Der Grooming-Gang-Skandal holt Keir Starmer mit voller Wucht ein

Ein wieder viral gehender und sich stark verbreitender Clip aus 2022 unterstreicht abermals, was Briten von Keir Starmer halten: dieser sei ein Verräter und schütze Pädophile. Der Zorn richtet sich gegen seine Rolle in einem beispiellosen Staatsversagen, das Grooming-Gang-Opfer auslieferte und die Aufklärung zu den pakistanischen Tätergruppen verschleppte.

Screenprint via X
Ein Clip aus 2022 geht wieder viral

Der Clip, der jetzt wieder durchs Netz geht, zeigt keinen frischen Zwischenfall, sondern eine ältere Szene vom 7. Februar 2022. Starmer wird von umstehenden Menschen angebrüllt, als Verräter und „Pädophilenschützer“ markiert. Reuters hat später festgehalten, dass dieses Video irreführend als aktuelles Material herumgereicht wird. Ja, vielen Dank. Doch obwohl die Aufnahme alt ist, trifft ihre Wucht immer noch einen Nerv: Sie illustriert die aufbrandende Wut über die Rolle Keir Starmers bei der Vertuschung und Verschleppung des größten Massenmissbrauchskandals in der britischen Geschichte durch pakistanische Einwanderer.

Denn in der britischen Öffentlichkeit steht Starmer für viele nicht als Aufklärer dieses Skandals da, sondern als Mann eines Apparats, der bei den Grooming Gangs zu lange wegsah und die Wahrheit erst dann zuließ, als der Druck von außen nicht mehr auszuhalten war.

Der Kern des Problems liegt in Starmers Zeit als Director of Public Prosecutions von 2008 bis 2013. Gerade in diesen Jahren versagte der Staatsapparat in Fällen organisierter sexueller Ausbeutung von Mädchen auf erschütternde Weise. Der Fall Rochdale wurde zum Menetekel: Eine Anklage wurde zunächst nicht erhoben, weil man die Hauptzeugin für unglaubwürdig hielt. Erst nach Überprüfung durch Nazir Afzal wurde die Entscheidung gekippt. Öffentlich belegbar ist nicht, dass Starmer persönlich einzelne Verfahren blockierte. Politisch entlastet ihn das aber nicht. Wer an der Spitze einer Behörde steht, trägt Verantwortung für ihre Maßstäbe, ihre Blindstellen und ihr Versagen. Und diese Behörde versagte genau dort, wo ein Staat am härtesten hätte sein müssen: beim Schutz missbrauchter Kinder.

Hinzu kommt, dass die CPS ihre Leitlinien zum Umgang mit Opfern erst 2013 deutlich nachschärfte. Erst da wurde der Fokus stärker weg von vorschnellen Glaubwürdigkeitsurteilen über Opfer und stärker hin zur Gesamtwürdigung der Vorwürfe verschoben. Das war keine Heldentat, sondern ein spätes Eingeständnis, dass der Apparat zuvor in zentralen Punkten falsch dachte. Der Staat hatte nicht nur zu wenige Täter verfolgt. Er hatte auch ein Denken kultiviert, dem gemäß sich die ohnehin geschundenen Opfer Misstrauen und Verdächtigungen stellen mussten, bevor ihre Peiniger überhaupt ernsthaft ins Visier gerieten.

Als das Thema Anfang 2025 durch Äußerungen von Elon Musk und Joanne K. Rowling wieder in den Fokus rückte, reagierte Starmer nicht mit Demut und schonungsloser Offenheit, sondern mit Abwehr. Er erklärte, es brauche keine weitere Untersuchung, keine weitere Konsultation, keine weitere Forschung, sondern nur Taten. Gleichzeitig wetterte er gegen diejenigen, die online „Lügen“ und „Desinformation“ verbreiteten.

Genau darin lag der politische Offenbarungseid. Denn statt den Skandal in seiner ganzen historischen Schwere anzunehmen, versuchte Starmer zunächst, die Debatte zu disziplinieren und ihre schärfsten Fragen moralisch zu delegitimieren.

