Trumps Zorn trifft Spanien: Neuer Handelskrieg droht

Bei seinem Treffen mit Deutschlands Kanzler Friedrich Merz im Weißen Haus drohte Donald Trump Spanien mit einem Handelsembargo: Bei den US-Aufmarschplänen im Krieg gegen den Iran hätte sich Spanien "schrecklich verhalten", sagte der US-Präsident. Merz schweigt dazu im Oval Office.

picture alliance / Sipa USA | SOPA Images

Trump erklärte vor den anwesenden Journalisten und in Gegenwart von Bundeskanzler Friedrich Merz, er habe seinen Finanzminister Scott Bessent angewiesen, sämtliche wirtschaftliche Vereinbarungen mit Spanien zu überprüfen und zu beenden. „Spanien hat sich schrecklich verhalten“, sagte dazu der US-Präsident. Wenn es nach ihm gehe, könne man „morgen oder sogar noch heute“ alle Geschäftsbeziehungen mit dem NATO-Land stoppen. Als mögliche Maßnahme nannte Trump ein vollständiges Handelsembargo gegen Spanien: „Wir werden jeglichen Handel mit Spanien beenden. Wir wollen mit Spanien nichts mehr zu tun haben.“

Merz schwieg angesichts des Ausbruchs und in den Reaktionen zu seiner Trump-Reise. Das macht deutlich: Trump behandelt die europäischen Staaten wieder als Einzelteile, nicht im Rahmen der EU.

Der Auslöser der ungewöhnlich scharfen Reaktion: Die spanische Regierung hatte den Vereinigten Staaten zuvor untersagt, bei möglichen Angriffen gegen den Iran Militärstützpunkte auf spanischem Boden zu nutzen. Konkret geht es um die Basen Rota und Morón de la Frontera in Andalusien. Beide Einrichtungen werden seit Jahrzehnten von den USA und Spanien gemeinsam betrieben und gelten als strategisch wichtige Standorte für alle US-Streitkräfte im Mittelmeerraum.

Madrid hatte jedoch deutlich gemacht, dass diese Stützpunkte nicht für aktuelle militärische Operationen gegen den Iran zur Verfügung stehen würden. Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles erklärte, die Regierung werde eine Nutzung der Basen „auf keinen Fall“ erlauben – weder für die derzeitigen Angriffe noch für mögliche künftige Einsätze. Sie begründete die Entscheidung unter anderem damit, dass das Vorgehen der USA und Israels gegen den Iran aus Sicht Spaniens nicht durch eine entsprechende Resolution der Vereinten Nationen gedeckt sei.

Trump reagierte darauf mit scharfer Kritik: Im Oval Office zeigte er kein Verständnis für die Position der spanischen Regierung. „Sie sagen, wir könnten ihre Stützpunkte nicht nutzen“, sagte der Präsident. Und: „Wenn wir wollten, könnten wir einfach dorthin fliegen und sie benutzen.“ Niemand werde den Vereinigten Staaten verbieten, militärische Einrichtungen zu nutzen, die für die Sicherheit des Westens wichtig seien.

Der US-Präsident nutzte die Gelegenheit auch, um die politische Führung in Madrid frontal anzugreifen: Spanien habe zwar „großartige Menschen“, sagte Trump, aber „keine großartigen Anführer“. Zudem kritisierte er erneut die spanische Haltung zu den Verteidigungsausgaben innerhalb der NATO. Beim jüngsten Bündnisgipfel in den Niederlanden hatten sich die Mitgliedstaaten grundsätzlich darauf verständigt, ihre Verteidigungsausgaben langfristig auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Spanien zählt zu den Ländern, die dieses Ziel bislang nicht unterstützen.
Spanien sei „sehr, sehr unkooperativ“

Trump bezeichnete Madrid daher als „sehr, sehr unkooperativ“. Bundeskanzler Friedrich Merz, der bei dem Treffen neben dem US-Präsidenten saß, erklärte seinerseits, man müsse Spanien davon überzeugen, sich ebenfalls stärker an die gemeinsamen NATO-Vereinbarungen zu halten.

Die spanische Regierung reagierte später mit einer diplomatisch formulierten, aber klaren Stellungnahme. Drohungen mit einem Abbruch der Handelsbeziehungen seien nicht einseitig umsetzbar, erklärte Madrid. Sollte die US-Regierung bestehende Wirtschaftsvereinbarungen überprüfen wollen, müsse sie dabei internationales Recht, bestehende Abkommen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten sowie die Autonomie privater Unternehmen respektieren.
Zugleich betonte die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez, Spanien bleibe weiterhin dem freien Handel und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit verpflichtet. Ziel müsse es sein, Wohlstand zu fördern und Konflikte zu vermeiden. „Die Bürger erwarten mehr wirtschaftliche Entwicklung – nicht neue Probleme“, hieß es aus Madrid.

