, wären kombinierte Messungen: außen und innen am Wohnhaus, unbewertet und schmalbandig von 0,1 bis 20 Hz, mit Betriebsdaten der Anlagen, Wetterprofilen, Körperschallmessung, Schlafdaten und längerer Beobachtungsdauer. Erst dann ließe sich sagen, welche Pegel unter welchen Bedingungen tatsächlich im Schlafzimmer ankommen und ob sie nur messbar, störend oder gesundheitlich relevant sind.

Die Debatte über gesundheitlichen Folgen von Windkraft und Infraschall kann jetzt nicht mehr mit dem einfachen Satz untergebügelt werden, dass, was der Mensch nicht hört, ihn auch nicht stören könne.

Eine der aufschlussreichsten frühen Berichte über schädliche Auswirkungen von Windrädern stammt übrigens aus Dänemark. Es handelt sich um den Fall des Nerzfarmers Kaj Bank Olesen bei Vildbjerg in Westjütland. In der Nähe seiner Farm errichtete Wind Estate 2013 vier große Windräder mit 140 Meter Gesamthöhe; schon in der Planungsphase wurde vermerkt, dass die Anlagen etwa 400 Meter südlich der Farm vorgesehen waren und dass es keine belastbare Forschung dazu gab, wie große Windräder auf Nerze wirken.

Nerze sind besonders empfindlich gegenüber plötzlicher und unbekannter Geräuschbelastung, vor allem in Trächtigkeits- und Säugezeit. Nach Inbetriebnahme der Anlagen berichtete der Farmer von massiv gestörtem Verhalten, von Stress, Aggressionen, Bissverletzungen, Paarungsproblemen und deutlich schlechteren Jungtierergebnissen.

Auch der dänische Pelztierzüchterverband bestätigte gegenüber Behörden, man kenne diesen Fall, stellte aber nüchtern fest, es gebe keine Untersuchungen, die einen Zusammenhang bestätigen oder ausschließen könnten.

Ein Lehrstück über eine Technik, die genehmigt wurde, obwohl für empfindliche Tierhaltungen in unmittelbarer Nähe keine ausreichende biologische Risikoprüfung vorlag. Olesen gab die Nerzproduktion 2018 auf und verklagte Wind Estate auf Schadenersatz; die Gerichte erkannten zwar an, dass nach der Inbetriebnahme eine erhebliche Produktionsverschlechterung und Verhaltensauffälligkeiten auftraten.

Sie wiesen die Klage dennoch ab, weil der ursächliche Zusammenhang zwischen Windradlärm und Nerzschäden rechtlich nicht bewiesen werden konnte. Doch wo lebende, empfindliche Tiere auf periodische tieffrequente und für sie nicht abschätzbare Geräuschmuster treffen, genügt die Formel „Grenzwerte eingehalten“ nicht mehr.


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Kommentare ( 35 )

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Alf
12 Tage her

Infraschall von Windanlagen liege unterhalb sogenannter „Wahrnehmungsschwellen“, sei also nicht hörbar und spiele damit keine Rolle.
Infraschall nicht hörbar?
Unfug.
Wer schon mal unter dem Propeller gestanden ist, wird sich über die Ruhe wundern.
Man „hört“ die Stille, man sieht aber auch keine Vögel.
Erhebliche Produktionsverschlechterung, Verhaltensauffälligkeiten u.a.
Der ursächliche Zusammenhang muß nicht bewiesen werden, er ist schlichtweg unstreitig.

Last edited 12 Tage her by Alf
yeager
12 Tage her

Bei ein paar angeblichen „Hitzetoten“ gibt’s einen Riesenmedienaufschrei von den Systemmedien, bei Kernkraftwerken wurden irgendwelche Strahlenbelastungen herbeiphantasiert, aber bei messbaren Schallbelastungen schweigt sich die linksgrüne Haltungsjournaille natürlich aus.
Man könnte das auch Desinformation nennen.