Erst unter wachsendem Druck brach diese Haltung zusammen. Im Juni 2025 folgte dann doch die Zusage zu einer nationalen Untersuchung. Kommentatoren von spiked online beschrieben das treffend als Kehrtwende eines Establishments, das die Untersuchung nie wirklich wollte. Auch der Telegraph berichtete, Starmer habe erst durch den Druck nachgegeben. Schadensbegrenzung vor Wahrheitssuche – und letztere erst, wenn es nicht mehr anders geht.

Rupert Lowe erhöht den Druck inzwischen weiter, auch deshalb, weil er sich nicht mehr auf das staatliche Ritual aus Ankündigung, Abwiegelung und später Verdunstung verlassen will. Während Labour die nationale Untersuchung immer weiter entkernt und selbst Opfer den Eindruck haben, dort eher ausgesiebt als angehört zu werden, hat Lowe eine eigene „Rape Gang Inquiry“ aufgesetzt. Das ist politisch brisant: Je sichtbarer eine parallele Untersuchung wird, desto schwerer kann Starmer so tun, als ließe sich das Thema wieder in Ausschüsse delegieren und durch Floskeln und verwaltete Betroffenheit abmildern. Ausgerechnet außerhalb des offiziellen Apparats werden nun die Fragen gestellt, die Westminster umgehen wollte.

Für Starmer ist das besonders gefährlich, weil Lowe den Skandal nicht nur parlamentarisch, sondern moralisch zuspitzt. Lowe selbst spricht nach der Konfrontation mit den Taten selbst von einer „lebensverändernden Erfahrung“ und davon, das ganze Ausmaß dieses Bösen zuvor nicht verstanden zu haben.

Genau daraus zieht er politische Energie. Während die offizielle Enquiry den Opfern nach deren eigener Wahrnehmung eher die Stimme nimmt, belegt Lowe öffentlich das Gegenteil: In seiner Untersuchung beginne ihre Beteiligung erst. Damit verschiebt sich das Kraftzentrum der Debatte weiter weg von Regierung und Behörden hin zu einer Gegenöffentlichkeit, die Starmer nicht mehr kontrollieren kann. Der angezählte Premier gerät damit in die Defensive als Gesicht eines Staates, der nur noch unter Zwang zur Wahrheit findet.

Dies wird noch verstärkt durch den Bericht von Baroness Casey vom Juni 2025: Eine Abrechnung mit Jahren des Wegsehens. Er belegt, wie Polizei, Behörden und Politik brisante Fragen systematisch umschifften: die Herkunft vieler Täter, kulturelle Motive und das eigene institutionelle Versagen. Statt Klartext gab es Ausflüchte, Beschwichtigungen und Verdrängung und wieder Verschleppung und damit Ermöglichung für eine Fortsetzung des Massenmissbrauchs an britischen Mädchen und Frauen durch pakistanische Täter.

Und selbst jetzt bleibt immer noch der Geruch der Verschleppung. Die endgültigen Terms of Reference der unabhängigen Untersuchung wurden erst am 31. März 2026 veröffentlicht; der formale Starttermin ist der 13. April 2026. Gleichzeitig berichteten britische Medien in den vergangenen Tagen, dass durch eine monatelange Verzögerung bei der Anweisung zur Sicherung von Akten Beweise verloren gegangen sein könnten. Mit anderen Worten: Während Westminster endlich das große Wort Aufklärung in den Mund nimmt, könnte der Staatsapparat bereits wieder Material verspielt haben, das diese Aufklärung überhaupt erst möglich machen würde. Auch das ist Teil des Skandals. Nicht nur das alte Wegsehen, sondern die neue Langsamkeit.

Hinzu kommen weitere Punkte, die den immer unbändigeren Zorn gegen Starmer in weiten Teilen der britischen Öffentlichkeit verschärfen und sich nun in dem erneuten Hochziehen und der Verbreitung der Clips aus 2022 entladen.