Ob die von Trump angedrohten Maßnahmen tatsächlich verwirklicht werden, ist unklar. Beobachter gehen davon aus, dass ein vollständiges Handelsembargo gegen ein EU-Mitglied erhebliche wirtschaftliche und diplomatische Folgen hätte und möglicherweise auch innerhalb der NATO für Spannungen sorgte.

Aber klar ist: die EU zerbricht an sich selbst. In einer geeinten EU hätte Merz widersprechen müssen. Aber das hat er nicht getan. Die EU ist damit als Verhandlungspartner der USA degradiert bis zur Bedeutungslosigkeit.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 104 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

104 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Blauracke
8 Tage her

Logo. Die haben ja auch eine Frau als Verteidigungsminister. Kommt mir bekannt vor. Die Quote. Quality is a myth…

Kassandra
9 Tage her

Vielleicht das Spaniendebakel auf einen Nenner gebracht, denn sowohl aus Venezuela als auch aus dem Iran sollen spanische Linke finanziert sein – und die sind nun beide nicht mehr in der Lage, weitere Gelder zu transferieren:
2 dictators in 2 months   
https://x.com/TheRabbitHole/status/2027846033166991523

Paprikakartoffel
9 Tage her

Islamisteneinbürgerer und Israelfeinde – die spanische Linke kassuert, wonach ihre Politik schreit.

Kassandra
9 Tage her
Antworten an  Paprikakartoffel

Das müsste man jetzt natürlich nachprüfen – ob die Spanier wirklich Richtung Iran lieferten:
Spain sold Iran detonators, type A, B and E explosives, laboratory reagents and control software.
This is Spain’s PM „neutrality“ and „rejection“ of the Iran regime. https://x.com/WallStreetMav/status/2029188212426408307
*Spanien verkaufte dem Iran Zünder, Sprengstoffe der Typen A, B und E, Laborreagenzien und Steuerungssoftware.
Dies ist die „Neutralität“ und „Ablehnung“ des spanischen Premierministers gegenüber dem iranischen Regime.

Martin Mueller
9 Tage her

Auf Sozialisten kann sich die westliche Zivilisation nicht verlassen. Die hassen nicht nur die eigene Bevölkerung, sondern alles, was die erfolgreiche westliche Kultur ausmacht.

Trump sollte ihnen das Licht abknispsen…

Marcel Seiler
9 Tage her

Spaniens Regierung ist so links und einwanderungsfreundlich, dass sie jede Gemeinsamkeit in der EU bedroht. Diese Regierung kann man nicht verteidigen. Es ist richtig, dass Herr Merz das nicht versucht hat.

Wäre Spanien ohne EU auf sich selbst gestellt, könnte es seine Politik nicht betreiben. Das ist das EU-Problem: Durch Versprechen von Finanzmitteln für diejenigen, die ihr Geld verplempern, durch Versprechen von Sicherheit für die, die ihre eigene Sicherheit gefährden, durch die innereuropäische Grenzoffenheit, die garantiert, dass sich die Kosten ungeschützter Grenzen auf ganz Europa verteilen, lädt die EU zu Trittbrettfahrerei ein. Spanien ist ein extremes Beispiel.

Martin Mueller
9 Tage her
Antworten an  Marcel Seiler

Sie stellen sich sogar offen gegen die eigene Bevölkerung.

bfwied
9 Tage her

Sozialismus und Terrorismus gehörten immer zusammen, weil der Sozialismus gegen die Freiheit ist. Oder war die Mauer mit ihren Toten, die Stasi kein Terror? Stalin, Mao, Pol Pot keine Terroristen mit ihren über 100 Mio. Toten im Zuge der inländischen Durchsetzung des Sozialismus? Nordkorea, Venezuela, haben die keine Terrortoten auf dem nicht vorhandenem Gewissen?
Der Islam ist ähnlich, denn er beruht auf Zwang, auf totaler Beherrschung und Verachtung der Nichtmuslime. Strikte Moslems und Sozialisten lieben sich instinktiv, jedenfalls so lange, bis sie einander nicht mehr brauchen!

