ABB-Chef Morten Wierod warnt vor Massenarbeitslosigkeit in Europa und zweifelt an der Reformfähigkeit der deutschen Politik. Den Atomausstieg nennt er einen schweren Fehler. Während Berlin weiter Zeit verspielt, gehen Investitionen und Arbeitsplätze verloren.
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Der Vorstandschef des Schweizer Industriekonzerns ABB, Morten Wierod, warnt vor einer drohenden Massenarbeitslosigkeit in Europa und rechnet scharf mit der deutschen Energie- und Wirtschaftspolitik ab. Im Interview mit der Welt am Sonntag vom 1. November bezeichnet er den deutschen Atomausstieg als schweren Fehler und äußert erhebliche Zweifel daran, dass die Bundesregierung dringend notwendige Wirtschaftsreformen überhaupt noch rechtzeitig durchsetzen könnte, selbst, wenn sie wollte. Auf die Frage nach der Gefahr einer Massenarbeitslosigkeit antwortet der Manager unmissverständlich: „Die Gefahr besteht.“
Das ist eine Warnung aus der Führungsetage eines der weltweit bedeutendsten Industriekonzerne; sie trifft auf ein Land, dessen politische Führung seit Jahren einen beispiellosen wirtschaftspolitischen Selbstversuch betreibt: Deutschland verteuert systematisch die Voraussetzungen seiner eigenen industriellen Existenz und nimmt die Abwanderung von Investitionen billigend in Kauf, Stichwort Degrowth. Was internationale Unternehmen längst bei ihren Standortentscheidungen berücksichtigen, wird in Berlin noch immer mit Energiewende-Parolen und Subventionsversprechen zugedeckt.
Wierod spricht den deutschen Politikern inzwischen sogar die Fähigkeit ab, ihre selbst verschuldeten Standortprobleme mit der gebotenen Geschwindigkeit überhaupt noch zu beheben. „Ich zweifle eher an der Fähigkeit, die notwendigen Maßnahmen tatsächlich mit Tempo durchzusetzen“, erklärt er. Die Schwierigkeiten seien bekannt. „Die Herausforderung liegt in der Umsetzung.“
Das ist auch die vernichtende wirtschaftspolitische Bilanz der Bundesregierung unter Friedrich Merz. Der Kanzler versprach eine grundlegende Wende, als Deutschland bereits tief in der industriellen Krise steckte. Inzwischen ist die nächste Runde von Beschwichtigungen und Förderprogrammen eröffnet. Die wirtschaftsfeindlichen Strukturen, die von den Regierungen Merkel und Scholz geschaffen oder weiter ausgebaut wurden, bleiben im Wesentlichen bestehen. Der dringend notwendige Kurswechsel wird immer wieder angekündigt, bleibt aber aus, wird verschleppt.
Merkel beschloss den Ausstieg, Habeck vollendete ihn
Besonders vernichtend fällt Wierods Urteil über die deutsche Energiepolitik aus. „Die vorschnelle Abschaltung der Kernkraftwerke war ein Fehler“, erklärt der ABB-Chef. Angela Merkel hatte nach Fukushima 2011 den beschleunigten Atomausstieg durchgesetzt. Unter dem grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck wurden am 15. April 2023 mit Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 dann die letzten drei deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet. Inzwischen schreitet der Rückbau voran. Was über Jahrzehnte mit gewaltigem technischem und finanziellem Aufwand aufgebaut worden war, wird in kurzem Zeitraum unwiederbringlich zerstört.
Und das in einem Land, dessen Regierung gleichzeitig eine massive Elektrifizierung von Verkehr und industriellen Produktionsprozessen erzwingen will. Hinzu kommt der sprunghaft wachsende Strombedarf von Rechenzentren und Anwendungen künstlicher Intelligenz. Die politische Führung verlangt einen immer höheren Stromverbrauch und hat die zuverlässigste und günstigste Form der Stromerzeugung aus dem eigenen Energiesystem verbannt. Dieser völlige Irrweg wurde über Jahre als historische Großtat gefeiert. Die Grünen erhoben den Atomausstieg zum ideologischen Glaubenssatz, die Union machte unter Merkel die entscheidenden politischen Zugeständnisse und trug den beschleunigten Ausstieg mit. Friedrich Merz erweist sich auch hierbei als Komplettausfall.
Die Rechnung für diesen kollektiven politischen Größenwahn wird nun der Industrie präsentiert. Unternehmen brauchen Strom zu Preisen, mit denen sie auf den Weltmärkten bestehen können. Die politischen Architekten der Energiewende haben Deutschland dagegen in eine Lage gebracht, in der der Staat mit Milliardenhilfen gegen die Kosten eines von ihm selbst maßgeblich geprägten Energiesystems ankämpfen muss.