Anfang März trat er beim sogenannten „Big Iftar“ in Westminster Hall auf, also beim Fastenbrechen im Parlament, und überschüttete die muslimische Community mit demonstrativer Anerkennung. Er dankte britischen Muslimen für ihren Beitrag in „jeder Gemeinschaft in Großbritannien“ und sprach von einer „sehr schwierigen Zeit“ für Muslime im Land. Noch deutlicher wurde die Schlagseite seiner Botschaft dort, wo er britische Muslime als „das Gesicht des modernen Großbritannien“ und als „Erfolgsgeschichte der Vielfalt“ pries. Genau diese Wortwahl löste in Großbritannien sehr scharfe Reaktionen aus, weil sie wie eine demonstrative Verbeugung verstanden wird, die sie auch ist: hier die pathetische Huldigung einer Wählergruppe, dort die jahrelang verschleppte Aufarbeitung eines Skandals, in dem Herkunft, Milieu, Angst vor Rassismusvorwürfen und institutionelles Wegsehen eine zentrale Rolle spielen. Darin verdichtet sich das Verhalten Starmers: gegenüber muslimischen Milieus politisch auffallend vorsichtig, beschwichtigend und unterwürfig agierend – besonders dort, wo Härte, Klarheit und schonungslose Benennung fällig wären.

Gerade im Zusammenhang mit den Grooming Gangs ist das verheerend. Denn der Skandal bestand ja nicht nur aus den Taten selbst, sondern auch aus der Feigheit eines Staates, der aus Angst vor heiklen ethnischen und kulturellen Fragen zurückwich. Wenn Starmer dann bei einem hochsymbolischen Auftritt fast flehend um Nähe wirbt, über antimuslimischen Hass spricht und die Community als Vorbild des modernen Landes herausstellt, verstärkt das bei vielen Briten den Eindruck eines Premiers, der gegenüber genau diesem Feld nicht nüchtern, sondern politisch devot handelt. Das macht den Vorwurf der Vertuschung nicht allein aus. Aber es erklärt, warum ihm niemand seine Beteuerungen noch abnimmt.

Parallel dazu treibt Starmer politisch eine Linie voran, die seinen Unterwerfungskurs noch einmal zementiert. Seine Regierung hat eine neue Definition von „anti-muslimischer Feindseligkeit“ eingeführt, die nach Einschätzung zahlreicher Kritiker so vage gefasst ist, dass sie faktisch jede scharfe Kritik an Islam, islamischen Praktiken oder politischen Forderungen unter Verdacht stellen kann. Der Begriff „Feindseligkeit“ reicht von offener Ablehnung bis zu bloßem Widerspruch.

Die Konsequenz liegt auf der Hand. Wenn der Staat beginnt, eine Religion politisch besonders zu schützen und Kritik daran in Grauzonen zu drängen, verändert sich das Kräfteverhältnis in der öffentlichen Debatte. Selbst staatliche Berater warnen bereits, dass eine solche Regelung Diskussionen über Islamismus, Migration oder auch die Grooming-Gangs-Fälle erschweren oder faktisch unterbinden könnte. Das scheint das Ziel der Regierung Starmer zu sein. Genau hier schließt sich der Kreis: Ein politisches Umfeld, das Kritik vorsorglich verunmöglicht, begünstigt genau jene Blindstellen, die den Skandal überhaupt erst möglich gemacht haben.

Darum bleibt der wieder kursierende Clip politisch so zerstörerisch, obwohl er einige Jahre alt ist. Er zeigt weniger einen Moment als ein Urteil. Nicht das Urteil eines Gerichts, sondern das eines entsetzten Landes über einen Staat, der tausende Mädchen nicht schützte, ihre Peiniger zu lange walten ließ und Aufklärung der Verbrechen erst anging, als Leugnen unmöglich wurde. Starmer mag juristisch nicht der Mann jeder einzelnen Akte sein. Politisch ist er trotzdem einer der wichtigsten Namen und Gesichter dieses Versagens und des tiefen Verrats an den Bürgern Großbritanniens.

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