12 Tage her

Endlich mal eine Arbeit die sich den grundlegenden Aspekten des Windrad-verursachten Inraschalls widmet und dessen Eigenschaften (Pulsartiger Charakter, Beugung oder Diffraktion, größere Reichweite als höhere Frquenzen usw) und Auswirkungen beschreibt. Und die Tatsache dass weder übliche Meßverfahren, die immer davon ausgehen dass es sich bei Schall um eine kontinuierliche Schwingung handelt, noch die gesetzlich festgelegten Grenzwerte hier anwendbar sind. Hier müssen angepasste Verfahren entwickelt werden. Was in dem Artikel anscheinend nicht erwähnt wird ist dass Infraschall auch Resonanz, also das Aufschaukeln stehender Schallwellen in geschlossenen oder halboffenen Räumen verursachen kann. Dann kann die Signalhöhe oder Amplitude lokal stark erhöht werden,… Mehr

K. Sander
12 Tage her

Der Effekt des Infraschalls wurde schon in den 1970er erkannt und Anfang der 80er Jahre nachgewiesen. In Frankreich waren bei einer Firma plötzlich alle Mitarbeiter krank. Die Chefs dachten erst, dass die über Umwege nur streiken wollten. Dann kam über die Ärzte heraus, dass die Ursache aus der Werkhalle kam. Die waren dort und vermuteten, dass es vielleicht Schallquellen sind. Eine Firma wurde zur Messung des Schalls beauftragt. Die haben den Infraschall erkannt. Die Drehgeschwindigkeit der neuen Belüftungsanlage wurde geändert und danach war alles wieder besser. In den 1980er Jahren wurde der Effekt von vielen anderen weiter untersucht. Infraschall wird… Mehr

WGreuer
13 Tage her

Der Infraschall von den Windrädern ist nur ein Problem von vielen, welches sich auf Pflanzen, Tiere(!) und Menschen schädlich auswirken kann. Viel schlimmer sind die Emissionen dieser Schwachsinnsanlagen, wie z.B. der Abrieb aus GFK- und CFK-Mikrofasern (bis zu 90kg/Windrad und Jahr), die lungengängig sind, Krebs auslösen können und vor allem die Umwelt und das Grundwasser verseuchen. Desweiteren sind die Emissionen von PFAS (den sog. Ewigkeitschemikalien) ein großes Problem, die kaum abgebaut werden und extrem giftig sein können. Von Bränden, dem Verbuddeln der Rotorblätter nach Haltbarkeitsende (ca. 15-20 Jahre) mangels Recycelbarkeit, die beim Bau verdichteten Felder und Wälder sowie die auf… Mehr

Britsch
13 Tage her

Realistisch sein. Klimagläubige werden sagen, „daran sieht man, was rir schon erreicht haben, „wir“ müssen weiter machen wie bisher. Die begreifen nicht wie sie dadurch schaden.

Fralarovi
13 Tage her

Seit Jahren gibt es zahlreiche Studien weltweit, die der Klima-Religion jede Grundlage nehmen.
(110) Weltklimarat beerdigt Horror-Szenario – RCP 8.5 ist Geschichte! | NIUS Live – YouTube

Mausi
13 Tage her

„die Gerichte erkannten zwar an, dass nach der Inbetriebnahme eine erhebliche Produktionsverschlechterung und Verhaltensauffälligkeiten auftraten.
Sie wiesen die Klage dennoch ab, weil der ursächliche Zusammenhang zwischen Windradlärm und Nerzschäden rechtlich nicht bewiesen werden konnte.“
Dagegen wäre ja nichts einzuwenden sein, wenn dieser Grundsatz wirklich allgemeingültig wäre. Aber wie sieht es im Bereich Medikament aus?
Die mRNA Impfstoffe sind das treffendste Beispiel. Die Pharmaunternehmen hätten Probleme, bei Gericht Schadenersatzklagen abzuwehren. Sie sind der Buhmann, wenn es um Kausalzusammenhänge geht, vgl. Glyphosat. Beim Staat sieht die Situation anders aus. Der „Staat“ kommt mit bis heute nicht abschließend geprüften Notfallimpfungen davon.

Egge940
13 Tage her

Wenn alles so offensichtlich ist, warum wird die Studie dann nicht einfach verlinkt? Angst, dass jemand nachschaut und die Studie kritisch bewertet, Herr Douglas?
„Efficient finite difference modeling of infrasound propagation in realistic
3D domains: Validation with wind turbine measurements“, Ken Mattsson a, b,∗ iD, Gustav Eriksson a , Leif Persson a , José Chilo b , Kourosh Tatar b

Und dass man in eine wissenschaftliche Studie die anektdotische „Evidenz“ zweiter Forscher einfließen lässt (die Autoren sind dazu noch völlig fachfremd was Medizin angeht) sagt eigentlich schon alles notwendige über die Facharbeit aus.

suesssauer
13 Tage her
Antworten an  Egge940

Ging doch in erster Linie um Infraschall und sekundär über Gesundheit (Medizin), oder? (Übrigends soll Lauterbach Mediziner sein aber kein Arzt.)

Ein Mensch
13 Tage her

Weiß eigentlich noch jemand seit wann wir über das massenhafte Sterben der Bienenvölker reden?