Wie absurd diese Entwicklung geworden ist, zeigt das Ausland, das Atomkraft hochfährt. Auch Wierods Hinweis auf kleine modulare Kernreaktoren, sogenannte Small Modular Reactors, ist wichtig. Sie könnten künftig direkt Industrieanlagen und Rechenzentren mit Energie versorgen. International wird stark an dieser Technologie gearbeitet, erste Projekte befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungs- und Umsetzungsphasen.
Die Energiewende frisst die Wettbewerbsfähigkeit
Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, wie teuer die deutsche Energieversorgung für die Unternehmen weiterhin ist. Im ersten Halbjahr 2026 kostete Strom für gewerbliche Kunden durchschnittlich 17,64 Cent je Kilowattstunde. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 entspricht das einem Anstieg um 18,4 Prozent. Selbst die jüngsten Preisrückgänge konnten diese Verteuerung bislang bei weitem nicht ausgleichen.
Noch härter trifft es besonders große Stromverbraucher. Unternehmen mit einem jährlichen Bedarf von mehr als 150.000 Megawattstunden mussten durchschnittlich 12,67 Cent je Kilowattstunde bezahlen. Das waren 43,7 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Bei den Gaspreisen fällt die Entwicklung noch verheerender aus. Für Nicht-Haushaltskunden lagen die durchschnittlichen Preise im ersten Halbjahr 2026 um 106,2 Prozent über dem Niveau des ersten Halbjahres 2021.
Solche Zahlen sind für energieintensive Betriebe existenzielle Standortfaktoren. Bei Investitionen in neue Produktionsanlagen müssen Unternehmen ihre Energiekosten über viele Jahre kalkulieren. Ein Staat, der seine industrielle Energieversorgung zum Gegenstand ideologischer Experimente gemacht hat, darf sich über schwindendes Vertrauen internationaler Investoren kaum wundern. Die Bundesregierung begegnet den Folgen inzwischen mit einem staatlich geförderten Industriestrompreis für besonders energieintensive Betriebe. Die erforderlichen Hilfen werden aus öffentlichen Mitteln finanziert. Bezahlen müssen dafür letztlich wieder die Steuerzahler.
Das ist der wirtschaftspolitische Offenbarungseid der deutschen Energiewende: Erst werden die Wettbewerbsbedingungen durch politische Eingriffe verschlechtert, dann werden neue Förderprogramme aus dem Boden gestampft, mit denen die Regierung einen Teil der angerichteten Schäden abfedern will. Die Verteilung der Hilfen entscheidet darüber, welche Unternehmen Entlastungen erhalten und welche weiterhin die vollen Standortkosten tragen müssen. Der weit überwiegende Teil der Betriebe verfügt über keine politischen Sonderzugänge und erfüllt die Voraussetzungen der milliardenschweren Förderprogramme nicht. Sie müssen ihre Produkte trotzdem gegen Konkurrenten aus Ländern anbieten, deren Regierungen eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung noch immer als wirtschaftspolitische Grundvoraussetzung betrachten.
Brüssels Bürokratiemonster stranguliert Europas Industrie zusätzlich
Wierods Kritik reicht dann auch weit über die wahnwitzige und suizidale Energiepolitik hinaus. Europa habe sich zu sehr auf Regulierung konzentriert und die Entwicklung seiner Märkte vernachlässigt. Unternehmen investieren nach seiner Einschätzung dort, wo sie langfristig wachsende Nachfrage erwarten können. Die USA und asiatische Volkswirtschaften haben Europa beim Wachstum über Jahre hinter sich gelassen. Brüssel hat darauf eine geradezu geisteskranke Antwort gefunden. Die EU produziert weiterhin Vorschriften, die tief in unternehmerische Entscheidungen eingreifen und einen immer größeren Teil der betrieblichen Ressourcen binden. Für die Umsetzung dieser Vorgaben müssen Unternehmen Personal und Kapital einsetzen, das ihnen andernorts für produktive Investitionen fehlt.
Die europäische Monster-Bürokratie hat sich zu einer wirtschaftlichen Belastung entwickelt, die von ihren politischen Verursachern noch immer als Ausdruck besonders fortschrittlicher Regierungsführung verkauft wird. Die EU-Kommission verspricht inzwischen regelmäßig Bürokratieabbau, nachdem sie den Unternehmen über Jahre neue Verpflichtungen auferlegt hat. Der Regulierungsapparat soll seine eigene Übergriffigkeit korrigiere und sattelt doch immer nur weiter obendrauf.
