Freund und Helfer im Zweikampf

Nach acht Monaten ging der Dauerstreik der französischen Feuerwehrmänner mit einem Fanal zu Ende: Auf Selbstanzündungen folgten Handgemenge und Tränengas. Unwürdige Bilder für ein Frankreich im Aufruhr.

Jerome Gilles/NurPhoto via Getty Images

Es sind sehr merkwürdige, durchaus schockierende Bilder, die uns derzeit aus Paris erreichen. Behelmte Bereitschaftspolizisten gehen in den Nahkampf mit Feuerwehrmännern, auch sie in Helm und Uniform. Rauch liegt in der Luft, ein stab-artiges Objekt fliegt durch dieselbe.

Seit acht Monaten haben die wütenden Feuerwehrleute gestreikt, im Streit um eine bessere Bezahlung und günstigere Arbeitsbedingungen. So bemängelten sie insbesondere, dass ihre Gefahrenzulage seit 1990 nicht mehr angehoben wurde. Am Dienstag kam es zum Fanal: Einige der Brandschützer entzündeten ihre feuerfesten Uniformen, um sich kurz darauf von Kollegen löschen zu lassen. Ein sprechendes Bild: Die französische Feuerwehr, der öffentliche Dienst einer grandiosen Nation, steht in Flammen. Pompiers en colère.

Kurz darauf setzte die Pariser Polizei Tränengas ein, nachdem die Protestierenden sich in eine Nebenstraße absetzen wollten. Die Ereignisse fallen in eine Zeit, in der die französischen Sicherheitskräfte und hinter ihnen Staatspräsident Emmanuel Macron für ihren Umgang mit den Protesten von Gelbwesten und anderen in die Kritik geraten. Macron sagte nun, das »inakzeptable Verhalten« einiger Polizeibeamten gefährde die »Glaubwürdigkeit und Würde« der Sicherheitskräfte insgesamt. Daneben kritisierte er aber auch die von den Protestierenden ausgeübte Gewalt scharf; so seien Pflastersteine als Projektile auf die Polizei geschleudert worden.

Es geht freilich nicht um einige Polizisten, sondern um den Umgang der Republik mit schwer kontrollierbaren Protesten im allgemeinen. So nutzt die Polizei dort nach wie vor sogenannte Stingball-Granaten, die mit TNT und kleinen Gummibällen gefüllt sind und zusätzlich Tränengas enthalten. Durch sie sollen auch Feuerwehrleute verletzt worden sein. Allerdings erhält man nicht den Eindruck, dass die Republik auf den Einsatz dieser Mittel verzichten will.

Die Feuerwehrmänner stehen dabei keineswegs alleine da mit ihrem Protest. Zahlreiche andere öffentliche Bedienstetengruppen verlangen ebenso eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. Es sieht so aus, als könne der in die Bedrängnis gekommene französische Staat die Erwartungen der verschiedenen Klientele nicht mehr sämtlich erfüllen, als hätte sich hier ein Modell übernommen und erschöpft.

Zeigt sich hier »ein Nachgeben der öffentlichen Ordnung«?

Das Gegeneinander zweier »Freunde und Helfer« des Bürgers – Polizei und Feuerwehr – könnte symbolisch für diesen Ermattungszustand stehen. Auch die Polizisten selbst sind schon mehrmals auf die Straße gezogen, um ihre Unzufriedenheit kund zu machen. Würden derlei Proteste eskalieren, dann bliebe wohl nur noch die Armee, um der Unrast Einhalt zu gebieten. So fragt denn auch der »Figaro« mit Blick auf die jüngsten Ereignisse: »Diese Berufe sind die letzten Garanten der Sicherheit des Landes. Ist ihr Zusammenstoß ein Anzeichen für ein Nachgeben der öffentlichen Ordnung?« In ihrer Schlagzeile spitzt die konservative Tageszeitung den Begriff dann nochmals zum »Staatszerfall« zu.

Macron hat letztlich nicht mit Härte, sondern mit Zugeständnissen reagiert. So erhöhte er die Feuerzulage der Brandschützer von 19% auf 25% und zeigte sich gesprächsbereit in Sachen ihres vorgezogenen Renteneintritts. Solchen Erfolg können also ein paar brennende Feuerwehrmänner und all der Trubel haben. Acht Monate des nationalen Streiks sind so mit einem Schlag zu Ende gegangen. Dazu passt ein anderes Bild, das mehrere Feuerwehrleute auf der Figurengruppe »Triumph der Republik« auf der Place de la Nation zeigt, die brennenden Fackeln in der Hand. Durch das Feuer haben sie ihren Sieg über Macron errungen.

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Kommentare ( 25 )

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CIVIS
1 Jahr her

…und im deutschen Qualitätsfernsehen, ö.r. wie privat, herrschte mal wieder „dröhnendes Schweigen“ über die Pariser Straßenkämpfe „Polizei vs. Feuerwehr“.

