Jusos werden nervös: Harte Kritik an abstürzender Parteiführung

Der Bundesvorsitzende der Jusos, Philipp Türmer, kritisiert die Parteispitze und warnt vor einer "Quasi-Revolution". Der Parteijugend ist die SPD noch nicht etatistisch genug: Sie fordert – wenig überraschend – ein dezidiert linkes Profil, um die SPD aus der Krise zu führen.

picture alliance / Chris Emil Janßen | Chris Emil Janssen

„Wir können nicht apathisch auf den Untergang warten“ – so attackiert Juso-Chef Philipp Türmer die SPD-Spitze. Im Interview mit der „Zeit“ warnt der Vorsitzende der SPD-Jugendorganisation die Co-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas auch vor einer „Quasi-Revolution“ in der Fraktion.

Die Partei müsse endlich zeigen, „dass sich etwas ändern wird“, fordert der Vorsitzende der jungen Sozialdemokraten. Die Wähler würden der SPD „seit Jahren in Scharen davonlaufen“. Bei aktuellen Umfragewerten von nur noch zwölf Prozent sei ein „Weiter wie bisher“ inakzeptabel.

Die Nervosität der Jusos ist durchaus verständlich: Nach dem enttäuschenden Ergebnis von 20,5 Prozent bei der Bundestagswahl 2017 schien 2021 mit 25,7 Prozent unter Olaf Scholz ein Wiedererstarken möglich. Doch der Höhenflug war rasch beendet: Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 stürzte die Partei auf historische 16,4 Prozent ab – das war ihr schlechtestes Ergebnis seit langem. Seither setzt sich der Sinkflug fort. In aktuellen Sonntagsfragen von Instituten wie Infratest dimap, Forsa und Ipsos pendelt die SPD zwischen 11 und 13 Prozent, während die AfD bei 21 bis 27 Prozent auf Platz 1 liegt, und die Union immerhin noch 23 Prozent schafft.

Philipp Türmer macht die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz für die Partei-Krise mitverantwortlich, die Stimmung erinnere ihn fatal an das Ende der Ampel-Regierung: Die Union inszeniere sich als Reformpartei, die SPD hingegen wirke „verzagt“ und begnüge sich damit, den Status quo zu verteidigen. „Es wäre jetzt mal an der Zeit zu zeigen, wie es gerechter und besser sein könnte“, kritisiert er. Der Spagat zwischen Regierungsverantwortung und Parteiprofil gelinge Klingbeil und Bas nicht. Über einen Führungswechsel werde bereits „an verschiedenen Stellen“ diskutiert, meint Türmer.

Beim Juso-Bundeskongress Ende November 2025 in Mannheim setzte es bereits Kritik an der Koalition, besonders an der geplanten Bürgergeld-Reform. NRW-Juso-Chefin Nina Gaedike nannte den Entwurf aus dem Haus von Arbeitsministerin Bas einen „Bullshit“ und „Drecksentwurf“. Bas räumte ein, die SPD sei in den vergangenen Jahren „zu langweilig“ gewesen – nicht inhaltlich, aber in der Art, wie sie Debatten führe. Eine langweilige Partei wolle niemand wählen. Dennoch verteidigte sie die Koalition: Schlimmeres sei verhindert worden, 84 Prozent der Mitglieder hätten dem Vertrag zugestimmt.

SPD-Vorsitzende sollen die Konsequenzen ziehen

Die Jusos fordern einen klar linken Kurs: mehr Investitionen in bezahlbaren Wohnraum, eine Übergewinnsteuer und spürbare Entlastungen für Normalverdiener. Nur so könne man die AfD stoppen und verlorenes Terrain zurückgewinnen, meint Türmer und hofft, dass die Vorsitzenden selbst die Konsequenzen ziehen, bevor der Druck sie dazu zwingt. Ein mögliches Szenario laut dem Juso-Chef: „Es kommt quasi zur Revolution.“ Ein Zündfunke dafür könnte ein schlechtes Abschneiden bei den Landtagswahlen im September sein.

Im Nachbarland Österreich ist die sozialdemokratische Partei in einer ähnlich dramatischen Krise: Parteichef und Vizekanzler Andreas Babler landet in den aktuellen Umfragen (Rohdaten der Lazarsfeld Gesellschaft für oe24) mit nur noch sieben Prozent auf dem letzten Platz in der Kanzlerfrage, sogar die Kandidatinnen der Grünen und der links-liberalen Kleinpartei NEOS haben ihn überholt. Und Herbert Kickl, der Parteichef der FPÖ, ist mit 36 Prozent an der Spitze.

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Kommentare ( 1 )

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humerd
56 Minuten her

er warf mal wieder mit den Schlagwort „Generationengerechtigkeit“ um sich. Kurz: spalten jung gegen alt. Oder auch: die Alten sollen das Wunschkonzert der Jusos finanzieren.