144.100 Industriearbeitsplätze in einem Jahr verloren
Wie ernst die Lage ist, zeigen die jüngsten Arbeitsmarktdaten. Ende Oktober meldete die Bundesagentur für Arbeit 2,955 Millionen Arbeitslose. Das waren 44.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,3 Prozent, und die übliche Herbstbelebung fiel ausgesprochen schwach aus. Saisonbereinigt nahm die Arbeitslosigkeit gegenüber September sogar wieder zu.
Absolut dramatisch ist der Beschäftigungsabbau im Verarbeitenden Gewerbe. Binnen eines Jahres bis Ende Juni 2026 gingen dort nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 144.100 Arbeitsplätze verloren. Das entspricht einem Rückgang um 2,7 Prozent. Allein die Automobilindustrie beschäftigte 42.300 Menschen weniger als im Vorjahr. Mit nur noch 691.500 Beschäftigten fiel die Branche auf den niedrigsten Stand seit 2005. Eine der wichtigsten Säulen des deutschen Wohlstands verliert in erschreckendem Tempo jegliche Substanz.
Wenn eine Industrienation innerhalb eines einzigen Jahres mehr als 140.000 Stellen in ihrem produzierenden Gewerbe verliert, wird die Grundlage ihres künftigen Wohlstands frontal und nachhaltig angegriffen. Hinter diesen Zahlen stehen Facharbeiter, deren Qualifikationen über Jahrzehnte aufgebaut wurden, und ganze Regionen, deren wirtschaftliche Existenz von industrieller Wertschöpfung abhängt.
Eine Entwarnung ist ebenfalls nicht in Sicht. Nach dem Beschäftigungsbarometer des ifo Instituts vom 28. Oktober planen die Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe weiterhin mit weniger Personal. Besonders die Automobilindustrie will weitere Stellen abbauen. Zuletzt hatte die Industrie Anfang 2023 in den ifo-Umfragen einen Beschäftigungsaufbau vorgesehen.
Deutschland als absolut abschreckendes Beispiel für Investoren
Die Bundespolitik begleitet diesen Niedergang mit einer irrationalen Mischung aus Selbstzufriedenheit und wirtschaftspolitischer Realitätsverweigerung. Gelegentlich besser zurechtgeschriebene Stimmungsindikatoren, die nach genauer Ansicht gleich wieder wie ein Soufflé in sich zusammenfallen, werden als Zeichen des erhofften Aufschwungs präsentiert. Derweil verschwinden weiter und weiter industrielle Arbeitsplätze, und internationale Konzerne wägen ab, ob sie ihre nächsten Investitionen lieber außerhalb Deutschlands tätigen.
Die Arbeitsplätze, die heute verloren gehen, hinterlassen langfristige Schäden. Geschlossene Standorte werden nicht wieder aufgebaut. Auch industrielle Lieferketten verlagern sich. Mit jedem größeren Produktionsverlust gerät wieder ein Stück jenes wirtschaftlichen Gefüges unter Druck, von dem die Finanzierung des deutschen Sozialstaates abhängt.
Bereits im Juni hatte Wierod in der *Financial Times* eindringlich vor Massenarbeitslosigkeit gewarnt und die Abschaffung überflüssiger EU-Regeln verlangt. Vier Monate später fällt sein Urteil über die deutsche Reformfähigkeit noch skeptischer aus. Die Konsequenzen versäumter Entscheidungen beschreibt er in seinem aktuellen Interview mit einem Satz, den sich Friedrich Merz und seine Wirtschaftsministerin Katherina Reiche über jeden Schreibtisch hängen sollten: „Dann ist die Entscheidung längst gefallen.“


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Sie wollen Krieg. Egal, was für einen. Ob Krieg mit Rußland oder Bürgerkrieg; Hauptsache die Leute gegeneinander aufgewiegelt. Dieses Regime ist eine Bande von Verbrechern (Zitat: Dr. Markus Krall) und ich hoffe und bete, daß ich es noch erlebe, daß diese Leute ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.
Seit 15 Jahren das gleiche Gejammer. Das ist Sabotage, nichts anderes. Und immer und immer wieder gewählt. Welche Massnahmen?
Das Problem ist doch in der Breite nicht angekommen.
Licht aus.
Diese Industrie-Konzerne haben fast alle diesen ReGIERungen applaudiert und jetzt? Wenn es schon Konzernen „schlecht“ geht, dann Handwerk, Selbstständigen, Freiberuflern und Gewerbetreibenden erst recht. Die dort weggefallenen Jobs und Minijobs werden gar nicht gezählt.
Das wird nichts mehr mit den Blockparteien, sie können es nicht.