…das könnte die deutsche Bevölkerung ja auch evtl. beunruhigen !

Ego Mio
1 Jahr her

Die Falle besteht in der überzogenen Staatsgläubigkeit bei gleichzeitigem Abbau von Wettbewerbsfähigkeit und Innovation. Der französische Staat beschäftigt viel zu viele Menschen und schädigt damit den freien Arbeitsmarkt. Wenn der Staat der Hauptarbeitgeber ist, kann man seine Erwartungen nur an diesen richten.
Macron, von dem ich sonst nicht viel halte, hat dies eigentlich erkannt. Leider funktioniert die französische(Privat-)Wirtschaft nicht gut genug, um Staatsbediensteten einen Wechsel zu ermöglichen. Seine Reformen kommen also zu früh.
Macron hat außerdem das Problem, dass er nur wirtschaftspolitisch konservativ denkt. Gesellschaftspolitisch handelt er weiter links. Dadurch kann er aber keine Unterstützung für sich generieren.

Julian Schneider
1 Jahr her

Das Chaos ist doch gewollt. Europa wird bewusst mit Migranten geflutet, die Sozialsysteme durch die Alimentation von Nicht-Einzahlern gesprengt. Die Gemengelage wird unübersichtlich, Gruppierungen kämpfen gegeneinander. Man kämpft ums Überleben – egal ob im sozialistischen oder konservativen bürgerlichen Lager. Die wenigsten begreifen freilich, dass sie Marionetten sind. Der Internationale Sozialismus will die demokratische, marktwirtschaftliche Gesellschaft ebenso zerstören wie Globalisten vom Schlage eines Soros. Darüberhinaus kommt die Zerstörung einem Islam zupass, der im Kampf um die Weltherrschaft endlich Morgenluft wittert.

Unterfranken-Pommer aus Bayern
1 Jahr her
Antworten an  Julian Schneider

Was mich interessiert…wird dieses „Schicksal“ irgendwann die osteuropäischen Länder, das Baltikum, Island treffen? Wenn man genau hinschaut, ist ja von Irland, Finnland, Bosnien bis Portugal immer mehr in Wallung. Selbst wenn die Illegalen dort ja vielleicht gar nicht hinmöchten. Auch die gerade gestern an der Grenze Serbien-Ungarn noch einmal Abgewehrten wollen samt und sonders weiter nach D-Land, und (fast) nirgendwo anders hin. Halten z. B. polnische Grenzschützer, so es die noch gibt (was ich nicht weiß), Syrer auf, die von Frankfurt/Oder nach Slubice rübermachen, um Zigaretten zurück nach Brandenburg zu schmuggeln? Wie kam diese irakische Familie über die Oder, um… Mehr

Julian Schneider
1 Jahr her

Mich würde auch die neue Weltordnung z.B. in 150 Jahren interessieren. Möglich wäre eine Trennungslinie zu den ehemaligen Ostblockstaaten. Westlich davon: ein muslimisch dominiertes Reich (das sich letztlich nicht lange mit den sozialistischen Traumtänzern aufgehalten hat). Östlich davon eine neue Sowjetunion. Denn die Ostblockstaaten werden sich nicht alleine gegen die islamische Dominanz wehren können und wieder unter die sowjetische Decke kriechen (müssen).

Unterfranken-Pommer aus Bayern
1 Jahr her
Antworten an  Julian Schneider

Werden wir so lange warten müssen? Ich ertappe mich häufig dabei, daß ich mir bewußt mache, ja, das passiert gerade alles. Und viel noch, was wir auch hier bei TE, auf der Achse, über EinzelfallInfos, NICHT mitbekommen? Was hat wer gegen „unsere“ „Politiker“ in der Hand, um die so gefügig zu machen? Oder braucht es das gar nicht? Ich verstehe dieses Land nicht, daß sich sie Hälfte der Zeit seit der Wiedervereinigung von dieser verf… ** (man möge sich hier die stärksten bayrischen Schimpfwörter denken) verarschen läßt, und dabei bis auf Ausnahmen nur müde die Augenbrauen hebt. Aber wie beim… Mehr

Paul Pimmel - der Herr des Kosmos
1 Jahr her

Solchen Zoff gab es in den letzten Tagen der DDR 1.0 nicht.

Boris G
1 Jahr her

Frankreich ist Deutschland wohl zehn bis zwanzig Jahre voraus, was den Marsch ins linke Chaos angeht.

NordChatte
1 Jahr her
Antworten an  Boris G

Wenn es hoch kommt, sind es höchstens nur 5 Jahre.

Gerro Medicus
1 Jahr her
Antworten an  Boris G

So optimistisch bin ich nicht. Das Merkel-Regime drängt doch überall auf Erhöhung des Tempos. Und wenn die Dummen rührig werden, dann wirds gefährlich!