Haeretiker
9 Tage her

„Merz schweigt dazu im Oval Office.“

Ja was soll er auch sagen? Er hat ja kein Widerspruchsrecht, im Gegensatz zum spanischen Premier.

Kassandra
9 Tage her
Antworten an  Haeretiker

Zu:
‚You don’t have the cards’wird es 1 Merz nicht kommen lassen – wiewohl er keine hat: https://www.youtube.com/watch?v=bCFMEoRCmEY
.
Er ist eher einer, der hinten herum agiert – was man hinsichtlich der von den USA in die Wege geleiteten Friedensverhandlungen gut erkennen konnte.
.
Schon damals erklärte Trump, dass die Ukraine den Krieg nicht gewinnen würde.

Haeretiker
9 Tage her
Antworten an  Kassandra

Das hindert ihn aber nicht, den Merz aufzuhalten auf seinem Weg in den Orkus.

Ich will Frieden
9 Tage her

Mal ehrlich, die Entscheidung der spanischen Regierung, die Nutzung der amerikanischen Stützpunkte auf spanischen Boden für Einsätze gegen den Iran zu „untersagen“ ist doch nur Amateurtheater. Wer würde denn in Europa, wenn die Amerikaner – trotz „Untersagung“ (hohoho!) – trotzdem die dort vorhandene Logistik-Infrastruktur für Waffen, Munition, Treibstoff usw nutzen würden, gegen die Amerikaner vorgehen wollen? An alle, die es noch nicht kapiert haben: Die regelbasierte Weltordnung funktioniert nur solange es den wirklich Mächtigen in den Kram paßt. Diese Zeiten sind vorbei: Jetzt gilt wieder das Recht des Stärkeren, wie zu Urzeiten der Menschheit! Egal ob ich dabei an Xi… Mehr

Kassandra
9 Tage her
Antworten an  Ich will Frieden

Trump on Spain: “Spain said we can’t use their bases…
We can use their bases.
If we want we can just fly in and use it.
Nobody’s gonna tell us not to use it.”
“We’re gonna cut off all trade with Spain, we don’t want anything to do with Spain.“   https://x.com/libsoftiktok/status/2028891548515971411
.
Denken wir lieber mal ganz konkret an uns. Da muss man injiziert werden – und eben hatte ich gerade ein nettes Gespräch im Supermarkt über implantierte Bezahltchips – wobei ich im Kassierer einen vollkommen unerwarteten Regimegegner erkennen konnte. Mit Hintergrundwissen. So was macht meinen Tag!
 

Zebra
9 Tage her

Immer wieder schön, zu sehen, wie die Wirklichkeit aussieht: Durch die Nebel des allgemeinen EU- und Politikgeschwafels sieht man klar, daß die einzelnen europäischen Staaten Kolonien der USA sind und die EU ein machtloses aber bürokratisches Monster ist.

BKF
9 Tage her
Antworten an  Zebra

„… und die EU ein machtloses aber bürokratisches Monster ist.“ Aber Deutschland wird super eingehegt dadurch + die Einhegung durch die NATO („keep the Russians out, keep the Americans in, keep the Germans down“, erster NATO-Generalsekretär Lord Ismay).

Kassandra
9 Tage her
Antworten an  Zebra

Sieht das nicht nur so aus, weil die Politiker in der EU wie in fast allen Staaten der EU, außer die im Osten vormals hinter dem „Eisernen Vorhang“ handeln wie Idioten wider jegliche Vernunft – und in den USA mit solchen gar nicht mehr verhandelt werden will?
Trump erklärte jetzt wieder, dass „wir“ hinsichtlich Engergie und Migration auf dem falschen Dampfer fahren – und es gibt hier keine Anstalten, die Umkehr einzuleiten.
Spanien momentan allen voraus – wobei wir auch bei uns nicht wissen, wie viele deutsche Pässe inzwischen unwürdig vergeben werden und wie viele Einreisen heute zu verbuchen sind.

yeager
9 Tage her

Warum hätte sich Merz hinter Spaniens Regierung stellen „müssen“? Letztlich war die Weigerung Spaniens die USA die Stützpunkte nutzen zu lassen ja auch nicht innerhalb der EU oder mit Deutschland abgesprochen.
Wenn ein EU-Land außenpolitische Alleingänge macht, dann gibt es keine Verpflichtung anderer EU-Staaten die Konsequenzen mitzutragen.
Nebenbei kam das ja auch überraschend, und ob und wie man da reagiert sollte vielleicht erst mal überlegt werden.