Martin L
1 Jahr her

Ich kenne Frankreich nicht gut. Vielleicht sind dort die gesellschaftlichen Gepflogenheiten anders als hier? Ähnlich wie die Engländer für ihre steife Oberlippe, ihr Understatement und ihr „The Queen ist not amused.“ bekannt sind. Oder die Amerikaner immer alles toll finden und alles und alle lieben. Oder die Japaner immer „Hai“ sagen.
Vielleicht ist das in Frankreich eine Art Theaterstück, so dass beide Seiten sagen können: Wir haben das Äußerste versucht.
Vielleicht kann mir das ein „Frankreich-Kenner“ sagen?

cmh ungefragt
1 Jahr her

Man muss sich fragen, ob das der beginnende Bürgerkrieg ist – oder nur französische Folklore. Die Lösung Ludwigs XIV. oder Napoleons – mit den östlichen und/oder nördlichen Nachbarn zu keilen fällt wegen der EU leidergottseidank diesmal aus.

Sebastian L.
1 Jahr her
Antworten an  cmh ungefragt

Krawalle gehören zur französischen Folklore dazu, inkl. brennender Barrikaden und fliegender Steine. Die „Protestkultur“ ist dort sehr anders, das Erregungspotenzial hoch.

Und: Was meinen Sie, wird wohl bald in Lybien passieren?

Hannibal Murkle
1 Jahr her

@“Nach acht Monaten ging der Dauerstreik der französischen Feuerwehrmänner mit einem Fanal zu Ende: Auf Selbstanzündungen folgten Handgemenge und Tränengas. Unwürdige Bilder für ein Frankreich im Aufruhr.“

Vor ein paar Jahrzehnten wäre nach SOLCHEN Ereignissen der Staatspräsident zurückgetreten. Selbst Gomulka im kommunistisch regierten Polen ist nach den Unruhen 1970 gegangen. Heute leider nicht mehr – egal, was passiert, Macron klebt an seinem Posten wie Merkel.

Unterfranken-Pommer aus Bayern
1 Jahr her
Antworten an  Hannibal Murkle

In der heutigen Politik, hier wie dort, gilt doch:

Wer Verstand hat, hat keinen Anstand.
Wer Anstand hat, hat keinen Verstand.
Und wer beides hat, ist schlechterdings nicht zuständig.

Unterfranken-Pommer aus Bayern
1 Jahr her

Man sollte sich bewußt sein: in der heutigen Zeit ist die Polizei nicht (mehr) Dein Freund und Helfer. Weder in Frankreich, noch hier.

Gut, „wir“ Deutschen mögen ein anderes Temperament als die (romanischen) Franzosen haben, dennoch…im Zweifelsfalle, und es gibt GENÜGEND Präzedenzfälle dafür, wird sich die Polizei auf die Seite des Staates stellen und das „Volk“, bzw. alle, die nicht auf ihrer Seite/der Seite des Staates stehen, hemmungslos niederknüppeln. Man manche sich keine Illusionen…1989 war die Ausnahme.

Eine zynische Weltanschauung? Ich lasse mich sehr gerne eines besseren belehren…

Martin L
1 Jahr her

Ich glaube nicht, das die meisten Polizisten noch sehr viel Loyalität für diesen real existierenden Staat empfinden. Allerdings weiß ich nicht, für wen sie Loyalität empfinden. Und zuallererst denken sie sicherlich an ihr Gehalt und ihre Pension.

Teide
1 Jahr her
Antworten an  Martin L

Für den der die Pension bezahlt. Das ist immer der Staat.

Max Media
1 Jahr her

Dies Kritik an der Polizei kann ich nicht teilen.
Meiner Erfahrung nach sind die absolute Mehrheit der Beamten
gute und anständige Menschen.
Familienväter und Mütter, Söhne und Töchter in Uniform,
die aber irgendwann eben auch die Schnauze voll davon haben
immer die Bösen zu sein und den Kopf hinhalten zu müssen.

Wie ich finde: verständlich

Silverager
1 Jahr her

Ich kenne einige Polizisten. Die Jüngeren fragen sich heute, was zum Teufel sie geritten hat, zur Polizei zu gehen. Ob sie im Fall des Falles auf Seiten des Volkes oder auf Seiten eines unerbittliche Staates stehen würden, darüber kann ich nur spekulieren. Ich vermute allerdings, sie würden eher die Menschen schützen, denn den Staat.

H. Hoffmeister
1 Jahr her

Herr Nikolaidis,
Frankreich befindet sich wie fast alle westlichen Industrienationen in der „über die Verhältnisse leben“-Falle. Früher oder später funktioniert es nicht mehr. Das weltweite Gelddrucken der letzten Jahrzehnte kann inzwischen die marktwirtschaftlichen Verzerrungen durch die Politik, befeurt durch linksgrüne Medien, nicht mehr verdecken. Das Kaufen von Wählerstimmen durch Umverteilungsversprechen hat ein Ende, wenn die letzten wertschöpfenden Entitäten ausgesaugt sind. Passiert in ganz Europa zur Zeit.